Geburt

Synonyme im weitesten Sinne

Entbindung, Niederkunft
Medizinisch: Partus

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Definition

Bei einer normalen Geburt wird das 2500g - 4000g schwere Kind zwischen der 38. und 42. Woche aus der so genannten vorderen Hinterhauptslage (dorsoanteriore Hinterhauptslage) geboren.
Die "normale" Geburt umfasst einen Zeitraum von 3 bis zu 12 Stunden bei Erstgebärenden (erstes Kind) und liegt bei Mehrgebärenden (mindestens zweite Geburt) zwischen 3 und 8 Stunden. Es gibt verschiedene Vorzeichen einer beginnenden Geburt. Die regelhafte Geburt hängt vom mütterlichen Geburtskanal, den Wehen sowie von dem kindlichen Kopf ab und lässt sich in drei Phasen unterteilen.

Als Frühgeburt wird eine Geburt vor der 37. Woche bezeichnet. Mehr zu diesem Thema finden Sie unter unserem Thema: Frühgeburt.


Geburtsvorzeichen

Das am längsten bekannte typische Zeichen einer beginnenden Geburt wird „Zeichnen“ genannt. Es stellt einen blutig gefärbten Schleimpfropfen dar, der während des Gebärens den Gebärmutterhals verschlossen und die Gebärmutter abgedichtet hat. Auch das Abgehen von Fruchtwasser und das Senken der Gebärmutter in der 32. Woche werden als Geburtsvorzeichen gewertet.

Durch eine vaginale Untersuchung kann man außerdem noch die Geburtsbereitschaft sowie die Geburtsreife feststellen. Hierbei wird der Muttermund und der Geburtskanal beurteilt, der Zustand der Fruchtblase sowie der vorangehende Teil des Kindes untersucht. Außerdem überprüft man zudem die Wehentätigkeit.

Geburtskanal

Der Geburtskanal setzt sich aus einem knöchernen Teil, dem knöchernen kleinen Becken, und einem Weichteilkanal zusammen. Für die Geburt ist vor allem das kleine Becken von Bedeutung. In der klassischen Geburtshilfe unterscheidet man drei Ebenen im kleinen Becken. Die Beckeneingangsebene stellt den Übergang vom großen ins kleine Becken dar, wobei der Beckeneingang queroval geformt ist. Die Beckenhöhle besitzt eine runde Form und liegt zwischen dem Steißbein und dem vorderen Beckenrand, der Symphysis pubica. Die Beckenausgangsebene wird unter der Geburt durch die Abwinkelung des Steißbeins längsoval.
Während des Gebärens werden insbesondere die festen Bandverbindungen um das knöcherne Becken durch das Hormon Relaxin etwas aufgelockert. Durch die Formen der drei verschiedenen Ebenen, queroval, rund und längsoval, ergeben sich die zwei Drehbewegungen, die ein Kind bei einer  Geburt durchläuft.
Die erste Drehung erfolgt während dem Beckendurchtritt des Kopfes und die zweite wird durch die Bewegung der Schultern bedingt, die aus dem querovalen Beckeneingang durch den längsovalen Beckenausgang nur durch eine 90° Drehung gelangen.

Der Weichteilkanal setzt sich aus:

  • dem unteren Teil der Gebärmutter (Uterus)
  • dem Gebärmutterhals (Zervix)
  • der Vagina mit äußerer Scheide (Vulva)
  • und den Beckenbodenmuskeln zusammen.

Durch das Tiefertreten des kindlichen Kopfes unter der Geburt kommt es zu einer Dehnung des gesamten Weichteilkanals von bis zu 10cm. Dabei erfährt die Region zwischen vorderem Analbereich und hinterem Scheidenbereich eine maximale Beanspruchung gerade in der Austreibungsphase der Geburt. Diese Region nennt man Damm. Um ein Einreißen zu verhindern oder um die Austreibungsphase zu verkürzen bzw. zu erleichtern kann ein so genannter Dammschnitt (Episiotomie) durchgeführt werden.

Kindlicher Kopf

Der kindliche Kopf ist nur wenig anpassbar und muss aus diesem Grund perfekt an den mütterlichen Geburtskanal angepasst sein. Die Haltung und die Einstellung des Kopfes kann bei einer vaginalen Untersuchung noch vor der Geburt getastet werden. Dabei helfen die so genannten Fontanellen. Sie entstehen durch Knochenlücken, die mit Bindegewebe miteinander verbunden sind. Auch die Lage des Kindes in der Gebärmutter ist für eine regelhafte Geburt von entscheidender Bedeutung.

Eine solche ist nur in Längsachse mit dem Kopf voran (Schädellage) möglich; dies ist bei 94% aller Geburten der Fall. Bei 5% der Geburten liegen die Kinder in der Beckenendlage, das heißt mit dem Kopf nach oben. In der Querlage befinden sich zum Zeitpunkt der Geburt 1% der Kinder.

Aufnahmeuntersuchung

Diese Untersuchung hat zum Ziel den mütterlichen und kindlichen Zustand zu erheben. Dabei wird durch die äußere Untersuchung die Lage des Kindes, das vorangehende Kindsteil sowie dessen Rückenlage durch Abtasten oder Ultraschall beurteilt. Mit Hilfe der vaginalen Untersuchung werden der Muttermund und der Gebärmutterhals betrachtet, dadurch ist ein Rückschluss auf den Beginn der Geburt oder auf eine Wehenstörung möglich. Des Weiteren werden die kindlichen Herztöne (durch das sogenannte CTG) und Wehen kontrolliert sowie das Herz und die Lunge der Schwangern abgehört.


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Kaiserschnitt

Der Kaiserschnitt stellt eine Form der Geburt dar, die durch einen Bauch- und einen Gebärmutterschnitt unter Anästhesie ermöglicht wird.

Man unterscheidet eine primäre Sectio, die zu Beginn der Eröffnungsphase erfolgt, von einer sekundären die nach dem Beginn der Eröffnungsphase stattfindet. Es gibt verschiedene Gründe warum ein Kaiserschnitt durchgeführt wird.

Geburtsstillstand, Störungen des kindlichen Herz-Kreislaufes, Quer- oder Beckenendlage, Mehrlings- oder Frühgeburten sowie Störungen der Plazenta oder mütterliche Erkrankungen sind einige der wichtigsten Gründe für einen Kaiserschnitt. Vorteil des Kaiserschnitts besteht in der raschen auch unter Notfallbedingungen mögliche Beendigung der Geburt. Nachteile des Kaiserschnitts betreffen fast alle die Mutter, in dem für sie neben den üblichen Operationsrisiken auch eine deutlich erhöhte Thrombose und Emboliegefahr besteht.

Bei einem durch Kaiserschnitt nach Wunsch geborenen Kind kann es zu einer so genannten „nassen Lunge“ kommen, welche durch in die Lunge gekommenes Fruchtwasser verursacht wird.

Mehrlingsgeburt

Eine Geburt von Mehrlingen stellt immer eine Risikogeburt dar und muss besonders begleitet werden. Zwillinge können bei Steißlage des ersten Zwillings sowie nach Abschluß der 34. Schwangschaftswoche und fetalen Gewichten von mehr als 1800g vaginal geboren werden, wobei alle höheren Mehrlinge immer durch einen Kaiserschnitt (Sectio caesarea) auf die Welt gebracht werden.

Im Unterschied zur Geburt eines einzelnen Kindes ist die Eröffnungsphase bei einer vaginalen Zwillingsgeburt meist verlängert aufgrund von einer Wehenschwäche durch eine überdehnte Gebärmutter. Die Austreibungsphase des ersten Zwillings ist meist durch die geringere Körpergröße kürzer als bei einer Einlingsgeburt. Die Geburt des zweiten Zwillings muss ständig durch den Geburtshelfer geleitet werden in dem Medikamente zur Wehenunterstützung gegeben werden und durch Ultraschallsicht und CTG-Kontrolle (Cardiotokographie = Überwachung der Herztöne) der Fortgang der Geburt beobachtet werden. Bei jeglichen Veränderungen wird die Geburt operativ beendet. Die Nachgeburtsphase ist bei der Zwillingsgeburt durch die überdehnten Muskeln der Gebärmutter verlängert und wird von einer stärkeren Nachblutung begleitet.

Geburt und Homöopathie

Auch die Geburt kann durch homöopathische Arzneimittel begleitet werden, um Geburtskomplikationen oder negative Begleiterscheinungen zu minimieren.
Zu diesem Thema haben wir eine eigenständige Seite verfasst. Lesen Sie mehr unter: Homöopathie und Geburt


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 18.07.2011