Exogene Osteomyelitis

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Osteomyelitis im Oberschenkelknochen

Die Entstehung:

Unter einer exogenen Osteomyelitis versteht man eine Knochenmarkentzündung, die entweder aufgrund einer offene Wunde nach einem Unfall (= posttraumatisch) oder im Rahmen einer Operation (= postoperativ) entsteht. In beiden Fällen dringen Keime von außen ein und breiten sich im Wundgebiet so aus, dass zunächst eine lokale Entzündung innerhalb des Knochens entsteht. Wie bei der endogen – hämatogenen Osteomyelitis zählen zu den Haupterregern Staphylococcus aureus, aber auch Escherichia coli und Proteus. Auch andere bakterielle Erreger können als Krankheitsauslöser in Frage kommen.

Der Krankheitsverlauf gestaltet sich sehr individuell und ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Inwieweit sich Erreger in Knochen ausbreiten und von dort aus auch verbreiten können, ist in erster Linie von der individuellen Immunabwehr eines Patienten abhängig. Dies bedeutet, dass speziell Patienten mit verminderter Immunabwehr (beispielsweise nach einer Transplantation, hervorgerufen durch eine so genannte immunsuppressive Therapie) von akuten, aber auch chronischen Krankheitsverläufen einer Osteomyelits betroffen sind.

Gefährdet sind darüber hinaus auch Patienten, die eine Mangeldurchblutung des Knochens aufweisen. Diese liegt beispielsweise bei Patienten vor, die unter Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit) oder unter Arteriosklerose (= Arterienverkalkung) leiden. 

Häufigkeit:

Aufgrund der Entstehungsgeschichte (posttraumatisch, postoperativ) einer exogenen Osteomyelitis ist es nachvollziehbar, dass diese Erkrankung vorwiegend bei Erwachsenen auftritt.

Statistischen Erhebungen zur Folge sind Männer tendenziell häufiger von Unfällen betroffen als Frauen, so dass man rückschließen kann, dass auch von dieser Erkrankung Männer häufiger betroffen sind als Frauen.

Symptome:

Bei der akuten Form der exogenen postoperativen Osteomyelitis kann man bereits drei bis vier Tage nach der Operation die ersten Symptome erkennen. Der Patient reagiert in der Regel mit Fieber, Schwellungen und Rötungen des betroffenen Bereiches und einer eventuellen Wundsekretion. Patienten klagen darüber hinaus häufig über Schmerzen und Niedergeschlagenheit.

Vergleichbare Symptome zeigen sich bei der posttraumatischen Osteomyelitis.

In solchen Fällen muss schnell eingegriffen werden, um den Übergang in die sekundär – chronische Osteomyelitis zu verhindern.

Diagnose:

Das Auftreten der oben genannten Symptome in Kombination mit einem traumatischen Erlebnis, bzw. in Folge einer Operation lässt bereits den Rückschluss auf das Vorliegen einer exogenen Osteomyelitis zu.

In der Regel erfolgt eine weitere Diagnose über eine Blutanalyse. Dabei wird das Entzündungsbarometer CRP gemessen, ebenso wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), die im Falle einer Osteomyelitis deutlich erhöht in Erscheinung tritt. Typisch für Entzündungen im Körper ist auch der Anstieg der weißen Blutkörperchen – Konzentration (= Leukozyten; Leukozytose). Diese Diagnosemaßnahmen sind allerdings nur bei einer akuten Form von Bedeutung, da im Falle einer chronischen Osteomyelitis beide Werte nur eine mäßige Erhöhung zeigen  
Röntgendiagnostisch sichtbar wird die Osteomyelitis in der Regel erst in einem fortgeschritteneren Stadium. Knochenveränderungen werden in der Regel erst zwei bis drei Wochen nach Eintritt der Erkrankung sichtbar. Dann zeigen sich allerdings sichtbare Veränderungen (vgl. Röntgenbild) in Form von Verkalkungen (= Ossifikationen), helleren Flecken und / oder Knochenhautablösungen vom Knochen.

Verläuft die Osteomyelitis chronisch, so kann es aufgrund von Blutgefäßverschlüssen zu einer Minderdurchblutung des Knochens kommen, die unter Umständen sogar zu einem Knocheninfarkt ausarten können. Resultat eines Knocheninfarktes ist das Absterben bestimmter Knochenteile, die dann als Restkörper (= Sequester) im infizierten Bereich zurückbleiben. Röntgendiagnostisch ist dies als heller Rand zu erkennen, da abgestorbenes Knochengewebe in der Regel durch Knochengewebsneubildung beantwortet wird. Der helle Rand ist demzufolge Bindegewebe.

Weiterhin kann mittels Sonographie (= Ultraschalluntersuchung) diagnostiziert werden. Positiv zu erwähnen ist, dass beispielsweise die Knochenhautabhebung vom Knochen, die aufgrund der Abszessbildung bewirkt wird, früher zu sehen ist als im Röntgenbild.

Als weiter diagnostische Maßnahme kann die so genannte Skelettszintigraphie herangezogen werden. Diese diagnostische Methode ermöglicht durch sehr schwache radioaktive Präparate (= Radiopharmaka) einen Nachweis entzündlicher Prozesse.
Lesen Sie auch endogene Osteomyelitis Diagnostik

Therapie:

Therapeutisch kann sowohl konservativ als auch operativ reagiert werden. Aufgrund häufig vorliegender schlechter lokaler Durchblutungsverhältnisse hat die konservative antibiotische Therapie nur wenig Aussicht auf Heilung, da am vorgesehenen Ort nur eine unzureichende Wirkstoffkonzentration erreicht werden kann.

Aus diesem Grund wird auf eine vorliegende exogene Osteomyelitis meist operativ reagiert. Hierbei kann auf unterschiedliche Weise vorgegangen werden, beispielartig erwähnt werden soll an dieser Stelle:

  • Die operative radikale Ausräumung des Entzündugnsherdes, ggf. verbunden mit Spongiosaplastiken (= Verpflanzung von Knochensubstanz aus einem anderen, körpereigenen, gesunden Knochen), Sülungen und Drainagen.
  • Die Einlage von Spül – Saug – Drainagen .
  • Die systemische Antibiotikatherapie über einen Zeitraum von einem bis etwa eineinhalb Monaten.

Lesen Sie auch: endogene Osteomyelitis Therapie

Komplikationen:

Die exogene akute Osteomyelitis kann zu einer schweren Erkrankung des gesamten Körpers ausarten und – in unerkannten Fällen – gar zur Sepsis (= Blutvergiftung) führen, die ihrerseits wiederum schwerwiegende Konsequenzen, wie beispielsweise Organschädigungen zur Folge haben kann.

Ein schnelles Eingreifen im Falle einer exogenen akuten Osteomyelitis ist geboten, da der Übergang in eine sekundär – chronische Osteomyelitis fließend ist. Eine chronische Osteomyelitis hat weitaus weniger Aussicht auf Heilung und kann zu ausgeprägten Knochenumbauprozessen bis hin zu Knochenstabilitätsstörungen in Folge von Knocheninfarkten führen.

Auch der Übertritt der Erkrankung auf benachbarte Gelenke ist möglich, in deren Folge es zu erheblichen Bewegungseinschränkungen kommen, in schweren Fällen können sogar Versteifungen und Gliedmaßenverkürzungen (Amputationen) als Konsequenz auftreten.

Chronische Osteomyelitis nach offener Unterschenkelverletzung

 

Prognose:

Sofern die Erkrankung Osteomyelitis frühzeitig erkannt wird, besteht die Aussicht auf eine Ausheilung ohne verbleibende Schäden. Wie bereits erwähnt erfolgt die Therapie in der Regel operativ, da die konservative Antibiotikatherapie aufgrund der schlechten Knochen- durchblutung nur selten anschlägt. Da der Übergang zur sekundär – chronischen Form der Osteomyelitis fließend ist, erweist sich die Heilung häufig als schwierig (siehe oben). Die chronische Osteomyelitis neigt dazu, auch nach eventuellen Heilungserfolgen Rezidive zu bilden, sodass die Krankheit immer wieder aufflackern kann.

Prophylaxe:

Prophylaktische Maßnahmen werden beispielsweise durch die Gabe von Antibiotika bei anstehender Knochenoperation ergriffen. Darüber hinaus werden hygienische und operationstechnische Maßnahmen ergriffen, durch deren strenge Einhaltung die Infektionsrate deutlich gesenkt werden konnte.

 


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012