Inhalt:
Chlorhexidin
Einleitung
Durch die Bestimmungen des Gesundheitsstrukturgesetzes wird die Selbstmedikation immer mehr gefördert. Das bedingt natürlich, dass die Zahl der in der Apotheke frei verkäuflichen Arzneimittel stark vergrößert wurde. Die in dem Gesetz als sogenannte Bagatellerkrankungen ausgewiesenen Erkrankungen werden so aus den ärztlichen Verordnungen ausgeschlossen. Dazu gehören auch Entzündungen im Mund und Halsbereich. Zur Therapie solcher Erkrankungen gehört auch Chlorhexidin.
Synonyme im weiteren Sinne
Chlorhexidindigluconat, Paroex
Chlorhexidin und Chlorhexidindigluconat
Chlorhexidin ist ein Antiseptikum, das bereits in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt wurde. Es gehört zur Gruppe der Polyguanide. Es ist jedoch nicht gut wasserlöslich und deshalb nicht als Spüllösung geeignet. Daher wurde es durch Chlorhexidindigluconat ersetzt, das sehr gut wasserlöslich und hinsichtlich der Wirksamkeit identisch ist. Heute wird nur noch Chlorhexidindigluconat verwendet. Zunächst wurde es zur Behandlung in der Veterinär- und Humanmedizin bei Hautinfektionen (siehe auch: Haut) und Wunden angewendet. Chlorhexidindigluconat steht als gebrauchsfertige Lösungen in Konzentrationen von 0,1%, 0,15% und 0,2% zur Verfügung. Daneben auch als Gel zu 1%. In über 3.000 wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurde die Wirksamkeit nachgewiesen. Damit gehört Chlorhexidindigluconat zu den am häufigsten untersuchten Medikamenten überhaupt.
Indikationen
Chlorhexidindigluconat besitzt die Fähigkeit sich am Zahn und Mundschleimhaut für längere Zeit anzuheften. So wird nicht nur eine sofortige Wirkung , sondern auch ein Depoteffekt erzielt. Deshalb wurde es auch bald zur Behandlung von Infektionen in der Mundhöhle und zur Hemmung der Zahnbeläge angewendet. Daraus ergeben sich als Indikation für Chlorhexidindigluconat, durch Bakterien verursachte Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) und des Zahnfleisches (Gingivitis). Vor operativen Eingriffen und nach Operationen im Mundraum wird Chlorhexidindigluconat als Spüllösung zur Vermeidung von bakteriellen Komplikationen angewandt. Eine weitere Anwendung ist das Spülen von Wurzelkanälen bei der Wurzelkanalbehandlung durch den Zahnarzt. Das Gel dient der Therapie von Zahnfleischtaschen. Eine Langzeitanwendung zur Verringerung der Bakterien in den Zahnbelägen ist jedoch nicht anzuraten, da natürlich außer den Krankheitserregern auch die nützlichen Bakterien beeinflusst werden, und somit es zu einer Störung der Mundflora kommt. Dabei besteht die Gefahr, dass Keime überhand nehmen, die von dem Antiseptikum nicht erfasst werden. In Sonderfällen, wie zu Beispiel bei Patienten, die wegen eines Kieferbruchs in der Mundhygiene stark eingeschränkt sind, ist es jedoch sinnvoll Chlorhexidindigluconat für kurze Zeit einzusetzen. Die Anwendung erfolgt durch Spülung mit der unverdünnten Lösung. Zum Schutz des Zahnarztes vor Bakterien im Aerosol, zum Beispiel bei der Zahnsteinentfernung, hat sich eine prophylaktische Spülung mit Chlorhexidindigluconat bewährt. Ein versehentliches Verschlucken der Lösung ist nicht schädlich, da Chlorhexidindigluconat nicht resorbiert, und zu 100% unverändert ausgeschieden wird. Bei der Benutzung von Mundduschen verstärkt ein Zusatz von Chlorhexidindigluconat die reinigende Wirkung. Bei Prothesenträgern hat sich eine von Zeit zu Zeit durchgeführte Lagerung der Prothese über Nacht in einer Chlorhexidindigluconatlösung bewährt. Damit werden die Keime, die zum Auftreten einer durch Prothesen verursachten Schleimhautentzündung (Prothesenstomatitis) inaktiviert.
Wirkung
Die Wirkung von Chorhexidindigluconat beruht auf seiner Fähigkeit sich an die Zellwand der Bakterien anzuheften, sie zu zerstören und dadurch die Ausbreitung der Bakterien zu verhindern. In höherer Dosierung des Antiseptikums dringt es in die Zelle ein und zerstört sie.
Neben der Wirkung auf Bakterien wurde auch eine Wirksamkeit gegenüber bestimmten Viren nachgewiesen. Es sind dies vor allem die sogenannten Herpesviren.
Ein großer Vorteil von Chlorhexidindigluconat ist, dass bis heute keine Resistenzen unter den Erregern gegen die Wirkung von Chlorhexidin nachgewiesen wurden. Eine erfolgreiche Therapie kann schon nach wenigen Tagen nachgewiesen werden.
Nebenwirkungen
Wie auch bei anderen wirksamen Medikamenten, gibt es auch bei längere Dauer der Therapie mit Chlorhexidindigluconat Nebenwirkungen. So kann es zu Geschmacksirritationen kommen. Auch gibt es braune Verfärbungen von Zähnen, von Kunststofffüllungen und der Zunge. Das Auftreten von Verfärbungen kann von Individuum zu Individuum sehr verschieden ausgeprägt sein. Die Ursache hierfür ist noch ungeklärt. Eine mögliche Erklärung wäre eine unterschiedliche Zusammensetzung des Speichels. In seltenen Fällen kann es zu einer Verzögerung der Wundheilung kommen. Alle Nebenwirkungen sind allerdings reversibel, das heißt, sie verschwinden wieder nach Absetzen des Medikaments oder können vom Zahnarzt beseitigt werden.
Zusammenfassung
Chlorhexidin ist als Chlorhexidindigluconat ein im Mundraum sehr gut wirksames Antiseptikum. Es wird als unverdünnt anzuwendende Lösung angewandt. Die Indikationen sind vor allem bakteriell bedingte Erkrankungen der Mundschleimhaut und die reduzierende Beeinflussung der Zahnbeläge. Chlorhrxidindigluconat hat ein weites Wirkspektrum auf Bakterien und Viren ohne die Gefahr der Resistenzbildung. Nebenwirkungen können auftreten, sind aber harmlos und reversibel.
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