Inhalt:
Darmverschluss
Synonym
Ileus
Definition/Einleitung
Der Darmverschluss (Ileus) bedeutet einen Stopp des Nahrungstransports durch den Darm, der vielfältige Ursachen haben und Komplikationen nach sich ziehen kann. Er ist in der Regel ein akuter Notfall, dem eine sofortige Behandlung im Krankenhaus zu folgen hat. Man kann zwischen einem mechanischen und einem paralytischen Ileus (Darmverschluss) unterscheiden. Ersterem liegt eine räumliche Einengung des Darmlumens, Letzterem ein Erliegen der Darmbewegung zugrunde. Unterschieden werden kann auch nach der Ileuslokalisation (Darmverschlusslage) (Dünndarmileus / Dickdarmileus) oder dem Alter des Patienten (Neugeborenenileus / Kinderileus / Erwachsenenileus), da mit dem Alter spezifische Ursachen zusammenhängen.
Häufigkeit
Zur Inzidenz liegen keine Zahlen vor, jedoch wird davon ausgegangen, dass bei 10% aller Patienten, die wegen starker Bauchschmerzen notfallmäßig das Krankenhaus erreichen, ein Darmverschluss (Ileus)vorliegt.
Historie
Ileus (Darmverschluss) kommt von gr. ‚eleios’, dem Ort, an dem sich eine Schlage eingerollt hat, was bildhaft dem sich vor Schmerzen krümmenden Patienten gerecht wurde und wird. So beschrieb Hippokrates etwa 400 Jahre vor Christus die Krankheitserscheinung. Circa 350 vor Christus wird durch Praxagoras, einem Arzt in der Tradition Hippokrates’ sogar eine Ileusoperation beschrieben.
Ursachen
Ein mechanischer Ileus (Darmverschluss)hat als Ursache ein räumliches Hindernis für den Nahrungstransport, wie sie bei einer Hernie (Eingeweidebruch) auftreten kann, weil eine in den Bruchsack gedrückte Darmschlinge abgeklemmt, und die Passage der Nahrung behindert sein kann. Auch bei verdrehten, abgeknickten oder in sich hineingestülpten Darmschlingen kann es zum gleichen Problem kommen. Nach Operationen im Bauchraum kann sich ein sogenannter Bridenileus entwickeln, da sich äußere Verwachsungen der Darmschlingen entwickeln, die die freie Beweglichkeit des Darms während seiner Arbeit behindern. Innerhalb des Darmes kann es durch chronisch entzündliche Prozesse (Morbus Crohn) zu Verwachsungen kommen, die ebenso zu einer mechanischen Behinderung führen. Des Weiteren kann ein das Darmlumen einengender Tumor der dem Darm selbst, oder benachbarten Organen entspringt, als auch größere Fremdkörper oder abgegangene große Gallensteine im Darm ein Passagehindernis darstellen. Abschließend führt auch schwer verformbarer oder zäher Stuhl wie Kotballen, Mekonium (Kinderpech), oder zähe Körpersekrete im Rahmen einer Mukoviszidose zum mechanischen Ileus. Kotballen entstehen bei älteren Menschen vor allem durch nicht ausreichende Flüssigkeitszufuhr oder im Allgemeinen durch zu ballaststoffreiche Ernährung, während das Mekonium als erster Säuglingsstuhl viele zähe Bestandteile enthält, die manchmal einen Darmverschluss hervorrufen können.
Zum paralytischen Ileus (Darmverschluss)kommt es beispielsweise mittels Durchblutungsstörungen, wie sie bei einem Mesenterialinfarkt auftreten. Bei diesem kann es in den versorgenden Blutgefäßen des Darms durch Einschwemmung oder Entstehung eines Blutgerinnsels vor Ort (ähnlich wie bei Herzinfarkt oder Schlaganfall) zu einer Unterversorgung des Darms kommen. Verschiedene Arten von Verletzungen oder Entzündungen im Bauchraum können zu einem reflektorischen Erliegen der Darmbewegungen führen. Mögliche Ursachen sind eine Operation, ein Unfall mit Bauchraumverletzung, eine (sich anschließende) Entzündung des Bauchraumes und seiner Organe, oder auch Gallen- und Nierenkoliken. Ebenso mündet ein länger bestehender mechanischer Ileus durch die Entzündungsreaktion zwangsläufig in einem paralytischen Ileus. Darüber hinaus führen Elektrolytverschiebungen (Hypokaliämie), eine zu hohe Harnsäurekonzentration im Blut aufgrund einer Niereninsuffizienz (Urämie), als auch Vergiftungen mit Opiaten oder Blei zu einer Lähmung der Darmmuskulatur.
Symptome
Der akute Darmverschluss (Ileus) zeigt sich zunächst als ein „akutes Abdomen“ mit den unspezifischen Symptomen rasch einsetzender, starker Bauchschmerzen, einer bretthart gespannten, mitunter auch geblähten Bauchdecke, Übelkeit und Erbrechen, ggf. auch Fieber und Kreislaufschock. Aufgrund des verlegten Weitertransports der Nahrung kann dem Erbrochenen angedaute Nahrung aus tieferen Darmabschnitten beigefügt sein. Stuhl- und Windabgang kommen zum Erliegen, was auch schon in den wenigen Tagen vor Auftreten der Hauptsymptome begonnen haben kann und rückblickend zu erfragen ist. Es zeigen sich darüber hinaus veränderte Darmgeräusche beim Abhören per Stethoskop: Der mechanische Ileus (Darmverschluss)erzeugt durch seinen Engpass ein pressstrahlartiges Geräusch, das häufig als auf ein Blechdach tropfendes Wasser beschrieben wird. Der paralytische Ileus zeichnet sich dadurch aus, dass gar nichts, also noch nicht einmal das üblich vorhandene Darmgeräusch zu hören ist. Wird der Darmverschluss nicht aeichend schnell behandelt, kann es durch Zusammenbruch der Darmbarriere, oder durch Riss des entzündeten Darms zur Besiedelung des Bauchraums mit Darmkeimen kommen (Peritonitis), die einen septischen Schock nach sich zieht und mit einem anschließenden Multiorganversagen tödlich ausgeht.
Ein schleichender Beginn mit einem vorangehenden, unvollständigen Ileus (Subileus) ist ebenfalls möglich.
Diagnose
Der Verdacht auf einen Darmverschluss stellt sich zunächst aufgrund der oben genannten Hauptsymptome. Zur weiteren Unterscheidung von möglichen anderen Erkrankungen mit einem ähnlichen Erscheinungsbild erfolgt zunächst das ebenso schon genannte Abhören des Bauchraums (Auskultation). Eine Blutentnahme klärt allgemein eine Entzündungsreaktion des Körpers bzw. manche möglichen Ursachen und andere Folgen (Hypokaliämie, Urämie, Hyonatriämie). Per Ultraschall lässt sich eine erste Eingrenzung der Krankheitsursache vornehmen, indem man den Verschluss selbst und dessen Ursache, oder typische Bewegungsphänomene des Darms und seinen Füllungszustand beobachtet, während eine Röntgenaufnahme des Bauchs das Phänomen von Flüssigkeitsspiegeln bieten kann, was typisch für die Ileussituation ist. Letzten Endes bietet die Computertomographie die Möglichkeit zur räumlichen Vorstellung des Darms und zur Visualisierbarkeit des Verschlusses, während viele oben genannten Methoden durch die Symptomkombination und die assoziierten, niedriger technisierten Untersuchungsverfahren zur Verdachtsdiagnose Darmverschluss führen, welche aufgrund ihrer Brisanz jedoch auch die Indikation zur Operation nach sich zieht.
Therapie
Unter den Therapiemöglichkeiten steht vor allem die Operation im Vordergrund, die aufgrund der potentiellen Lebensbedrohlichkeit des Krankheitsbildes meist zügig erfolgt, vor allem bei zu erwartender Gefahr eines Durchbruchs der Darmwand oder einer bereits bestehenden Bauchfellentzündung. Bei der Operation werden Einstülpungen des Darmes, Verwachsungen oder etwaige Tumore beseitigt, die für den Ileus verantwortlich waren. Es kann dabei nötig sein, den Darm zu eröffnen und den stockenden Stuhl, oder bereits unterversorgte und absterbende Darmabschnitte zu entfernen. In letzterem, schweren Fall kommt es mitunter vor, dass bis zur Zusammenführung der zwei unterbrochenen Darmenden für einen Zeitraum von wenigen Monaten ein künstlicher Darmausgang angelegt werden muss. Ist eine Infektion der Bauchhöhle (Peritonitis) bereits erfolgt, wird die Bauchhöhle antibiotisch gespült, was einige Tage später erneut nötig werden kann. Zur Vermeidung einer nachfolgenden Blutvergiftung (Sepsis) werden auch intravenös während und nach der Operation Antibiotika verabreicht. An weiteren Behandlungsmaßnahmen erfolgt die Anlage einer Magensonde, um die Ileussituation zu entlasten und den Patienten vor etwaigem Koterbrechen zu bewahren. Über Infusionen können Entgleisungen des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes ausgeglichen und Medikamente zur Normalisierung der Darmaktivität oder zum Bekämpfen von Übelkeit und Schmerzen gegeben werden.
Prophylaxe
Üblicherweise ereilt ein Darmverschluss keinen Kerngesunden, weshalb bei verantwortlichen Risikofaktoren (Alter, Tumor, Hernie, ballaststoffreiche Ernährung, wenig Flüssigkeitsaufnahme, chronische Darmerkrankungen, Voroperationen, Mukoviszidose, Medikamente u.a.) nur deren Reduktion oder Behandlung im Vordergrund steht, falls sie bereits bekannt sind.
Prognose
Die Sterberate beim Darmverschluss (Ileus) wird mit 10-25% angegeben und ist stark abhängig von der Dauer zwischen seinem Beginn und dem Einleiten einer entsprechenden Behandlung. Wird diese zügig begonnen, ist die Prognose bezüglich des Überlebens gut, jedoch ist mit erneuten Verschlüssen zu rechnen, da sich nicht alle auslösenden Faktoren immer vollständig beseitigen lassen und gerade der Bridenileus zu Rezidiven neigt.
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