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Fieber
Synonyme im weiteren Sinne
Erkältung, Grippe, Husten, Schnupfen
med.: Hyperthermie
englisch: fever
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Definition
Unter Fieber versteht man eine erhöhte, von den Normalwerten abweichende Körpertemperatur, die meistens Zeichen einer Infektion, Entzündung oder sonstige immunologischen Reaktionen des Körpers sind.
Epidemiologie
Fieber an sich stellt keine Erkrankung, sondern vielmehr ein Symptom dar, das aus verschiedenen Krankheitsbildern resultieren kann. Ähnlich wie Rückenschmerzen Kopfschmerzen und Bauchschmerzen ist Fieber ein sehr häufiger Grund, weshalb ein Arzt aufgesucht wird. Tendentiell geht die Fieberwahrscheinlichkeit im Alter zurück. Während Neugeborene meistens nicht fiebern, erkranken Kleinkinder, Kinder und Jugendliche relativ häufig an von Fieber begleiteten Erkrankungen. Im Erwachsenenalter führen meistens nur relativ schwere Infektionen zu Fieber.
Symptome
Nach Infektion bzw. auslösendem Ereignis kommt es innerhalb weniger Tage (Inkubationszeit) zu allgemeinem Unwohlsein, Müdigkeit, Leistungsabfall aber auch Schnupfen, Husten und Kopfschmerzen. Entweder parallel damit einhergehend oder kurz darauf folgend beginnt meistens der sogenannte Schüttelfrost.
Darunter versteht man trotz warmer Umgebungstemperatur ein subjektiv wahrgenommenes Frieren und Frösteln, begleitet von Zittern. Durch das Zittern werden die Muskeln des Körpers in schnell aufeinanderfolgende Bewegungen versetzt. Diese schnellen Bewegungen verursachen die für das Fieber notwendige Wärme. Meistens kommt es lediglich in der Anfangsphase zu dem beschriebenen Schüttelfrost. Ist der Körper einmal aufgeheizt genügt die Körperenergie zum Aufrechterhalten der Temperatur. Mit Auffiebern verschlechtert sich meistens der Allgemeinzustand und die Anfangssymptome werden stärker. Hohes Fieber kann zu starken bis sehr starken Kopfschmerzen und zu Übelkeit und Erbrechen führen. Patienten mit sehr hohem Fieber fangen zum Teil an zu phantasieren und sind nicht mehr adäquat ansprechbar.
Begleitet wird das Fieber oft von starkem Schwitzen, durch das der Körper versucht die entgleiste Temperatur wieder einzuregulieren. Den meisten Patienten mit hohem Fieber fällt es schwer aufzustehen, was eine epochale Bettlägerigkeit zur Folge hat.
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Fieber unklarer Genese (FUO)
Neben zahlreichen bakteriellen und viralen Erregern stellt das Symptom des Fiebers unklarer Genese eine Sonderform dar. Hierbei ist kein Erreger und keine Ursache zu identifizieren. Bei 75% der Patienten, die Zytostatika (Chemotherapie) bekommen und deren Immunsystem nach unten reguliert wurde, bekommen ein FUO. Bei 50% ist kein Erreger nachweisbar, der zu diesem Temperaturanstieg geführt hat. Bis das Gegenteil bewiesen wurde, muss man von einer Infektion ausgehen. Meistens sind Staphylokokken, Streptokokken oder gramnegative Bakterien verursachende Erreger.
Zu den gramnegativen Erregern zählen Pseudomonas aeroginosa, E. Coli, Klebsiellen u.a.
Beim Fieber unklarer Genese unterscheidet man noch Verläufe mit reduzierten neutrophilen Granulozyten (Neutropenie, z.B. bei erwähnten immungedrosselten Patienten) von Verläufen bei Patienten mit intaktem Immunsystem. Patienten ohne Neutropenie, die ein unklares Fieber bekommen, sind meistens an einer Herzinnenwandentzündung (Endokarditis), einer Tuberkulose oder einer HIV Infektion erkrankt. Von einer nosokomialen FUO spricht man, wenn während eines Krankenhausaufenthaltes ein Fieberanstieg zu verzeichnen ist, ohne dass bei der Krankenhauseinlieferung der Verdacht auf eine Infektion bestand. Ursache könnten in diesem Fall ein Harnwegsinfekt oder ein infizierter Venenkatheter sein.
In diesem Fall sollten entsprechende Maßnahmen ergriffen werden (Urin Untersuchung und länger liegende Braunülen entfernen). Bei ca. 25% der Fieber unklarer Genese findet man die Erreger nicht.
Fieber nach Operationen
Manchmal fiebern Patienten im Krankenhaus kurz nach einem operativen Eingriff auf. Die Ursachen liegen meistens in Wundinfektionen, in Entzündungen durch Blasenverweilkatheter, Lungenentzündungen durch im Krankenhaus eingefangene Erreger, und in tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolien.
Fieber psychogener Ursache
In einigen Fällen findet sich vor allem bei langanhaltenden Fieberperioden keine Infektion. Es kann vorkommen, dass Patienten durch ständigen Stress den eigenen Grundumsatz des Körpers so erhöhen, dass es zu einer generellen subfebrilen Körpertemperatur kommt. In diesem Fall sollte man den Patienten empfehlen durch stressreduzierende und nervenberuhigende Maßnahmen die Lebenssituation zu verändern.
In ganz seltenen Fällen wird ein Fieber von den Patienten auch nur vorgetäuscht. Grundlage können das Erhalten von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder das Erreichen von einer frühzeitigen Berentung sein. In diesem Fall sollte man den Patienten eine Fieberkurve über längere Zeit anlegen lassen. Das Fieber sollte zum einen unter dem Arm, im Mund und rektal gemessen werden. Die drei Werte unterscheiden sich zumeist, dass die Höhe der Werte, die im Mund gemessen werden zwischen beiden anderen Werten liegt. Trifft dies über die gesamte Fieberkurve nicht zu, könnte ein vorgetäuschtes Fieber dahinterstecken.
In extremen Fällen des Münchhausen-Syndroms fügen sich Patienten zunächst nicht sichtbare Wunden und Verletzungen mit zum Teil stark verschmutzten Gegenständen zu, damit ein Fieber daraus resultiert. Aus diesem Grund sollte auch immer, besonders bei Patienten mit entsprechender psychiatrischer Vorgeschichte eine komplett körperliche Untersuchungen mit Inspektion der Haut etc. durchgeführt werden.
Erbliche Erkrankungen mit Fieberschüben
Es gibt zahlreiche Erkrankungen, die vererbt sind, zwar sehr selten vorkommen, aber auf jeden Fall in Erwägung gezogen werden sollten, wenn kein anderer Grund für das Fieber ersichtlich ist oder wenn die Fieberperiode ungewöhnlich lange dauert oder ungewöhnlich häufig zurückkehrt. Am häufigsten findet man unter den seltenen erblichen Erkrankungen das familiäre Mittelmeerfieber (FMF). Es tritt meistens zunächst nach dem 10. Lebensjahr auf, die Fieberschübe halten 1-3 Tage an, das Intervall zwischen den Fieberschüben beträgt Wochen bis Monate.
Die Erkrankung wird autosomal rezessiv vererbt. Des Weiteren macht sich die Erkrankung durch eine Monoarthritis, eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) und durch Erysipelähnliche Hautveränderungen (rote meistens stark abgegrenzte Hautrötungen am Körper) bemerkbar. Als Komplikation dieser Erkrankung kann die gefährliche systematische Erkrankung Amyloidose entstehen. Als Therapie würde die Gabe von Colchicin in Frage kommen.
Eine weitere vererbbare, aber viel seltenere Erkrankung, die Fieber erzeugen kann ist das Hyper IgD-Syndrom (HIDS). Meistens sind davon bereits kleine Kinder vor dem ersten Lebensjahr betroffen. Die Fieberanfälle dauern in der Regel 3-7 Tage, das beschwerdefreie Intervall wird mit 4-8 Wochen angegeben. Das HIDS wird ebenfalls autosomal rezessiv vererbt. Die kleinen Patienten zeigen als Befunde eine Lymphknotenvergrößerung, eine Entzündung der Bindehäute der Augen (Konjunktivitis), Entzündungen der Gelenke (Polyarthritis), Bauchschmerzen und Hautveränderungen. Eine Therapie ist nicht bekannt.
Beim TNF-Rezeptor-assoziierten periodischen Fieber (TRAPS) handelt es sich um eine Erkrankung, die eng mit der Ausschüttung des eigentlich fieberinduzierenden Eiweises Tumor Nekrose Faktor (TNF) in Verbindung steht. Meistens sind junge Erwachsene vor dem 20. Lebensjahr betroffen. Die Dauer der Fieberschübe wird mit 7 Tagen angegeben, wobei die symptomarmen Intervalle im Durchschnitt einige Monate betragen.
Die Patienten mit TRAPS haben neben Bauchschmerzen auch Ödeme und Schmerzen unklarer Ursache. Auch schmerzhafte rötliche Hautveränderungen sind sichtbar. Die Erkrankung wird autosomal dominant vererbt. Als Komplikation ist im weiteren Verlauf eine Amyloidose zu befürchten. Eine Therapie kann mit Kortison oder Etanercept versucht werden.
Das Muckle-Wells-Syndrom kann in jedem Alter auftreten. Auch das Intervall der Tage dauernden Fieberschübe ist variabel. Die Patienten, die diese Erkrankung autosomal dominant vererbt bekommen, klagen über Taubheit, Gelenkschmerzen, unter schmerzlichen Entzündungen der Gelenke und über quaddelähnliche Hautirritationen. Sie müssen als Komplikation ebenfalls eine Amyloidose befürchten. Therapiert wird diese Erkrankung mit Kineret.
Die familiäre Kälteurtikaria (FCU) tritt meistens vor dem ersten Lebensjahr auf. Die Fieberdauer von Tagen bis Wochen wird ausschließlich durch den Kontakt mit Kälte ausgelöst. Neben den quaddelförmigen Hauterscheinungen kann es ebenfalls zu Entzündungen der Bindehäute der Augen kommen (Konjunktivitis). Ebenfalls konnten schmerzhafte Entzündungen der Gelenke sowie als Komplikation eine Amyloidose beobachtet werden. Die Erkrankung wird autosomal dominat verebt. Auch bei dieser Erkrankung kann ein Therapieversuch mit Kineret unternommen werden.
Als Fieberschuberzeugende Ursache kann auch die zyklische Neutropenie (ZN) in Frage kommen. Sie tritt meistens vor dem 5. Lebensjahr auf, die Dauer der Fieberschübe beträgt meistens 4-5 Tage, das Intervall wurde mit 20 Tagen angegeben. Neben den Fieberschüben klagen die Patienten häufig über entzündliche Veränderungen im Mundbereich (Stomatitis) sowie über Infektionen der Haut. Auch diese Erkrankung wird autosomal dominant weitergegeben. Als Komplikation muss die Blutvergiftung (Sepsis) beachtet werden. Als Therapie kann die Gabe von G-CSF versucht werden, das die Granulozytenproduktion stimulieren soll.
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Zusammenfassung
Fieber ist keine Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom, das unterschiedlichste Ursachen haben kann. Fieber ist auch eines der häufigsten Gründe, weshalb ein Arzt aufgesucht wird, bzw. weshalb ein Arzt einen Hausbesuch durchführen muss.
Der Mechanismus der Fieberentstehung ist sehr komplex. Man geht davon aus, dass im Gehirn u.a. hitzeempfindliche Nerven liegen, die gemeinsam mit den kälteempfindlichen Zellen die Solltemperatur des Körpers einstellen.
Kommt es zur Ausschüttung sogenannter Pyrogene, entsteht ein Ungleichgewicht zwischen beiden Nervenzellaktivitäten, was einen Temperaturanstieg zur Folge hat. Zu den Pyrogenen zählt man sämtliche von außen in den Körper gelangten Fremdkörper und damit auch Krankheitserreger, aber auch vom Körper im Falle einer Entzündung gebildete Stoffe. Bei bösartigen Tumorerkrankungen kommt es zu einem Ausschütten des Tumor Nekrose Faktors, der einen Temperaturanstieg und somit starkes Schwitzen zur Folge hat (Leitsymptom von bösartigen Erkrankungen ist der Nachtschweiß). Die häufigsten externen Erreger sind Bakterien und Viren. Nach Operationen kann es ebenfalls zu Fieber kommen, das meistens durch im Krankenhaus eingefangene Erreger zustande kommt. Die häufigsten Infektionsquellen bei stationierten Patienten sind Harnwegsinfeke durch Katheter und zu lange in den Venen befindlichen Kanülen.
Aber auch im Krankenhaus eingefangene Erreger einer Lungenentzündung (Pneumonie) können ein Fieber verursachen. Wichtig ist bei Patienten im Krankenhaus möglichst schnell eine fiebersenkende Maßnahme einzuleiten. Patienten, die einen saisonalen Infekt vermuten lassen und in die Hausarztpraxis kommen sollten nur therapiert werden, wenn es sich um immungeschwächte Patienten handelt (Tumorpatienten, ältere Patienten), wenn der fiebrige Infekt schon länger als 7-10 Tage anhält, wenn eine besondere Rythmik des Fiebers sichtbar ist (z.B. Fieberschübe etc.) und wenn die Begleitsymptome des Fiebers sehr stark sind. Meistens geht Fieber generell mit Schwäche, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit bzw. Erbrechen einher. Steigt das Fieber in Regionen um die 40-42 Grad Celsius an, kommt es vor, dass Patienten zu phantasieren beginnen. In diesem Fall muss ebenfalls sofort das Fieber gesenkt werden. Dies geschieht zum einen durch kalte Wadenwickel, zum anderen aber durch fiebersenkende Medikamente (z.B. Paracetamol, ASS, Ibuprofen).
Besteht Fieber unnatürlich lange, handelt es sich um Patienten mit keinen offensichtlichen Infekten oder um im Krankenhaus befindliche Patienten, sollte auf jeden Fall die genaue Ursache des Fiebers geklärt werden. Dazu sollte eine Blutkultur 2-3mal am Tag an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zur Erregerbestimmung durchgeführt werden.
Des Weiteren sind Venenkatheter bzw. Harnblasenkatheter zu wechseln. Das Blutbild, das außerdem untersucht werden sollte, sollte die Leukozyten und das Entzündungseiweiß CRP beinhalten.
Beide Werte sind in der Regel bei fiebrigen Infekten erhöht. Immungeschwächte oder im Krankenhaus liegende Patienten sollten schnellstmöglich nach Abnahme der Blutkultur eine Antibiose bekommen. Findet man den Erreger nicht heraus, was in ca. 60% der Fieber der Fall ist, ist ein Breitbandantibiotikum anzusetzen. Kommt es danach immer noch zu keiner Entfieberung, kann eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane, oder eine Röntgenuntersuchung des Herzens und des Brustkorbes erforderlich werden. Auch muss immer bei unklarem Fieber und Schwäche an eine Entzündung der Herzinnenwand gedacht werden (Endokartditis).Auch sind einige erbliche Krankheiten nach dem Ausschluss der häufigsten Ursachen zu untersuchen und auszuschließen. Fieber kann Ausdruck eines harmlosen Infektes sein (in dem meisten Fällen) oder aber erstes Anzeichen von schwerwiegenden Erkrankungen.
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