Medizin Online -> Anatomie Lexikon   ->  Kniegelenk




Kniegelenk

Synonyme

Articulatio genus, Knie, Oberschenkelrolle, Schienbeinkopf, Gelenk, Femur, Tibia, Fibula, Kniescheibe, Meniskus, Kreuzbänder, vorderes Kreuzband, hinteres Kreuzband, Seitenbänder, Innenband, Außenband

Anatomie

Das Kniegelenk ist das größte und am meisten beanspruchte Gelenk des menschlichen Körpers. Dementsprechend ist das Knie auch das am häufigsten verletzte Gelenk.

Beim Kniegelenk handelt es sich um ein so genanntes Drehscharniergelenk. Das bedeutet, daß das Kniegelenk sowohl gebeugt, als auch gedreht werden kann

Das Kniegelenk wird aus drei Knochen gebildet, dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia) und der Kniescheibe (Patella). Das Wadenbein (Fibula) ist nicht am Kniegelenk beteiligt.


Anatomie Kniegelenk

  1. Oberschenkelmuskulatur (Musculsus quadriceps femoris)
  2. Oberschenkelknochen (Femur)
  3. Oberschenkelsehne (Quadricepssehne)
  4. Kniescheibe (Patella)
  5. Kniescheibensehne (Patellasehne)
  6. Kniescheibensehnenan satz (Tuberositas tibiae)
  7. Schienbein (Tibia)
  8. Wadenbein (Fibula)


Das Kniegelenk wird in zwei Untergelenke differenziert:

Das Oberschenkel – Schienbein – Gelenk
Das Gelenk wird vom Oberschenkelknochen mit seinen zwei Gelenkköpfen (mediale und laterale Femurkondyle) und dem Schienbienplateau (Tibiaplateau) gebildet. Die runden Oberschenkelköpfe liegen dabei in den kleinen Mulden des Schienbeinplateaus (Fossa intercondylaris). Das Verhältnis der Gelenkfläche von Oberschenkel zu Schienbein beträgt dabei etwa 3:1.

Da nur ein punktförmiger Kontakt zwischen Oberschenkel und Schienbein besteht kommt es bei der Beugung des Kniegelenkes zu einer Rollgleitbewegung.


Das Oberschenkel – Kniescheiben – Gelenk
Die Kniescheibe gleitet beim beugen durch eine vorgegebene Gleitbahn zwischen den Oberschenkelknochenköpfen (Femurkondylen). Insgesamt kann die Kniescheibe so zwischen 5 – 10 cm gleiten. Um diese Strecke zurücklegen zu können, sind größerer Gleitschichten notwendig. Dafür bilden zwei Schleimbeutel (Bursa praepatellaris und Bursa infrapatellaris) zwei große Gleitspalten. An der Kniescheibe (Patella) setzt von oben die große Oberschenkelmuskulatur (Musculus quadrices femoris) an. Die Kraft dieser Muskulatur wird über die Kniescheibe (Patella) auf den Unterschenkel umgeleitet. Am unteren Kniescheibenpol setzt die Kniescheibensehne (Patellarsehne) an, die zur vorderen Schienbeinkante zieht und an einem Knochenvorsprung (Apophyse = Tuberositas tibiae) sich mit dem Schienbein verbindet.

Um den Oberschenkel in der kleinen Pfanne des Schienbeins (Fossa intercondylaris) zu stabilisieren, gibt es verschiedene Kniestabilisatoren:

Die Menisci (Mehrzahl vom Meniskus) helfen bei der Kraftübertragung von Oberschenkel auf den Unterschenkel. Da der Oberschenkelkopf rund ist und das Schienbeinplateau nahezu gerade kommt es nur zu einem punktförmigen Kontakt. Um die Auflageflächen zu vergrößern, gibt es den Innenmeniskus und den Außenmeniskus. Sie sind an der Inne- und Außenseite als eine Art Stoßdämpfer eingeschoben und helfen die Kraft gleichmäßiger zu verteilen. Mehr hierzu finden Sie in unserem Artikeln Meniskus und Meniskusläsion (Meniskusschaden).

Die Kreuzbänder verhindern ein gleiten der Oberschenkelköpfe gegenüber dem Schienbein nach vorne (vorderes Kreuzband) bzw. nach hinten (hinteres Kreuzband). Sie sind die entscheidenden Stabilisatoren des Kniegelenkes.

Die Seitenbänder stabilisieren in seitlicher Richtung, damit ein Wegknicken des Kniegelenkes in eine O-Bein- oder X-Beinfehlstellung verhindert wird. Das Innenband ist fest mit dem Innenmeniskus verwachsen, daher ist der Innenmeniskus unbeweglicher als der Außenmeniskus.

Die Gelenkkapsel vom Kniegelenk ist bei voller Streckung stark angespannt und stabilisiert. Mit zunehmender Beugung erschlafft sie und die restlichen Stabilisatoren müssen die Aufgaben übernehmen.

>

Abbildung Kreuzbänder

  1. Oberschenkelknochen (Femur)I
  2. Innenmeniskus
  3. vorderes Kreuzband (VKB)
  4. Schienbein (Tibia)
  5. Außenemeniskus

Funktion

Im Normalfall kann das Knie bis 120 – 150° gebeugt und je nach Bandapparat ca. 5 – 10° überstreckt werden. Bei 90° Beugung kann das Knie ungefähr 40° außenrotiert und 10 - 20° innenrotiert werden.

Das Kniegelenk muß die gesamte Last des Rumpfes auf den Unterschenkel (Schienbein = Tibia) weiterleiten.

Röntgenbild Kniegelenk

von vorne (a.p.) aufgenommen

  1. Kniescheibe (Patella)
  2. Wadenbein (Fibula)
  3. Oberschenkelknochen (Femur)
  4. Schienbein (Tibia)

Erkrankungen

Kein Gelenk des menschlichen Körpers kennt mehr Verletzungen als das Kniegelenk.

Kniegelenksarthrose

Die häufigste Erkrankung des Kniegelenkes ist die Kniegelenksarthrose. Dabei kommt es zu einem Schaden der Knorpelgleitschicht des Kniegelenkes. Folgen können Entzündung, Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Instabilität sein.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema:

Menisukus und Meniskusriss 

Neben dem Knorpelschadens kommen insbesondere mit zunehmenden Alter Risse des Meniskus häufiger vor. Aufgrund der fehlenden Heilungspotenz des Meniskus bleibt bis auf wenigen Ausnahmefällen nur eine Teilentfernung des gerissenen Meniskus.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Themen:

Kreuzbandverletzung

Seltener, aber in der Regel schwerwiegender ist eine Kreuzbandverletzung, da Sie die Stabilität des Kniegelenkes erheblich einschränken. Im Vergleich häufiger ist die vordere Kreuzbandverletzung, als die hintere.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema:

Seitenbandriss / Innenbanddehnung

Seitenbänderrisse kommen häufig in Kombination mit weiteren Verletzungen vor. Während ein Innenbandschaden gut Heilungspotenzen besitzt, müssen komplette Außenbandrisse in der Regel operativ versorgt werden.

OPIS-Buch

Die gegebenen Informationen können nur auszugsweise alle therapeutischen Möglichkeiten bei Kniearthrose ansprechen.
Wenn Sie weiterführende Informationen benötigen empfehlen wir unser Buch “Die optimale Therapie der Kniearthrose”.
Das OPIS - Buch von Dr. Marc Jungermann und Dr. Nicolas Gumpert befasst sich laienverständlich und umfassend mit den Therapieoptionen der Kniearthrose. Konservative und operative Therapieverfahren werden detailliert mit Vor- und Nachteilen sowie Risiken vorgestellt.

Eine Wahl der richtigen Therapie ist von entscheidender Bedeutung.

Falls Sie unser Buch interessiert, bekommen Sie weitere Informationen bei OPIS, bitte hier klicken, um zum Buch “Die Kniearthrose” zu gelangen.

Weiterführende Informationen

Folgende Themen könnten für Sie weiterhin von Interesse sein:

Weitere Informationen zur Thema Anatomie finden Sie unter: Anatomie A-Z.