Epilepsie

Die medikamentöse Therapie hängt vom Anfallstyp ab.

Synonyme im weiteren Sinne

  • Spastik
  • Grand mal Anfall
  • Epileptische Anfälle
  • Gelegenheitsanfall

Häufige Tippfehler: Epylepsie, Epilebsie

Englisch: epilepsy

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Einleitung

Das Wort Epilepsie stammt vom Altgriechischen epilepsis, was „der Anfall“ oder „der Übergriff“ bedeutet. Epilepsie ist ein Krankheitsbild, welches streng genommen nur als solches bezeichnet werden darf, wenn mindestens ein epileptischer Anfall – Krampfanfall – auftritt mit einem epilepsietypischen Befund im EEG und/ oder MRT, der für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für weitere epileptische Anfälle hinweisend ist.

Unter Epilepsie versteht man verschiedene Symptome bezüglich der Muskulatur (motorisch), der Sinne (sensorisch), des Körpers (vegetativ) oder der Psyche (psychisch), welche infolge einer abnormen Erregungsbildung und Erregungsausbreitung der Nervenzellen des Gehirns mehr als einmal auftreten. Zusammengefasst werden diese Symptome als „Anfall“.

Dabei kann es je nach Epilepsie-Form beispielsweise zu rhythmischen Zuckungen oder Verkrampfungen von Muskelgruppen, SchwitzenRiechstörungen, Blutdruckanstieg, gesteigertem Speichelfluss, Einnässen, Kribbeln, Schmerzen oder Halluzinationen kommen.

Bei der Epilepsie gibt es nicht immer eine vorausgehende erkennbare Erklärung für den Zeitpunkt des Auftretens des Anfalls, wie beispielsweise eine Gehirnentzündung, eine Vergiftung oder Narben im Gehirn. Jedoch gibt es diverse Ursachen, die das Auftreten einer Epilepsie begünstigen.


Epidemiologie

Die Epilepsie ist ein häufiges Krankheitsbild. Allein in Deutschland leiden etwa 0,5% daran, was etwa 400.000 Menschen betrifft. Jedes Jahr erkranken 50 Menschen von 100.000 Einwohnern an dem Anfallsleiden. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Rate der Neuerkrankungen besonders hoch.
Weltweit leiden zirka 3 – 5% an einer Epilepsie. Bei Kindern, bei denen ein Elternteil an genetisch bedingter Epilepsie erkrankt ist, muss mit einer Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krampfleiden von bis zu 4% gerechnet werden, was einer achtfachen Erhöhung der Gefahr im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung entspricht. Auch bei der symptomatischen Epilepsie konnte eine erhöhte Bereitschaft für ein Anfallsleiden bei erstgradig Verwandten beobachtet werden.

Ursachen

Hier wird der Grund für die Epilepsie in drei Kategorien eingeteilt. Es gibt die idiopathische Epilepsie, die eine angeborene, also genetische Ursache beschreibt. Beispielsweise kann eine Mutation in einem Ionenkanal im Gehirn die Krampfschwelle heruntersetzten. Des Weiteren gibt es die symptomatische Epilepsie, bei der strukturelle und/oder metabolische (stoffwechselbedingte) Gründe die Epilepsie erklären können.
Hierzu zählen:

Als drittes ist die kryptogene Epilepsie zu nennen, bei der ein symptomatisches Anfallsleiden besteht ohne einen Nachweis der Grunderkrankung zu finden.
Zusätzlich gibt es noch epilepsieauslösende Faktoren, die bei bestehender Anfallsneigung einen konkreten epileptischen Anfall begünstigen.
Dazu zählen:


Anfallsarten

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Einteilungen. Ein Klassifikationsversuch stammt von der Internationalen Liga gegen Epilepsie. Hierbei wird die Krankheit in fokale -, generalisierte, nichtklassifizierbare epileptische Anfälle eingeteilt. Bei der fokalen Epilepsie gibt es eine weitere Unterteilung, die sich nach dem Bewusstseinszustand des Menschen richtet.
So lassen sich einfach-fokal (mit Bewusstsein) und komplex-fokal (ohne Bewusstsein) unterscheiden.
Primär generalisierte Epilepsien sind ein Krankheitsbilder, bei denen beide Hirnhälften zugleich betroffen sind. Die Patienten leiden an einer Bewusstseinseintrübung und können sich in der Regel nach dem Aufwachen an nichts mehr erinnern. Bei den nichtklassifizierbaren Anfällen werden alle Anfälle mitgezählt, die sich in keine andere Kategorie einteilen lassen.
Des Weiteren gibt es den sogenannten Status epilepticus. Hier handelt es sich um kurz aufeinanderfolgende Anfälle, zwischen denen sich keine Pause (Erholung) befindet. Ein Status epilepticus kann fokal, also auf einen Teil im Gehirn beschränkt sein und muss mindestens 20 Minuten andauern, um als solcher definiert werden zu können.
Bei einem generalisierten epileptischen Anfall, der länger als 5 Minuten dauert, wird auch von einem Status epilepticus gesprochen. Dieses Krankheitsbild muss schnellstens behandelt werden, da hier die Gefahr des Todes besteht.

Diagnostik

Bereits nach einem aufgetretenem epileptischen Anfall, muss eine sorgfältige Untersuchung erfolgen. Dabei wird überprüft, ob es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gibt, dass weitere Krampfanfälle folgen könnten. Es werden genetische Ursachen, sowie strukturelle und metabolische Gründe genauestens untersucht und wenn möglich diagnostiziert oder ausgeschlossen.

Die Diagnostik baut sich, wie folgt, auf:
Der Anfallstyp muss festgestellt werden, deshalb ist ein detailliertes Gespräch wichtig. Wann, wo, wie oft ist der epileptische Anfall aufgetreten? Gab es einen vermuteten Auslöser? Waren Sie noch bei Bewusstsein? Hat der ganze Körper gezuckt, oder nur eine Körperpartie? Solche und weitere Fragen werden dabei gestellt. Zur Diagnostik gehört auch das Manifestationsalter, da es in den verschiedenen Altersstufen unterschiedliche Ursachen der Epilepsie gibt. Beispielsweise tritt bei Erwachsenen ein Krampfanfall auf, wird man eher von einem symptomatischen Anfallsgeschehen ausgehen, wie Hirntumor, Entzündung, etc. Bei Jugendlichen rücken eher genetisch bedingte Anfälle in den Vordergrund. Der EEG – Befund sowie der bildgebende Befund mittels Computertomografie und Magnetresonanztomografie sind weitere wichtige Bestandteile der Diagnostik.

Beim EEG können oftmals wichtige Ursachen für das Entstehen von Krampfleiden herausgefiltert werden. Man darf aber nicht vergessen, dass in vielen Fällen das EEG während eines Anfalles völlig normal sein kann.
CT und MRT gehören zur Erstuntersuchung dazu, um mögliche symptomatische Ursachen auszuschließen. Zusätzlich können entzündliche Prozesse im Zentralen Nervensystem eine Epilepsie begründen, weshalb bei einem klinischen Verdacht eine Liquorpunktion durchgeführt werden soll.
Bei gewissen Vermutungen wird eine organspezische („internistische“) Befundung durchgeführt. Hierbei werden vor allem Provokationsfaktoren wie Alkohol, Drogen, Fieber sowie weitere Faktoren wie Unter- bzw. Überzucker untersucht.


Behandlung

Das allgemeine Ziel der Ärzte ist das Erreichen einer Anfallsfreiheit, entweder durch das Beheben symptomatischer Faktoren oder durch eine gut eingestellte medikamentöse Therapie. Welches Arzneimittel verwendet wird, hängt vom Anfallstyp ab.
Die wichtigsten „antikonvulsiven“ Medikamente hierbei sind: Carbamazepin, Gabapentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Topiramat, Valproinsäure.
Bei fokalen Epilepsien werden vor allem Lamotrigin und Levetiracetam verschrieben, bei generalisierten Epilepsien eher Valproinsäure oder Topiramat. Bei einzelnen seltenen Anfällen, also weniger als 2 Anfälle pro Jahr, werden hingegen keine Arzneimittel verordnet.
Ansonsten ist  es wichtig, dass die Medikamente regelmäßig eingenommen werden,  sowie dass eine sorgfältige Einstellung und Überwachung erfolgt.
Bei der Einstellung eines antikonvulsiven Medikamentes ist eine einschleichende Einnahme erforderlich. Das heißt: Zu Beginn soll eine geringe Dosis gegeben werden, die im Laufe gesteigert wird, bis die gewünschte Konzentration im Blut erreicht wird. Bei der Überwachung stehen die Blutwerte im Fokus, da sie leicht zu überprüfen sind und auch das Medikament im Körper und dessen Konzentration nachgewiesen werden können.
Erst nach dreijähriger Anfallsfreiheit mit normalem EEG-Befund kann ein Ende der medikamentösen Behandlung erwogen werden. Eine schleichende Abnahme sollte dabei erfolgen.

Eine operative Maßnahme ist nur dann zu erwägen, falls keine medikamentöse einfach oder mehrfach Therapie erfolgreich war. Ein vorliegender isolierter Bereich im Gehirn, der eine Epilepsie auslöst, ist eine weitere Voraussetzung. Bei der Operation dürfen des Weiteren keine Bereiche im Gehirn verletzt oder entfernt werden, die wichtige Funktionen übernehmen.
Zur Vorbereitung einer operativen Behandlung müssen ein EEG sowie eine Bildgebung mittels Computertomografie erfolgen, um die genaue Lokalisation des Anfallsherdes zu finden. Vor allem eignen sich Temporallappen-Epilepsie-Herde zur operativen Therapie.

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es allgemeine Lebensmaßnahme, die eingehalten werden sollten. Reichlich Schlaf und der Verzicht von Alkohol gehören genauso dazu wie das Fahrverbot.
Hier gibt es jedoch eigene Regeln: Fahrerlaubnis besteht dann, wenn derjenige zwei Jahre anfallsfrei war, kein auffälliges EEG hat und die medikamentöse Behandlung regelmäßig ärztlich kontrolliert wird.
Des Weiteren hat die Epilepsie Auswirkungen auf den Beruf, bzw. die Berufswahl. Kraftfahrer oder Lokomotivführer, sowie jene Arbeiter, bei denen das Besteigen von Leitern und Gerüsten erforderlich wird, sollten über einen Berufswechsel nachdenken.

Therapie des Status epilepticus

Da der Status epilepticus eine lebensgefährliche Situation darstellt, sollte er schnellstmöglich behandelt werden. Hierbei wird über eine Nadel, die einer Vene liegt, ein Benzodiazepin gegeben. Wirkt dieses nicht krampflösend, wird zuerst mit Valproat und dann mit Phenytoin, einem Narkosemedikament gearbeitet.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zu Symptomen,Diagnose und Therapie der Epilepsie finden Sie unter:


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 27.04.2014