Inhalt:
- Dünndarm
- Synonyme im weiteren Sinne
- Definition
- Zwölffingerdarm / Duodenum
- Abbildung “Innere Organe”
- Leerdarm / Krummdarm
- Wand vom Dünndarm
- Schleimhaut vom Dünndarm
- Feingeweblicher Aufbau
- Bewegung / Peristaltik
- Nahrungsaufnahme
- Wichtige Erkrankungen des Dünndarms
- Colitis ulcerosa
- Zwölffingerdarmgeschwür
- Zöliakie
- Weiterführende Informationen
Dünndarm
Synonyme im weiteren Sinne
Interstitium tenue, Leerdarm (Jejunum), Krummdarm (Ileum), Zwölffingerdarm (Duodenum)
Definition
Der Dünndarm ist der Abschnitt des Verdauungstrakts, der dem Magen folgt. Dieser gliedert sich in drei Abschnitte. Er beginnt mit dem Zwölffingerdarm (Duodenum), gefolgt vom Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum). Die Hauptaufgabe des Dünndarms ist die Spaltung des Nahrungsbreis (Chymus) in seine kleinsten Bestandteile und die Aufnahme (Resorption) dieser Bestandteile durch die Darmschleimhaut.
Zwölffingerdarm / Duodenum
Anatomie
Dieser Abschnitt folgt direkt dem Magenausgang (Pylorus). Er ist ca. 24 cm lang, hat die Form eines „C´s“ und umschließt mit diesem „C“ den Kopf der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Der Zwölffingerdarm Duodenum wird zusätzlich aufgeteilt in einen oberen Teil (Pars superior), der direkt an den Magenausgang anschließt, den absteigenden Teil (Pars deszendens), den horizontalen Teil (Pars horizontalis) und den aufsteigenden Teil (Pars ascendens).
Der Zwölffingerdarm (Duodenum) ist der einzige Dünndarmteil, welcher fest an der hinteren Bauchwand anliegt. In seinem absteigendem Anteil enden die Ausführungsgänge des Gallengangs (Ductus choledochus) und des Pankreasgangs (Ductus pancreaticus). Diese münden meistens gemeinsam in die Papilla vateri (Papilla duodenalis major). Münden die Gänge in seltenen Fällen getrennt von einander in den Zwölffingerdarm, gibt es noch einen zusätzlichen Pankreasausgang in eine kleinere Papille (Papilla duodenalis minor).
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Abbildung “Innere Organe”
Leerdarm / Krummdarm
Die zwei längeren Teile des Dünndarms Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum) liegen in der Mitte des Bauchraumes und werden vom Dickdarm umrahmt. Diese beiden Abschnitte des Dünndarms sind sehr beweglich, weil sie auf einer speziellen Aufhängestruktur, den so genannten Mesenterium aufgehängt sind, welches den Darm flexibel an der hinteren Bauchwand befestigt. Diese fettreiche Struktur enthält außerdem die Blutgefäße, Nerven und Lymphknoten, die den Dünndarm versorgen. Der Dünndarm ist so am Mesenterium aufgehängt, dass er sich in große Falten legt, die auch als das Dünndarmgekröse bezeichnet werden.
Der Leerdarm (Jejunum) ist ca. 3,5 m lang, der Krummdarm (Ileum) misst ca. 2,5 m. Zwischen diesen beiden Dünndarmabschnitten kann man mit bloßem Auge keine scharfe Grenze abzeichnen. Nur feingeweblich (histologisch) kann man die Dünndarmteile von einander unterscheiden. Am Ende des Dünndarms mündet das Ileum seitlich in den Blinddarmanteil des Dickdarms ein, wobei diese Mündung von der Dickdarmklappe (Ileozaekalklappe, Bauhinschen Klappe) bedeckt wird. Diese Klappe dient als funktioneller Verschluss des Ileums gegenüber dem Dickdarm. Durch dieses Ventil können die in dem Dickdarm besiedelten Bakterien nicht in den sterilen Dünndarm vordringen.
Wand vom Dünndarm
Schichtaufbau und Strukturen der Dünndarmwand
- Von Innen wird die Dünndarmwand von Schleimhaut ausgekleidet (Tunica mucosa), die man in drei Unterschichten unterteilt. Die oberste Lage ist ein Deckgewebe (Lamina epithelialis mucosae). In diesem Deckgewebe sind besondere Zellen (Becherzellen) eingelagert, die mit Schleim gefüllt sind, den sie periodisch ins Darminnere abgeben und so die Gleitfähigkeit des Darms gewährleisten. Als nächste Unterschichten folgen dann eine bindegewebige Verschiebeschicht (Lamina propria mucosae), anschließend eine sehr schmale Eigenmuskelschicht (Lamina muscularis mucosae), die das Relief der Schleimhaut verändern kann.
- Es folgt noch eine lockere Verschiebeschicht (Tela submucosa), die aus Bindegewebe besteht und in der ein dichtes Netz von Blut- und Lymphgefäßen verläuft, sowie ein Nervenfasergeflecht das als Plexus submukosus (Meißner-Plexus) bezeichnet wird. Dieses Nervengeflecht stellt das so genannte Enterische Nervensystem dar und innerviert den Darm unabhängig vom Zentralen Nervensystem. Im Zwölffingerdarm befinden sich in dieser Schicht außerdem die so genannten Brunner-Drüsen (Glandulae interstinales), die verschiedene Enzyme und einen alkalischen Schleim bilden, welcher die Magensäure neutralisieren vermag. Die folgende Darmmuskelschicht (Tunica muscularis) unterteilt man in zwei Unterschichten, deren Fasern jeweils in verschiedene Richtungen verlaufen: zunächst eine innen liegende stark ausgebildete Ringmuskelschicht (Stratum circulare) und dann eine äußere Längsmuskelschicht (Stratum longitudinale). Zwischen dieser Ring- und der Längsmuskelschicht verläuft ein Nervenfasergeflecht, der Plexus myentericus (Auerbach-Plexus), welcher diese Muskelschichten innerviert (anregt). Diese Muskulatur sorgt für die wellenartige Bewegung des Darmes (Peristaltische Bewegung).
- Es folgt wieder eine bindegewebige Verschiebeschicht (Tela subserosa).
- Den Abschluss bildet ein Überzug vom Bauchfell (Peritoneum) der alle Organe auskleidet. Man nennt diesen Überzug auch Tunica serosa.
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Schleimhaut vom Dünndarm
Für die Aufnahme (Resorption) der Nahrungsbestandteile benötigt der Dünndarm eine große Aufnahmefläche. Durch eine starke Fältelung und zahlreiche Ausstülpungen wird eine starke Vergrößerung der Schleimhautoberfläche erreicht. Dies wird durch verschiedene Strukturen gewährleistet:
- Kerkig-Falten (Plicae circulares)
Das sind Ringfalten, die das Grobrelief des Dünndarms bilden und bei denen sowohl die Mukosa als auch die Submukosa ausstülpt. - Dünndarmzotten (Villi interstinales)
In allen Dünndarmabschnitten finden sich diese fingerförmigen 0,5-1,5 mm großen Ausstülpungen, bei denen sich das Epithel und die Lamina propria ausstülpen. - Lieberkühn-Krypten (Glandulae interstinales)
In den Tälern der Zotten finden sich schlauchförmige Vertiefungen, die bis zur der Lamina muscularis reichen. - Mikrovilli
Dieser so genannte „Bürstensaum“ bildet das Mikrorelief der Dünndarmschleimhaut und vergrößert diese um das 10fache. Bei den Mikrovilli stülpt sich das Zytoplasma (ausfüllender Inhalt der Zellen) der einzelnen Dünndarmzellen (Enterozyten) aus.
Die feingeweblichen (histologischen) Unterschiede der einzelnen Dünndarmabschnitte werden hier noch mal kurz dargestellt:
- Zwölffingerdarm (Duodenum)
Das Duodenum ist gekennzeichnet durch sehr hohe Kerking-Falten und durch blattförmig imponierende Dünndarmzotten. Das wichtigste Merkmal stellen jedoch die nur im Zwölffingerdarm vorkommenden Brunner-Drüsen (Glandulae interstinales) dar, die in der Submukosa liegen und sich an der Bildung des Dünndarmsaftes beteiligen und Enzyme wie Maltase und Amylase bilden. - Leerdarm (Jejunum)
Hier werden die Kerking-Falten im Verlauf niedriger, die Dünndarmzotten werden länger und haben eine eher fingerförmige Struktur - Krummdarm (Ileum)
Die Kerking-Falten sind in diesem Dünndarmabschnitt besonders niedrig und fehlen im unteren Ileum ganz. Die Dünndarmzotten werden auch immer kürzer und die Anzahl der Becherzellen nehmen im Verlauf des Darmes zu. Besonders auffällig ist das zahlreiche Vorkommen der Lymphfollikel (Ansammlung von Lymphzellen) im Ileum. Wenn viele Follikel auf einer Stelle versammelt sind nennt man diese Stelle auch Peyer-Platten. Diese Strukturen sind im hohen Maß an der Immunabwehr des Darmes beteiligt.
Funktion
Im Dünndarm wird die Nahrung mithilfe von Enzymen (aktive Eiweiße) in die einzelnen Nahrungsbestandteile gespalten, damit die Darmschleimhaut diese aufnehmen (resorbieren) kann.
Eiweiß (Protein)
Da im Zwölffingerdarm der ph-Wert annähernd neutral ist, kann das Enzym Pepsin, welches im sauren Magensaft aktiv ist, nicht mehr weiter Proteine verdauen und spalten. Somit ist die Eiweißverdauung im Zwölffingerdarm erst mal gestoppt. Nun tritt der Bauchspeicheldrüsensaft in den Zwölffingerdarm. Die Enzyme Trypsin und Chymotrypsin aus dem Pankreassaft werden im alkalischen Milieu des Zwölffingerdarms aktiviert und führen die Proteinverdauung fort. Die durch die Spaltung entstandenen Peptide (zerkleinerte Proteine) werden dann noch mal von anderen Enzymen (Peptidasen), die an den Mikrovilli der Dünndarmschleimhaut sitzen, zu kleineren Peptiden (Di und Tripeptiden) gespalten. Diese kleinen Eiweißeinheiten können dann durch verschiedene molekulare Aufnahmemechanismen in die oberflächlichen Darmzellen (Enterozyten) aufgenommen werden.
Kohlenhydrate
Verschiedene Enzyme beteiligen sich an der Spaltung der unterschiedlichen Zucker, die die Menschen zu sich nehmen. Die Kohlenhydratverdauung beginnt im Mundraum, wo durch Ptyalin (eine a-Amylase) die Stärke bereits in Malzzucker (Maltose) und andere Vielfachzucker (Oligisacharide) spalten wird. Im Dünndarm werden dann durch die Enzyme Lactase, Sucrase und Maltase die Zucker in ihre Bestandteile Glucose, Galaktose, Mannose und Fructose, zerlegt. Diese Zuckerbestandteile werden anschließend durch verschiede molekulare Mechanismen in die Dünndarmzellen (Enterozyten) aufgenommen.
Fette
Unter Einfluss des Enzyms Lipase aus der Bauchspeicheldrüse werden die Triglyceride (Neutralfette) in Glycerin und freie Fettsäuren gespalten. Durch die Gallensäuren, die in der Leber gebildet werden, werden diese Bestandteile in einer Struktur eingebaut, die man Micelle nennt. In den Micellen können diese fettlöslichen Substanzen die Darmzellen passieren, wo sie in ein Protein-Fett-Molekül (Chylomikron) eingeschleust werden.
Vitamine
Die Vitamine, die fettlöslich sind, werden zusammen mit anderen Fetten in den oben genannten Micellen durch die Darmwand geschleust. Die wasserlöslichen Vitamine diffundieren passiv durch die Darmwand. Eine besondere Ausnahme stellt das Vitamin-B-12 dar, welches mit dem im Magen gebildeten Intrinsic-factor ein Komplex bildet und erst durch diese Verbindung im Ileum aufgenommen werden kann.
Bewegung / Peristaltik
Nach der Aufnahme in die Dünndarmschleimhaut werden die Nährstoffe in die Blutbahn weitergeleitet. Durch das Gefäßnetznetzwerk (Kapillaren) in den Dünndarmzotten werden die Zucker, die Aminosäuren (aus Peptiden) und die kurz bis mittelkettigen Fettsäuren in die Blutgefäße aufgenommen und über die Pfortader in die Leber weitergeleitet. Die langkettigen Fettsäuren, die Cholesterinesther und Phosphilipide, werden in große Protein - Fett - Moleküle (Chylomikronen) eingebaut und über das Lymphgefäß in der Dünndarmzotte zunächst an der Leber vorbei in den Blutkreislauf geschleust.
Der Darm ist außerdem noch wichtig für die Resorption von Wasser. Ca. 9 Liter Flüssigkeit wird insgesamt an einem Tag aufgenommen. Davon stammen etwa 1,5 Liter von der getrunkenen Flüssigkeit und den Rest stellen die Flüssigkeiten (Sekrete) dar, die der Magen-Darm-Trakt bildet. Dazu gehören Speichel, Magensaft, Dünndarmsaft, Pankreas- und Gallensaft.
Nahrungsaufnahme
Nach der Aufnahme in die Dünndarmschleimhaut werden die Nährstoffe in die Blutbahn weitergeleitet. Durch das Gefäßnetznetzwerk (Kapillaren) in den Dünndarmzotten werden die Zucker, die Aminosäuren (aus Peptiden) und die kurz bis mittelkettigen Fettsäuren in die Blutgefäße aufgenommen und über die Pfortader in die Leber weitergeleitet. Die langkettigen Fettsäuren, die Cholesterinesther und Phosphilipide, werden in große Protein-Fett-Moleküle (Chylomikronen) eingebaut und über das Lymphgefäß in der Dünndarmzotte zunächst an der Leber vorbei in den Blutkreislauf geschleust.
Der Darm ist außerdem noch wichtig für die Resorption von Wasser. Ca. 9 Liter Flüssigkeit wird insgesamt an einem Tag aufgenommen. Davon stammen etwa 1,5 Liter von der getrunkenen Flüssigkeit und den Rest stellen die Flüssigkeiten (Sekrete) dar, die der Magen-Darm-Trakt bildet. Dazu gehören Speichel, Magensaft, Dünndarmsaft, Pankreas- und Gallensaft.
Wichtige Erkrankungen des Dünndarms
Diese chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) kann theoretisch den gesamten Magen-Darm-Trakt von der Mundhöhle bis zum After befallen. Bevorzugt befällt die Krankheit jedoch den unteren Dünndarm (terminales Ileum) und erscheint oft mit Symptomen, wie krampfartigen Bauchschmerzen und schleimigen Durchfall (Diarrhöe). Das charakteristische an dieser Autoimmunkrankheit ist jedoch der abschnittsweise (segmentale) Befall der Darmschleimhaut.
Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter: Morbus Crohn
Colitis ulcerosa
Die Colitis ulcerosa ist auch eine Krankheit aus der Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die Colitis ulcerosa kennzeichnet sich besonders durch Befall des Dickdarms aus, kann jedoch auch manchmal den Dünndarm befallen. Man spricht dann von einer „hineingewachsenen“ Dünndarmentzündung („Backwash-Ileitis“). Auch diese Erkrankung ist autoimmunologisch getriggert und macht sich mit Bauchschmerzen und blutigen Durchfall (Diarrhöe) bemerkbar.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Colitis ulcerosa
Zwölffingerdarmgeschwür
Das so genannte Ulcus duodeni bezeichnet ein Geschwür im Zwölffingerdarm. Die zwei wichtigsten Verursacher für diese sehr häufig vorkommende Erkrankung sind das Bakterium Helicobacter pylori und Schmerzmedikamente wie Aspirin oder Nicht-Steroidale-Anti-Rheumatika (NSAR). Eine gefährliche Komplikation der Ulkuskrankheit tritt auf, wenn das Geschwür ein größeres Gefäß erreicht und es so zu einer lebensgefährlichen Blutung (Magen-Darm-Blutung) kommt.
Zöliakie
Diese Erkrankung wird allgemein als glutensensitive Enteropathie oder einheimische Sprue bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Unverträglichkeit der Dünndarmschleimhaut gegen das in vielen Getreidesorten vorkommende Klebereiweiß (Gluten). Die Betroffenen klagen über Durchfälle und Gewichtsverlust. Die Therapie dieser Errankung besteht in einer lebenslangen glutenfreien Diät.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Zoeliakie
Weiterführende Informationen
Top-Themen der Inneren Medizin:
Weitere Informationen zu anatomischen Themen finden Sie unter Anatomie A-Z
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