Bluthochdruckkrise

Synonyme im weiteren Sinne

Hypertensive Krise, Bluthochdrucknotfall, Hypertensiver Notfall

Definition

Die akute Blutdrucksteigerung auf Werte von über 230/130 mmHg ist Zeichen der hypertensiver Krise/Bluthochdruckkrise. Kommt es im Zuge der Blutdruckerhöhungen zu Symptomen, die das Herz oder Nervensystem betreffen, spricht man von einem hypertensiven Notfall.

Die hypertensive Krise stellt keine unmittelbare Lebensbedrohung dar, kann aber in einen hypertensiven Notfall übergehen und wird dann wegen der lebensbedrohlichen Komplikationen zum absoluten Notfall, der in einer Klinik versorgt werden muss.

Bei jeder Form der Blutdrückerhöhung kann es zu einer Entgleisung kommen, am häufigsten tritt dieses akute Ereignis aber bei fortgeschrittener Funktionsstörung der Nieren und bei Patienten mit Phäochromozytom, einem Hormon-bildenden Tumor, auf.


Symptome des akuten Blutdruckanstiegs

Die Patienten mit akutem Bluthochdruckereignis beklagen häufig Schmerzen im Brustkorbbereich (Angina pectoris), Herzstolpern (Herzrhythmusstörungen) und Luftnot (Dyspnoe). Sie sind nicht belastungsfähig und fühlen sich akut krank. Der massive Blutdruckanstieg kann zu Kopfschmerzen, Erbrechen, Sehstörungen, Verwirrtheit, neurologischen Störungen und Nasenbluten führen.

Ursache des Blutdruckanstiegs

Am häufigsten kommt die akute Blutdruckentgleisung als Komplikation bei einer schweren renal bedingten Hypertonie, d.h. bei einer Blutdruckerhöhung in Folge einer Nierenerkrankung oder einer endokrinen Hypertonie, d.h. bei einem Bluthochdruck auf Grund von hormonellen Veränderungen, vor.

Die akute Blutdrucksteigerung kann auch auf dem Boden einer primären Hypertonie entstehen, wenn der Hochdruck-Patient z.B. unter großer Anspannung und Stress steht. Die primäre Hypertonie ist eine Blutdruckform, bei keine organische Ursache für den erhöhten Blutdruck zu finden ist, vielmehr ist der hohe Blutdruck die Folge verschiedener Auslösefaktoren. Man kann also keine Organerkrankung als Grund des hohen Blutdrucks finden.

Ebenso sind Entgleisungen der Werte möglich, wenn eine medikamentöse Therapie zur Senkung des Blutdrucks abrupt beendet bzw. unterbrochen wird.

In der Schwangerschaft kann es ebenfalls zur Blutdruckkrise kommen, hierbei spricht man von einer Eklampsie.


Folgen einer Entgleisung des Blutdrucks

Bluthochdruck
Bluthochdruck

Das Gehirn sowie die Nieren können bei einer Bluthochdruckkrise Schaden nehmen. Die Gefäße des Gehirns erweitern sich bei akuter Blutdruckerhöhung, wodurch Flüssigkeit aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe übertreten und eine Hirnschwellung (Hirnödem) verursachen kann. Außerdem kann es zu Hirnblutungen kommen.

In der Niere kommt es durch die massiv hohen Blutdruckwerte zu Gewebeuntergang und der Bildung von Blutgerinnseln in den Nierengefäßen. Das Organ wird massiv geschädigt, woraus eine akute Einschränkung der Filterfunktion der Nieren folgt, die man als akutes Nierenversagen bezeichnet.

Das akute Organversagen muss schnellstmöglich behoben werden, um weitergehende und anhaltende Schädigungen verhindern zu können.

Auch das Herz kann von einer Bluthochdruckkrise Schaden nehmen:
Es kommt zu einer akuten Belastung des linken Herzens, da dieses gegen einen stark erhöhten Blutdruck anpumpen muss. Kann das Herz keine ausreichende Blutmenge gegen diesen Druck ins Gefäßsystem pumpen, spricht man von einem Linksherzversagen. Außerdem kann es zu Schmerzen auf der Brust und einem drohenden Herzinfarkt kommen.

Therapie der Bluthochdruckkrise und des hypertensiven Notfalls

Bluthochdruckkrise

Ein bedachtes und schnelles medizinisches Vorgehen mit dem Ziel, Organschädigungen so gering wie möglich zu halten, ist für die Versorgung eines Patienten mit akuter Blutdruckerhöhung nötig.

Die Auswahl der Medikamente richtet sich nach den Vorerkrankungen des Patienten und danach, welche Organe vom akuten Blutdruckanstieg betroffen sind. Die Therapie der beiden Entgleisungsformen unterscheidet sich, deshalb wird das jeweilige Vorgehen nacheinander beschrieben.

  • Therapie der hypertensiven Krise

Die Therapie der hypertensiven Krise, bei der definitionsgemäß keine Organschädigungen und Funktionseinschränkungen vorliegen, sollte der Blutdruck des Patienten langsam und kontrolliert in den nachfolgenden 24 Stunden auf normal hohe Werte gesenkt werden. Eine zu rasche Blutdrucksenkung könnte zu einer reflektorischen Blutdruckerhöhung führen; um dies zu vermeiden werden die Medikamente oral gegeben, d.h. der Patient erhält Medikamente zum Schlucken. In der Regel ist ein Krankenhausaufenthalt für die Behandlung der hypertensiven Krise nicht notwenig.

  • Therapie des hypertensiven Notfalls

Der hypertensive Notfall ist eine lebensbedrohliche Notfallsituation, in der schnell gehandelt werden muss. Im Vordergrund der Therapie steht eine rasche, aber kontrollierte Blutdrucksenkung durch Medikamente, die über einen venösen Zugang direkt in die Blutbahn gegeben werden, die auf diese Weise am schnellsten wirken. Die sofortige Blutdrucksenkung ist notwendig, um weitere Schäden am Gefäß- und Organsystem zu verhindern.

Die Behandlung sollte bereits außerhalb der Klinik durch einen Notarzt begonnen werden. Im Krankenhaus angekommen, müssen die Patienten intensivmedizinisch betreut und überwacht werden.

In den ersten 4 Stunden nach dem Bluthochdruckereignis sollten die Werte um 20-25% gesenkt werden, jedoch nicht unter eine Höhe von 180/100 mmHg. Wird der Blutdruck zu schnell gesenkt, kann es zur Minderdurchblutung von Gehirn, Nieren und Herz kommen. Im weiteren Verlauf der Therapie sollten Blutdruckwerte auf ein Niveau von ca. 160/100 mmHg gebracht werden, sofern es dem Patient gut geht. Dieses Niveau wird dann die nächsten 12 bis 24 Stunden beibehalten. Die Patienten erhalten neben direkt blutdruckenkenden Medikamenten auch Medikamente zur Förderung der Wasserausscheidung.

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Eine sofortige Therapie des entgleisten Blutdrucks ist nötig, da unbehandelte Patienten mit dauerhaft massiv erhöhtem Blutdruck ein sehr hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle (Apoplex) und Herzinfarkte sowie ein hohes Risiko haben, an diesen komplizierenden Erkrankungen zu versterben.

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Autor: Dr. Marc Jungermann      |     Letzte Änderung: 06.05.2012