Erythromycin und Makrolide

Einteilung

Erythromycin gehört in die Antibioktikagruppe der Makrolide. In dieser Stoffgruppe befinden sich vier häufig verabreichte Medikamente. Erythromycin ist auch unter dem Handelsnamen ErythrocinR und PaediatrocinR bekannt. Es handelt sich um ein älteres Standartantibioktika, das eine Säurestabilität aufweist und aus diesem Grund als Tablette verabreicht werden kann. Es wird nahrungsabhängig manchmal schneller, manchmal langsamer aufgenommen. Das Medikament hat eine sehr kurze Halbwertszeit (2 Std.), d.h. nach 2 Stunden ist die Hälfte der Substanz bereits nicht mehr nachweisbar.

Wirkung

Erythromycin wirkt über eine Hemmung der Proteinsynthese der Bakterien und führt so zur Abtötung der Keime. Das  Medikament ist gut gewebegängig und kann  relativ schnell seine Wirkung in den Zellen entfalten. Im Gegensatz dazu ist es nicht hirnwassergängig (liquorgängig). Das bedeutet, dass gegen bakterielle Erkrankungen, die das Gehirn oder die Gehirnanhangsgebilde betreffen (z.B. eine Hirnhautentzündung) Erythromycin eher nicht wirksam ist und nicht angewendet werden sollte. Erythromycin kann leider eine schnelle Resistenzentwicklung herbeiführen. Das bedeutet, dass nach Anbehandlung einige Keime nicht mehr auf die Gabe von Erythromycin reagieren. In diesem Fall muss das Medikament gewechselt werden.




Einsatzgebiet

Im gram-negativen Bereich wirkt Erythromycin gegen Neisserien, Bordetella pertussis, Legionellen und Haemophilus influenzae. Im gram-positiven Bereich gegen Streptokokkus pyogenes, Streptokokkus pneumoniae und Streptokokkus faecalis, Listerien, Actinomyceten und Clostridien. Des Weiteren wirkt Erythromycin noch gegen Mykoplasmen, Chlamydien und Ureaplasma.

Es wird gerne bei einer bestehenden Penicillinallergie der Patienten, bei akuten Atemwegsinfektionen, die im nicht stationären Bereich entstanden sind (ambulant erworben), bei HNO- und Lungeninfektionen, Mandelentzündung (Tonsilitis), Entzündung der Nasennebenhöhle (Sinusitis),Mittelohrentzündung (Otitis media)  und Keuchhusten eingesetzt.

Bei atypischen Lungenentzündungen, die durch die Keime Mykoplasmen, Chlamydien und Legionellen entstehen, wird es ebenfalls gerne  gegeben. Erythromycin stellt bei der Legionelleninfektion der Lunge sogar das erste Mittel der Wahl dar. Bei Hautinfektionen und bei Erkrankungen des harnableitenden Systems kommt das Medikament auch zum Einsatz. Makrolide finden in der Kinderheilkunde und bei der Behandlung von schwangeren Patientinnen Anwendung und werden als eines der wenigen Antibioktika bei diesen Patientengruppen gerne gegeben.

Nebenwirkungen

Erythromycin ist zwar gut verträglich, allerdings können in einigen Fällen Nebenwirkungen auftreten. Hier wären zu nennen: Beschwerden des Magen Darm Traktes, Leberschädigungen mit Erhöhung der Leberwerte im Blutbild, unter Umständen ein daraus resultierender Ikterus (Gelbfärbung der Haut und der Augen), Hörstörungen, die aber nach Absetzen des Medikamentes wieder  verschwinden. Bei einer Verabreichung über das venöse Blutsystem per Infusion, sollte darauf geachtet werden, dass Erythromycin in flüssiger Form eine Venenreizung mit resultierender Venenentzündung verursachen kann (Phlebitis).

Wechselwirkungen

Makrolide hemmen ein Enzym in der Leber, das den Abbau von anderen Medikamenten beeinflusst. Dies bedeutet, dass bei paralleler Gabe von Medikamenten, diese schlechter abgebaut werden und deren Konzentration sich im Körper erhöht. Voraussetzung ist, dass diese Medikamente über das Enzym  Cytochrom P 450 abgebaut werden. Zu nennen wären hier folgende Medikamente: Terfenadin, Pentamidin, Chinidin, Lovastatin, Simvastatin, Atovarstatin, Ciclosporin A, Tacrolismus, Digoxin, Theophillin, Triazolam, Midazolam, Dihydroergotamin, Clozapin.

Alle Medikamente, die Herzrythmusstörungen behandeln (Antiarrythmika), Neuroleptika (bei Krampfanfällen), Medikamente, die eine erhöhte Kaliumanreicherung verursachen (Schleifendiuretika, Thiazide, Laxantien) sowie kombinierte Antibiotikapräparate, wie Clindamycin und Lincomycin, orale Verhütungsmittel (Pille) und Blutverdünnungsmedikamente (Antikoagulantien) sollten nur unter genauer Abwägung gemeinsam mit Erythromycin gegeben werden.

Kontraindikationen

Bei Patienten, bei denen bereits eine Lebererkrankung oder eine Allergie bekannt ist, sollte kein Erythromycin gegeben werden.





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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 24.03.2011