AV-Block

Synonyme im weitesten Sinne

Atrioventrikulärer Block, bradykarde Herzrhythmusstörung

Definition

Beim AV-Block wird die elektrische Erregung des Sinusknotens vom AV-Knoten oder untergeordneten Strukturen nur verzögert (AV-Block 1.Grad), nur teilweise (2. Grad) oder gar nicht (3. Grad) zur Kammernmuskulatur weitergeleitet. Das bedeutet, dass der Fluss der elektrischen Potentiale an einer bestimmten Stelle vom AV-Knoten abwärts unterbrochen ist.

AV-Block 1. Grades

Beim AV-Block 1.Grades wird jedes Potential, das im Sinusknoten (Pulsschrittmacher des Herzens) entsteht, noch weitergeleitet allerdings ist die Überleitung verlangsamt. Es liegt hier also eigentlich keine echte Blockierung vor, sondern nur eine Verzögerung.

Symptome: Der AV-Block 1.Grades führt nicht zu Symptomen. Zu erkennen ist er alleine im EKG.
Diagnose: Beim AV-Block 1. Grades ist im EKG eine Verlängerung der PQ-Zeit erkennbar, die Strecke zwischen der P-Welle und der Q-Zacke beträgt über 0,20 sek.
Therapie: Es ist keine Therapie erforderlich.

AV-Block 2. Grades

Beim AV-Block 2. Grades werden einzelne Potentiale des Sinusknotens nicht weitergeleitet. Man unterscheidet hier wiederum zwei Formen, die unterschiedliche Prognosen haben.

  • Wenckebach-Block (IIa-Block): Hier werden die Strecken zwischen P-Welle und Q-Zacke immer länger, bis eine Überleitung ausfällt.
  • Mobitz-Block (IIb-Block): Hier bleibt die Strecke zwischen P-Welle und Q-Zacke normal, es kommt jedoch immer wieder zu einem plötzlichen Ausfall eines QRS-Komplexes. Es folgt also nicht auf jede P-Welle ein QRS-Komplex. Um es noch komplizierter zu machen, unterscheidet man hier weiter in einen 2 :1-Block (von zwei Sinuspotentialen wird nur eines weitergeleitet) oder einen 3 : 1-Block (von 3 Sinuspotentialen werden zwei weitergeleitet)

AV-Block 3. Grades

Beim AV-Block 3. Grades (totaler AV-Block) besteht eine totale Leitungsunterbrechung. Die Potentiale des Sinusknotens werden nicht weitergeleitet. Sie führen nur noch zur Kontraktion des Vorhofes. Die Kammern kontrahieren im Takt untergeordneter Strukturen wie z.B. des AV-Knotens. Dieser Takt ist deutlich langsamer als der Sinusrhythmus. Vorhofaktionen und Kammeraktionen sind damit nicht mehr richtig aufeinander abgestimmt.  Im EKG sieht man P-Wellen, die mit einer normalen Frequenz auftreten. Sie stehen aber in keiner Beziehung zu den mit einer langsameren Frequenz auftretenden QRS-Komplexen. Bis der AV-Knoten oder untergeordnete Strukturen „anspringen“ und einen Ersatztakt erzeugen vergeht meist eine gewisse Zeit, man nennt dies präautomatische Pause.


Symptome AV- Block

Die Symptome des AV-Block 2. Grades und 3. Grades entstehen aus der herabgesetzten Herzfrequenz und der infolgedessen verminderten Pumpleistung. Durch die verzögerten oder ganz blockierten Potentiale schlägt das Herz langsamer. Im Organismus wird das Blut weniger schnell transportiert. Die verminderte Pumpleistung äußert sich vor allem durch Symptome wie Schwindel oder Synkopen (Ohnmachtsanfälle), auch Adams-Stokes-Anfälle genannt. Adam-Stokes-Anfälle zeichnen sich aus durch ein akut auftretendes Schwindelgefühl mit nachfolgender, kurzzeitiger Bewusstlosigkeit, die verursacht wird durch die Verminderung der Blutversorgung des Gehirns. Meist treten die Symptome nicht unter Belastung, sondern in Ruhe auf, da unter Belastung das Herz schneller schlägt und die Leitungsfähigkeit verbessert wird. So kann die eigentliche Störung aufgefangen werden.

Beim totalen AV-Block bestehen zusätzlich zwei Gefahren:

  1. Bei starker Verlangsamung der Herzfrequenz (unter 40 Schläge pro Minute) entwickelt sich eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
  2. Während der präautomatischen Pause schlagen die Kammern nicht. Je nach Dauer der Pause kann es dann zu Bewusstseinsverlust, Krampfanfällen (oft als Epilepsie fehlgedeutet), Atemstillstand und bei über drei Minuten bestehender Pause zu irreversiblen Hirnschäden kommen.

Hinweis: Totaler AV-Block

 Jeder Anfall kann tödlich enden!

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Ursachen

 Ein AV-Block wird meist durch krankhafte Veränderungen des Reizleitungssystems hervorgerufen. Die KHK (Koronare Herzkrankheit), ein Herzinfarkt und Medikamente können zu einem AV-Block führen.  Meist tritt er bei älteren Menschen auf.

Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Anamnese und der typischen EKG-Veränderungen gestellt.

Therapie

Wurde der AV-Block durch Medikamente oder eine Erkrankung (z.B. eine Herzmuskelentzündung) hervorgerufen, steht die Behandlung dieser Erkrankung und das Absetzen der Medikamente im Vordergrund. Der AV-Block kann sich danach zurückbilden.

Beim AV-Block 1. und 2. Grades Typ Wenckebach ist meist keine weitere Therapie erforderlich.

Beim AV-Block 2. Grades Typ Mobitz und einem totalen AV-Block ist eine Schrittmachertherapie indiziert. Meist wird ein Vorhofbeteiligtes System (z.B. DDD) implantiert.


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Autor: Dr. Marc Jungermann      |     Letzte Änderung: 06.05.2012