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Gallenblase

Synonyme

Medizinisch: Vesica biliaris, Vesica fillea

Galle, Gallenblasengang, Gallenblasenentzündung, Porzellangallenblase

Englisch: gall bladder

Lesen Sie auch unser Thema: Gallenblasenentzündung

Definition

Die Gallenblase ist ein kleines, ca 70 ml fassendes Hohlorgan, das an der Unterseite der Leber im rechten Oberbauch liegt. Die Gallenblase hat die Aufgabe, die kontinuierlich von der Leber gebildete Gallenflüssigkeit zwischen den Mahlzeiten zu speichern und bei Bedarf zur Verdauung in den Zwölffingerdarm (Duodenum) abzugeben.

Makroskopische Anatomie

Die Gallenblase liegt wie die meisten Bauchorgane innerhalb des Peritoneums (Bauchfell). Sie ist an ihrer Ober- und Hinterseite mit der Leber verwachsen. An der Unter- und Vorderseite hat die Gallenblase Kontakt zum Bulbus duodeni (Übergang Magen - Zwölffingerdarm), der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und dem Colon transversum (Teil des Dickdarm).


Anatomie Leber und Gallenblase

  1. Rechter Leberlappen
  2. Linker Leberlappen
  3. Gallenblase


Man teilt die Gallenblase in verschiedene Abschnitte ein: Grube (Fundus), Körper (Korpus) und als (Cervix). Grube und Körper der Gallenblase sind die Teile, die die Gallenflüssigkeit (Galle) speichern. Der Hals der Gallenblase verjüngt sich immer weiter, bis er schließlich in den Gallenblasengang (Ductus cysticus) übergeht.

Die Blutversorgung erfolgt hauptsächlich durch die Gallenblasenarterie (Arteria cystica), die aus der Leberarterie (A. hepatica propria) abzweigt.
Zusätzlich versorgen einzelne kleine Gefäße aus der Leber Teile der Gallenblase. Das venöse (sauerstoffarme) Blut fließt über die Pfortader in die Leber ab. Dies ist der Grund, warum Gallenblasenkrebs häufig Metastasen (Tochtergeschwülste) in der Leber verursacht.

Mikroskopische Anatomie

Lokalisation der Gallenblase

Feingeweblich (histologisch) besteht die Wand der Gallenblase aus drei Schichten: von innen nach außen

  • Schleimhaut (Mukosa)
  • Muskelschicht (Tunica muscularis) und
  • Bindegewebsschicht (Adventitia).

Die Schleimhaut der Gallenblase besteht aus einem einschichtigen Deckgewebe (Epithel) und ist im Ruhezustand stark gefaltet. Dadurch kann sich die Schleimhaut bei Dehnung leicht entfalten.
An der Innenseite sind die Schleimhautzellen durch einen sogenannten Bürstensaum gekennzeichnet. Dieser Bürstensaum besteht aus zahllosen kleinen Ausstülpungen der Schleimhautzellen, um die Oberfläche zu vergrößern.
Das ist deshalb wichtig, da die oberflächlichen Zellen die meiste Zeit über aktiv versuchen, der Gallenflüssigkeit Wasser zu entziehen. Das schaffen sie, indem sie über besondere Eiweiße Salz aus der Flüssigkeit heraustransportieren, dem dann das Wasser nachfolgt.

Die Muskelschicht der Gallenblase besteht aus glatter Muskulatur, die sich rings um die Gallenblase erstreckt. Wenn sie sich anspannt, führt dies zum Auspressen der gespeicherten Gallenflüssigkeit.
Die Anspannung wird zum Teil durch nervliche Impulse ausgelöst; wichtigstes Signal ist aber das Hormon Cholezystokinin aus bestimmten Zellen des Magen-Darm-Traktes.

Die Bindegewebsschicht (Advdentitia) der Gallenblase entsteht durch das Verwachsen mit der inneren Schicht des Bauchfells (Peritoneum). Dadurch ist die Gallenblase zwar beweglich, Entzündungen können aber auch leicht auf das sehr schmerzempfindliche Bauchfell übertreten (Peritonitis).

Funktion

Die Gallenblase bildet den Endpunkt des Gallenblasenganges (Ductus cysticus), über den die Gallenblase mit dem Leber-Gallengang (Ductus hepaticus) verbunden ist. Ab dem Punkt, an dem sich die beiden Gänge vereinigen, spricht man vom Ductus choledochus, dem gemeinsamen Gallengang. Dieser Gallengang vereint sich schließlich kurz vor seiner Mündung mit dem Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse (Pankreas).
Die Mündung in den Dünndarm ist eine Engstelle mit einem Schließmuskel (Papilla Vateri, Papilla duodeni major). Dieser Schließmuskel ist immer angespannt und verschließt den Ausgang des Gallengangs. Das führt dazu, dass die Galleflüssigkeit („Galle“) nicht abfließen kann, was zu dann wiederum zu einer beabsichtigten Stauung der Galle in die Gallenblase hinein führt. In der Gallenblase wird die Galle nun solange zwischengespeichert, bis wir Nahrung zu uns nehmen.
Der Verdauungsprozess führt unter anderem dazu, dass sich der Schließmuskel entspannt und die Öffnung in den Zwölffingerdarm freigibt. Nun kommt es zu rhythmischen Anspannungen der Muskulatur (Kontraktionen) in der Gallenblase und im Gallenblasengang (ausgelöst durch das Hormon Cholecystokinin). Diese Kontraktionen führen dazu, dass die in der Gallenblase zwischengespeicherte Galle aktiv in den Dünndarm hinaustransportiert wird. Damit die Gallenblase nicht irgendwann durch zu viel Flüssigkeit zu platzen droht, wird der eingespeicherten Gallenflüssigkeit reines Wasser entzogen. Das führt dazu, dass sich die Konzentrationen der einzelnen Substanzen in der Galle stark erhöhen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Bildung von Gallensteinen kommt.

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Erkrankungen

Gallensteine

Da sich zahlreiche, nur schlecht wasserlösliche Stoffe in der Gallenflüssigkeit befinden, ist die Gefahr eine Kristallisierung erhöht. Damit es zu keiner Steinbildung kommt, ist es notwendig, dass die einzelnen Komponenten der Gallenflüssigkeit im richtigen Verhältnis zueinander vorliegen.
Häufig wird durch einen erhöhten Cholesterinspiegel (Cholesterin) im Blut und damit auch in der Galle dieses Verhältnis gestört und es kommt zur Bildung von Gallensteinen. In den meisten Fällen (>60%) bemerkt dies der Betroffene gar nicht (stumme Steine).
Erst wenn dieser Gallenstein Abflusswege blockiert (Cholestase), kommt es zu reflexartigen Krämpfen der Muskulatur und zu plötzlichen, sehr starken kolikartigen Schmerzen, die meist rechts im Oberbauch lokalisiert sind, aber auch bis in die rechte Schulter ausstrahlen können. Der Verschluss der Gallenwege führt zu zwei Problemen:

  1. Vor der Blockade staut sich die Galle an und kann mit der Zeit sogar die sie produzierenden Leberzellen schädigen (Hepatitis). Es kommt zu einem Übertritt von gallepflichtigen Substanzen (u.a. Bilirubin= Gallenfarbstoff) ins Blut und damit zu einem Ikterus (Gelbsucht).
  2. Hinter der Blockade kommt keine Galle mehr an. Dadurch ist die Verdauung von Nahrungsfetten nicht mehr möglich und die Fette werden unverdaut ausgeschieden. Das führt zu dem klassischen klinischen Bild der Fettstühle, gelblich-breiigen Ausscheidungen die das unverdaute Fett enthalten.
    Ein weiteres Problem dass durch die fehlende Fettverdauung entsteht, ist die Tatsache, dass die fettlöslichen Vitamine (Vitamin A,D,E,K) nicht mehr aufgenommen werden können.
    Besonders das Fehlen von Vitamin K bereitet Probleme, da man dieses Vitamin für die Synthese einiger Faktoren für die
    Blutgerinnung benötigt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Gallensteine 

Gallenblasenentzündung

Die Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) ist eine Komplikation des Gallenblasensteinleidens (Cholelzystolithiasis).
Durch die Blockade des einzigen Zu- bzw. Abfluss entsteht ein Milieu in der Gallenblase, das letztlich zu einer Entzündungsreaktion in der Gallenblase führt.
Diese Entzündung führt zu einer Verdickung der Gallenblasenwand durch eingewanderte Entzündungszellen (weiße Blutzellen: Lymphozyten und Granulozyten), einer stark erhöhten Schmerzempfindlichkeit und möglicherweise zu systemischen Komplikationen wie Fieber, Schüttelfrost, Bildung von Akute-Phase-Proteinen (CRP).

Für Bakterien bildet die Konstellation eines Hohlraumes (hier: die Gallenblase) ohne direkten Kontakt zur Außenwelt (da ein Stein den Abfluss blockiert) hervorragende Wachstumsbedingungen.
Einzelne Bakterien der Normalflora des Darmes (überwiegend Enterobacteriaceae und Enterokokken) können sich dann nahezu ungestört in der Gallenblase vermehren und eine eitrige Entzündung auslösen (Gallenblasenempyem).
Dies ist sehr gefährlich, da die Bakterien eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen können und dazu noch häufig gegen zahlreiche gebräuchliche Antibiotika (Bakterien abtötende Medikamente) resistent (unempfindlich) sind.

Die Therapie besteht meist in einer operativen Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie).

Gallenblasenkrebs

Der Gallenblasenkrebs ist ein eher seltener (5 Fälle pro Jahr / 100.000 Patienten.
Zum Vergleich: Bronchialkarzinom 60 Fälle pro Jahr / 100.000 Patienten; Lungenkrebs) dafür sehr bösartiger Krebs.

Der Krebs entsteht durch eine Ansammlung genetischer Mutationen (Veränderung der Erbinformation).
Risikofaktoren sind das Gallensteinleiden / Gallensteine (Cholezystolithiasis) und die Gallenblasenentzündung (Cholezystitis), wobei man für einen direkten ursächlichen (kausalen) Zusammenhang noch keinen Beweis hat.

Das Problem des Gallenblasenkrebses ist das Fehlen an typischen Symptomen in der Frühphase seiner Entstehung. Meist wird der Krebs erst entdeckt, wenn er über den Lymph- oder Blutweg schon gestreut (metastasiert) ist. In solchen Fällen ist die Prognose sehr schlecht. Mögliche, aber sehr unspezifische Symptome sind Gelbsucht (Ikterus), Gallenkoliken, Gewichtsabnahme oder diffuse Schmerzen vor allem in der Oberbauchregion.

Pfortaderhochdruck

Wenn durch eine Schädigung des Lebergewebes der Blutfluss durch die Leber verlangsamt ist (z.B. Leberzirrhose), staut sich das Blut zurück in die Pfortader.
Die dadurch ausgelöste Erhöhung des Blutdrucks nennt man Pfortaderhochdruck. Es werden nun andere Wege (die porto-kavalen Anastomosen) gesucht, um das Blut an der Leber vorbei wieder ins Herz zurück zu transportieren.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Pfortaderhochdruck

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Anatomie und Erkrankungen der Leber sowie weiterer wichtiger Stoffwechselerkrankungen erhalten Sie auch unter: 

Weitere Informationen zur Thema Anatomie finden Sie unter: Anatomie A-Z.



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