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Brustschmerzen
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Synonym
Thoraxschmerzen, Brustbeinschmerzen
engl.: chest pains
Definition Brustschmerzen
Unter Brustschmerzen fasst man Schmerzen zusammen, deren Ursache entweder in der Brust entstehen und dort lokalisierbar sind oder in anderen Bereichen des Körpers entstehen und in die Brust einstrahlen.
Ursachen/ Formen
Brustschmerzen können vom Patienten in ganz unterschiedlicher Form empfunden werden, was die Stärke und den Schmerzcharakter betrifft. So können die Betroffenen z.B. über dumpfe Schmerzen im Bereich der Brust oder über ziehende, schneidende sowie brennende Beschwerden in diesem Bereich klagen. Die Stärke der Beschwerden reicht von leichten, nur in bestimmten Situationen auslösbaren Schmerzen bis zu todesangstauslösenden stärksten Schmerzen, die die Patienten meist vorher noch nie in dieser Form hatten.
Epidemiologie/ Häufigkeitsverteilung
Über Brustschmerzen klagen meistens Patientinnen und Patienten des mittleren Lebensalters. Bei Kleinkindern ist der Symptomenkomplex noch nicht vorhanden, während er bei Kinder zwischen 12 und 14 Jahren auf einen Prozentsatz von 1,4% ansteigt. 3,7% der 45-64-jährigen und 2,8 % der über 74-jährigen Patienten klagen über Brustschmerzen. Frauen und Männer leiden etwa gleich häufig darunter, wobei Frauen im späteren Alter über Beschwerden klagen.
Diagnose
Obwohl Brustschmerzen zahlreiche Ursachen haben können, stellt das Beschwerdebild zunächst eine dringende Notwendigkeit der Ursachenfindung dar, da auch neben den harmlosen Ursachen immer von einer lebensbedrohlichen Ursache ausgegangen werden muss. Jeder Patient mit Brustschmerzen sollte aus diesem Grund ein EKG bekommen, um einen Herzinfarkt auszuschließen. Das Krankengespräch sollte über Beginn, Lokalisation, Dauer und Art des Brustschmerzes sowie über Begleiterkrankungen Aufschluss geben. Danach sollte ein EKG geschrieben und der Patient körperlich untersucht werden. Dazu zählt den Oberkörper des Patienten vollständig zu begutachten, Verletzungen zu erkennen, Herztöne auszukultieren, um evtl. Herzrythmusstörungen zu finden. Blutdruckmessungen, um Entgleisungen festzustellen und Beklopfen des Brustbeins mit einem Reflexhammer, um ein Tietze-Syndrom zu diagnostizieren, sollten ebenfalls durchgeführt werden. Auch kann mit den Fingern der Brustkorb und die Rippen des Patienten beklopft werden, um eine Interkostalneuralgie zu diagnostizieren. Je nachdem, ob die Ursachensuche erfolglos bleibt, sollte dann die Ursache in den Bauchorganen gesucht werden (bedrücken (palpieren) und auskultieren des Bauches). Neben dem EKG sollte auch eine eingehende Blutuntersuchung nicht vergessen werden, in der Entzündungswerte und Herzinfarktenzyme gemessen werden. Kommt man zu keinem Ergebnis, kann man in Betracht ziehen, den Patienten nochmals einer eingehenden kardiologischen Untersuchung mit Herzecho und Belastungs-EKG zuzuführen. Psychosomatische Aspekte sollte man erst nach dem kompletten Ausschluss einer organischen Beteiligung in Betracht ziehen. Bei Brustschmerzen, die eine absolute notfällige Situation darstellen, muss der Patient nach einem EKG und Sofortmedikation direkt ins Krankenhaus mit einem Notarztwagen verbracht werden.
Therapie
Die Therapie der Brustschmerzen richtet sich ganz nach der auslösenden Ursache (siehe entsprechende Krankheitsbilder). Bei muskulös oder skelettbedingten Ursachen kann eine Medikation mit schmerzlindernden oder entkrampfenden Medikamenten erfolgen (z.B Ibuprofen).
Psychogene Ursachen sollte durch eine Weiterbehandlung eines niedergelassenen Facharzt für Psychiatrie erfolgen.
Prognose
Je nach verursachendem Krankheitsbild ist von einer unterschiedlichen Prognose der Heilung auszugehen. Die ungefährlichsten Brustschmerzen werden sicherlich durch Krankheitsbilder der Muskulatur und des Skeletts verursacht und können durch Schmerzmedikation oder Physiotherapie normalerweise komplett geheilt werden. Auch bei Beteiligungen von Herz- und Kreislauferkrankungen, die Brustschmerzen verursachen, ist heutzutage eine sehr gute Prognose zu verzeichnen.
Zusammenfassung
Brustschmerzen stellen ein häufiges Beschwerdebild dar, das sowohl harmlose als auch lebensgefährliche Ursachen haben kann. Man sollte also bei Patienten immer auch eine gefährliche Situation vermuten.
Die bekannteste Ursache von Brustschmerzen stellt, auch nach landläufiger Meinung, der Herzinfarkt dar, der mit Vernichtungsschmerzen, vorher noch die dagewesenen Ausmaß, mit Ziehen in den linken Arm, in den Oberbauch und in den Unterkiefer beschrieben wird. Die Patienten haben Todesangst, schwitzen und sind luftnötig. Eine sofortige Krankenhauseinweisung ist dringend notwendig. Eine Vorstufe des Herzinfarktes stellt der Angina Pectoris Anfall (eine Verengung der Gefäße des Herzens) dar, der in stabile Verlaufsform (nur in Bewegung) und instabile Verlaufsform (in Bewegung und Ruhe) eingeteilt wird. Die instabile Angina Pectoris stellt ebenfalls einen absoluten Notfall dar, da davon auszugehen ist, dass ein Herzinfarkt droht. Auch hier ist eine sofortige kardiologische Kontrolle notwendig. Neben dem Herzen können aber noch andere Organe des Brustkorbes Brustschmerzen verursachen. Ein Einriss der Hauptschlagader (Aorta) führt zu plötzlichen, sehr starken zum Teil auch in den Rücken ausstrahlenden Schmerzen. Plötzlich eintretende, starke und atmungsabhängige Schmerzen, die mit starker Atemnot einhergehen deuten auf eine Lungenembolie hin. Entzündungen des Rippenfells führen ebenfalls zu atemabhängigen reißenden und ziehenden Brustschmerzen. Eine Entzündung des Herzbeutels, die meisten viral bedingt ist, kann ebenfalls starke Brustschmerzen hervorrufen, geht aber in der Regel mit hohem Fieber einher. Überdehnungen und Zerrungen der Brustkorbwand (Interkostalneuralgie) oder entzündliche Knorperlveränderungen zwischen Rippen und Brustbein (Tietze-Syndrom) können auch Brustschmerzen hervorrufen, die aber meistens durch entsprechende Bewegungen provozierbar und linderbar sind. Auch orthopädische Erkrankung, wie die Bechterew Erkrankung oder die Hühnerbrust, können zum Teil sehr starke Brustschmerzen auslösen.
Einrisse der Speiseröhre durch Alkoholismus und häufiges Erbrechen können genauso Brustschmerzen hervorrufen, wie Entzündungen der Gallenblase oder der Bauchspeicheldrüse, blähende Darmsituationen oder rückfließender Magensaft (Reflux). Sind keine organischen Ursachen von Brustschmerzen zu finden, muss man von einer psychosomatischen Form ausgehen. Nach Trauersituationen oder während Krisensituationen können Patienten Brustschmerzen ohne organische Ursache empfinden. Aber auch bei psychiatrischen Krankheitsbilder, wie der Herzneurose, Depression, Psychose und der Hypochondrie, sollten die Patienten einem Facharzt für Psychiatrie überwiesen werden.
Bei Kindern kommt es im Alter zwischen 12 und 14 Jahren öfters zu Brustschmerzen, deren Ursache aber in den meisten Fällen nicht in Organen liegt. Die Ursache liegt oft in Dehnungen der Brustwand, Interkostalneuralgien oder hormonelle Einflüsse. Eine Behandlung ist meistens nicht notwendig.
Frauen und Männer sind gleich häufig von Brustschmerzen betroffen, wobei Frauen statistisch im höheren Alter unter den Beschwerden leiden. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr.
Der Arzt sollte zur Diagnosestellung immer zunächst eine lebensgefährliche Ursache, wie den Herzinfarkt oder die Lungenembolie ausschließen. Jeder Patienten mit Brustschmerzen sollte deshalb ein EKG und evtl. ein Blutbild angefertigt bekommen, auf dem Herzinfarkt und Lungenembolie oft gesehen werden können. Findet man keine Ursache, sollten die Bauchorgane, Gefäße und Skelett untersucht werden. Mit einem Reflexhammer kann der Arzt die Empfindlichkeit der Knorpelknochengrenzen (Tietze- Syndrom) untersuchen, durch Beklopfen der Brustwand, kann er Interkostalneuralgien feststellen. Wichtig ist, dass Patienten, deren Gesamtsituation notfallmäßig wird, sofort in die Klinik verlegt werden müssen und lediglich die allgemeine Erstversorgung in der Praxis erhalten sollten. Nach Ausschluss gefährlicher herzkreislaufbedingten Brustschmerzen kann, mit etwas mehr Ruhe, nach weiteren Ursachen gesucht werden. Findet der Arzt keine organischen Ursachen, auch nachdem er das Herz durch Belastungs-EKG und Ultraschall untersucht hat, sollte von einer psychosomatischen Ursache als Grund ausgegangen und entprechend den Patienten beruhigt und abgewartet werden oder bei zu hohem Leidensdruck einen Facharzt für Psychiatrie hinzugezogen werden.
Prognostisch muss man die jeweilige Brustschmerzen verursachende Erkrankung betrachten. Sicherlich haben die verspannenden Ursachen die besten Prognosen und stellen die ungefährlichste Ursache dar. Zwar sind die anderen Ursachen auch in der Regel behandelbar, aber meist von einer monatelangen oder lebenslangen Therapie gefolgt und müssen nicht selten operativ behoben werden. Eine relativ schlechte Prognose haben Brustschmerzen, die auf psychosomatische Ursachen zurückzuführen sind. Das liegt daran, dass der Grund, die Ursache und der Entstehungsmechanismus nicht genau bekannt ist und deshalb zunächst nicht zielgerichtet behandelt werden kann.
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