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Furunkel
Synonyme im weiterem Sinne
Geschwür, Geschwulst, Eitergeschwür, eitrige Haarbalgentzündung, Karbunkel
Englisch: boil
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Einleitung
Der Begriff Furunkel stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „kleiner Dieb“. Bei einem Furunkel handelt es sich um eine tiefe, schmerzhafte Entzündung, die ursprünglich vom Haarfollikel ausgeht und sich dann auf das umgebende Gewebe ausbreitet. In der Mitte beginnt das Hautgewebe nach einiger Zeit abzusterben (medizinisch: Nekrose, eine Art von Zelltod) und man findet eine zentrale Einschmelzung, bestehend aus Eiter.
Dadurch entsteht ein sogenannter Pfropf, der durch die Hautoberfläche durchbrechen kann, wodurch sich der Eiter dann spontan entleert. Danach heilt der Furunkel unter Narbenbildung ab. Prinzipiell können Furunkel an jeder Stelle der behaarten Haut vorkommen, man findet sie allerdings bevorzugt in den Regionen von Gesicht und Nacken, Achselhöhlen, Genitalbereich, Gesäß und Oberschenkeln. Verschmelzen zwei oder mehrere Furunkel miteinander, so entsteht ein großflächiges, sehr schmerzhaftes Karbunkel. Wenn Furunkel beim Betroffenen schubweise oder wiederholt auftreten, nennt man dies Furunkulose.
Epidemiologie
Furunkel gehören zu den fünf häufigsten Hauterkrankungen in der Gesichtsregion.
Ursachen
Verursacht werden Furunkel durch Bakterien, meistens durch solche vom Stamm der Staphylokokken (Staphylococcus aureus), manchmal auch durch eine Mischflora. Diese Bakterien können den Haarbalg infizieren, indem sie in die Haut eindringen. Das passiert in der Regel nur bei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ein geschwächtes Immunsystem haben (z.B. bei Vorliegen einer anderen Krankheit oder bei einer Behandlung mit immunsupprimierenden Medikamenten wie Cortisol). Dann können die Erreger durch kleine Hautverletzungen, die mit bloßem Auge meist nicht einmal erkennbar sind, entlang der Haarfollikel oder der Schweißdrüsen in die Haut gelangen.
Die Staphylokokken kommen häufig aus dem Nasen-Rachen-Raum, wo sie physiologischerweise vorkommen und weitgehend ungefährlich sind. Dieser Stamm von Bakterien ist in der Lage, Enzyme zu bilden, die dazu führen, dass sich das Gewebe auflockert, wodurch die Ausbreitung der Entzündung noch weiter begünstigt wird.
Besonders anfällig für die Entstehung von Furunkeln sind Patienten mit einem unzureichend eingestellten oder nicht erkannten Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Nierenkranke. Darüber hinaus gibt es einige Hauterkrankungen, allen voran die Impetigo (eine vor allem bei Kleinkindern vorkommende infektiöse Hauterkrankung) und die Sycosis (eine chronische Haarfollikelentzündung), aber auch eitrige Erkrankungen anderer Organe und eine dadurch auftretende Blutvergiftung (Septikämie), die zur Furunkelbildung führen können. Begünstigende Faktoren sind außerdem das Tragen von zu eng anliegender, scheuernder Kleidung und die nicht ausreichende Desinfektion der Haut nach einer Rasur.
Sehr häufig treten Furunkel allerdings auch, einzeln oder gehäuft, spontan auf, ohne dass irgendeine Ursache erkennbar ist.
Symptome
Die Symptome eines Furunkel sind stets im Bereich des infizierten Haarfollikels zu sehen. Als erstes Anzeichen für ein entstehendes Furunkel macht sich am Ursprungsort der Haarbalgentzündung eine winzig kleine rote Pustel bemerkbar. Nur wenn man ganz genau hinsieht, kann man in deren Mitte ein kleines Haar erkennen, das eventuell schon von einer Schwellung umgeben ist. Die Entzündung breitet sich dann im weiteren Verlauf auf das umliegende Gewebe aus, erst jetzt wird per definitionem von einem Furunkel gesprochen.
Dieses ist ein druckempfindlicher, prall gespannter und schmerzhafter Knoten, der üblicherweise Durchmesser zwischen einem halben und zwei Zentimetern erreicht. Im Laufe der weiteren Reifung des Furunkels kommt es in dessen Mitte zu einem Absterben von Gewebe (Nekrose) und einer eitrigen Einschmelzung, die den zentralen Pfropf bildet. Irgendwann durchbricht das Furunkel schließlich die Haut, sodass der Eiter nach außen abgegeben wird. Danach kann die Haut wieder abheilen, wobei eine kleine eingezogene Narbe bestehen bleibt.
Karbunkel stellen eine großflächigere Entzündung dar, bei der das Unterhautgewebe mit betroffen ist und die deshalb häufig auch stärkere Beschwerden mit sich bringen. Zum einen sind sie in der Regel schmerzhafter als einzelne Furunkel. Außerdem kommen hier manchmal auch Allgemeinsymptome wie erhöhte Temperatur, Schüttelfrost oder Abgeschlagenheit hinzu. In sehr schlimmen Fällen können die Lymphknoten anschwellen oder sogar Lymphbahnen sich entzünden (Lymphangitis). Darüber hinaus besteht, wenn die Bakterien in den Blutkreislauf gelangen, die Gefahr einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis, Septikämie).
Bei Furunkeln, die sich im Gesicht oberhalb der Oberlippe befinden, können Keime ins Schädelinnere verschleppt werden, wodurch Orbitaphlegmonen (eine Erkrankung der Augenhöhle) oder sogar lebensgefährliche Hirnvenenthrombosen oder Hirnhautentzündungen mit den entsprechenden Symptomen ausgelöst werden können.
Diagnose
Die Diagnose eines Furunkels wird nach ausführlicher Untersuchung der betroffenen Hautareale gestellt. Zusätzlich kann anhand eines Abstriches eine labormedizinische Untersuchung der genaue Erreger nachgewiesen werden. Bei entsprechendem Verdacht kann die Diagnostik auch eine Bestimmung des Blutzuckers beinhalten, da ein unerkannter Diabetes mellitus einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung eines Furunkels darstellt.
Prophylaxe
Da Furunkel immer unter Narbenbildung abheilen und zum Teil schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, ist es am besten, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Allerdings ist eine aktive Prophylaxe nur bedingt möglich, da Auslöser von Furunkeln teilweise gar nicht bekannt sind. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass allgemeine Maßnahmen für eine gute Körperhygiene dazu beitragen, die Entstehung von Furunkeln, aber auch vielen weiteren Infektionen der Haut, zu verhindern.
Dazu gehören unter anderem häufiges Waschen und Desinfizieren der Hände, das regelmäßige Wechseln von Handtüchern und Bettwäsche oder eine Desinfektion der Haut nach der Rasur. All diese Punkte sind besonders wichtig, wenn das Furunkel aufgeplatzt ist, da es dann infektiös ist und eine Übertragung auf andere Körperregionen vermieden werden muss. Darüber hinaus sollte man dem Auftreten von Komplikationen entgegenwirken, indem man nicht versucht, Furunkel selbst auszudrücken.
Außerdem ist darauf zu achten, keine zu eng anliegende, reibende Kleidung zu tragen. Diabetiker sollten zudem auch in Anbetracht der Gefahr einer Furunkelbildung zusehen, dass ihr Blutzucker immer gut eingestellt ist.
Prognose
Die meisten Furunkel sind unkompliziert und zeigen einen günstigen Verlauf. Nach einiger Zeit platzen sie auf und heilen von alleine ab, wobei die Entstehung einer kleinen Narbe nicht zu vermeiden ist. Um die Übertragung der Bakterien auf andere Bereiche des Körpers zu verhindern, ist Wert auf eine ausgeprägte Hygiene zu legen. Nur selten treten Furunkel wiederholt und/oder schubweise auf (Furunkel) oder verschmelzen miteinander (Karbunkel), was dann zu stärkeren Beschwerden führt und einer umfassenderen Behandlung bedarf.
Komplikationen kommen zwar nicht häufig vor, sollten aber aufgrund ihres Schweregrades ernst genommen werden. Zum einen besteht die Möglichkeit, dass sich die Lymphbahnen der Haut entzünden, wenn die Erreger diese besiedeln (Lymphangitis), und die Lymphknoten anschwellen. Im schlimmsten Fall führt dies dann zum lebensbedrohlichen Krankheitsbild einer Blutvergiftung. Die weiteren Komplikationen treten vor allem auf, wenn sich die Furunkel im oberen Bereich des Gesichtes befinden. Zwischen den Kaumuskeln liegt in der tiefen Gesichtsregion der venöse Plexus pterygoideus, der ein Verbindungsglied zwischen den Venen des Gesichts und dem Sinus cavernosus im Schädelinneren bildet; auch die Venen der Augenhöhle können mit ihm kommunizieren. Folglich besteht die Möglichkeit, dass die Keime über die Hautvenen schließlich in die Augenhöhle ( Orbitaphlegmone) oder sogar ins Gehirn gelangen und dort eine Hirnvenenthrombose oder eine Hirnhautentzündung verursachen können, die beide tödlich enden können.
Zusammenfassung
Furunkel sind bakterielle Infektionen und kommen häufig und meistens ohne erkennbare Ursache zu Stande. Obwohl sie aufgrund einer Haarbalgentzündung zu Stande kommen und deshalb auch prinzipiell an jeder Stelle der behaarten Haut auftreten können, findet man sie vermehrt im Gesicht und in der Genital- bzw. Gesäßregion, wo sie außerdem noch als besonders störend empfunden werden. Im Regelfall nehmen sie allerdings einen günstigen Verlauf und heilen von alleine wieder ab.
Nur in seltenen Fällen kommt es zu Komplikationen, die vor allem dann entstehen, wenn sich die Furunkel über der Oberlippe befinden, da die Keime dann über das Venensystem ihren Weg ins Gehirn finden können, weshalb man sich auf keinen Fall dazu verleiten lassen sollte, an Furunkeln im Gesicht herumzudrücken. Deshalb ist es ratsam, die Entstehung von Furunkeln von Anfang an zu verhindern, indem man auf ausreichende Hygiene achtet.
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