Bauchspeicheldrüseninsuffizienz

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Synonyme im weiteren Sinne

Pankreasinsuffizienz

Definition

Bei der Bauchspeicheldrüseninsuffizienz (Pankreasinsuffizienz) handelt es sich um eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, die je nach Form mit einer verminderten, unzureichenden Produktion von wichtigen Verdauungsenzymen oder Hormonen einhergeht.

Häufigkeit

Man schätzt, dass Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen von einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz (Pankreasinsuffizienz) betroffen sind, der Häufigkeitsgipfel liegt hier in der Altersgruppe der 45-54 Jährigen.


Formen

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Bauchspeicheldrüseninsuffizienz (Pankreasinsuffizienz): Eine endokrine und eine exokrine Form.
Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Bauchspeicheldrüse zwei verschiedenen Funktionen nachgeht.
Zum einen produziert sie mit einem Teil ihrer Zellen die Hormone Insulin und Glukagon, die wichtig für die Regulierung des Blutzuckerspiegels sind. Liegt eine Produktionsstörung im Bereich dieser Zellen vor, so spricht man von einer endokrinen Pankreasinsuffizienz (Bauchspeicheldrüseninsuffizienz)
Zum anderen stellt die Bauchspeicheldrüse aber auch Verdauungsenzyme und Bicarbonat her, die über einen Ausführungsgang in den Darm abgegeben werden.
Die Verdauungsenzyme spalten dann im Darm aufgenommene Nährstoffe weiter auf, so dass diese optimal verwertet werden können.
Bicarbonat ist eine basische Substanz, die für die Neutralisierung des durch die Magensäure sauren Speisebreis aus dem Magen verantwortlich ist und außerdem dafür sorgt, dass im Dünndarm ein idealer pH-Wert vorhanden ist, in dem Enzyme aus dem Darm arbeiten können.
Liegt eine Störung in diesem Bereich vor, so spricht man von einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (Bauchspeicheldrüseninsuffizienz)
Je nach dem, welche Form der Erkrankung vorliegt, ergeben sich ganz unterschiedliche Beschwerden.

Ursachen

Einer Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse können verschiedenste Ursachen zugrunde liegen, gemeinsam ist ihnen, dass sie alle eine Zerstörung des Pankreasgewebes hervorrufen. Eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz (Pankreasinsuffizienz) ist also eine Folgeerscheinung, keine eigenständige Krankheit.
Bei Erwachsenen liegt als Ursache einer Insuffizienz meist eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Bauchspeicheldrüsenentzündung), also eine Pankreatitis, vor.
Hier erfolgt durch die Entzündung zunächst eine vermehrte Freisetzung der Bauchspeicheldrüsenenzyme, durch diesen Überschuss der Verdauungsenzyme kann es dazu kommen, dass die Bauchspeicheldrüse selbst angegriffen wird und im Zuge dieser Schädigung dann nicht mehr in der Lage ist, Enzyme oder Hormone zu bilden, es kommt also zu einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz.
Es kann aber auch ein bösartiger Tumor (Pankreaskarzinom), eine Zyste (also ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum in der Bauchspeicheldrüse) oder eine Fibrose ursächlich für eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz sein.
Unter einer Fibrose versteht man eine krankhafte Vermehrung von Bindegewebe in einem Organ, es kommt zu Verhärtungen und Vernarbungen und das Organ kann seiner Funktion nicht mehr nachgehen, dies kann auch bei der Bauchspeicheldrüse vorkommen. Eine Fibrose tritt meist im Zuge einer Mukoviszidose, einer erblich bedingten Krankheit, auf.
Bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie Morbus Crohn und  Magengeschwüre oder auch Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes können ebenfalls zu einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz führen.

Diagnose

Die Diagnose einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz (Pankreasinsuffizienz), die durch den behandelnden Arzt gestellt wird, beruht auf verschiedenen Diagnosepfeilern.
In jedem Fall sollte zunächst eine ausführliche Anamnese, also ein Gespräch zwischen Arzt und Patient, bei dem genaustens auf die Krankheitsgeschichte und die vorliegenden Beschwerden eingegangen wird, stattfinden.
Erhärtet sich hier der Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz, so sollten im Anschluss
eine körperliche Untersuchung sowie einige Laboruntersuchungen durchgeführt werden.
In der Regel wird im Rahmen dieser Laboruntersuchungen die Konzentration von Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse in einer Stuhlprobe des Patienten bestimmt, es handelt sich um die Enzyme Elastase und Chymotrypsin.
Vor allem das Enzym Elastase ist ein zuverlässiger Marker für die gesamte Enzymproduktion des Pankreas, ist die Konzentration dieses Enzyms erniedrigt (<200µg pro 100g Stuhl), so ist die Diagnose einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz wahrscheinlich. Das Enzym Chymotrypsin spiegelt ebenfalls die Pankeasfunktion wieder, ist jedoch weniger genau als das Enzym Elastase.
Dieser Test wird auch Fluorescein-Dilaurat-Test genannt und sehr häufig durchgeführt.
Es besteht außerdem die Möglichkeit, die Fettkonzentration in mehreren Stuhlproben des Patienten zu messen. Ist der Fettgehalt im Stuhl anhaltend erhöht, so lässt dies darauf schließen, dass ein Mangel an Verdauungsenzymen besteht, die für die Aufspaltung und somit Aufnahme des Fettes aus dem Darm zuständig sind.
Den zuverlässigsten Labortest stellt allerdings der sogenannte Sekretin-Pankreozymin-Test dar. Bei diesem Test wird ebenfalls die Konzentration von Verdauungsenzymen aus der Bauchspeicheldrüse gemessen (hier geht es um die Enzyme Amylase und Lipase), jedoch nicht anhand einer Stuhlprobe, sondern über eine Sonde, die in den Zwölffingerdarm des Pateinten eingeführt wird und somit dort zu liegen kommt, wo die Pankreassekrete über den Ausführungsgang in den Darm abgegeben werden.
Leider ist dieser Test sehr teuer und aufwändig und wird so trotz seiner Zuverlässigkeit nur selten durchgeführt.

Therapie

Die Therapie einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz (Pankreasinsuffizienz) zielt nach Möglichkeit auf die Beseitigung der Ursache der Pankreasschädigung ab, häufig ist dies jedoch schwierig.
Solange die Bauchspeicheldrüseninsuffizienz nicht heilbar ist, sollte das Ziel einer Therapie stets sein, eine normale Verdauung und Resorption von Nährstoffen zu gewährleisten, einer weiteren Verschlechterung des Zustandes entgegenzuwirken und eventuell mit einer Insulintherapie die endokrine Form der Pankeasinsuffizienz zu therapieren.
Da durch den Mangel an Verdauungsenzymen bestimmte Nahrungsbestandteile, vor allem Fette, nicht mehr besonders gut verarbeitet werden können, sollte man darauf achten, sich möglichst fettarm (nicht fettfrei) zu ernähren, dies stellt bereits eine Entlastung für den Körper dar. Auch sollte der Konsum von Genußmitteln wie Alkohol unbedingt eingestellt werden, da diese die Bauchspeicheldrüse noch zusätzlich angreifen.
Außerdem kann es notwendig sein, die fehlende Enzymproduktion der Bauchspeicheldrüse durch die Zufuhr von enzymhaltigen Präparaten zu den Mahlzeiten auszugleichen. Eine solche Enzymersatztherapie wird empfohlen, wenn der Patient täglich mehr als 15g Fett im Stuhl ausscheidet.
Die Enzyme werden in drei Klassen unterteilt: Amylasen für den Abbau von Kohlenhydraten, Lipasen für den Abbau von Fetten und Proteasen für den Abbau von Proteinen.
Grundsätzlich gilt, dass etwa 30.000 Einheiten an Lipaseaktivität zu den Mahlzeiten eingenommen werden müssen, um die Fettresorption zu verbessern, aber natürlich ist die genaue Dosierung abhängig vom Ausmaß der Bauchspeicheldrüseninsuffizienz und der Zusammensetzung der Nahrung ist: je fettreicher eine Mahlzeit ist, desto mehr Enzyme werden benötigt.
Da die Enzyme in ihrer Umgebung einen basischen pH-Wert benötigen, um ihre Wirkung entfalten zu können, müssen bisweilen zusätzlich Protonenpumpeninhibitoren oder H2-Rezeptor-Blocker eingenommen werden, um die Magensäure zu verringern.
Bei starken Schmerzen werden Analgetika eingesetzt, eventuell ist auch die Gabe von Vitaminen sinnvoll.
Werden all diese Möglichkeiten bestmöglich kombiniert, so ist eine erheblich Verbesserung der Lebensqualität möglich, auch, wenn die zugrunde liegende Krankheit nicht geheilt werden kann.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012