Inhalt:
- Folgen von Alkohol
- Synonyme im weiteren Sinne
- Allgemein
- Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit
- Krankheiten des Nervensystems aufgrund akuter oder chronischer Alkoholzufuhr
- Einfacher Alkoholrausch
- Pathologischer Alkoholrausch
- Entzugspsychose (Delirium tremens)
- Alkoholhalluzinose
- Alkoholbedingte Korsakow-Psychose
- Alkoholbedingte Polyneuropathie
- Wernicke-Enzephalopathie
- Kleinhirnatrophie
- Hirnrindenatrophie
- Alkoholembryopathie
- Weiterführende Informationen
Folgen von Alkohol
Synonyme im weiteren Sinne
Alkoholmissbrauch, Alkoholabhängigkeit
Allgemein
Der Verzehr von Alkohol ist in jeder Gesellschaft allgegenwärtig. Ein übermäßiger Verzehr von Alkohol (Alkoholmissbrauch) kann zu einer Alkoholabhängigkeit führen. Sowohl langjähriger Alkoholmissbrauch als auch Alkoholabhängigkeit können zu verschiedenen neurologischen Erkrankungen führen, die hier aufgeführt werden sollen.
Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit
Unter Alkoholmissbrauch wird der Gebrauch von Alkohol verstanden, der zu einem körperlichen und psychologischen Schaden aufgrund des übermäßigen Verzehrs an Alkohol in unangepasster Weise führen kann.
Zur Verdeutlichung, ab wann der Konsum von Alkohol als Missbrauch einzustufen ist, zeigt das folgende Beispiel:
Die Tageshöchstdosis von Alkohol liegt für Männer bei 20-24 g Alkohol am Tag, für Frauen bei 10-12 g pro Tag.
Diese Dosis sollte nicht jeden Tag konsumiert werden. Beispielsweise hat ein Bier 4,5% Vol. Alkohol = 4,5 Gramm Alkohol / 100 ml Flüssigkeit. Die Tageshöchstdosis würde dann bei 0,5 bis 0,6 l liegen. Ein Alkoholmissbrauch läge dann ab einer Dosis von mehr als 24 g (für Männer) täglich vor.
Demgegenüber ist die Alkoholabhängigkeit durch:
- das Verlangen nach mehr Alkohol (Toleranzentwicklung)
- Entzugsymptomatik
- erfolglose Kontrolle des Konsums und
- durch die übergeordnete Stellung des Alkohols gegenüber anderen Aktivitäten und Verhaltensweisen
charakterisiert.
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Krankheiten des Nervensystems aufgrund akuter oder chronischer Alkoholzufuhr
Einfacher Alkoholrausch
Der einfache Alkoholrausch ist gekennzeichnet durch psychopathologische und neurologische Symptome. Eine psychische Veränderung nach Verzehr von Alkohol hängt von der Art und Menge des Alkohols, von der jeweiligen Situation und der Persönlichkeit des Trinkenden ab. Nach geringer Alkoholdosis befindet sich der Trinkende in einem Exzitationsstadium (leichte Erregbarkeit). Bei weiterer Alkoholzufuhr tritt eine Bewusstseinseintrübung auf. In schweren Fällen kommt es zu gesteigerter Schläfrigkeit oder zum Koma. Erinnerungslücken (Amnesie) nach hohen Dosen von Alkohol können auftreten, allgemein auch als Filmriss bezeichnet.
Die neurologischen Symptome sind Intentionstremor (Zittern bei zielgerichteten Bewegungen), schlechte Artikulation (verlangsamt, stockend = Wolldecke im Mund), Gang- und Standataxie (gestörte Bewegungskoordination beim Gehen oder Stehen = Schlagenlinien laufen oder auch mit dem PKW fahren) und pathologischer Nystagmus (Augenbewegungsstörung).
Das Absetzen der Dosis führt zu einer Abnahme der psychischen und neurologischen Symptomstärke. Bei besonders schweren Fällen ist es notwendig das Erbrechen einzuleiten oder eine Magenspülung durchzuführen, damit der Alkohol aus dem Magen gelangt.
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Pathologischer Alkoholrausch
Diese Psychose (Störung psychischer Funktionen) kommt besonders durch eine herabgesetzte Toleranz von Alkohol zustande (z.B. durch Hirnkrankheiten, etc.). Die Psychose setzt plötzlich ein und ist meistens nur sehr kurz (unter 1h). Es treten psychomotorische Erregung, Wutausbrüche, später Erschöpfungszustände oder Schlaf und nach dem Erwachen Erinnerungslücken auf.
Notfallmäßig werden dem Patienten durch einen Arzt Benzodiazepine (Beruhigungsmittel) oder Butyrophenon verabreicht.
Entzugspsychose (Delirium tremens)
Das Delirium tremens tritt bei akuter Entziehung nach lang andauernder starker Alkoholzufuhr auf.
Die Patienten berichten meistens Zittern ihrer Hände (gelindert durch Alkoholzufuhr), vermehrtes Schwitzen, Reizbarkeit, unruhigen Schlaf und manchmal auftretende Sinnestäuschungen (Halluzinationen) seit geraumer Zeit. Diese Symptome werden als Prädelir bezeichnet. Darüber hinaus kann es zu morgendlichen Krampfanfällen (Entzugskrämpfe) kommen, deren genaue Ursache aber abgeklärt werden muss.
Das Alkoholdelir, das nach ca. 2-3 Tagen ab Unterbrechung der Alkoholzufuhr auftritt, ist dann durch folgende Symptomatik gekennzeichnet:
- Schreckhaftigkeit
- grobes Zittern (Tremor)
- unverständliche Sprache
- Störung der Aufmerksamkeit
- Desorientiertheit
- psychomotorische Unruhe
- Sinnestäuschungen (Illusionen, Halluzinationen)
- Suggestibilität
Vegetative Symptome des Alkoholdelirs sind:
- Erweiterung der Pupillen
- Schwitzen
- Gesichtsrötung
- Beschleunigter Puls (> 120 Schläge pro Minute)
- beschleunigte Atemfrequenz
- starke Schwankungen des Blutdrucks
Einige vegetativen Symptome des Alkoholentzugsdelirs sind lebensgefährlich und müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Das beschriebene delirante Syndrom kann auch bei anderen Erkrankungen (Kopfverletzungen, Entzündung des Gehirns, etc.) auftreten. Zur Diagnostik werden ggf. EEG und andere Zusatzuntersuchungen (Laborwerte, etc.) eingesetzt.
Therapeutisch werden im Prädelir oft Clomethiazol-Kapseln und Vitamin B1 verabreicht, alternativ auch Carbamazepin. Entwickelt sich das Prädelir zu einem vollen Delir wird Clomethiazol per Infusion verabreicht.
Clonidin wird darüber hinaus bei starker vegetativer Symptomatik gegeben. Wenn Symptome der Unruhe im Vordergrund stehen, können Butyrophenon und Tranquilizer (Beruhigungsmittel) eingesetzt werden.
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Alkoholhalluzinose
Im Gegensatz zum Entzugsdelir stehen bei der Alkoholhalluzinose psychopathologische Symptome und weniger vegetative Symptome im Vordergrund. So sind die Patienten oft wach und orientiert. Nach der Psychose entstehen meistens keine Erinnerungslücken.
Folgende Symptome treten auf:
- ängstliche Erregung
- akustische Sinnestäuschungen (Halluzinationen)
- Flucht- oder Selbstmordhandlungen infolge der Halluzinationen
Die psychotischen Symptome treten anfangs nachts auf bis die volle Psychose ausbricht, die einige Tage anhalten kann. Nach Behandlung mit entsprechenden Medikamenten (Neuroleptika) geht die Symptomatik zurück.
Zur Behandlung muss der Patient in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden. Dort wird er notfallmäßig mit z.B. Butyrophenon medikamentös behandelt.
Alkoholbedingte Korsakow-Psychose
Dieses Krankheitsbild tritt nach langjährigem Alkoholmissbrauch auf oder besteht gleichzeitig neben einer Wernicke-Enzephalopathie (s.u.) (oder geht aus ihr hervor). Die Krankheit kann auch nach einem Alkoholdelir auftreten.
Die Korsakow-Psychose ist charakterisiert durch:
- falsche Orientierung über die eigene Person und den Ort
- mangelnde Fähigkeit sich etwas zu merken oder etwas zu lernen
- Konfabulationen (erfundene und nicht zusammenpassende Aussagen)
Zwar wird die Korsakow-Psychose mit Vitamin B1 behandelt, aber ohne nennenswerte Behandlungserfolge.
Alkoholbedingte Polyneuropathie
(poly = viele Nerven sind betroffen; Neuropathie = Schädigung der Nervenendigungen)
Bei dieser Erkrankung, die nur eine geringe Zahl der Alkoholiker trifft und nach jahrelangem Alkoholmissbrauch auftritt, ist die Fehlernährung (Mangel an Vitamin B1) die Ursache der Störung. Dabei sind meistens auch eine Funktionsstörung der Leber und Blutbildveränderungen (mangelndes Magnesium, mangelnde Blutplättchen, etc.) nachzuweisen.
Die alkoholbedingte Neuropathie setzt meistens mit Kribbeln, Missempfindungen und Schmerzen in den Füßen und Unterschenkeln ein. Diese Erscheinungen weiten sich dann weiter in die Arme aus. In schweren Fällen kann es zu Lähmungen der Beine kommen.
Bei ausreichender Ernährung, Vitamin B1-Therapie und entsprechender physikalischer Behandlung kann sich eine alkoholbedingte Polyneuropathien innerhalb von mehreren Wochen oder Monaten teilweise zurückbilden.
Wernicke-Enzephalopathie
Generell ist die Wernicke-Enzephalopathie ein Syndrom, das besonders bei chronischem Alkoholismus, aber auch bei einer Bandbreite von anderen Erkrankungen auftritt. Die Krankheit tritt bei Alkoholikern aufgrund der Mangelernährung auf, da Alkoholiker sich fast ausschließlich über den Alkohol „ernähren“. Der damit verbundene Thiamin (Vitamin-B1)-Mangel führt zu Blutungen und Gefäßschäden an zahlreichen Stellen des Gehirns. Die Krankheit setzt akut ein und kann auch als lebensbedrohliche Komplikation bei einem Delirium tremens auftreten.
Wenn die Krankheit nicht rechtzeitig mit hohen Dosen von Vitamin B1 behandelt wird, endet sie in wenigen Tagen tödlich. Auch bei entsprechender Behandlung liegt die Todesrate bei 10-20 %.
Die auffälligsten Symptome sind:
- Augenmuskel- und Blicklähmung
- Pathologischer Nystagmus (Augenbewegungsstörung)
- gestörte Bewegungskoordination von Rumpf, Gang, Stand
- psychische Störungen (Sinnestäuschungen,Erregungszustände, Teilnahmslosigkeit und Antriebsstörung)
- Pupillenstörungen
- Korsakow-Syndrom
- vegetative Symptome (Schwitzen, Tremor, beschleunigter Pulsschlag)
Kleinhirnatrophie
Durch langjährigen Alkoholmissbrauchs setzt zwischen dem 50.-60. Lebensjahr eine Atrophie (Größenabnahme) des Kleinhirns ein.
Als Kennzeichen dieser Krankheit ist besonders eine Ataxie (gestörte Bewegungskoordination) der Beine vorhanden. Dabei ist der Gang des Patienten verändert, d.h. der Gang ist breitbeinig, später torkelnd.
Die Arme können auch betroffen sein. Auch das Schriftbild ist leicht verzittert. Die Krankheit verläuft über 10-20 Jahre.
Die Therapie beschränkt sich auf die Gabe von Vitamin B1.
Hirnrindenatrophie
Diese Hirnvolumenminderung, die im jüngeren und mittleren Lebensalter auftritt, ist auf chronischen Alkoholismus zurückzuführen. Symptome sind fortschreitende Demenz (Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit), epileptische Anfälle und Eifersuchtswahn. Dabei ist diese Minderung des Hirnvolumens rreversibel, wenn der Patient abstinent bleibt, d.h. kein Alkohol mehr zu sich nimmt, kommt es zu keiner erneuten Zunahme an Hirnvolumen.
Alkoholembryopathie
Hierunter ist eine Missbildung des Embryos zu verstehen, die durch den chronischen Alkoholmissbrauchs der Mutter entstanden ist.
Es können körperliche und geistige Missbildungen des Kindes auftreten. Das Geburtsgewicht dieser Kinder liegt z.B. unter dem von gesunden Kindern.
Auch später sind diese Kinder klein und untergewichtig (bis zum 7. Lebensjahr). Missbildungen sind besonders der Hydrocephalus internus (Vergrößerung von bestimmten Gehirnstrukturen) sowie angeborene Herzfehler.
Weiterführende Informationen
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- Agoraphobie
- Arachnophobie
- Borderline
- Demenz
- Depression
- Drogenpsychose
- Durchgangssyndrom
- Essstörung
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- Narzissmus
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- Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
- Sucht
- Terminabsprache Barthel
- Forum - Psychiatrie
- Zwangsstörung
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