Durchfall

Synonyme

Med. = Diarrhoe, Diarrhö

Definition

Unter Durchfall versteht man gehäufte Stuhlentleerungen mit ungeformter oder flüssiger Konsistenz sowie einer erhöhten Menge. Es existieren sowohl akute als auch chronische Formen, wobei chronischer Durchfall definitionsgemäß bei einer Dauer von mehr als 2 Wochen vorliegt.

Epidemiologie

30% aller Deutschen leiden einmal pro Jahr an Durchfall. Schätzungen zufolge betrifft das weltweit etwa 4 Milliarden Menschen. Davon sterben etwa 7,5 Millionen Menschen, insbesondere Kinder.


Ursachen

Durchfall kann verschiedenste Ursachen haben:

Zum einen kann er durch eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Einzellern (Protozoen) hervorgerufen werden. Zu den verursachenden Bakterien zählen beispielsweise Escherichia coli (ecoli, Darmbakterien), Salmonellen oder Shigellen. Beispiele für Viren sind Noroviren oder Rotaviren, für Einzeller Entamöben.

Weiterhin kann Durchfall durch Medikamente entstehen. Eine wichtige Rolle spielen hierbei Antibiotika, welche entweder durch Beeinflussung der normalen bakteriellen Darmflora Durchfall auslösen oder aber durch Infektion mit bestimmten Keimen, Clostridien genannt. Auch Durchfall als Folge einer gesteigerten Sensitivität bezüglich des Antibiotikums wird diskutiert. Lesen Sie hierzu auch unser Thema Ernährung bei Durchfall

Andere Durchfallauslösende Medikamente sind Abführmittel (Laxantien), Zytostatika (Einsatz unter anderem bei Krebserkrankungen), Colchicin (früher zur Behandlung von Gicht eingesetzt) und viele weitere.

Andere wichtige Ursachen für Durchfall stellen Lebensmittelvergiftungen (Lebensmittelintoxikation) dar. Diese entstehen durch für den Menschen giftige Stoffe (Toxine), welche von bestimmten Bakterien gebildet und mit der Nahrung aufgenommen werden. Derartige Toxinbildner sind zum Beispiel eine bestimmte Staphylokokken-Art (Staphylococcus aureus).

Auch andere Vergiftungen (Intoxikationen) sind möglich. Zu denken ist hierbei an Metalle wie Kupfer oder Quecksilber. Aber auch Giftpilze kommen diesbezüglich in Betracht.

Weiterhin sind Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel als Durchfall-Auslöser denkbar.

Eine weitere Ursache für Durchfall können chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sein. Hierzu zählen Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa. Diese Erkrankungen sind durch eine wiederkehrende oder ständige Entzündung der Darmschleimhaut gekennzeichnet.

Bestimmte Krebsformen (Tumor) können ebenfalls Durchfall auslösen. Genauso das häufige vorkommende Reizdarmsyndrom, wobei es sich um eine funktionelle Störung der Darmtätigkeit handelt.

Desweiteren kann Durchfall durch hormonelle Veränderungen bedingt sein. Dazu zählen beispielweise eine Schilddrüsenüberfunktion, die eine allgemeine Steigerung des Stoffwechsels zur Folge hat oder auch hormonabgebende Krebszellen.

Außerdem verursachen Erkrankungen mit gestörter Aufnahme von Nahrungsbestandteilen im Darm (Malabsorption) Durchfall; ebenso Krankheiten mit gestörter Aufspaltung der Nahrung im Rahmen der Verdauung (Maldigestion).

Malabsorptionserkrankungen sind beispielweise Glutenunverträglichkeit (Zöliakie oder Sprue) oder Laktasemangel. Zu einer Maldigestionserkrankungen führt unter anderem eine beeinträchtigte Funktion der Bauchspeicheldrüse (Pankreasinsuffizienz), da dadurch zur Nahrungsspaltung erforderliche Stoffe (Enzyme) nicht gebildet werden.

Die häufigsten Ursachen des akuten Durchfall umfassen Erreger, deren Toxine sowie Medikamente.

Pathogenese - Krankheitsverlauf

Nach dem Entstehungsmechanismus des Durchfalls unterscheidet man vier Formen:

  1. Osmotisch
  2. Sekretorisch
  3. Entzündlich
  4. Motilitätsstörungen

1. Osmotischer Durchfall kommt dadurch zustande, dass mit der Nahrung aufgenommene Stoffe im Inneren des Darms (Lumen) Wasser aus den Zellen des Darms gewissermaßen passiv „anziehen“. Folglich kommt es zu einem Wassereinstrom aus den Zellen in den Darm und daraufhin zu flüssigem Stuhl. Das bedeutet, dass durch Fasten der Durchfall beendet wird, da die „Wasseranziehung“ durch die verzehrten Stoffe aufgehoben ist.

Diese osmotische Form tritt also nach Verzehr „wasseranziehender“ Stoffe auf, ebenfalls aber bei Malabsorptionserkrankungen, wodurch Substanzen mit entsprechender Wirkung im Darm zurückbleiben. Auch bei übermäßigem Verzehr von sorbitolhaltigem (Süßstoffart) Kaugummi kommt diese Art von Durchfall vor.

2. Bei der sekretorischen Form werden Elektrolyte und Wasser von den Darmzellen in das Darmlumen aktiv abgegeben und produzieren auf diese Weise flüssigen Stuhl. Fasten führt bei dieser Durchfallform folglich nicht zum Stopp der Durchfälle, da aufgenommene Ursachen nicht das erhöhte Stuhlvolumen bewirken sondern Prozesse in den Darmzellen selbst.

Ausgelöst wird dieser Mechanismus der Diarrhoe durch Erreger, deren Toxine oder von Krebszellen produzierten Hormonen. Außerdem können bestimmte Abführmittel, Fett- oder Gallensäuren einen sekretorischen Durchfall verursachen.

3. Die entzündliche Durchfallform entsteht durch Schäden der Darmschleimhaut. Durch die als Folge einer Entzündung geschädigte Wand der Darmzellen treten ebenfalls Wasser und Elektrolyte in das Darmlumen über. Hierbei sind dem Stuhl häufig Blut oder Schleim beigemengt. Typischerweise tritt dies durch spezielle von Bakterien produzierte Stoffe (Zytotoxine) oder durch deren direkte Invasion der Schleimhaut auf. Weiterhin ist dies die Durchfallform der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

4. Die letzte Form schließlich ist durch Motilitätsstörungen des Darms verursacht. Darunter versteht man eine Veränderung der normalen Darmtätigkeit, entweder in Richtung einer erhöhten oder in Richtung einer verminderten Bewegung. Dies kann unter anderem bei Krebserkrankungen oder bei einer Schilddrüsenüberfunktion vorkommen.

Symptome

Die Symptome beinhalten häufige Stuhlentleerungen von mehr als dreimal pro Tag. Außerdem liegt eine erhöhte Stuhlmenge vor, nämlich über 250g am Tag. Auch die Konsistenz des Stuhls ist verändert – hin zu flüssig oder verringert.

Den akuten Durchfall begleiten oft Erbrechen und Bauschmerzen.

Chronischer Durchfall kann von Fieber, Gewichtsverlust und Müdigkeit begleitet sein.

Das Auftreten häufiger, kleiner, verflüssigter, übel riechender Stuhlmengen kennzeichnet eine Durchfall-Sonderform, die paradoxe Diarrhoe. Diese entsteht durch Verengungen (Stenosen) im Dickdarm, welche den normalen Transport des Stuhls im Darm verhindern. Vielmehr gelangen nur geringe Mengen an der Verengung vorbei. Charakteristisch ist dies für Tumoren des Dickdarms, die das Innere einengen.

Eine weitere Sonderform stellt die sogenannte falsche Diarrhoe dar, welche beim Reizdarm-Syndrom auftritt. Hierbei ist zwar die Häufigkeit der Stuhlentleerung gesteigert, nicht jedoch die Menge und meist auch nicht die Konsistenz.


Diagnose

Die Diagnostik umfasst zunächst die Erfragung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung.

Weiterhin zählen eine allgemeine Untersuchungen des Bluts und des Stuhls zu den erforderlichen diagnostischen Mitteln.

Außerdem kann bei Bedarf eine Darmspiegelung (Koloskopie) veranlasst werden, bei der das Innere des Darms mit Hilfe eines Schlauchs mit Kamera (Endoskop) angesehen werden kann.

Bei Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung können entsprechende spezielle Untersuchungen und Test durchgeführt werden.

Therapie bei Durchfall

Durchfall kann sowohl kausal als auch symptomatisch behandelt werden. Kausal bedeutet, dass die zugrunde liegende Ursache beseitigt wird; die symptomatische Therapie hingegen greift am Durchfall selbst und nicht an der verursachenden Erkrankung an.

Kausal behandelt werden können durch Krankheitskeime ausgelöste Durchfälle. Leicht verlaufende Formen werden jedoch nicht therapiert, vielmehr nur die Durchfälle mit Fieber, Blutbeimengung oder schwerem Verlauf. In diesen Fällen können Antibiotika je nach Erreger gegeben werden (Cotrimoxazol, Chinolone, Metronidazol).

Medikamente, welche Durchfall nach sich ziehen, werden abgesetzt und zugrunde liegende Grunderkrankungen spezifisch behandelt.

Natürlich kann der Durchfall auch durch homöopathische Medikamente behandelt werden. Lesen Sie hierzu weiter: Homöopathie bei Durchfall.

Die symptomatische Therapie umfasst die Gabe von Flüssigkeit und Elektrolyten zum Ausgleich der über den Stuhl verlorenen Substanzen, damit keine Dehydratation („Austrocknung“) des Körpers entsteht.

Außerdem können kurze Zeit Hemmer der Darmtätigkeit (Loperamid) oder bei Bauchkrämpfen schmerzlösende Mittel (Spasmolytika wie Butylscopolamin) gegeben werden.

Rehabilitation / Regeneration

Die Darmschleimhaut benötigt nach akutem Durchfall einige Zeit zur Regeneration. In der Regel erfolgt diese von selbst im Rahmen der normalen körperlichen Reparaturvorgänge. In einigen Fällen können unterstützend Hefepilze in Kapselform eingenommen werden (Perenterol, bestehend aus Saccharomyces).

Bei chronischen Durchfällen hingegen richten sich die Regenerationsmöglichkeiten nach der Grunderkrankung.

Prophylaxe

Der Vorbeugung von akutem Durchfall dienlich ist zum einen eine Einhaltung von Hygiene. Dies umfasst das Händewaschen/ Desinfizieren vor dem Essen oder nach Kontakt mit erkrankten Personen.

Um eine Lebensmittelvergiftung zu umgehen sollten in bestimmten Urlaubsländern ungewaschene, ungeschälte oder rohe Speisen nicht verzehrt werden. Besonderes Augenmerk (überall) ist auf rohes Geflügelfleisch und rohe Eier zu richten, welche salmonellenverseucht sein können. Prophylaktisch kann vor einer Reise außerdem Perenterol eingenommen werden.

Bei allergisch oder durch Unverträglichkeit verursachtem Durchfall sollte eine Karenz eingehalten, die betreffenden Nahrungsmittel also nicht aufgenommen werden.

Auch Süßstoffe sollte wegen ihrer abführenden Wirkung weggelassen werden.

Prognose

Aufgrund der selbstständigen Regeneration der Darmschleimhaut bei infektiösen Formen ist die Prognose in diesen Fällen gut.

Ansonsten ist sie abhängig von der zu Grunde liegenden Erkrankung und somit individuell ganz unterschiedlich.

Prinzipiell weist der akute Durchfall in der Regel eine günstigere Prognose auf als chronische, da letzteren meist eine ernstere Erkrankung zu Grunde liegt.

Zusammenfassung Durchfall

Durchfall betrifft einen Großteil der Bevölkerung und kann als Folge einer Vielzahl von Ursachen auftreten. Definiert ist Durchfall als vermehrte Entleerungen von Stuhl mit veränderter Konsistenz und Menge.

In Abhängigkeit des Auslösers gestaltet sich die Therapie; sie kann entweder kausal oder symptomatisch erfolgen.

Bei Beseitigung des verursachenden Faktors bei akuten Durchfällen ist die Prognose aufgrund der Regenerationsfähigkeit der Darmschleimhaut gut. Ansonsten hängt sie  von der Grunderkrankung ab.
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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 22.07.2011