Inhalt:
Einleitung
Die Gicht ist eine angeborene Stoffwechselstörung, die mit einer krankhaften Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut (Hyperurikämie) einhergeht. Sobald der Harnsäurespiegel mehr als 6,4 mg/dl beträgt steigt die Gefahr einen Gichtanfall zu entwickeln signifikant an.
Dieser obere Grenzwert unterscheidet sich für Frauen und Männer nicht. Harnsäure entsteht aus Purinen. Sie sind Bausteine der in den Zellkernen enthaltenen Eiweißstoffe.
Gichtkristalle

- Bei Gicht spielt Ernährung und Übergewicht eine wichtige Rolle
Gichtkristalle können sich an folgenden Orten ablagern:
- Gelenken
- Sehnenscheiden
- Knochen
- Harnkanälchen (Niere)
und - im Bindegewebe
Sehr schmerzhaft sind Ablagerungen in Gelenken und Sehnenscheiden. Zu Beginn ist meistens das Großzehengrundgelenk oder das Daumengrundgelenk betroffen. Wie stark ernährungsabhängig die Entstehung eines Gichtanfalles ist, zeigt die Tatsache, dass die Gicht in Notzeiten praktisch nicht vorkommt, in Zeiten des Überflusses aber sehr häufig wird.
Früher war der Gichtanfall den Reichen vorbehalten die sich üppige Mahlzeiten mit viel Fleisch und Alkohol leisten konnten.
Hyperurikämie (med. Begriff für zu hohe Harnsäurewerte) und Gicht kommen oft im Rahmen eines sogenannten metabolischen Syndroms vor, welches durch ein Zusammentreffen von:
- Übergewicht (Apfeltyp= Fettansammlung im Bauchraum)
- Fettstoffwechselstörungen
- Bluthochdruck
- Störungen des Zuckerstoffwechsels und Diabetes Typ 2
gekennzeichnet ist.
Eine Erhöhung der Harnsäurekonzentration im Blut entsteht, wenn Harnsäure vermehrt gebildet oder vermindert ausgeschieden wird. Eine übermäßige Zufuhr von Purinen mit der Nahrung begünstigt diese Entwicklung. Harnsäure wird über die Nieren und den Darm ausgeschieden, wobei die Ausscheidung über die Niere am häufigsten gestört ist. Selten sind beide Mechanismen kombiniert.
Die Ernährung bei Gicht spielt daher eine entscheidende Rolle.
Therapieprinzipien bei erhöhter Harnsäure und Gicht
Eine dauerhafte Senkung des Harnsäurebestandes des Körpers ist Ziel einer Langzeittherapie, in deren Rahmen die Ernährung bei Gicht die Basis darstellt.
Daneben stehen auch Medikamente zur Harnsäuresenkung zur Verfügung, welche entweder die Bildung von Harnsäure hemmen oder die Ausscheidung über die Nieren erhöhen oder kombiniert wirken.
Allerdings hilft eine konsequent durchgeführte Ernährungstherapie Medikamente einzusparen oder sie ganz überflüssig zu machen.
Ernährung - Theoretische Grundlagen
Die mit der Nahrung zugeführten Purine werden im menschlichen Organismus zu Harnsäure abgebaut. Harnsäure ist das Stoffwechselendprodukt der Purine. Purine sind Bestandteile der Zellkerne und kommen in großen Mengen in
- Innereien
- einigen Fisch- und Krustentieren und
- wenigen Hülsenfrüchten und
- Gemüsesorten
vor. In Lebensmitteltalbellen wird der Harnsäuregehalt der Lebensmittel angegeben.
Nahrungseiweiß
Eine vermehrte Zufuhr von Eiweiß führt zu einer Zunahme der Harnsäureausscheidung über die Nieren und zu einem Abfall der Harnsäurekonzentration im Serum.
Kohlenhydrate
Unter den Kohlenhydraten können die Zuckeraustauschstoffe Fructose (Fruchtzucker), Sorbit und Xylit zu einem Anstieg der Serumharnsäurewerte führen.
Allerdings müssen dazu die genannten Austauschstoffe in hohen Dosen aufgenommen werden und dies wird in der Praxis selten der Fall sein. Üblicherweise, mit der Nahrung aufgenommene Mengen an Fructose ( zum Beispiel in Haushaltszucker) haben keine Auswirkungen auf die Harnsäurekonzentration im Serum.
Nahrungsfette
Eine fettreiche Kost führt zu einer Hemmung der Harnsäureausscheidung über die Nieren und damit zum Anstieg der Harnsäurekonzentration im Blut. Wobei die Herkunft der Fette ( ob tierische oder pflanzliche Fette) keine Bedeutung für den Anstieg der Serumharnsäure hat.
Alkohol
Große Alkoholmengen führen zu einer Verminderung der Harnsäureausscheidung über die Nieren und in der Leber wird mehr Harnsäure bebildet als normalerweise. Darüber hinaus trägt beim Genuss von Bier sein Puringehalt und die damit verbundene exogene Purinbelastung zur Anhebung des Harnsäurespiegels bei.
Übergewicht und Fasten
Häufig leiden Gichtkranke und Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten im Blut an Übergewicht. Dies ist gewöhnlich auf eine übermäßige Energie- und damit auch Purinzufuhr zurückzuführen.
Eine Gewichtsreduktion führt meist zu einer Verringerung der Harnsäurekonzentration im Blut. Beim totalen Fasten verbrennt der Körper das gespeicherte Depotfett und zieht es zur Energiegewinnung heran. Aus dem Fettstoffwechsel stammen dann die sogenannten Ketonkörper, die vermehrt gebildet werden und die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren hemmen. Es kommt zum Anstieg der Harnsäure im Serum. Verstärkt würde dieser Effekt, wenn Alkohol und Fasten kombiniert würden. Somit sind Fastenkuren bei Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten und Gicht nicht angezeigt. Nach erfolgter Gewichtsreduktion nach den Prinzipien der vollwertigen, energiereduzierten Mischkost stellen sich in den meisten Fällen neue, niedrigere Harnsäurewerte im Serum ein.
Praktische Ernährung bei Gicht
Ihr Ziel ist die dauerhafte Senkung des Harnsäurebestandes des Körpers.
Der Serumharnsäurespiegel soll sich idealerweise im Bereich von 5,5 mg /dl bewegen. Bei einem Anstieg der Harnsäurewerte auf 8,0 bis 9,0 mg/dl ohne Symptomatik (Gichtanfälle, Nierensteine) genügt die Einhaltung von Diätvorschriften. Werden diese nicht eingehalten oder steigt die Harnsäure auf Werte über 9 mg/dl oder bei Komplikationen wie Gichtanfall oder Nierensteine müssen zusätzlich Medikamente zum Einsatz kommen.
Da die Therapie der Hyperurikämie eine Langzeittherapie ist wird es umso nötiger die Ernährungstherapie als Basis anzusehen und einzuhalten. Es lässt sich damit die Dosierung von Medikamenten verringern. Durch konsequent eingehaltene Ernährungstherapie kann der Einsatz von Medikamenten sogar ganz überflüssig werden. Die Ernährungstherapie bei Hyperurikämie verfolgt folgende Ziele:
- Einschränkung der Purinzufuhr mit der Nahrung
- Bevorzugung von Milch- und Milchprodukten als Eiweißquelle
- Normalisierung des Körpergewichtes bei Übergewicht
- Einschränkung des Alkoholkonsums
Eine purinarme Kost soll nicht mehr als 3500 mg Harnsäure pro Woche enthalten.
Höchstens einmal am Tag ist eine Portion (100 g) Fleisch, Fisch oder Wurst erlaubt.
Innereien sollen ganz gemieden werden. Ebenso purinreiche Hülsenfrüchte und Gemüsesorten wie Rosenkohl und Kohl. Der Harnsäuregehalt der einzelnen Lebensmittel soll in Lebensmitteltabellen am besten pro Portion und nicht von Gewichtseinheiten angegeben sein. Dies erleichtert die Beurteilung und Berechnung. Die Eiweißzufuhr aus nahezu purinfreien Milch- und Milchprodukten muss nicht gesondert beachtet und berechnet werden.
Bei bestehendem Übergewicht muss innerhalb einer energiereduzierten Mischkost, neben den oben genannten Maßnahmen, das Nahrungsfett reduziert werden um eine Gewichtsreduktion (Abnehmen) zu erreichen. Der Alkoholkonsum ist in jedem Fall einzuschränken. Beim Genuss von Bier ist neben den Auswirkungen des Alkohols auf den Harnsäurespiegel auch der Puringehalt von Bier zu berücksichtigen.
Bier enthält 15 mg Harnsäure pro 100 ml. Alkoholfreies Bier enthält ungefähr die gleiche Menge Purine. Wein ist purinfrei und wirkt sich auf die Harnsäurewerte „nur“ über seinen relativ hohen Alkoholgehalt aus. Eine streng purinarme Kost ist nur dann angezeigt, wenn eine medikamentöse Behandlung der Hyperurikämie nicht möglich ist. Diese Kostform enthält nicht mehr als 300 mg Harnsäure pro Tag oder nicht mehr als 2000 mg Harnsäure pro Woche.
Eiweiß wird in Form von Milch- und Milchprodukten und purinarmen pflanzlichen Lebensmitteln zugeführt. Nur zwei bis dreimal pro Woche sind 100 g Fleisch oder Fisch erlaubt.
Die Lebensmittel sollen vorwiegend gekocht verzehrt werden, weil beim Kochvorgang ein Teil der Purine ins Kochwasser übergeht. Diese Kostform durchzuhalten fordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin.
Zusammenfassung Ernährung bei Gicht
Ernährungsempfehlungen bei Hyperurikämie
Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Purinarme Kost mit nicht mehr als 3500 mg Harnsäurezufuhr über die Nahrung pro Woche
- Höchstens einmal pro Tag eine Portion ( 100g ) Fisch, Fleisch oder Wurst.
- Bei Geflügel die Haut entfernen
- Innereien meiden
Hülsenfrüchte und purinreiche, pflanzliche Lebensmittel meiden wie zum Beispiel Kohl und Rosenkohl
- Bevorzugung von Milch und Milchprodukten als Eiweißquelle.
- Zwei bis drei Eier pro Woche möglich (dabei auch die versteckten Eier in Kuchen, Pfannkuchen und eihaltigen anderen Lebensmittel beachten)
- Einschränkung des Alkoholkonsums. Höchstens 1 Glas Bier oder Wein täglich erlaubt. Dabei auf den Puringehalt von Bier achten (15 mg pro 100 ml Bier)
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2,0 l täglich gewährleisten. Am besten in Form von Wasser und Mineralwasser. Tee und Kaffee sind erlaubt.
Streng purinarme Kost mit nicht mehr als 300 mg Harnsäure pro Tag oder nicht mehr als 2000 mg Harnsäure pro Woche.
Diese ist nur angezeigt, wenn zum Beispiel im Verlauf einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung eine Therapie mit Medikamenten nicht mehr in Frage kommt.
- Ein- bis zweimal wöchentlich eine Portion (100 g) Fisch, Fleisch (gekocht) oder Wurst.
- Bei Geflügel die Haut enfernen
- Eiweiß in Form von Milch- und Milchprodukten und Eiern ( 2-3 Eier wöchentlich) und purinfreien, pflanzlichen Lebensmitteln.
- Verbot von Innereien.
- Verbot von bestimmten Fischsorten und Krustentieren: Heringe, Hummer. Muscheln.
- Verbot von Alkohol.
- Verbot von Hülsenfrüchten ( weiße Bohnen, Erbsen, Linsen) Kohl und Rosenkohl, Spinat, Spargel.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser und Mineralwasser. Kaffee und Tee in normalen Mengen ( 2 – 3 Tassen täglich) erlaubt.
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