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Dünndarm

Synonyme im weiteren Sinne

Interstitium tenue, Leerdarm (Jejunum), Krummdarm (Ileum), Zwölffingerdarm (Duodenum)

Definition

Der Dünndarm ist der Abschnitt des Verdauungstrakts, der dem Magen folgt. Dieser gliedert sich in drei Abschnitte. Er beginnt mit dem Zwölffingerdarm (Duodenum), gefolgt vom Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum). Die Hauptaufgabe des Dünndarms ist die Spaltung des Nahrungsbreis (Chymus) in seine kleinsten Bestandteile und die Aufnahme (Resorption) dieser Bestandteile durch die Darmschleimhaut.

Zwölffingerdarm / Duodenum

Anatomie

Dieser Abschnitt folgt direkt dem Magenausgang (Pylorus). Er ist ca. 24 cm lang, hat die Form eines „C´s“ und umschließt mit diesem „C“ den Kopf der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Der Zwölffingerdarm Duodenum wird zusätzlich aufgeteilt in einen oberen Teil (Pars superior), der direkt an den Magenausgang anschließt, den absteigenden Teil (Pars deszendens), den horizontalen Teil (Pars horizontalis) und den aufsteigenden Teil (Pars ascendens).
Der Zwölffingerdarm (Duodenum) ist der einzige Dünndarmteil, welcher fest an der hinteren Bauchwand anliegt. In seinem absteigendem Anteil enden die Ausführungsgänge des Gallengangs (Ductus choledochus) und des Pankreasgangs (Ductus pancreaticus). Diese münden meistens gemeinsam in die Papilla vateri (Papilla duodenalis major). Münden die Gänge in seltenen Fällen getrennt von einander in den Zwölffingerdarm, gibt es noch einen zusätzlichen Pankreasausgang in eine kleinere Papille (Papilla duodenalis minor).


Abbildung “Innere Organe”

 

  1. Schildknorpel / Kehlkopf
  2. Luftröhre (Trachea)
  3. Herz (Cor)
  4. Magen (Gaster)
  5. Dickdarm (Colon)
  6. Enddarm (Rektum)
  7. Dünndarm (Ilium, Jejunum)
  8. Leber (Hepar)
  9. Lunge, bzw. Lungenflügel

Leerdarm / Krummdarm

Die zwei längeren Teile des Dünndarms Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum) liegen in der Mitte des Bauchraumes und werden vom Dickdarm umrahmt. Diese beiden Abschnitte des Dünndarms sind sehr beweglich, weil sie auf einer speziellen Aufhängestruktur, den so genannten Mesenterium aufgehängt sind, welches den Darm flexibel an der hinteren Bauchwand befestigt. Diese fettreiche Struktur enthält außerdem die Blutgefäße, Nerven und Lymphknoten, die den Dünndarm versorgen. Der Dünndarm ist so am Mesenterium aufgehängt, dass er sich in große Falten legt, die auch als das Dünndarmgekröse bezeichnet werden.
Der Leerdarm (Jejunum) ist ca. 3,5 m lang, der Krummdarm (Ileum) misst ca. 2,5 m. Zwischen diesen beiden Dünndarmabschnitten kann man mit bloßem Auge keine scharfe Grenze abzeichnen. Nur feingeweblich (histologisch) kann man die Dünndarmteile von einander unterscheiden. Am Ende des Dünndarms mündet das Ileum seitlich in den Blinddarmanteil des Dickdarms ein, wobei diese Mündung von der Dickdarmklappe (Ileozaekalklappe, Bauhinschen Klappe) bedeckt wird. Diese Klappe dient als funktioneller Verschluss des Ileums gegenüber dem Dickdarm. Durch dieses Ventil können die in dem Dickdarm besiedelten Bakterien nicht in den sterilen Dünndarm vordringen.

Wand vom Dünndarm

Schichtaufbau und Strukturen der Dünndarmwand


Schleimhaut vom Dünndarm

Für die Aufnahme (Resorption) der Nahrungsbestandteile benötigt der Dünndarm eine große Aufnahmefläche. Durch eine starke Fältelung und zahlreiche Ausstülpungen wird eine starke Vergrößerung der Schleimhautoberfläche erreicht. Dies wird durch verschiedene Strukturen gewährleistet:

  1. Kerkig-Falten (Plicae circulares)
    Das sind Ringfalten, die das Grobrelief des Dünndarms bilden und bei denen sowohl die Mukosa als auch die Submukosa ausstülpt.
  2. Dünndarmzotten (Villi interstinales)
    In allen Dünndarmabschnitten finden sich         diese fingerförmigen 0,5-1,5 mm großen Ausstülpungen, bei denen sich das         Epithel und die Lamina propria ausstülpen.
  3. Lieberkühn-Krypten (Glandulae interstinales)
    In den Tälern der Zotten          finden sich schlauchförmige Vertiefungen, die bis zur der Lamina muscularis      reichen.
  4. Mikrovilli
    Dieser so genannte „Bürstensaum“ bildet das Mikrorelief der        Dünndarmschleimhaut und vergrößert diese um das 10fache. Bei den          Mikrovilli stülpt sich das Zytoplasma (ausfüllender Inhalt der Zellen) der     einzelnen Dünndarmzellen (Enterozyten) aus.

Die feingeweblichen (histologischen) Unterschiede der einzelnen Dünndarmabschnitte werden hier noch mal kurz dargestellt:
 

Funktion

Im Dünndarm wird die Nahrung mithilfe von Enzymen (aktive Eiweiße) in die einzelnen Nahrungsbestandteile gespalten, damit die Darmschleimhaut diese aufnehmen (resorbieren) kann. 

Eiweiß (Protein)
Da im Zwölffingerdarm der ph-Wert annähernd neutral ist, kann das Enzym Pepsin, welches im sauren Magensaft aktiv ist, nicht mehr weiter Proteine verdauen und spalten. Somit ist die Eiweißverdauung im Zwölffingerdarm erst mal gestoppt. Nun tritt der Bauchspeicheldrüsensaft in den Zwölffingerdarm. Die Enzyme Trypsin und Chymotrypsin aus dem Pankreassaft werden im alkalischen Milieu des Zwölffingerdarms aktiviert und führen die Proteinverdauung fort. Die durch die Spaltung entstandenen Peptide (zerkleinerte Proteine) werden dann noch mal von anderen Enzymen (Peptidasen), die an den Mikrovilli der Dünndarmschleimhaut sitzen, zu kleineren Peptiden (Di und Tripeptiden) gespalten. Diese kleinen Eiweißeinheiten können dann durch verschiedene molekulare Aufnahmemechanismen in die oberflächlichen Darmzellen (Enterozyten) aufgenommen werden. 

Kohlenhydrate
Verschiedene Enzyme beteiligen sich an der Spaltung der unterschiedlichen Zucker, die die Menschen zu sich nehmen. Die Kohlenhydratverdauung beginnt im Mundraum, wo durch Ptyalin (eine a-Amylase) die Stärke bereits in Malzzucker (Maltose) und andere Vielfachzucker (Oligisacharide) spalten wird. Im Dünndarm werden dann durch die Enzyme Lactase, Sucrase und Maltase die Zucker in ihre Bestandteile Glucose, Galaktose, Mannose und Fructose, zerlegt. Diese Zuckerbestandteile werden anschließend durch verschiede molekulare Mechanismen in die Dünndarmzellen (Enterozyten) aufgenommen.

Fette
Unter Einfluss des Enzyms Lipase aus der Bauchspeicheldrüse werden die Triglyceride (Neutralfette) in Glycerin und freie Fettsäuren gespalten. Durch die Gallensäuren, die in der Leber gebildet werden, werden diese Bestandteile in einer Struktur eingebaut, die man Micelle nennt. In den Micellen können diese fettlöslichen Substanzen die Darmzellen passieren, wo sie in ein Protein-Fett-Molekül (Chylomikron) eingeschleust werden.

Vitamine
Die Vitamine, die fettlöslich sind, werden zusammen mit anderen Fetten in den oben genannten Micellen durch die Darmwand geschleust. Die wasserlöslichen Vitamine diffundieren passiv durch die Darmwand. Eine besondere Ausnahme stellt das Vitamin-B-12 dar, welches mit dem im Magen gebildeten Intrinsic-factor ein Komplex bildet und erst durch diese Verbindung im Ileum aufgenommen werden kann.

Bewegung / Peristaltik

Nach der Aufnahme in die Dünndarmschleimhaut werden die Nährstoffe in die Blutbahn weitergeleitet. Durch das Gefäßnetznetzwerk (Kapillaren) in den Dünndarmzotten werden die Zucker, die Aminosäuren (aus Peptiden) und die kurz bis mittelkettigen Fettsäuren in die Blutgefäße aufgenommen und über die Pfortader in die Leber weitergeleitet. Die langkettigen Fettsäuren, die Cholesterinesther und Phosphilipide, werden in große Protein - Fett - Moleküle (Chylomikronen) eingebaut und über das Lymphgefäß in der Dünndarmzotte zunächst an der Leber vorbei in den Blutkreislauf geschleust.

Der Darm ist außerdem noch wichtig für die Resorption von Wasser. Ca. 9 Liter Flüssigkeit wird insgesamt an einem Tag aufgenommen. Davon stammen etwa 1,5 Liter von der getrunkenen Flüssigkeit und den Rest stellen die Flüssigkeiten (Sekrete) dar, die der Magen-Darm-Trakt bildet. Dazu gehören Speichel, Magensaft, Dünndarmsaft, Pankreas- und Gallensaft.

Nahrungsaufnahme

Nach der Aufnahme in die Dünndarmschleimhaut werden die Nährstoffe in die Blutbahn weitergeleitet. Durch das Gefäßnetznetzwerk (Kapillaren) in den Dünndarmzotten werden die Zucker, die Aminosäuren (aus Peptiden) und die kurz bis mittelkettigen Fettsäuren in die Blutgefäße aufgenommen und über die Pfortader in die Leber weitergeleitet. Die langkettigen Fettsäuren, die Cholesterinesther und Phosphilipide, werden in große Protein-Fett-Moleküle (Chylomikronen) eingebaut und über das Lymphgefäß in der Dünndarmzotte zunächst an der Leber vorbei in den Blutkreislauf geschleust.

Der Darm ist außerdem noch wichtig für die Resorption von Wasser. Ca. 9 Liter Flüssigkeit wird insgesamt an einem Tag aufgenommen. Davon stammen etwa 1,5 Liter von der getrunkenen Flüssigkeit und den Rest stellen die Flüssigkeiten (Sekrete) dar, die der Magen-Darm-Trakt bildet. Dazu gehören Speichel, Magensaft, Dünndarmsaft, Pankreas- und Gallensaft.

Wichtige Erkrankungen des Dünndarms

Diese chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) kann theoretisch den gesamten Magen-Darm-Trakt von der Mundhöhle bis zum After befallen. Bevorzugt befällt die Krankheit jedoch den unteren Dünndarm (terminales Ileum) und erscheint oft mit Symptomen, wie krampfartigen Bauchschmerzen und schleimigen Durchfall (Diarrhöe). Das charakteristische an dieser Autoimmunkrankheit ist jedoch der abschnittsweise (segmentale) Befall der Darmschleimhaut.

Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter: Morbus Crohn

Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa ist auch eine Krankheit aus der Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die Colitis ulcerosa kennzeichnet sich besonders durch Befall des Dickdarms aus, kann jedoch auch manchmal den Dünndarm befallen. Man spricht dann von einer „hineingewachsenen“ Dünndarmentzündung („Backwash-Ileitis“). Auch diese Erkrankung ist autoimmunologisch getriggert und macht sich mit Bauchschmerzen und blutigen Durchfall (Diarrhöe) bemerkbar.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Colitis ulcerosa

Zwölffingerdarmgeschwür

Das so genannte Ulcus duodeni bezeichnet ein Geschwür im Zwölffingerdarm. Die zwei wichtigsten Verursacher für diese sehr häufig vorkommende Erkrankung sind das Bakterium Helicobacter pylori und Schmerzmedikamente wie Aspirin oder Nicht-Steroidale-Anti-Rheumatika (NSAR). Eine gefährliche Komplikation der Ulkuskrankheit tritt auf, wenn das Geschwür ein größeres Gefäß erreicht und es so zu einer lebensgefährlichen Blutung (Magen-Darm-Blutung) kommt.

Zöliakie

Diese Erkrankung wird allgemein als glutensensitive Enteropathie oder einheimische Sprue bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Unverträglichkeit der Dünndarmschleimhaut gegen das in vielen Getreidesorten vorkommende Klebereiweiß (Gluten). Die Betroffenen klagen über Durchfälle und Gewichtsverlust. Die Therapie dieser Errankung besteht in einer lebenslangen glutenfreien Diät.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Zoeliakie



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