Inhalt:
Fluoridierung der Zähne
Synoynme im weiteren Sinne
Fluorid, Karies, Fluoridtherapie
Einleitung
Es gibt kaum ein Thema, bei dem die Meinungen weiter auseinander gehen als die Fluoridierung. Auf der einen Seite die Fluoridgegner, die darauf bestehen, dass Fluoride giftig seien und schädlich für den Organismus. Dabei sprechen sie nicht von Fluoriden, sondern von Fluor, das tatsächlich giftig ist, aber wegen seiner Instabilität niemals allein eingesetzt werden kann, sondern immer nur in Verbindung mit anderen Elementen als Salz mit völlig anderen Eigenschaften.
Auf der anderen Seite die Befürworter einer Fluoridierung als Prophylaxe in der Zahnheilkunde. Deren Meinung wird gestützt durch zahlreiche wissenschaftliche Studien, die eine Effektivität von Fluoriden in der Kariesprophylaxe beweisen. In der Zahnheilkunde werden ausschließlich niedrige Dosierungen von Fluoriden, also Salze des Fluors, eingesetzt, die gesundheitlich völlig unschädlich sind. So ist der Gehalt an Fluorid in Zahnpasta auf 1500ppm (Teile pro Million) begrenzt.
Bei Kinderzahnpasta ist er auf 250 bis 500ppm verringert, da Kinder einen großen Teil der Zahnpasta hinunterschlucken und in Verbindung mit Fluoridtabletten eine zu hohe Dosis an Fluorid systemisch bekommen, die zu einer Fluorose führen könnten, da ihre Zähne sich noch in der Entwicklung befinden.
Was sind Fluoride
Fluoride sind Fluorsalze, die aus einer Verbindung von Fluor mit anorganischen oder organischen Elementen wie:
- Natrium
- Calcium
- Zinn oder
- Amin
entstehen. Durch die Salzbildung ergeben sich völlig andere Eigenschaften im Gegensatz zu reinem Fluorgas. Nur diese unschädlichen Fluorverbindungen werden bei der prophylaktischen Anwendung in der Zahnmedizin eingesetzt. Die Unschädlichkeit von Salzen aus zwei sehr giftigen Einzelstoffen lässt sich am besten am Kochsalz demonstrieren. Es besteht aus dem sehr giftigen Chlor und dem ebenfalls sehr giftigen Natrium. Zusammen entsteht Natriumchlorid, also Kochsalz, das wir täglich zu uns nehmen, und das sogar lebensnotwendig ist.
Systemische Fluoridierung
Bei der systemischen Fluoridierung wird dem Körper das Fluorid durch Aufnahme durch den Magendarmtrakt zugeführt. Dies geschieht entweder durch Nahrungsmittel oder künstlich durch Tabletteneinnahme, fluoridiertes Speisesalz oder aber auch durch Mineralwässer.
Das Fluorid wird in den Blutkreislauf aufgenommen und gelangt so auch in die Speicheldrüsen und die Mundhöhle. Die Fluoridierung mit Tabletten muss bei Kindern nach dem Lebensalter abgestimmt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Kinder beim Zähne putzen größere Mengen an Zahnpasta willkürlich wegen des guten Geschmacks oder unwillkürlich hinunterschlucken. Eine Dosierung von 2mg Fluorid täglich sollte in jedem Fall vermieden werden.
Lokale Fluoridierung
Im Gegensatz zur systemischen Anwendung, bei der das Fluorid nur in stark verdünnter Konzentration in die Mundhöhle gelangt, wird bei der lokalen Anwendung das Fluorid direkt auf die Zähne aufgebracht.
Die lokale Applikation erfolgt durch Zahnpasta, Gel, Spüllösungen und vom Zahnarzt aufgebrachte Lacke. Zahnpasta sollten in jedem Fall Fluorid enthalten. In den meisten Pasten ist das anorganische Natiumfluorid oder Natriummonofluorphosphat enthalten, sie sind geschmacklos und vertragen sich gut mit den anderen Bestandteilen der Zahnpasta. Besonders in Amerika steht auch zinnfluoridhaltige Zahnpasta zur Verfügung. Als organische Verbindung in Zahnpasten findet Aminfluorid Verwendung.
Eine weitere Indikation von Fluoriden ist die lokale Behandlung von empfindlichen Zahnhälsen.
Normalerweise ist der Zahnhals durch den Zahnschmelz und das Zahnfleisch geschützt. Vor allem durch die Parodontose aber auch durch falsches Zähneputzen zieht sich das Zahnfleisch zurück und legt so den Zahnhals frei.
Jetzt können durch die feinen Dentinkanälchen thermische und chemische Reize bis in die Pulpa weiter geleitet werden und Schmerzen verursachen.
Die häusliche Anwendung von Fluoridgel auf den schmerzhaften Zahnhals oder das Auftragen von Fluorlack durch den Zahnarzt versiegelt die offenen Dentinkanälchen und lässt so die Schmerzhaftigkeit verschwinden.
Trinkwasserfluoridierung
Das einfachste und auch billigste Angebot einer Fluoridversorgung ist die Anreicherung von Fluorid im Trinkwasser. In Amerika (USA) aber auch in Europa wurde sie schon durchgeführt. So haben die Stadt Basel in der Schweiz sowie Karl-Marx-Stadt in der ehemaligen DDR die Fluoridierung des Trinkwassers eingeführt.
Der Erfolg ließ sich in einer signifikanten Abnahme von Karies nachweisen. In der Bundesrepublik wird es jedoch nicht zu einer Trinkwasserfluoridierung kommen, da dies als Zwangsmedikation angesehen wird, und es daher nötig wäre für jeden Haushalt zwei getrennte Wasserleitungen zur Verfügung zu stellen, damit man zwischen Fluorid freiem und mit Fluorid angereichertem Wasser wählen kann. Dies ist natürlich illusorisch.
Wie wirkt Fluorid
Täglich kommt es durch die Nahrung zu Säureangriffen an den Zahnschmelz. Dabei wird der Schmelz durch Demineralisierung entmineralisiert, d.h. Calcium wird aus dem Schmelz herausgelöst.
Auf der anderen Seite wird aber auch Calcium aus dem Speichel wieder eingebaut, diesen Vorgang nennt man Remineralisierung. Solange sich Demineralisation und Remineralisation ausgleichen, wird sich keine Karies bilden. Erst wenn die Remineralisierung den Verlust an Calcium nicht mehr ersetzen kann, kommt es zur Karies.
Fluoride unterstützen die Remineralisation des Speichels und helfen so, die Ausbreitung einer Karies zu verhindern. Der Beginn einer Entkalkung infolge von Säureangriffen erfolgt nicht an der Oberfläche des Zahnschmelzes, sondern unmittelbar darunter.
Solange die Oberflache noch nicht zerstört ist, kann die Remineralisierung den Ausbruch eines kariösen Defektes verhindern. Ist jedoch eine Zerstörung der Oberfläche bereits erfolgt, kann der Prozess nicht mehr durch Remineralisierung aufgehalten werden. Diese Förderung der Remineralisation ist die eine besonders wichtige Wirkung von Fluoriden.
Die zweite Wirkung von Fluoriden ist die Härtung des Zahnschmelzes durch Einbau von Fluorionen in den Schmelz. Dabei wird der Fluorgehalt im Apatits des Schmelzes erhöht, was das Kristallgefüge verbessert und die Löslichkeit herabsetzt. Beides bewirkt eine höhere Widerstandsfestigkeit gegenüber Säureangriffen. Der so gehärtete Zahnschmelz kann nicht so leicht durch Säure angegriffen werden. Fluoride haben so eine vorbeugende und eine reparierende Wirkung.
Fluorose
Unter Fluorose der Zähne versteht man eine mehr oder minder ausgeprägte Verfärbung der bleibenden Zähne, weniger der Milchzähne. Die Farbskala reicht von leicht gelblich bis bräunlich. Auch können Korosionen vorhanden sein. Es handelt sich dabei nicht um Schädigungen im Sinne einer Karies, sondern um irreversible ästhetische Veränderungen, die nur durch eine prothetische Versorgung behoben werden können. Die Ursache liegt in einer zu hohen täglichen Dosierung von mehr als 2mg Fluorid während der Wachstumsphase der Zähne solange sie noch nicht durchgebrochen sind. Der entscheidende Zeitraum ist die Phase der Zahnentwicklung, in der die Zahnkeime noch mit Blut versorgt werden. Bei bereits in der Mundhöhle stehenden Zähnen können auch sehr hohe Gaben von Fluorid nicht zu solchen Veränderungen führen.
Zusammenfassung
Fluoride sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Kariesprophylaxe. Sie können in unterschiedlichen Darreichungsformen angewandt werden. Sie härten den Zahnschmelz und fördern die Remineralisation. In der Zahnheilkunde werden sie in unschädlichen Konzentrationen verwendet.
Die Fluorose tritt nur bei Überdosierung während der Entwicklung der Zähne auf, sie ist gesundheitlich unbedenklich aber ästhetisch störend.
weiterführende Informationen
- Zahnmedizin A-Z
- Anatomie Zahn
- Angst vorm Zahnarzt
- Bleaching
- Zahnärztliche Diagnostik
- Ernährung für gesunde Zähne
- Karies
- Karies im Kindesalter
- Kiefer
- Kiefergelenk
- Kieferorthopädie
- Mundgeruch
- Parodontose
- Prothesenreinigung
- Weiße Zähne
- Wurzelbehandlung
- Zahnbelag
- Zahnbürste
- Zahnersatz
- Zahnfleischbluten
- Zahnfleischentzündung
- Zahnfüllung
- Zahnimplantat
- Zahnpasta
- Zahnpflege
- Professionelle Zahnreinigung
- Zähne putzen
- Zahnschmerzen
- Zahnschmuck
- Zahnstein
- Zahnwechsel
- Zahnwurzelentzündung
- Zähneknirschen
- Zahn ziehen
|
|
||
|
Beantworten Sie 14 Fragen aus allen Bereichen der Zahnpflege und erlernen Sie dabei wichtige Informationen zum Thema Zahnpflege. |
|
Das könnten Sie jetzt auf Dr-Gumpert.de machen!
Ihre Meinung ist uns wichtig!







