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Diabetes mellitus

Synonyme im weiteren Sinne

Wörtliche Übersetzung: „honigsüßer Durchfluss“

Zucker, Zuckerkrankheit,, Altersdiabetes, Typ I, Typ II, Schwangerschaftsdiabetes

Englisch: diabetes

Häufige Tippfehler: Diabetis

Definition Diabetes mellitus

Der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die auf einen absoluten oder relativen Insulinmangel zurückzuführen ist.
Das Kennzeichen dieser Erkrankung ist eine dauerhafte Überhöhung des Blutzuckerspiegels (Hyperglykämie) und des Urinzuckers. Ursache ist die unzureichende Wirkung des Hormons Insulin an den Leberzellen, Muskelzellen und Fettzellen des menschlichen Körpers.
Die Erkrankung ist eine der wichtigsten Erkrankungen in der Inneren Medizin.

Hinweis

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Ursachen und Entstehung

Diagnose Diabetes

Das entscheidende Hormon in der Regulation des Blutzuckerspiegels ist das Insulin. Ein Großteil der über die Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate enthält Glukose (Zucker). Dieser Zucker ist ein wichtiger Energielieferant für den menschlichen Körper und wird nach der Aufnahme über den Magen-Darm-Kanal ins Blut überführt. Von hier aus gelangt er unter der Einwirkung von Insulin in die Zellen:

Die Bauchspeichelsdrüse (Pankreas) gibt nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit Insulin in die Blutbahn ab, um die Verwertung des Zuckers zu ermöglichen. Das Hormon bewirkt die Durchlässigkeit der Zellwände für Zucker, so dass die Zellen ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden und der Zuckerspiegel im Blut sinkt. Somit ist Insulin ein wichtiger Kontrollfaktor für die Mobilisierung und Speicherung von Glukose (Zucker).

Auch für den Fett- und Eiweißstoffwechsel hat Insulin als sogenanntes anaboles Hormon eine Bedeutung, denn es bewirkt den Aufbau von Fettgewebe, d.h. von Energiespeichern für den Körper, sowie die Bildung von Eiweiß und dem Zuckerspeicherstoff Glykogen in der Leber und im Muskelgewebe.

Die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, nennt man Betazellen, Inselzellen oder Langerhans’sche Inseln nach ihrem Entdecker Paul Langerhans.

Häufigkeit (Epidemiologie)

Vorkommen in der Bevölkerung
7-8% der erwachsenen deutschen Bevölkerung haben einen Diabetes mellitus, wovon 95% dieser Personen an einem Typ-2 - Diabetes erkrankt sind.

Einteilung

Es gibt 3 Gruppen, in die die Erkrankung eingestuft werden kann.

  1. Typ-1 - Diabetes
  2. Typ-2 - Diabetes
  3. andere Diabetes Typen

Typ-1-Diabetes

Insulin

Die Betazellen der Bauchspeicheldrüse sind bei dieser Diabetesform zerstört und damit funktionsunfähig, d.h. sie produzieren kein Insulin mehr.
Der Zelluntergang, meistens ist die Anzahl der Zellen auf unter 10 % des eigentlichen Zellbestands reduziert, wird durch eine Autoimmunerkrankung verursacht und führt zu einem absoluten Insulinmangel.
Diese Form der Zuckerkrankheit kann in jedem Alter, vor allem aber im Kindes- und jugendlichen Alter, auftreten und macht 5-7% der Gesamtzahl der Diabetiker aus.

Bei den Patienten treten in 90 % der Fälle bestimmte genetische Merkmale auf, die Grund zur Annahme geben, dass eine erbliche Veranlagung für die Erkrankung an Diabetes vorliegt.
In 75 % der Fälle kann man im Blut der Patienten drei verschiedene Inselzell-Autoantikörper (IAA, GADA, IA-A) nachweisen. Diese Antikörper, die vom Körper selbst produziert werden, aber gegen körpereigene Strukturen gerichtet sind (Autoimmunerkrankung), lassen auf eine Zuckererkrankung schließen. Sind im Alter von zwei Jahren bereits zwei oder alle drei Inselzellantikörper vorhanden, so muss man mit einer Erkrankung des Kindes noch vor dem 10. Lebensjahr rechnen.
Im weitesten Sinne handelt es sich auch hier um eine Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis wie z.B. die rheumatoide Arthritis

Das Alter, in dem diese Form der Zuckerkrankheit vorwiegend auftritt, reicht vom 15. bis zum 24. Lebensjahr. Die Patienten sind meist normalgewichtig und haben keine stabile Stoffwechsellage.
Der Beginn der Erkrankung, bedingt durch den absoluten Insulinmangel, tritt rasch ein und zwar dann, wenn über 80 % der Inselzellen zerstört worden sind.
Häufig kommt es in Stresssituationen zum ersten Manifestwerden der Erkrankung.

Ist ein Elternteil eines Kindes an einem Typ-1 - Diabetes erkrankt, besteht ein Risiko von 2,5 - 5%, dass auch das Kind eine Zuckerkrankheit haben wird. Sind hingegen beide Elternteile von der Krankheit betroffen, liegt das Risiko der Kinder, ebenfalls zu erkranken, bei 20%.
Eine Therapie mit Insulin ist beim Typ-1-Diabetes unbedingt erforderlich, da die körpereigene Produktion versagt und das Hormon ersetzt, d.h. von außen zugeführt werden muss.

Typ-2 - Diabetes

Bei den Patienten mit Typ-2-Diabetes, auch Altersdiabetes genannt, liegt ein relativer Mangel an Insulin vor.

Aus zwei Gründen resultiert eine Störung des Zuckerstoffwechsels: Die Insulinabgabe (Sekretion) der Bauchspeicheldrüse ist gestört oder die Wirkung, die das Insulin an den Organen hat, ist herabgesetzt. Hierbei spricht man von Insulinresistenz, die sich auf Rezeptordefekte (Rezeptor=Oberflächliches Empfängermerkmal der Zelle über das Informationen, z.B. durch ein Hormon, in das Zellinnere gelangen), oder eine gestörte Signalweitervermittlung in der Zelle gründet.

Der größte Teil der Erkrankungen am Typ-2-Diabetes entwickelt sich auf Grund des metabolischen Syndroms (auch Wohlstandskrankheit genannt):
Viele Diabetes-Patienten weisen oftmals die folgenden 4 Risikofaktoren auf:

  1. Übergewicht mit überwiegendem Anteil des Körperfetts am Bauch
  2. erhöhte Blutfettwerte und Cholesterinwerte (Hyperlipidämie / Hypercholesterinämie)
  3. Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  4. Glukosetoleranzstörung (Zuckerkrankheit)

Fehlernährung mit Übergewicht und Bewegungsmangel sind entscheidende Faktoren in der Entstehung der Zuckerkrankheit. Die Überernährung bewirkt hohe Insulinspiegel im Blut, da Insulin notwendig ist, um die aufgenommene Glukose in die Zellen zu transportieren, wo die Zuckerverwertung und Energiegewinnung stattfindet.
Diese hohen Spiegel bewirken, dass die Zellen gegenüber Insulin unempfindlicher werden und die Insulin-Rezeptoren auf den Zellen zahlenmäßig abnehmen. Als Folge ist die Insulinwirkung abgeschwächt. Besteht das hohe Nahrungsangebot über längere Zeit weiter, wird wegen unempfindlicherer Zellen eine immer größere Insulinmenge notwendig, um die Nahrungskohlenhydrate zu verwerten.
Es liegt ein relativer Insulinmangel vor, d.h. die Insulinmenge, die vorhanden ist, reicht nicht aus, um die Zuckerverwertung abzudecken und den Blutzuckerspiegel zu senken. In dieser Phase der Erkrankung kann noch mit „Zuckertabletten“ (orale Antidiabetika) behandelt werden.

Nach solch einer jahrelangen Belastung für die Insulin-produzierenden Zellen kann es zur Erschöpfung der Insulinproduktion kommen und schließlich, auf Grund eines dann eingetretenen absoluten Insulinmangels, ein insulinpflichtiger Diabetes eintreten, d.h. es muss Insulin von außerhalb zugeführt werden. Orale Antidiabetika sind in dieser Phase der Erkrankung allein nicht mehr ausreichend wirksam.
Der Teufelskreis des Mehrbedarfs an Insulin kann durch sportliche Aktivität und Ernährungsumstellung durchbrochen werden, denn unter diesen Bedingungen fällt der Insulinspiegel und somit erhöht sich die Insulinempfindlichkeit der Zellen wieder.

Die Patienten mit Typ-2-Diabetes haben oft Übergewicht und sind vorwiegend älter als 40 Jahre. Der Beginn der Erkrankung, der langsam und eher schleichend eintritt, wird oft erst nach einiger Zeit bemerkt und zwar meist dann, wenn erhöhte Blut- und Harnzuckerwerte bei einer Routineuntersuchung festgestellt werden oder Spätfolgen des Diabetes (Zuckerkrankheit) auftreten und zur Diagnose führen (z.B. Polyneuropathie, diabetische Nephropathie / Retinopathie u.a.m.).

Auch bei dieser Form des Diabetes gibt es ursächliche genetische Komponenten. Das Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, liegt für Kinder, die ein erkranktes Elternteil haben, bei bis zu 50%.

Eine Therapie mit Insulin ist nicht zwingend nötig, sie muss jedoch begonnen werden, wenn die Insulinreserven erschöpft sind und eine Ernährungsumstellung allein sowie die Behandlung mit oralen Antidiabetika keine Wirkung mehr zeigen.


Andere Diabetes Typen

Medikamente Diabetes

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Therapieansätze der medikamentösen Therapie des Diabetes mellitus.

  1. Zum einen versucht man mit Medikamenten, die man Einnehmen muss die Restfunktion der Bauchspeicheldrüse so gut es geht zu unterstützen, das die noch produzierte Insulinmenge für den täglichen Bedarf ausreicht.
  2. Zum anderen kann man - wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage ist ausreichend Insulin zu produzieren, das Insulin von außen in verschieden Formen über Spritzen hinzuführen.

Mehr Informationen finden Sie unter: Medikamente Diabetes mellitus

Beschwerden / Symptome

Es können mehrere, für eine Diabetes-Erkrankung unspezifische Beschwerden auftreten, wie z.B. Müdigkeit, Mattigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsminderung, Infektanfälligkeit, schlecht heilende Wunden.

Symptome, die auf Grund eines zu hohen Blutzuckerspiegels bestehen, sind großer Durst, Gewichtsverlust und häufige Toilettengänge zum Wasserlassen. Die Haut kann beim Diabetiker einen Juckreiz, Pilzinfektionen, eine Rötung im Gesichtsbereich und bräunlich verfärbte Herde an beiden Unterschenkeln aufweisen.

Gehäuft treten aufgrund der Zuckerkrankheit Störungen der Nerven und somit Erkrankungen aus dem Bereich der Neurologie auf.

Bei Männern können Potenzstörung auftreten und bei Frauen ist es möglich, dass die monatliche Regelblutung ausbleibt.

Durch die diabetische Mitbeteilung der Augenlinse kann es zu Sehstörung kommen.

Während bei Typ-1-Diabetikern die sogenannten „hyperglykämischen Akutsymptome“ wie Gewichtsverlust, verstärktes Durstgefühl und häufiges Wasserlassen auftreten, geben chronische Folgeerscheinungen, z.B. Verschlüsse der Beinarterien (pAVK = periphere arterielle Verschlusskrankheit), beim Typ-2-Diabetes Anlass für Beschwerdeäußerungen.

Diagnose

Die Krankheit lässt sich aus einer typischen Krankengeschichte (Anamnese) heraus diagnostizieren: Der Diabetiker klagt über vermehrtes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme und Müdigkeit.

Der Arzt sucht weiterhin nach Symptomen einer Stoffwechselentgleisung und prüft, ob bereits diabetische Spätschäden bestehen. Der Typ-1- wie der Typ-2- Diabetes haben eine genetische Komponente, daher können Informationen über weitere Erkrankungsfälle in der Familie wegweisend für die Diagnose „Diabetes“ sein.

Zur Feststellung der Erkrankung ist die Bestimmung des Blutzuckerspiegels notwendig. Die Diagnose ist bestätigt, wenn

  1. bei einem Patient mit Symptomen der Gelegenheitsblutzuckerwert, d.h. ohne dass der Patient eine Nüchternphase eingehalten hat, größer oder gleich 200 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) ist.
  2. der Glukosespiegel im Blut beim nüchternen Patienten bei zwei voneinander unabhängigen Messungen über 126 mg/dl liegt. Nüchtern bedeutet, dass 8 Stunden lang vor der Untersuchung keine Nahrungsaufnahme stattgefunden hat.
    Zum Vergleich: Beim Gesunden liegt der Blutzuckerspiegel im nüchternen Zustand normalerweise unter 110 mg/dl.
  3. im Rahmen eines oralen Glucosetoleranztests (oGTT) der Blutzuckerwert 2 Stunden nach der Glucosegabe noch über 200 mg/dl liegt.

Der orale Glucosetoleranztest läuft folgendermaßen ab: Der Patient nimmt 3 Tage lang kohlenhydratreiche Kost zu sich (mindestens 150g pro Tag). Nach anschließender 10-16 stündiger Nahrungs- und Alkoholkarenz trinkt der Patient am Morgen im Sitzen oder Liegen innerhalb von 5 Minuten 75g Glukose und bleibt unter ärztlicher Kontrolle. Der Blutzuckerspiegel wird nüchtern und 2 Stunden nach dem Trinken der Glucoselösung bestimmt. Bei Werten über 140mg/dl und unter 200 mg/dl liegt beim Patienten eine gestörte Glukosetoleranz vor, Werte über 200 mg/dl beweisen einen Diabetes mellitus.

Ebenso sollte eine Bestimmung der Glucose im Urin erfolgen. Beim wiederholten Auftreten von Glucose im Urin, liegt mit wenigen Ausnahmen ein Diabetes mellitus vor. Dies hat folgenden Grund: Ab einem Blutzuckerwert von 160-180 mg/dl, der bei einem Diabetiker wegen der fehlenden Insulinwirkung vorliegt, wird Glucose von der Niere in den Urin abfiltriert. Dieser Wert nennt sich „Nierenschwelle“, da ab hier das Zuviel an Glucose über die Nieren ausgeschieden wird. Die Abfiltration der Glucose bewirkt, dass dem Körper Wasser entzogen wird und das Harnvolumen steigt. Das gesteigerte Harnvolumen erklärt die typischen Symptome des Erkrankten:

Ein weiteres diagnostisches Mittel ist die Ketonkörperbestimmung im Urin. Ketonkörper sind Stoffe, die bei Insulinmangel produziert werden. Ist ihre Konzentration im Urin erhöht, deutet dies auf einen Insulinmangel hin und stellt ein Warnzeichen für eine Stoffwechselentgleisung dar.

Weitere Untersuchungen können durchgeführt werden, um Begleiterkrankungen und diabetische Folgeschäden an anderen Organen festzustellen.

Hierzu gehören:

Alle 3 Jahre wird eine Nüchternblutzuckerbestimmung als Screeninguntersuchung auf Diabetes mellitus bei Personen über 45 Jahren durchgeführt. Bei Risikogruppen erfolgt diese Untersuchung schon früher, und zwar:

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Die auf unserer Seite gegebenen Informationen können die möglichen Therapieoptionen nur zusammenfassend skizzieren.
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Weitere Informationen

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