Inhalt:
Blinddarmentzündung
Synonyme im weiteren Sinne
Appendizitis, Appendicitis, Entzündung des Blinddarms, Wurmfortsatzentzündung, Schwangerschaftsappendizitis, Periappendizitis
Definition
Von einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) spricht man bei einer Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis) des Blinddarms (Zäkum). Der Begriff Blinddarmentzündung ist medizinisch also nicht korrekt, da nicht der Blinddarm selbst entzündet ist, sondern der Wurmfortsatz des Blinddarms. Richtigerweise müsste man also von einer Wurmfortsatzentzündung sprechen.
Die "Blinddarmentzündung" präsentiert sich mit Schmerzen im rechten Unterbauch, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Die Diagnose ist auch jetzt noch für Mediziner eine Herausforderung und Bedarf eines schnellen Handelns in Form einer operativen Wurmfortsatzentfernung (Appendektomie). Eine gefürchtete und schwerwiegende Komplikation der Appendizitis ist der Durchbruch (Perforation) des Wurmfortsatzes, die mit einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) einhergehen kann.
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Häufigkeit
7% der Bevölkerung machen einmal in ihrem Leben eine akute Blinddarmentzündung (Appendizitis) durch. Sie tritt mit einer Häufigkeit von 100 Fällen im Jahr pro 100.000 Einwohner auf und ist mit 50% die häufigste Ursache für plötzlich einsetzende starke Bauchschmerzen (akutes Abdomen). Der Erkrankungsgipfel der Blinddarmentzündung liegt zwischen dem 10 und 30 Lebensjahr, aber am häufigsten erkranken Schulkinder. Kleinkinder und ältere Menschen erkranken seltener und haben oft einen untypischen Verlauf, sodass die Erkrankung später diagnostiziert wird und so häufiger Komplikationen auftreten. Allgemein liegt die Sterblichkeit (Letalität) der Blinddarmentzündung bei <1%. Eine Blinddarmentzündung, die verkompliziert wird durch eine Bauchfellentzündung, hat eine deutlich höhere Letalität von 6-10%. Eine frühe Diagnosestellung ist also von großer Bedeutung.
Ursachen
Der Bauplan des Blinddarms ist geradezu vorbestimmt für die Entstehung einer Entzündung. Der Wurmfortsatz besitzt eine geringe Schwellfähigkeit und sein geringer Innendurchmesser (Lumen) ist prädestiniert zur Verstopfung. Die Bedeutung des zahlreich im Appendix vorkommenden lymphatischen Gewebes ist bislang noch nicht geklärt. Verursacher einer Blinddarmentzündung können Verschlüsse der Appendix sein, die durch harten Kot (Kotsteine), Abknickung des Wurmfortsatzes, Narbenstränge (Briden) und Druck von außen (Tumoren und Blähungen) entstehen. Fremdkörper wie Kirsch-, Melonen-, Traubenkerne können auch einen Verschluss verursachen. Häufig können lokale oder allgemeine Infekte (viral, bakteriell) eine Blinddarmentzündung zum Ausbruch bringen (lokale Dekompensation). Als Beispiel kann man die Mandelentzündung, Grippe, Masern, Windpocken oder Scharlach nennen, bei welchen meistens Kinder betroffen sind.
In ganz seltenen Fällen können Parasiten, wie Spulwürmer die Ursache einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) sein. Die Bakterien, die bei einer Appendixverstopfung eine eitrige Entzündung verursachen, sind E-coli, Preteus, Enterokokken und gehören zur normalen Darmflora. Eine Magen-Darm-Grippe (Gasteroenteritis) kann auch als Ursache in Frage kommen. In sehr seltenen Fällen kann ein Morbus Crohn eine Appendizitis verursachen.
Symptome

- Blinddarmentzündung
Der Beginn einer akuten Appendizitis beginnt zunächst mit dumpfen, diffusen und nicht genau lokalisierbaren Bauchschmerz um den Bauchnabel herum (periumbillikal). Innerhalb von ein paar Stunden verlagert sich der Schmerz in den rechten Unterbauch und ist ab dann ein konstanter und recht genau lokalisierbarer Dauerschmerz („Punktschmerz“). Dieser Schmerz wird oft durch Husten und Gehen verschlimmert. So eine Symptomverlagerung zeigt den Wechsel zwischen viszeralen („Eingeweideschmerz“) Schmerz hin zum somatischen („Körperschmerz“) Schmerz. Der Schmerz wird nicht selten von vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung begleitet. Zugleich tritt leichtes Fieber bis 38,5°C auf.
Bei einer Perforation (Entzündungsdurchbruch durch die Darmwand in die Bauchhöhle) kann es unter Umständen zu einer kurzzeitigen Erleichterung und Schmerzbesserung kommen. Dieser kurzzeitige Besserungszustand wird jedoch durch die nachfolgende Bauchfellentzündung (Peritonitis) wieder verschlechtert. Die Schmerzen breiten sich weiter in der Bauchhöhle aus und werden nicht selten von einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes begleitet. Wenn nicht therapeutisch schnell eingegriffen wird, kann der Patient einen septisch-toxischen Schock (Blutvergiftung mit Bakteriengiften) erleiden.
Bei der Diagnosefindung ist zu bedenken, dass nur 50% der Betroffenen typische Beschwerden aufweisen. Insbesondere Kleinkinder und ältere Menschen haben Krankheitsverläufe die mit weniger typischen Symptomen einhergehen.
Hinweis: Blinddarmentzündung bei Kleinkindern
Die Blinddarmentzündung (Appendizitis) bei Kleinkindern zeichnet sich durch besonders stürmische Verläufe aus. Die Symptome zeigen sich mit sehr ausgeprägten vegetativen Symptomen, wie Erbrechen, Fieber und raschen Anstieg der weißen Blutkörperchen (Leukozytose). Außerdem ist die Perforationsrate bei Kleinkindern besonders hoch.
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Die Altersappendizitis ist mit 5-10% eher seltener anzutreffen und zeichnet sich durch einen schleichenden Verlauf aus. Wegen der häufigen Verschleppungsrate kommt es auch bei dieser Krankengruppe besonders häufig zur Bauchfellentzündung.
Eine Blinddarmentzündung während der Schwangerschaft ist besonders schwierig zu erkennen, da der Blinddarm samt Wurmfortsatz mit dem Wachstum der Gebärmutter auch nach oben wandert. Das bedeutet dass der Blinddarmschmerz je nach Schwangerschaftsmonat an atypischer Stelle (rechter Oberbauch) lokalisiert sein kann, was zu Fehldiagnosen führen kann.
Lagevarianten des Wurmfortsatzes
Lagevarianten der Appendix:
- Regulär
- Parazäkal: Rechts neben dem Blinddarm
- Retrozäkal: Hinter dem Blinddarm, auf dem Musculus iliopsoas aufliegend
- Paraileal: In Richtung Darmbein (Ileum) hochgeschlagen
- Im kleinen Becken: Sehr langer Wurmfortsatz, bis ins kleine Beckens reichend
- Zäkum-Tiefstand: Der Blinddarm und der Wurmfortsatz liegt im kleinen Becken
- Zäkum-Hochstand: Der Blinddarm samt Wurmfortsatz liegt im rechten Oberbauch
- (Schwangerschaft)
- Situs inversus: Sehr seltene Anomalie des menschlichen Körpers, bei der alle Organe spiegelverkehrt im Körper liegen. Der Wurmfortsatz liegt somit im linken Unterbauch.
Verlauf
Die typische Blinddarmentzündung kann man in Entzündungsstadien einteilen.
1. Katarrhalisches Stadium: Der Wurmfortsatz ist geschwollen, gerötet und schmerzhaft. Es entsteht noch kein Eiter und dieses Stadium ist noch voll reversibel (umkehrbar).
2. Seropurulentes Satdium: Das ist ein Übergangsstadium zwischen 1 und 3
3. Destruktives Stadium: 3 Stadien werden hierbei unterschieden:
- Appendicitis ulcerophlegmonosa: Die Schleimhaut zeigt Geschwüre. Beginn des Gewebszerstörung.
- Appendicitis empyematosa: Es bildet sich Eiter im Wurmfortsatz
- Appendicitis gangrenosa: Der Wurmfortsatz stirbt langsam ab. Es entsteht eine Gangrän (Gewebeuntergang).
Wenn ein Entleerungshindernis im Wurmfortsatz vorliegt stauen sich das Sekret und der Kot in ihr. Der Wurmfortsatz schwillt an, wird rot und das erste Schmerzereignis tritt auf. In einer Zeit von 12-24 Stunden entwickeln sich die ersten Symptome. Die im Appendix vorkommenden Bakterien können sich daraufhin im dem stehenden Sekret stark vermehren. Durch die Schwellung des Wurmfortsatz werden allmählich die Blutgefäße abgedrückt, sodass eine Sauerstoffunterversorgung für das Gewebe entsteht. Das Gewebe geht langsam zugrunde und die Bakterien können die Schleimhautbarriere durchbrechen. Wenn sie dann nach ungefähr 48 Stunden auch die letzte Schicht der Darmwand, die Serosa, durchwandern, wird das umgebende Bauchfell (Peritoneum) mit infiziert (Periappendizitis, lokale Peritonitis) die sich dann im gesamten Bauchfell (Peritoneum) ausbreiten kann.
Komplikationen
Die Wurmfortsatzentzündung ist eine lebensbedrohliche Erkrankung und sollte schnellstmöglich diagnostiziert und behandelt werden. Einige schwerwiegende Komplikationen können bei verzögerter Diagnose entstehen.
- Freie Perforation: Bei einer geschädigten Darmwand und einer starken Schwellung kann die Appendixwand durchbrechen und der Inhalt in die Bauchhöhle (Peritoneum) eindringen. Die so frei gewordenen Bakterien können eine schwere diffuse Bauchfellentzündung (Peritonitis) verursachen.
- Perityphlitischer Abszess: Wenn die Perforation durch umgebende Verwachsungen sich nicht weiter ausbreiten kann entsteht eine Eiterhöhle in der Umgebung des Wurmfotsatzes.
- Konglomerattumor: Hierbei handelt es sich nicht um einen echten Tumor („Krebs“). Durch die Entzündung können sich die umgebenden Strukturen, wie Blinddarm, großes Netz (Omentum majus) und Dünndarmschlingen zu einer Geschwulst verkleben.
- Abszesse: Bei Eiterbildung in der Bauchhöhle können abgekapselte Abszesshöhlen (Eiterhöhlen) entstehen. Prädestinierte Stellen für Abszesse sind zwischen den Dünndarmschlingen (interenterisch), unter dem (Zwerchfellsubphrenisch), unter der Leber (subhepatisch) und ganz besonders im sogenannten Douglasraum. Dieser Raum liegt bei Frauen zwischen Enddarm (Rektum) und Gebärbutter (Uterus).
- Thrombophlebitits der Pfortader: Wenn die Entzündung des Bauchfells auf das Pfortadersystem übergreift entsteht eine Venenentzündung (Phlebitis), die nicht selten mit einer Thrombusbildung in der Pfortader einhergeht.
- Paralytischer Ileus: Bei einer Bauchhöhlenentzündung (Peritonitis) kann es reflektorisch zu einer Darmlähmung kommen. Daraufhin können keine Darmbewegungen (Peristaltik) mehr ausgeführt werden. Es entsteht ein Transportstopp des Darminhalts, ein so genannter Ileus.
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