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Gallenblasenkrebs

Synonyme im weiteren Sinne

Gallenblasentumor, Gallenblasenkarzinom, Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom, Porzellangallenblase

Hinweis

Alle hier gegebenen Informationen sind nur allgemeiner Natur, eine Tumortherapie gehört immer in die Hand eines erfahrenen Onkologen (Tumorspezialisten)!!!

Definition

Das Gallenblasenkarzinom (Gallenblasenkrebs) ist zwar ein seltener aber sehr bösartiger Tumor mit einer schlechten Prognose, da die Symptome wie die schmerzlose Gelbsucht (Ikterus) oft spät auffallen. Dabei werden zwei verschiedene Tumorarten unterschieden. Das Plattenepithelkarzinom, welches besonders bösartig ist und das Adenokarzinom, welches häufiger vorkommt. Die Erkrankung kommt vorwiegend nach dem 60. Lebensjahr vor und betrifft Frauen doppelt so häufig wie Männer. Ein langjähriges Gallensteinleiden und chronische Gallenblasenentzündungen gelten als Risikofaktoren für die Entstehung eines Gallenblasenkrebs.


Anatomie Leber und Gallenblase

  1. Rechter Leberlappen
  2. Linker Leberlappen
  3. Gallenblase

Häufigkeit

Krebserkrankungen der Gallenblase sind sehr selten und betreffen nur ca. 1 von 100000 Bewohnern. Gallenblasenkrebs ist jedoch ca. 3- bis 5-mal so häufig wie Gallengangskrebs. Die Erkrankten sind zumeist älter als 60 Jahre und Frauen sind doppelt so oft betroffen.

Tumorarten

In der Gallenblasenwand können zweierlei Krebsarten entstehen. Zunächst das seltener vorkommende Plattenepithelkarzinom, welches aus den Oberflächenzellen (Epithelzellen) der Gallenblasenschleimhaut entstehen und sich durch besondere Bösartigkeit (Malignität) auszeichnet. Das häufiger vorkommende Adenokarzinom, entsteht aus Drüsenzellen der Gallenblasenschleimhaut und ist etwas weniger maligne als das Plattenepithelkarzinom.

Ursachen und Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren der Entstehung des Gallenblasenkarzinoms zählt die langdauernde Entzündung der Gallenblase (chronische Cholezystitis).

Außerdem scheint das Gallensteinleiden (Cholezystolithiasis) eine Rolle zu spielen. Denn 80 % der vom diesem Krebs Betroffenen haben gleichzeitig Gallensteine in der Gallenblase, jedoch bei weitem nicht jeder Patient (nur ca. 1%) mit einem Gallenstein bekommt ein Gallenblasenkarzinom.

Ca. 3-5% der Patienten werden nach einer Salmonelleninfektion zu so genannten Dauerausscheidern. Das bedeutet, dass die Bakterien nicht vollends abgetötet werden konnten und der Patient stets Salmonellen in seinem Stuhl ausscheidet. Gleichzeitig besteht bei diesen Patienten eine Besiedlung der Gallenblase mit Salmonellen, die auch einen Risikofaktor für das Karzinom der Gallenblase darstellen.

Besteht eine langjährige chronische Entzündung der Gallenblase kann es zu einer Kalkeinlagerung (Kalzifizierung) der Gallenblaseninnenwand kommen. Man nennt diesen Zustand auch Porzellangallenblase, welche eine Krebsvorstufe (Präkarzinose) für den Gallenblasenkrebs (Gallenblasenkarzinom) darstellt.

Gutartige Tumore der Gallenblase (Gallenblasenadenome) sollten ab einer Größe von 10 mm entfernt werden, weil sie ein gewisses Potential zur bösartigen Entartung haben. Adenome die kleiner sind als 10 mm sollten im halbjährlichen Abstand sonographisch kontrolliert werden. In der Gallenblase kommen außerdem gelegentlich Gallenblasenpolypen vor, die aber nur ein geringes Potential zur Entartung haben.


Symptome

Meistens treten im Frühstadium keine Symptome auf, weshalb die Krankheit erst im fortgeschrittenen Stadium auf sich Aufmerksam macht. Das Erstsymptom ist meistens eine schmerzlose Gelbsucht (Ikterus), die durch die Verengung der Gallengänge durch den Tumor verursacht wird, sodass es zum Aufstau der Galle in die Leber kommt. Die Symptome des Ikterus sind eine Gelbfärbung der Haut und der weißen Augenfarbe (Lederhaut, Sklera) und ein belastender Juckreiz infolge von abgelagerten Gallensalzen in der Haut. Außerdem besteht eine lehmartige Entfärbung des Stuhls, durch das Fehlen des Gallenfarbstoffs und eine Dunkelfärbung des Urins, da die Niere die Ausscheidung der Gallenfarbstoffe übernimmt. Durch das Fehlen der der Gallensäuren im Dünndarm können Fette schlechter verdaut werden, sodass es zu Unverträglichkeit gegenüber fettreichen Mahlzeiten und zu Fettstühlen (Steatorrhoe) kommen kann.

Wenn der Abfluss aus der Gallenblase verhindert ist, kann zusätzlich zu dem schmerzlosen Ikterus eine prall gefüllte Gallenblase unter dem rechten Rippenbogen getastet werden. Dieser Symptom-Komplex wird auch als Courvoisier´sches Zeichen bezeichnet. Weitere Beschwerden können unspezifische, diffuse Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden sein. Als Spätzeichen können Schmerzen im rechten Oberbauch hinzukommen und andere unspezifische Symptome, die bei den meisten Krebserkrankungen auftreten können, wie zum Beispiel Gewichtsverlust (Tumorkachexie), Blutarmut (Anämie), Müdigkeit und Antriebslosigkeit. 

Tumorausbreitung (Metastasierung)

Man kann verschiedene Formen der Metastasierung beschreiben:

  1. Lymphogene Metastasierung
    Die Lymphgefäße drainieren die Lymphflüssigkeit aus allen Stellen unseres Körpers, insbesondere die Gallenblase hat eine ausgezeichnete Lymphversorgung. Wenn der Tumor durch sein Wachstum Anschluss an ein Lymphgefäß erhält, kann es leicht passieren, dass sich einige Zellen vom Tumorzellverband lösen und mit dem Lymphstrom mitgerissen werden. Im Verlauf eines Lymphgefäßes liegen zahlreiche Lymphknoten. In ihnen ist der Sitz der Immunabwehr, die die Aufgabe hat Keime (Bakterien) abzufangen und zu bekämpfen. Die Tumorzellen setzen sich in den nächstgelegenen Lymphknoten fest und vermehren sich dort erneut. So entsteht eine Lymphknotenmetastase. Bei dieser Krebsart kommt es zum Befall von Lymphknoten, die in unmittelbarer Umgebung liegen und später auch diejenigen im Verlauf der Hauptschlagader (Aorta). Diese Krebsart zeichnet sich durch sehr schnelle lymphogene Metastasierung aus, sodass es sich empfiehlt stets bei der operativen Gallenentfernung auch die umgebenden Lymphknoten mit zu entfernen. 
  1. Hämatogene Metastasierung
    Wenn der Tumor durch sein Wachstum Anschluss an ein Blutgefäß bekommt, können sich auch in dieser Situation Zellen losreißen und über den Blutkreislauf (hämatogen) im ganzen Körper verstreut werden. Als erste Station fließt das Blut durch die Leber, wo sich die Karzinomzellen ansiedeln können und Tochtergeschwüre  (Fernmetastasen) bilden können. Im weiteren Verlauf der Krankheit können sich sekundär auch aus den Lebermetastasen Zellen loslösen und weiter in die Lunge streuen. Später kann es zu Metastasenabsiedlungen in das Bauchfell (Peritoneum) kommen, diese nennt man dann auch Peritonealkarzinose sowie in die Eierstöcke (Ovarien), ins Skelettsystem oder in die Milz
  1. Per continuitatem
    Der Tumor kann auf seinem Ausbreitungsweg in andere benachbarte Organe einwachsen (tumoröse Infiltrierung). Nicht selten ist das der beim Gallenblasenkrebs (Gallenblasenkarzinom) bereits bei der Diagnosestellung der Fall. Zum Beispiel kann der Gallenblasenkrebs in die Leber, in den Zwölffingerdarm (Duodenum), in die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und andere angrenzende Strukturen hineinwachsen. 

Diagnostik

Aufgrund der unspezifischen Beschwerden wird ein Gallenblasenkarzinom manchmal zufällig während einer Routineuntersuchung (z.B.: Sonographie Abdomen) des Bauchraumes diagnostiziert. Bei Verdacht auf ein Karzinom der Gallenwege muss der Patienten zunächst ausführlich befragt werden (Anamnese). Dabei muss man besonders nach den Symptomen fahnden, die für einen Gallenstau sprechen. Anschließend sollte der Patient gründlich körperlich untersucht werden. Dabei fällt als erstes oft eine Gelbfärbung der Haut (Ikterus) auf und in einigen Fällen kann eine schmerzlose, pralle Gallenblase im rechten Oberbauch getastet werden (Courvoisier´sches Zeichen). In fortgeschrittenen Fällen kann die eigentliche Geschwulst sogar getastet werden.

Bei der Analyse des Blutes (Labor) können bestimmte Blutwerte auf eine Erkrankung der Gallenwege hinweisen. Es können zum Beispiel die Gamma-Glutamyl-Transferase (γ-GT), die Alkalische Phosphatase (AP) und das Billirubin erhöht sein, was auf einen Aufstau der Galle hindeutet, aber nicht spezifisch für den Gallenblasenkrebs ist. Diese Blutparameter können auch bei anderen Gallenwegshindernissen, wie zum Beispiel bei einem Gallenstein (Cholecystolithiasis) , erhöht sein.

So genannte Tumormarker sind Stoffe im Blut, die bei einigen Krebsarten gehäuft anzutreffen sind und so auf eine Krebserkrankung schließen lassen können. Sie spielen bei der Erstdiagnose eines Gallenblasenkarzinom keine wesentliche Rolle, da nicht selten falsch-positive Ergebnisse herauskommen können. Wenn man jedoch vor der Operation einen bestimmten Tumormarker-Wert erhöht vorfindet, welcher nach der Operation verschwindet, dann kann man diesen Marker besonders gut dafür einsetzen, einen erneuten Ausbruch des Tumors (Tumorrezidiv) mittels eines schnellen Bluttests zu diagnostizieren. Tumormarker, die bei einem Gallenblasenkrebs erhöht sein können sind: CA 72-4, CA 19-9, CEA.

Staging und Grading
Staging
bezeichnet das diagnostische Vorgehen im Anschluss an die Diagnose eines bösartigen Tumors. Das Staging spielt neben der Gewebeuntersuchung (Histologie) eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Therapie und den Aussagen zur Prognose.

Das Staging beurteilt die Ausbreitung des Tumors im Organismus.

Im Rahmen des Staging erfolgt auch das sogenannte Grading. Dabei werden die Tumorzellen nach ihrer Differenzierung eingeteilt. Differenzierung meint in diesem Fall inwieweit die Zellen aus der gewonnenen Biopsie den Ursprungszellen, aus denen sie entstanden sind.

Sonographie
Mit der Sonographie (Ultraschall) kann man Bauchorgane nicht invasiv und ohne Strahlenbelastung beurteilen. Bei der Sonographie des Bauchraums (Abdomen) kann man die Ausdehnung des Tumors im Gallenblasenbett, das Ausmaß der Gallenwegsverengung beurteilen und befallene Lymphknoten im Bauchraum entdecken. Da die Methode einfach in der Handhabung ist und für den Patienten unbelastend, kann man die Sonografie beliebig oft wiederholen und besonders zur Verlaufskontrolle und Nachsorge nutzen.

ComputertomographieDie Computertomographie (CT) erzeugt Schichtbilder mittels Röntgenstrahlung der und kann Auskunft über die Tumorausdehnung, über die räumliche Beziehung zu Nachbarorganen (Infiltration), über den Lymphknotenbefall und zusätzlich noch über Fernmetastasen geben. Man benötigt nicht selten ein CT sowohl vom Brustraum (Thorax) als auch vom Bauchraum (Abdomen) um alle Metastasierungswege (Leber und Lunge) beurteilen zu können. Ähnliche Ergebnisse liefert auch die Magnetresonanztomographie (MRT).

 

Endoskopisch retrograde Colangiopankreatikographie (ERCP)Bei dieser Untersuchungsmethode wird ein Endoskop mit Seitblickoptik (Duodenoskop) bis zum Zwölffingerdarm (Duodenum) vorgeschoben und die Papilla duodenalis major (Papilla Vateri, Vater´sche Papille) sondiert. Dies ist die Mündung des gemeinsamen Ausführungsganges von Leber, Gallenblase (Duktus coledochus) und Bauchspeicheldrüse (Duktus pankreatikus). Wenn das Vorschieben der Instrumente in den Gallengang vergeblich bleibt, ist es notwendig die Papillenöffnung vorsichtig aufzuschneiden um so die Öffnung zu weiten. Diese Maßnahme nennt man Papillotomie oder Sphinkterotomie.

Im Zweiten Schritt der Untersuchung wird Kontrastmittel entgegen der Flussrichtung der Verdauungssäfte (retrograd) in diese Gänge hineingespritzt (injiziert). Während der Injektion des Kontrastmittels wird mittels eines Röntgen eine Aufnahme vom Oberbauch angefertigt. So werden durch das Kontrastmittel Verengungen der Gänge (Stenosen), die etwa durch Gallensteine oder auch Tumore entstanden sind, sichtbar und damit beurteilbar. Außerdem hat man die Möglichkeit über das Endoskop eine Gewebeprobe aus dem Tumor (Biopsie) zu entnehmen und vom Pathologen unter dem Mikroskop feingeweblich (histologisch) untersuchen zu lassen.

Während der ERCP kann man in gleicher Sitzung eine Therapie durchführen.

Zum Beispiel kann man mit einem eingeführten Instrument ein Stein entfernen oder auch bei Verengungen durch Tumoren oder Entzündungen durch Einbringen von einem Kunststoff- oder Metallröhrchen (Stent) den Gallen- und/oder Bauchspeichelabfluss wieder zu ermöglichen.

Perkutane transhepatische Cholangiographie (PTC)Ist die Darstellung der Gallenwege mittels ERCP erfolglos geblieben kann man eine perkutane transhepatische Cholangiographie durchführen. Bei dieser Methode wird die Leber mit einer Hohlnadel durch die Haut angestochen (punktiert) und ein Gallengang aufgesucht. Wie bei der ERCP wird auch hier Kontrastmittel injiziert um die Gallengänge mittels Röntgenbild darzustellen. Ferner ist es möglich über diesen Weg eine Ableitung der Gallenflüssigkeit nach außen über eine so genannte perkutane transhepatische Drainage (PTD) zu ermöglichen, um einen Rückstau in den Gallenwegen zu beseitigen. Insbesondere bei inoperablen Tumoren kann man so bei starken Ikterus Linderung schaffen.


Röntgen-Thorax:
Eine Übersichtsröntgenaufnahme vom Brustkorb (Röntgen-Thorax) wird angefertigt um Aufschluss zu geben über einen Metastasenbefall der Lunge.


Endosonographie (endoluminaler Ultraschall)

Bei einer Endosonographie wird zunächst, wie bei der Magenspiegelung (Ösophago-Gastro-Duodenalendoskopie), ein Schlauch bis in den Zwölffingerdarm (Doudenum) in die unmittelbare Nähe des Tumors vorgeschoben. Jedoch sitzt bei dieser Untersuchung am Schlauchende anstatt einer Kamera ein Ultraschallkopf. Mit dieser Methode kann durch auflegen des Schallkopfes auf den Tumor dessen Ausbreitung in die Tiefe (Infiltration) sichtbar gemacht werden und in der Gallenblasennähe gelegene (regionale) Lymphknoten mit beurteilt werden.

LaparaskopieIn fortgeschrittenen Tumorstadien ist es manchmal nötig eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchzuführen, um die regionale Ausdehnung, Bauchhöhlenbefall (Peritonealkarzinose) und Lebermetastasen richtig beurteilen zu können. Bei diesem Eingriff, welcher in Vollnarkose durchgeführt wird, können durch Schnitte in die Bauchhaut verschiedene Instrumente und eine Kamera eingeführt werden und so die Tumorausbreitung in Augenschein genommen werden.

Stadieneinteilung

Eine exakte Beurteilung des Tumorstadiums gelingt jedoch oft erst nach der Operation, wenn man den Tumor herausoperiert hat und das Operationspräparat (Resektat) und die Lymphknoten mittels Mikroskop feingeweblich (histologisch) untersucht wurden.

 

T-Stadien:  

 

T1:      Infiltration der Schleimhaut (Mukosa) oder Muskulatur

Ø     T1a:    Schleimhautinfiltration

Ø     T1b:    Infiltration der Muskulatur

T2:      Infiltration des nach der Muskelschicht folgenden Bindegewebes (Serosa)

T3:      Perforation der letzten Organummantelnden Schicht (Serosa, viszerales Peritoneum) und / oder Einwachsen (Infiltration) in die Leber oder in andere Nachbarorgane (z.B. Duodenum, Magen, Gallengänge).

T4:      Infiltration der Portalvene (Vena portae) oder Leberarterie (Arteria hepatica)

oder Infiltration von 2 oder mehr Nachbarorganen

 

N-Stadien:

 

N0:      Keine Lymphknotenmetastasen nachweisbar

N1:      Umliegende (regionäre) Lymphknotenmetastasen zwischen Leberpforte und Zwölffingerdarm (Ligamentum hepatoduodenale) befallen

N2:      Andere nahe gelegene Lymphknotenmetastasen

 

M-Stadien:

 

M0:     keine Fernmetastasen nachweisbar

M1.     Fernmetastasen (insbesondere Leber, später auch Lunge)


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