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Harnblase
Synonyme
Medizinisch: Vesica urinaria
Blase, Harnblasenentzündung, Blasenentzündung, Zystitis
Englisch: bladder
Anatomie
Die Harnblase ist ein muskulöser Sack, der für die Speicherung und Entleerung des Harns verantwortlich ist. Die Harnblase (Vesica urinaria) befindet sich im Becken und wird im leeren Zustand als schlaffer Sack von den Baucheingeweiden zusammengedrückt.
Bei zunehmender Füllung kugelt sich die Harnblase allmählich aus. Sie ist am oberen Ende, auch Harnblasenscheitel (Apex vesicae), und hinten in unmittelbarer Umgebung der Bauchhöhle mit den Eingeweiden, von der sie nur durch das dünne Bauchfell (Peritoneum) getrennt ist.
Bei der Frau schließt sich an die Blase hinten im Becken die Gebärmutter (Uterus) und beim Mann der Enddarm (Rektum) an.
Man kann an der Harnblase die Spitze oder den Scheitel (Apex vesicae) von dem Harnblasenkörper (Corpus vesicae), dem Harnblasengrund (Fundus vesicae) und dem Harnblasenhals (Collum / Cervix vesicae) unterscheiden.
In den Harnblasenkörper enden die beiden Harnleiter (Ureter), die die Verbindung der Niere mit der Blase darstellen.
Der Harnblasenhals stellt den Übergang zur Harnröhre (Urethra) dar, die den Urin nach außen befördert und den Ausgang der Harnblase bildet.
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Abbildung Prostat und Blase
Querschnitt durch die Blase und darunter liegende Prostata:
- Harnblase
- Harnröhre
- Prostata
- Samenhügel mit den beiden Öffnungen der Spritzkanälchen
- Ausführungsgänge der Prostata
Funktion
Die Harnblase speichert den Harn, der ihr von der Niere produziert über den Harnleiter (Ureter) zugeleitet wird. Von jeder Seite mündet ein Harnleiter im unteren Bereich der Harnblase.
Da die Harnleiter schräg durch die Wand verlaufen, werden sie von den Muskeln der Wand zusammengedrückt, so dass ein Zurückfließen des Harns (Reflux) vermieden wird, wenn von oben aus der Niere nichts fließt.
Wenn die Harnblase einen gewissen Füllungsgrad erreicht hat, ziehen sich die Muskeln in der Harnblasenwand zusammen und der Inhalt wird über die Harnröhre nach außen befördert.
Damit während der Speicherung die Blase dicht ist, gibt es verschiedene Verschlussmechanismen. Zum einen den inneren Verschluss (Sphinkter), der sich direkt am Harnblasenausgang befindet und von gegenläufigen Muskelschlingen des Beckenbodens gebildet wird. Dieser Verschluss öffnet sich mit steigendem Druck in der Blase und kann nicht willkürlich beeinflusst werden. Zum anderen gibt es einen äußeren Verschluss im mittleren Teil der Harnröhre (Urethra), der willkürlich angespannt werden kann.
Ab einer Füllung von etwa 200 ml tritt Harndrang auf, der ab 400 ml sehr stark wird. Insgesamt kann die Blase 600 – 1000 ml fassen. Da die Größe der Blase mit der Füllung sehr stark variiert, liegt die Schleimhaut, die die Innenseite auskleidet (Tunica mucosae), im leeren Zustand in Falten. Bei zunehmender Füllung verstreichen diese. Außerdem können sich die kugeligen Zellen der Schleimhaut (Deckzellen) bei Füllung abflachen und noch weiteren Raum für Ausdehnung und damit den Urin schaffen. Die Deckzellen verhindern außerdem, dass der aggressive Harn die Harnblase beschädigt.
Die Entleerung der Blase geschieht durch einen Reflex, der vom Gehirn ausgelöst wird, welches Informationen über den Füllungszustand der Blase von Nervenfasern aus dem Rückenmark erhält.
Normalerweise unterdrückt man diesen Reflex, bis sich eine günstige Gelegenheit zum Entleeren ergibt, das heißt, dass die Entleerung willkürlich gesteuert werden kann.
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Harnblasenschleimhaut unter dem Mikroskop
Ohne Füllung liegt die Schleimhaut in Falten, bei zunehmender Blasenfüllung wird die Oberfläche glatt.
Erkrankungen
Blaseninfektion / Harnwegsinfektion
Im Rahmen einer Harnwegsinfektion (HWI) kann die Harnblase auch beteiligt sein. Eine Harnwegsinfektion wird in der Regel durch Bakterien verursacht, die zum Beispiel von außen in die normalerweise keimfreie Blase gelangen. Da bei Frauen der Ausgang der Harnröhre (Urethra) näher am After liegt und allgemein die Harnröhre kürzer ist und somit die Infektionswege kürzer sind, tritt die Harnwegsinfektion (HWI) (Zystitis) bei Frauen 10 x häufiger auf als bei Männern. Typische Symptome können brennen beim Wasserlassen sein. In einigen Fällen können Bakterien im Harn als Zeichen eines Harnweginfektes nachgewiesen (=Urinkultur (siehe unten) oder kurz Urikult) ohne das Symptome für eine Infektion vorliegen. In diesem Fall spricht man von einer asymptomatischen Harnwegsinfektion. Liegt ein Infekt in der Blase vor (Harnblasenentzündung) können die Keime auch in die zuführenden Harnleiter (Ureter) aufsteigen und auf das Nierenbecken (Pelvis renalis) und die Niere übergreifen. Hierbei spricht man von einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Eine Nierenbeckenentzündung ist in der Regel eine gefährliche Erkrankung, die mit Symptomen wie Schmerzen im Nierenlager, also an den Flanken und im Rücken und Fieber einhergehen kann.
Unbehandelt kann sich aus einer Nierenbeckenentzündung eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln, die möglicherweise lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann. Nachgewiesen wird ein Harnwegsinfekt über die mikroskopische Untersuchung des Harns, wobei Bakterien und weiße Blutkörperchen (Leukozyten) einen Hinweis liefern. Mit einem Urinteststreifen kann man erste Anhaltspunkte für das Vorhandensein von Bakterien im Urin erhalten.
Behandelt wird ein Harnwegsinfekt mit einem Antibiotikum zum Beispiel mit Trimethoprim und Sulfamethoxazol (z.B. Cotrim ®), Amoxillin oder einem so genannten Gyrasehemmer wie Ciprofloxacin (Ciprobay ®).
Die Bakterien können im Rahmen einer mikrobiologischen Untersuchung angezüchtet und die Wirksamkeit gegen die verschiedenen Antibiotika getestet werden. Diesen Vorgang nennt man Antibiogramm.
Blasentumor / Blasenkrebs
Die Schleimhaut der Blase kann auch entarten, so dass Blasenkrebs entstehen kann. Bei Männern ist Blasenkrebs die vierthäufigste Tumorerkrankung und kommt 3-mal häufiger als bei Frauen vor. Meistens wird der Tumor mittels der sogenannten Elektroresektion entfernt und dann untersucht (histologische Untersuchung). Manchmal reicht die operative Entfernung aus, in einigen Fällen muss jedoch die ganze Blase entfernt werden. Dies macht einen Blasenersatz notwendig. Dafür können die ableitenden Harnwege an den Dünndarm angeschlossen werden oder ähnlich wie beim künstlichen Darmausgang über die Haut an die Oberfläche geleitet werden. Chemotherapie ist meist nur dann notwendig, wenn sich Tochtergeschwulste (Metastasen) abgesetzt haben.
Verletzung der Harnblase
Aus der Nachbarschaft zum Schambein (Os pubis) erwächst eine leichte Verletzbarkeit der Harnblase beim Beckenbruch. Es kann zum Einriss der Blasenwand kommen und damit zum Austritt von Harn in das umgebende Bindegewebe; schwerwiegende Entzündungen sind die Folge, die auf den ganzen Bauchraum (Peritonitis) übergreifen können.
Balkenblase
Muss die Harnblase dauernd gegen Widerstand entleert werden, wie z. B. bei Vergrößerung der Prostata / Vorsteherdrüse (Prostatahypertrophie), nimmt die Muskulatur an Masse zu. Es bildet sich eine sog. „Balkenblase“, die bei Röntgen mit Kontrastmittel deutlich zu erkennen ist.
Künstliche Blase
Musste die Blase aufgrund einer der oben genannten Krankheiten oder aus einem sonstigen Grund entfernt werden, bestehen verschiedene Möglichkeiten, die Harnableitung wiederherzustellen. Zum einen kann an verschiedenen Stellen des Systems eine Verbindung zur Bauchdecke geschaffen werden, die kontinuierlich Harn in einen dort befestigten Beutel ableitet. (Stoma). Zum anderen kann aus verschiedenen Darmabschnitten eine Ersatzblase (Pouch) geformt und diese entweder an das harnableitende oder das Verdauungssystem angeschlossen werden, was eine erneute Kontinenz herbeiführt.
Ein weiteres häufiges Problem in Bezug auf die Harnblase ist Blasenschwäche (Inkontinenz), die sich durch unkontrollierten Abgang von Urin bemerkbar macht. Vor allem ältere Frauen sind davon betroffen. Man unterscheidet je nach der Situation, in der die Blasenschwäche auftritt Belastungsinkontinenz, wobei die Belastung zum Beispiel Husten sein kann, von Dranginkontinenz bei häufigem überfallartigem Harndrang. Für Blasenschwäche gibt es sowohl physiotherapeutische Ansätze wie Beckenbodengymnastik, als auch medikamentöse oder als letzte Alternative auch operative Behandlungsmethoden.
Weiterführende Informationen
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