Alpha-1-Antitrypsinmangel

Synonyme im weiteren Sinne

Laurell- Eriksson- Syndrom, Alpha-1-Proteasen-Inhibitormangel
Englisch: alpha1-antitrypsin deficiency

Definition

Unter einem Alpha-1-Antitrypsinmangel versteht man wie der Name schon sagt das Fehlen des Proteins Alpha-1-Antitrypsin, welches in Lunge und Leber gebildet wird. Es handelt sich also um eine Stoffwechselstörung. Diese Erkrankung wird autosomal - rezessiv vererbt. Sie kommt mit einer Häufigkeit von 1:1000 bis 1:2500 in der Bevölkerung vor.

Zusammenfassung

Der Alpha-1-Antitrypsinmangel ist eine erbliche Stoffwechselkrankheit, welche hauptsächlich die Veränderung von Lungengewebe zur Folge hat. Die Krankheit kommt mit einer Häufigkeit von 1:2000 vor. Durch den Mangel an diesem Enzym entfällt die hemmende Wirkung auf eiweißspaltende Enzyme.
Durch diesen Mangel wird das eigene Lungengewebe abgebaut, bzw. verdaut.
Es kommt zum Lungenemphysem (auch Husten und Luftnot) und bei zusätzlichem Leberbefall (10 -20%) zu einer Hepatitis (Gelbsucht). Die Diagnose wird mittels einer Blutanalyse gestellt. Therapiert wird durch eine Substitutionstherapie, das heißt Alpha-1-Antitrypsin wird künstlich zugeführt. Das fehlende Protein wird intravenös (durch die Vene) verabreicht. Eine Prophylaxe gibt es nicht.


Anatomie und Lage der Lunge

  1. Rechter Lungenflügel
  2. Luftröhre (Trachea)
  3. Luftröhrengabelung (carina)
  4. Linker Lungenflügel

Ursachen

Die Ursache für den Alpha-1-Antitrypsinmangel liegt in einem Fehler bei der Vererbung. Der Mangel des Eiweißes Alpha-1-Antitrypsin wird autosomal- rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass die Krankheit unabhängig vom Geschlecht vererbt wird und nur wirklich zum Ausbruch kommt, wenn zwei defekte Genkopien vorliegen. Es müssen also beide Eltern entweder erkrankt sein oder als Träger der Erbinformation fungieren. Nur ein einzelnes Gen, welches die fehlerhafte Information trägt, kann keinerlei Schaden anrichten. Der Defekt liegt auf Chromosom 14. Auf diesem Chromosom liegt das Gen, welches im Gesunden für die Synthese (Herstellung) von Alpha-1-Antitrypsin verantwortlich ist.

Alpha-1-Antitrypsin ist ein körpereigenes Protein (Eiweiß), welches hauptsächlich in den Zellen der Leber gebildet wird. Es hat die Aufgabe eiweißspaltende Enzyme zu hemmen (zu inhibieren). Durch einen  Alpha-1-Antitrypsinmangel kommt es nun zu einer überschießenden Aktivität dieser eiweißspaltenden Enzyme. Dies hat den Abbau von körpereigenem Gewebe zur Folge. Seine wichtigste Aufgabe ist die Hemmung des Enzyms Elastase der Leukozyten. Dieses nämlich baut die Elastase in der Wand der Lungenbläschen ab.

Symptome / Beschwerden

Da die Produktion von Alpha-1-Antitrypsin hauptsächlich in Lunge und Leber stattfindet, kommt es auch hier zu den Schäden und Beeinträchtigungen. Der Abbau von körpereigenem Gewebe findet also auch dort statt.

Symptome bei Befall der Lunge
In der Lunge entsteht bei einer Alpha-1-Antitrypsinmangel ein Emphysem. Unter einem Lungenemphysem versteht man eine Überblähung des Lunge. Diese Entsteht aufgrund der entzündlich veränderten Lungenstruktur. Die Wände der Lungenbläschen sind nicht mehr stabil genug und werden durch enzymatischen Abbau zerstört. So entstehen große Hohlräume in der Lunge, aus denen die eingeatmete Luft nicht mehr entweichen kann. Deshalb spricht man vom einer Überblähung der Lunge.

Außerdem kommt es zu Husten und Luftnot (med.: Dyspnoe).

Symptome der Alpha-1-Antitrypsinmangel bei Befall der Leber

Bei Neugeborenen, welche homozygot (sie besitzen also zwei defekte Genkopien) an der Krankheit leiden, zeigen bereits im Säuglingsalter eine Schädigung der Leber. Bei ihnen wird ein verlängerter Neugeborenenikterus (Ikterus = Gelbfärbung der Haut und der Sklera (das Weiße im Auge)) festgestellt.

Tritt die Erkrankung erst im Erwachsenenalter in Erscheinung (ca. 10- 20%) geht sie einher mit einer chronischen Hepatitis (Entzündung der Leber) und nachfolgender Leberzirrhose.

Variabilität in der Ausprägung des Alpha-1-Antitrypsinmangel
Es liegt eine sehr breite Variabilität in der Ausprägung vor. Bei Betroffenen mit schweren Lungenschäden kommt es erstaunlich selten zu einer Beteiligung Leber und umgekehrt. Auch die Altersverteilung ist recht unterschiedlich. Während manche in der dritten bis fünften Lebensdekade bereits Lungenerkrankungen im Endstadium aufweisen, haben andere bis zum 30 Lebensjahr noch keinerlei Schäden der Lunge.

Diagnose

Die Diagnosestellung der Alpha-1-Antitrypsinmangel erfolgt auf der Grundlage einer Blutentnahme / Laboruntersuchung. Das Blut des Patienten wird auf seine einzelnen Bestandteile (hier besonders auf die  Proteinzusammensetzung) hin untersucht.

Man stellt ein fast völliges Fehlen der Alpha-1-Proteine fest. Im Blut lassen sich auch erhöhte Leberenzyme feststellen. Im Ultraschall sieht man eine vergrößerte Leber (med.: Hepatomegalie).

Auch eine Leberbiopsie (Gewebeproben der Leber) zeigt charakteristische Ablagerungen.

Therapie

Der Mangel an Alpha-1-Antitrypsin kann heutzutage leicht durch intravenöse Gabe des Proteins behoben werden. Zusätzlich müssen allerdings die Organerkrankungen behandelt werden (vor allem Leberzirrhose) und eventuelle bereits entstandene Schäden behoben werden. In extremen Fällen muss aber eine Leber- oder Lungentransplantation nachgedacht werden.
Die Gabe von Alpha-1-Antitrypsin hat folgende Nebenwirkungen:

  • Übelkeit
  • Allergien
  • Fieber
  • Selten: anaphylaktischer Schock (allergischer Schock), welcher lebensbedrohlich sein kann

In Zukunft steht eine Gentherapie in Aussicht.

Prophylaxe

Eine eigentliche Prophylaxe gibt es nicht, da die Krankheit vererbt wird.

Betroffene sollten nicht Rauchen, da es erschwerend hinzukommt und die Lunge noch mehr belastet.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.01.2012