Gürtelrose

Synonyme im weiteren Sinne

  • Herpes zoster
  • Zoster

Englisch: shingles, zona, zoster, herpes zoster

Definition

Die Gürtelrose, eine Virusinfektion, ist eine Spätfolge der Windpockeninfektion. Durch eine Immunschwäche kommt es zur Reaktivierung des Virus. Sie tritt allerdings nicht zwingend bei allen Menschen auf, die bereits an den Windpocken erkrankt waren. Meist findet sich die Gürtelrose einseitig, selten auch beidseitig. Vor allem aber ist sie immer auf Dermatome beschränkt. Dermatome sind bestimmte Areale, die von Hautnerven versorgt werden. Sie gehen teilweise nahezu horizontal um den Körperstamm. In diesem Bereich breitet sich die Gürtelrose aus.
Zu Dermatomen finden Sie mehr unter unserem Thema Rückenmarksnerven.

 




Häufigkeit / Vorkommen in der Bevölkerung / Epidemiologie der Gürtelrose

Schätzungsweise sind im Alter von 14 Jahren etwa 90% mit dem Varizella-Zoster-Virus infiziert. Sie besitzen nun eine lebenslange Immunität gegen Windpocken.
Bis zu 20% dieser teilimmunen Erwachsenen erkranken später an Gürtelrose.

Ursache

Die Gürtelrose wird durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen.

Bei Erstinfektion mit diesem Virus kommt es zu dem Krankheitsbild der Varizellen, den Windpocken.
Normalerweise erkrankt man im Kindes- und Jugendalter einmalig an den Windpocken. Die Übertragung der Windpocken erfolgt durch Tröpfcheninfektion (z. Bsp. Husten). Allerdings verbleiben die Viren auch nach der Abheilung im Körper.
Sie ziehen sich entlang der Nervenfasern in die Spinalganglien zurück. Spinalganglien sind Schaltstellen des zentralen Nervensystems. Sie liegen in der Nähe des Rückenmarks.
Bei einer geschwächten Immunabwehr kann es zu einer Reaktivierung des Virus kommen. Diese Erkrankung nennt man Gürtelrose. Auch Sonneneinstrahlung und Stress können einen Zoster begünstigen.

Die Ansteckung des Herpes zoster ist nur durch die Übertragung des virushaltigen Bläscheninhaltes möglich aber gering.
Es können sich nur Personen anstecken, die noch keine Windpocken hatten und auch nicht geimpft sind. Diese Personen würden allerdings an Windpocken, nicht an Gürtelrose erkranken.

Eine direkte Ansteckung mit dem Krankheitsbild Gürtelrose gibt es nicht. Das bedeutet, das jemand der an einer Gürtelrose erkrankt ist, keinen anderen mit einer Gürtelrose anstecken kann.

Symptome der Gürtelrose

Im Gegensatz zu den Windpocken, die den gesamten Körper gefallen, tritt die Gürtelrose örtlich begrenzt auf.

Bevorzugt tritt der Herpes zoster (Gürtelrose) bei älteren Menschen oder Immunschwächen (AIDS, Leukämie) auf. Meist beschränkt sich die Infektion auf ein oder mehrere Dermatome (Ausbreitungsgebit eines Nerven).

Neben sehr starken Schmerzen, kann es auch zu Fieber kommen. Die betroffenen Hautsegmente zeichnen sich aus durch sehr schmerzhafte und gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem Grund.
Die Bläschen enthalten virushaltige Flüssigkeit. Nach einigen Tagen der schmerzhaften Phase, bilden sich mehrere entzündliche Herde mit klaren Bläschen.
2-7 Tage später sind die Bläschen trüb und gelblich, die Rötung klingt ab und die Haut wird pustulös und unterblutet.
Nun beginnt die Austrocknung. Nach 2- 3 Wochen sind die Bläschen abgeheilt und haben helle Narben hinterlassen.

Komplikationen der Gürtelrose

Je nach befallenem Hautsegment können auch andere Organe bei der Gürtelrose in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ist beispielsweise das Gesicht befallen, besteht sie Gefahr einer Beteiligung der Augen (Zoster ophthalmicus) mit eventueller Hornhautschädigung.
Es kann auch zu einer Schädigung des  Ohres (Zoster oticus) mit eventueller Lähmung des Gesichts kommen (ca. 60%).
Eine weitere Komplikation entstehen durch Immundefizienz. Bei abwehrgeschwächten Patienten kann es beispielsweise zu einem generalisieren Herpes zoster kommen. Durch die Ausbreitung der Hautveränderungen auch über Dermatome hinaus, entsteht ein Bild, welches an die Windpocken erinnert. Hier sind die Pusteln über den gesamten Körper verteilt. Des weitern kann es zu einem Organbefall kommen( Lungenentzündung oder Entzündung der Leber).
Die allerdings gefürchtetste Komplikation ist die postzosterische Neuralgie. Hierbei handelt es sich um bohrend- brennende Dauerschmerzen und Schmerzattacken, die oft erst im Laufe der Jahre auftreten. Verursacht werden die Schmerzen durch den Befall der Nerven.




Diagnose

Wichtig für die Diagnosestellung einer Gürtelrose sind die durchaus typische und direkt ins Auge fallenden Symptome und Erscheinungen.

Stärkste Schmerzen treiben die Patienten zum Arzt und die typische Verteilung der Bläschen und Rötung ist offensichtlich.
Es kann auch ein Erregernachweis erfolgen. Hierbei können sowohl Antigen (also der Virus (Herpres zoster) an sich), als auch Antikörper (gegen den Körper durch die Immunreaktion des Körpers gegen den Virus) nachgewiesen werden.
Antikörper werden allerdings schon bei der Erstinfektion, also den Windpocken, gebildet und sind daher nicht zur gut zur Diagnose des Zosters / Gürtelrose geeignet.

Differentialdiagnose / Ausschlusserkrankung

Bei beginnendem Zoster / Gürtelrose muss zur Abgrenzung an folgende weitere Erkrankungen denken: Die Schmerzen, die bei der Zosterinfektion auftreten, könnten auch von einer Rippenfellentzündung (=Pleuritis) stammen. Ebenso kann ein eingeklemmter Nerv oder eine Muskelentzündung Schmerzen verursachen. Ebenso sollte eine Herpes simplex-Infektion der Haut abgegerenzt werden.

Therapie

Bei einer durch einen Herpes zoster ausgelöste Gürtelrose muss antiviral behandelt werden. Meist kommt Aciclovir® zum Einsatz. Dieses kann oral, also in Tablettenform, oder i.v. per Infusion verabreicht werden.

Brivudin® kann als orale Therapie auch zum Einsatz kommen.

Aciclovir und Brivudin gehören zur Gruppe der Virustatika. Es handelt sich hierbei also um Wirkstoffe die gezielt dem Wachstum und der Vermehrung der Viren entgegenwirken. Sie hemmen den Aufbau der Virus - DNA.

Eine Gürtelrose kann auch durch homöopathische Substanzen verbessert werden. Lesen Sie mehr hierzu in unserem Thema Gürtelrose und Homöopathie.

Prognose

Bei immunstarken Patienten, die nicht zu der Risikogruppe zählen (AIDS..), ist die Prognose der Gürtelrose gut.
Zwei Drittel der Erkrankungen heilen folgenlos ab. Ein therapeutisches Problem stellen allerdings die lang anhaltenden postzosterischen Neuralgien (Nervenschmerzen) dar. Sie tritt bei etwa 10- 15% der Patienten auf und kann Monate bis Jahre dauern.

Bei immunschwachen Personen jedoch ist der Verlauf der Gürtelrose schwer und die Prognose schlecht. Tödliche Verlaufsformen und Komplikationen kommen vor.
Eine früh- bzw. rechtzeitige antivirale Therapie verbessert die Prognose deutlich.

Prophylaxe

Da die Gürtelrose nur ausbrechen kann, wenn bereits eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus vorgelegen hat, ist eine Impfung gegen Windpocken als Prophylaxe durchaus geeignet.
Diese Impfung gehört zu den Standardimpfungen für Kinder und Jugendliche. Frauen im gebärfähigen Alter sollten in jedem Fall geimpft sein, da eine eventuelle Infektion während der Schwangerschaft das Kind schädigt.
Eine Impfung während der Schwangerschaft ist jedoch zu vermeiden.
Auch bei immungeschwächten solle keine Impfung gegen Gürtelrose durchgeführt werden, da hier die Gefahr der so genannten „Impfvarizellen“ besteht.
Also ein Ausbruch der Krankheit (Windpocken) aufgrund der Impfung.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.04.2011