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Bauchspeichelsdrüsen- entzündung

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch:  Pankreatitis

Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Englisch: pancreatitis, inflammation of the pancreas

Definition Pankreatitis

(Pankreas = Bauchspeicheldrüse)

Unter einer Pankreatitis versteht man eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.
Diese Entzündung kann mehrere Ursachen haben. Es kann sich um ein einmaliges Ergeignis handeln (akute Pankreatitis) oder wiederholt auftreten (chronische Pankreatitis).
Neben einer Erkrankung der Gallenwege spielt beispielsweise auch der Missbrauch von Alkohol eine bedeutende Rolle.

Zusammenfassung

Eine Pankreatitis, also eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, kann akut auftreten oder chronisch sein.
Meistens verursacht wird die Entzündung durch Gallensteine oder Alkohol (typischerweise nach "Saufgelage").
Symptome sind neben Übelkeit und Erbrechen auch gürtelförmige Schmerzen um den Bauch. Typisch sind Oberbauchschmerzen.
Gefährlich werden kann diese Krankheit weil Verdauungssäfte freigesetzt werden, die das umliegende Gewebe schädigen. Wenn beispielsweise der Ausführungsgang durch Gallensteine verlegt ist, staut sich das relativ aggressive Bauchspeicheldrüsensekret, was für die Verdauung gedacht ist, auf. Geht Rückstau bis zur Bauchspeicheldrüse zurück, wird diese angedaut (verdaut), was starke Schmerzen verursacht.
Die Diagnose erfolgt mit Hilfe der Symptome, der Blutwerte, aber auch durch Ultraschall.


Darstellung Pankreas und Gallenblase

  1. Gallenblase (grün)
  2. Bauchspeicheldrüsenkrebs (lila)
  3. Bauchspeicheldrüsengang (gelb)
  4. Pankreaskopf (blau)
  5. Pankreaskörper (Copus pancreaticus) (blau)
  6. Pankreasschwanz (blau)
  7. Gallengang (Ductus cysticus) (grün)

Ursachen

Zu den Ursachen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung zählen eine Vielfalt von Ursachen 

  1. Gallenwegserkrankungen
    Mit 45 Prozent macht diese Ursache den Löwenanteil aller Bauchspeicheldrüsenentzündungen (Pankreatiden) aus.
    Da der Ausführungsgang der Gallenblase zusammen mit dem Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse im Zwölffingerdarm (Duodenum) endet, gibt es hier einen Zusammenhang.
    Wenn der Ausführungsgang, der so genannte Ductus Choledochus, durch Gallensteine verlegt ist, kommt es neben einem Rückstau der Gallenflüssigkeit auch zu einem Rückstau des Bauchspeicheldrüsensekrets.
    Dies führt dann zu der Entzündung. Auch die Verengung der Mündung in den Zwölffingerdarm (Papilla vateri) verursacht einen Rückstau der Verdauuungssäfte.
     
  2. Alkohol
    Der Missbrauch von Alkohol macht etwa 35 Prozent der Fälle für die Pankreatitis verantwortlich.
    Allgemein liegt ein 
    gefährlicher Alkoholkonsum bei Frauen zwischen 40 bis 80g Alkohol pro Tag, bei Männern zwischen 60 bis 120g pro Tag. Die Rede ist hierbei von Reinalkohol in den Getränken. Ein Glas Bier schlägt mit 13g Alkohol zu Buche, ein Glas Wein enthält schon 16g Alkohol. Man hat bei regelmäßigem Alkoholgenuss also schnell die Grenze überschritten.
     
  3. Idiopathische Bauchspeicheldrüsenentzündung
    In etwa 15 Prozent der Fälle ist keine Ursache erkennbar.
     
  4. Vererbte Pankreatitis
    In seltenen Fällen kann eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auch genetisch bedingt sein.
    Hier liegt dann ein sogenannter autosomal - dominanter Erbgang vor. Die Mutation liegt also auf einem der Chromosome, die nicht für die Geschlechtsbestimmung verantwortlich sind.
    Bei einem dominanten Erbgang reicht es aus, eine mutierte Variante des Gens auf einem Chromosom zu besitzen. Von jedem Chromosom hat der Mensch zwei identische Ausführungen. Zusätzlich natürlich zu den Geschlechtschromosomen X und Y.
     
  5. Medikamente
    Etwa zwei Prozent der Pankreatiden werden durch Medikamente hervorgerufen. In Frage kommen hier Entwässerungsmedikamente (Diuretika), Betablocker gegen hoher Blutdruck, aber auch Antibiotika könne dies verursachen.
     
  6. seltenere Ursachen
    Zu diesen gehören beispielweise virale Infekte oder auch eine endoskopische (also von innen) Untersuchung namens ERCP. Hierbei handelt es sich um eine Methode, um unter anderem Gallensteine zu entfernen oder die Papilla vateri (s.o.) zu dehnen.
     
  7. Bauchspeicheldrüsenkrebs
    Auch ein Tumor kann die Abflusswege komprimieren und so einen Rückstau von Sekret hervorrufen.
    Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Bauchspeicheldrüsenkrebs

Alle diese auslösenden Faktoren aktivieren dann die folgende Kaskade:

Zunächst kommt es zur Ausbildung von Ödeme (Wassereinlagerungsbedingte Schwellung), welche Zellschäden verursachen. Durch die so bedingte Freisetzung verschiedenster Enzyme entstehen Schmerzen und die Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).

Verlauf

Der Verlauf einer akuten Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) verläuft in drei Phasen:

  1. Aufgrund einer Schwellung und absterbenden Gewebe der Bauchspeicheldrüse kommt es zu einem Anstieg der Pankreasenzyme, des Entzündungsparameters CRP und der weißen Blutkörperchen im Blut. Diese Veränderungen können anhand der Laborwerte diagnostiziert werden.
  2. Die zweite Phase besteht aus der Ausheilung.
  3. Falls sich die Bauchspeicheldrüse teilweise in absterbendes (nekrotisches) Gewebe umgebaut hat, ist eine Entzündung dieser Areale möglich.
    In gravierenden Fällen ist sogar eine Blutvergiftung (Sepsis) möglich.

Symptome / Beschwerden

Bei der entzündeten Bauchspeicheldrüse gibt es so genannte Leitsymptome:

Leitsymptome sind für eine bestimmte Krankheit typische und in der Regel immer auftretende Beschwerden und Merkmale.

Bei der Mehrzahl der Patienten (90%) ist ein akuter Beginn mit heftigsten Bauchschmerzen, die nach der Seite ausstrahlen können. Oft zieht der Schmerz sich wie ein Gürtel um den Körper.
Weitere Symptome sind Übelkeit und Erbrechen, ein aufgeblähter Bauch und Lähmungen des Darms (Ileus). Fieber, niedriger Blutdruck und  Veränderungen im EKG sind ebenso zu beobachten.
Ist das leiden chronischer Natur kommt es oft zu Fettstühlen - das bedeutet Auscheidung von Fett, was durch mangelnde Bauchspeicheldrüsensekrete nicht durch den Darm aufgenommen werden konnte, Gewichtsabnahme und Durchfall.
Außerdem tritt eine Nahrungsintoleranz auf. Fettige Speisen werden also schlecht vertragen und führen zu Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen. Leitsymptom ist hier der immer wiederkehrende Schmerz, der nicht kolikartig ist, sondern über Stunden und Tage anhalten kann.

Komplikationen

Wie bei fast allen Erkrankungen kann es auch bei der Entzündung der Bauchspeicheldrüse zu Komplikationen kommen. Hierzu zählen beispielsweise bakterielle Infektionen des narbig umgebauten Gewebes, Kreislaufschock, sowie umkapselte Eiteransammlungen im Pankreas (Bauchspeicheldrüse).

Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Symptome und der Anamnese gestellt. Auch die Laborwerte und der Ultraschall sind von Bedeutung.

Bei der Blutuntersuchung ist ein Enzym spezifisch für die Bauchspeicheldrüse: die Lipase. Mit Hilfe dieses Enzyms kann das Fett besser vom Darm aufgenommen werden.

Wenn dieses Enzym im Blut ansteigt, kann man die Diagnose mit großer Wahrscheinlichkeit stellen.
Im Ultraschall lassen sich Steine, welche die Ausführungsgänge verlegen (Gallensteine), nachweisen. Auch die Schwellung der Bauchspeicheldrüse kann man im Ultraschall erkennen.
Wenn tatsächlich ein Stein den Ductus Choledochus (Ausführungsgang von Sekreten der Leber und Bauchspeicheldrüse) verlegt, steigen die Transaminasen (bestimmte Leberenzyme) im Blut an.

Therapie

Die Therapie der  Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)kann entweder

geschehen.

Konservative Therapie

  1. Überwachung des Patienten
  2. Nulldiät (allerdings nur bei Beschwerden, wie Schmerzen/ Übelkeit, Erbrechen)
  3. Thromboseprophylaxe (Heparinspritzen)
  4. Schmerzmittel bei Bedarf
  5. Antibiotika bei Komplikationen

Erst wenn der Patient keine Beschwerden mehr hat und das Blutbild normale Werte anzeigt, kann  mit dem Aufbau der Kost begonnen werden.
Sowohl die Gallenflüssigkeit, als auch die Pankreasenzyme sind nämlich verantwortlich die Nahrung aufzuspalten, um sie verdaulich zu machen. Wenn diese Sekrete nicht freigesetzt werden können, entstehen unter anderem Schmerzen nach den Mahlzeiten.

Minimal invasive Therapie

Chirurgische Therapie

Falls die konservative Therapie versagt oder sich narbiges umgebautes Gewebe infiziert hat, kann eine Operation Abhilfe schaffen.

Prophylaxe

Die Prophylaxe besteht in der Beseitigung von Ursachen, z. Bsp.: Alkohol und bestimmte Medikamente vermeiden oder Gallensteine aus den Gallenwegen entfernen.

Bei immer wieder auftretenden Gallensteinen ist eine Entfernung der Gallenblase in Erwägung zu ziehen.
Das Risiko Gallensteine zu bilden, kann durch eine fettarme und ausgewogene Ernährung gesenkt werden.

Prognose

Der Verlauf einer akuten Pankreatitis ist schwer vorhersehbar. Für die Prognose ist entscheidend, dass der Patient regelmäßig in kurzen Zeitabständen überwacht und kontrolliert wird.
Dies ist notwenig um eventuelle Komplikationen schnell zu erkennen und zu behandeln, oder besser sie ganz zu vermeiden.
Die Sterblichkeit hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Wenn sich das absterbende Gewebe infiziert ist die Prognose allgemein schlechter, als mit sterilem = nicht - infiziertem Gewebe.

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