Divertikulitis

Synonyme im weiteren Sinne

Divertikulose, Entzündung Dickdarm

Englisch: diverticulitis

Definition Divertikulitis

Einer Divertikulitis geht immer erst die Ausbildung von Divertikeln (Divertikulose) voraus. Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand an muskelschwachen Stellen. Sie können sich nicht selbst entleeren, da sie keine Muskulatur besitzen, wie der übrige Darm. Ist nun eine solche Ausstülpung entzündet, spricht man von einer Divertikulitis.


Zusammenfassung

Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand. Sie bestehen nicht von Geburt an, sondern entwickeln sich im Laufe der Jahre.
Eine bevorzugte Stelle um solche Ausstülpungen zu entwickeln ist der Dickdarm.
80 Prozent der Divertikel treten im Sigma auf. Das Sigma ist ein s - förmiger Anteil des Dickdarms. Entzünden sich die Divertikel spricht man von einer Divertikulitis. Dies geschieht in etwa 25 % der Fälle. Einen schlechten Einfluss auf die Ausbildung dieser Divertikel hat eine ballaststoffarme Ernährung.
Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten wäre also wünschenswert. Hierdurch wird nicht nur die Verdauung angeregt, sondern es werden auch Gallensäuren gebunden. Deshalb wird diese Art der Ernährung auch bei hohen Cholesterinwerten empfohlen, da mit der Gallensäure auch Cholseterin ausgeschieden werden kann.
Entzündungen entstehen folgend durch Kotverstopfungen. Zu den Symptomen zählen neben Schmerzen auch Stuhlentleerungsstörungen. Diagnostiziert werden Divertikel im Ultraschall oder als Zufallsbefund einer Darmspiegelung.
Entzündete Divertikel werden anhand ihrer verdickten, entzündeten Wand auch im Ultraschall erkannt. Natürlich spielen auch die Symptome, die den Patienten zum Arzt bringen, eine wichtige Rolle.
Therapiert werden diese Entzündungen mit Hilfe von Antibiotika. Eine Operation ist in der Regel nur bei einem Durchbruch in die Bauchhöhle notwendig.

Häufigkeit (Epidemiologie)

Die Divertikulose ist eine Krankheit, die auf ballaststoffarme Ernährung zurückzuführen ist. Je älter die Menschen werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit solche Ausstülpungen zu entwickeln. Anfangs sind die Divertikel symptomlos. Im Laufe der Zeit entwickelt sich aber meistens eine symptomatische Divertikulitis, wenn sich das Divertikel entzündet.
In zwei Drittel aller Fälle bilden sich die Divertikel im Sigma (s - förmiger Teil des Dickdarm) und sind meist nur Pseudodivertikel. Seltener kommen sie im Coecum (Blinddarm im medizinischen Sinn, also Beginn es Dickdarms) vor, sind dann aber meist angeborene echte Divertikel.

Menschen in Industrieländern erkranken häufiger an Divertikulitis, als Einwohner von Entwicklungsländern. Grund ist die ballaststoffarme Ernährung die in den Industrienationen vorherrscht.

Sind bei einem Menschen Kolondivertikel (Kolon = Dickdarm) vorhanden, bleiben 75 Prozent asymptomatisch. Von den anderen 25 Prozent entsteht bei wiederum 25 Prozent eine Blutung (etwa ein Drittel massive Blutung) und 75 Prozent bekommen eine Divertikulitis.
Der größte Teil bleibt unkompliziert. Nur knapp ein Viertel hat anschließend mit den Symptomen zu  kämpfen.

Ursachen

Zu den Ursachen der Divertikel gehören beispielsweise hoher Druck im Darm bei Verstopfung oder schwache Muskulatur der Darmwände bei zunehmendem Alter.
Wenn sich Stuhl in diesen Divertikeln ansammelt, kann es zu Entzündungen kommen. Der Stuhl der sich dort sammelt, gelangt nämlich nur schwer wieder aus den Ausstülpungen heraus, da hier ja keine Peristaltik herrscht. (Peristaltik = Darmbewegung durch Wandmuskulatur, um den Stuhl bzw. Speisebrei vom Magen zum After zu befördern.) So dringen Bakterien in die Darmwand ein. Die Entzündungen kehren immer wieder und fallen unterschiedlich stark aus.

Symptome / Beschwerden

In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich um eine symptomlose Divertiklose. Symptomatisch werden nur etwa 20 Prozent.
Man unterscheidet hier zwischen den Symptomen

  • einer Sigmadivertikutitis (Sigma = s - förmiger Anteil des Dickdarms) und
  • einer Coecumdivertikulitis
     

Sigmadivertikulitis (80%)

  • spontane Schmerzen (meist linker Unterbauch)
  • unregelmäßiger Stuhlgang ( Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall)
  • evtl. lässt sich eine druckschmerzhafte Walze tasten
  • Blutbild: Entzündungsparameter (BSG und CRP) hoch
  • Fieber
     

Coecumdivertikulitis(20%)

  • Schmerzen im rechten Unterbauch

Die Stuhlentleerungsstörungen sind auf die angeschwollenen Darmwände zurückzuführen, die eine verengtes Darmlumen zur Folge hat. Kehren die Entzündungen immer wieder, kann es zu größeren Eiteransammlungen (Abszess) im kleinen Becken kommen. Fieber und erhöhte Entzündungsparameter sind sehr unspezifisch, weil sie bei jeder Art von Entzündung auftreten. Dennoch gehören sie zu den gängigsten Symptomen und könne Hinweise liefern.


Diagnose

Eine symptomlose Divertikulose ist meist nur Zufallsbefund einer Darmspiegelung.
Eine Entzündung der Divertikel hingegen lässt sich anhand:

stellen.

Im Ultraschall lassen sich die Divertikel darstellen. Sind sie entzündet, ist die Wand verdickt. Auch in der Computertomographie lassen sich die Divertikel erkennen. Mit Hilfe von Kontrastmittel werden auch hier verdickte Wände gesehen.

Einen Durchbruch der entzündeten Ausstülpungen, wurde man im Röntgenbild an so genannter „freier Luft“ erkennen. Freie Luft stellt sich schwarz dar. Sie entsteht durch das Austreten von Luft aus den aufgebrochenen Darmschlingen. Durch die immer noch herrschende Peristaltik (Bewegung des Darms) wird Luft aus dem Darm gedrückt. Diese Luft sammelt sich immer oben an. Je nach Lage des Patienten während des Röntgen, kann man also freie Luft an bestimmten Stellen beurteilen. Freie Luft muss von Luft in den Darmschlingen unterschieden werden.

Therapie Divertikulitis

Konservative Therapie

Bei bekanntem Vorhandensein von Darmwandausstülpungen (Divertikulose)  sollte ballaststoffreich gegessen werden, viel getrunken und sich viel bewegt werden. Sonst benötigt man keine Therapie.

Wenn die Divertikel entzündet sind, kann entweder konservativ oder operativ behandelt werden. Konservativ wird behandelt bei hochakuter oder leichter Entzündung.
Ist die Entzündung stark, sollte der Patient möglichst im Krankenhaus bleiben. Er darf nicht essen (Ernährung über das Blut durch Infusion) und wird mit einem Breitbandantibiotikum behandelt.
Hat sich Eiter angesammelt, so muss dieser abgelassen werden. Auch Schmerzmedikamente und solche, die die Anspannung der Darmmuskulatur herabsetzten werden dann zusätzlich verabreicht.

Auch bei leichter Entzündung wird mit einem solchen Antibiotikum therapiert. Meist erfolgt die Behandlung jedoch ambulant, also zu Hause.

Operative Therapie

Eine Operation ist sofort nötig wenn ein entzündeter Divertikel aufbricht und die Entzündung in die Bauchhöhle übertritt. Auch eine Blutung, Verstopfung, Fistelbildung oder häufige Rückfälle machen eine OP notwendig.

Entweder wird der Darmabschnitt entfernt und die beiden verbleibenden Enden aneinandergenäht, oder es wird vorübergehend ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) angelegt. Der künstliche Darmausgang wird meist nach einer Notfalloperation wegen der starken Entzündungsreaktion gelegt. Die Entzündung kann nun abklingen und nach etwa acht bis zwölf Wochen wird der Anus praeter zurückverlegt.

Es gibt zwei Operationsverfahren.
Die chirurgischen Eingriffe können entweder mit einem Bauchschnitt oder einer Bauchspiegelung erfolgen. Beim Bauchschnitt handelt es sich um eine herkömmliche OP, bei der die Bauchhöhle eröffnet wird. Bei der Bauchspiegelung (Lapraskopie) hingegen wird ein kleiner Schnitt im Bereich des Bauchnabels gemacht. Nun wird der Bauch mit Kohlensäuregas aufgebläht. Durch den nabel wird ein optisches gerät (Lapraskop) eingeführt mit dem man durch eine mini-Kamera einen Einblick in die Bauchhöhle erhält. Weitere Instrumente werden durch weitere kleinste Schnitte in die Bauchhöhle eingebracht. Unter Sicht wird nun der befallenen Dickdarm entfernt.

Komplikationen

Ein solch entzündeter Divertikel kann aufbrechen und die Entzündung in die Bauchhöhle übergehen. Gefolgt von einer Bauchfellentzündung ist dies wohl die schwerste Komplikation und muss sofort operiert werden.

Es kann außerdem zu

kommen.

Auch die Ausbildung von Fisteln ist möglich. Fisteln sind Verbindungen zwischen zwei Darmschlingen. Diese Fisteln können sich aber durchaus auch zwischen dem Darm und anderen Organen ausbilden. Auch Fisteln zwischen Darm und Harnblase sind denkbar und kommen auch manchmal vor. Besonders häufig ist das bei Morbus Crohn der Fall.

Prophylaxe

Prophylaxe kann insofern betrieben werden, als dass man ballaststoffreiche Nahrung zu sich nimmt.
Eine ballaststoffreiche Ernährung erzielt man indem man viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Sonnenblumenkerne zu sich nimmt. Auch Naturreis fällt in diese Kategorie. Zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehört auch noch die ausreichende Flüsigkeitsaufnahme. Pro Tag sollte ein Erwachsener etwa zwei bis drei Liter trinken.

Die Instabilität der muskulären Darmwand mit zunehmendem Alter ist leider nicht beeinflussbar.

Prognose

Die akute Divertikulitis ist mit Medikamenten gut zu behandeln und bildet sich auch meist rasch zurück. Der Ursache jedoch, nämlich die Ausbildung von Divertikeln überhaupt, ist medikamentös leider nicht beizukommen.

Allgemein kann man festhalten, dass das Alter der Ersterkrankung eine Rolle spielt. Je früher die Divertikel Beschwerden verursachen, desto früher besteht der Bedarf einer Operation. Auch wenn Entzündungen häufiger auftreten, verengt sich das Darmlumen (Darmröhre) und Operationen werden nötig. Diese Operation ist - wie alle anderen Operationen auch - natürlich mit gewissen Risiken verbunden. Infektionen, Blutungen oder Verletzung von benachbarten Organen sind möglich.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.05.2011