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Helicobacter pylori
Synonyme / Tippfehler
Häufiger Tippfehler: Helikobakter pülori
Zusammenfassung
Helicobacter pylori ist ein gramnegatives Stäbchenbakterium. Es gibt mehr als 300 verschiedene Stämme, die weltweit verbreitet sind, die sich regional und familiär häufen und deren genetische Information sich zum Teil erheblich unterscheidet. Allen gemeinsam ist eine ganze Reihe verschiedener Anpassungsmechanismen, die es ihm ermöglichen, in seinem Hauptreservoir, dem Magen des Menschen zu überleben, obwohl es säureempfindlich ist.
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Erkrankungen
Obwohl Helicobacter pylori natürlicherweise den Magen des Menschen besiedelt, kann es bei Infektion mit diesem Bakterium zu verschiedenen akuten oder chronischen Erkrankungen des Magens und damit einhergehenden Komplikationen kommen.
Helicobacter pylori spielt eine Rolle bei der bakteriellen Magenentzündung (B-Gastritis), einigen Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren (Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni) und Magenschleimhautatrophien. Bei einer chronischen Infektion des Magens mit Helicobacter pylori besteht das Risiko der Entstehung eines Magenkarzinoms oder eines vom schleimhautassoziierten Lymphgewebe ausgehenden Lymphoms (MALT-Lymphoms). Diese sind mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden.
Seit 1994 steht Helicobacter pylori deshalb auch in der Gruppe 1 der nach WHO-Kriterien definierten Kanzerogene (=Krebsauslösende Stoffe).
Anatomie Magen
- Ösophagus (Speiseröhre)
- Kardia (Mageneingang)
- Korpus (Körper)
- kleine Kurvatur
- Fundus(Magengrund)
- große Kurvatur
- Duodenum (Zwölffingerdarm)
- Pylorus (Magenausgang)
- Antrum
Infektion
Der Übertragungsweg von Helicobacter pylori ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden eine oral-orale und fäkal-orale Übertragungsmöglichkeit durch Ausscheiden des Bakteriums im Stuhl und Wiederaufnahme durch andere Personen bspw. aus dem Wasser. Auch verschmutztes Essen bietet eine Aufnahmequelle.
Der Keim besiedelt zunächst sein Hauptreservoir im Menschen, den unteren Anteil des Magens (Antrum), bewegt sich mithilfe von kleinen, länglichen Membranausstülpungen (Geißeln), die aus spiralförmigen Proteinfäden aufgebaut sind und wie ein Propeller funktionieren, gerichtet fort und breitet sich über den Magenmund (Cardia) und des Magenkörper (Corpus) aus.
Diese Kolonialisierung der Magenschleimhaut kann Jahrzehnte dauern. Das Magenmilieu ist gegen Bakterien durch die aggressive Magensäure geschützt. Helicobacter pylori gelingt es aufgrund einiger Anpassungsmechanismen im sauren Magensaft kurzzeitig zu überleben.
Gerade so lange, bis das Bakterium sich an die Epithelzellen der Magenschleimhaut mit speziellen Haftstrukturen, so genannten Adhäsinen anheftet, sodann in diese eindringt und im Schleim, der den Magen vor Selbstverdauung und aus diesem Grund auch das Bakterium vor Magensäure schützt, einnistet. Dies gilt als Voraussetzung für eine Helicobacter pylori verursachte Magenentzündung (Gastritis). Entzündungsszellen treten in das Gewebe ein. Das klinische Bild bezeichnet man als chronisch-akive Gastritis.
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Virulenzfaktoren
Weiterhin produziert Helicobacter pylori Urease, ein Enzym, welches Harnstoff in Ammoniak und CO2 spaltet. Dadurch wird der pH im Umgebungsmedium des Bakteriums angehoben, also in ein weniger saures Milieu umgesetzt.
Das neutrale Milieu wird als Ammoniakmantel bezeichnet. Helicobacter pylori produziert außerdem Virulenzfaktoren wie das vakuolisierende VacA und cagA. Das Toxin VacA hat eine Vielzahl von Aufgaben. Unter anderem bildet es Vakuolen in Magen-Epithelzellen, induziert die Selbsttötung von Zellen (Apoptose) und hemmt spezielle Abwehrzellen des Immunsystems (T-Lymphozyten).
Vermutlich spielt es auch bei der Entstehung von Folgekrankheiten eine Rolle, die noch nicht verstanden ist. Das VacA wird von etwa 50% der Helicobacter pylori Stämmen produziert.
Das Protein cagA kann aus dem Bakterium in die Epithelzellen des Magens eingeschleust werden. Darin bindet es an Strukturen und verändert Signalwege, die Zellwachstums- und Migrationseigenschaften besitzen. Nach Ergebnissen einiger Studien könnte cagA Folgekrankheiten induzieren und sogar direkt an der Tumorentstehung beteiligt sein.
Diagnostik
Es gibt invasive und nicht-invasive Diagnosemethodiken, Helicobacter pylori nachzuweisen. Bei den invasiven Methoden wird mithilfe eines besonderen bildgebenden Verfahrens mit einer Kamera (Endoskopie) der obere Magendarmtrakt (Gastrointestinaltrakt) untersucht.
Die dabei abgenommenen Gewebeproben (Biopsien) der Magenschleimhaut werden auf unterschiedliche Weise untersucht. Beim enzymatischen Schnelltest macht man sich die bereits erwähnte Enzymreaktion durch Urease zunutze. Dieser Test wird als Helicobacter-Urease-Test (HUT) bezeichnet. Des Weiteren sucht man Bakterien unter dem Mikroskop, legt eine Bakterienkultur an und untersucht mit molekulargenetischen Methoden, wie bspw. der Polymerase Kettenreaktion, die genetisches Material des Bakteriums vervielfältigen kann, auf Helicobacter pylori. Mithilfe der Kultur oder des HUT können lebende Erreger nachgewiesen werden. Die nicht-invasiven Diagnosemethoden erfordern keine Gewebeentnahme mithilfe einer Endoskopie, sind jedoch trotzdem geeignet, Helicobacter pylori im Magen nachzuweisen. Das bei der Urease-Reaktion entstehende CO2 kann in der Atemluft mithilfe eines Atemtests nachgewiesen werden (Harnstoff-Atemtest).
Ein spezieller Test kann den Stuhl des Patienten auf Helicobacter pylori-Bestandteile, die vom Organismus als fremd erkannt und durch das Immunsystem bekämpft werden (Antigene), untersuchen.
Einige weitere Untersuchungsmethoden ermitteln Antikörper gegen Helicobacter pylori im Patientenblut, -urin, oder –speichel, können aber keine alleinstehende Aussage über den aktuellen Infektionsstand, sondern nur im Zusammenhang mit der Krankheitsgeschichte des Patienten (= Anamnese) machen.
Der Helicobacter pylori -Urease Schnelltest im Rahmen einer Endoskopie gehört heutzutage zur Routineuntersuchung bei Verdacht auf eine Helicobacter pylori -Infektion mit einem auffälligen endoskopischen Befund. Bei Kontrolluntersuchungen nach einer Therapie, sowie Patienten mit unklaren Oberbauchbeschwerden ohne richtungsweisende zusätzliche Symptome wird bei Verzicht auf eine Endoskopie ein Ureasetest durchgeführt. Bei epidemiologischen Studien werden eher Antigen-Antikörper-Reaktionen im Blut (Serologie) getestet.
Die Nachweismethoden unterscheiden sich demnach bezogen auf verschiedene Vorgeschichten der Patienten mit bereits bestehender chronischer Helicobacter pylori Infektion oder Verdacht auf Erstinfektion und im Hinblick auf eine therapeutische Intervention.
Therapie
Bevor bekannt wurde, dass Helicobacter pylori Magenentzündungen verursacht, behandelte man eine Helicobacter pylori Infektion mit Arzneimitteln, die die Magensäure neutralisieren (Antazida) und Magensäurehemmern (Protonenpumpenhemmern).
Die derzeitige Therapie einer Helicobacter pylori Infektion setzt einen Nachweis des Keims voraus und beinhaltet die Behandlung mit drei zur selben Zeit einzunehmenden Medikamenten. Kombiniert werden zwei Antibiotika und ein Protonenpumpenhemmer, der die Magensäurefreisetzung unterbindet und somit das Überleben von Helicobacter pylori im Magen erheblich erschwert. Dies ist notwendig, um den Keim zu bekämpfen und nicht nur, wie ehemals, die Symptome zu behandeln.
Die im Jahre 2005 überarbeiteten Maastricht-Konsensus-Kriterien schreiben die Indikationen für eine Eliminierung (Eradikation) des Keims bei einer Helicobacter pylori Infektion vor. Hierbei werden gesicherte von empfohlenen Indikationen unterschieden. Gesicherte Indikationen sind demnach ein Magen- oder Duodenalulkus, eine atrophische Gastritis oder ein MALT-Lymphom.
Auch Helicobacter pylori infizierte Patienten mit Teilentnahme des Magens (partielle Resektion) aufgrund eines Magenkarzinoms oder eines peptischen Magengeschwürs (Ulkus) und Patienten, bei denen ein Verwandter ersten Grades ein Magenkrebs entwickelt hat, wird nahegelegt, eine Helicobacter pylori-Eradikation mit der oben beschriebenen antibiotischen Behandlung durchzuführen.
Demgegenüber stehen ratsame Indikationen wie die funktionelle Dyspepsie, gastrooesophageale Refluxkrankheit und die längere Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika, wie bspw. Diclofenac oder Ibuprofen.
Therapien mit nur einem Antibiotikum (Monotherapie) erreichen keinen ausreichenden Erfolg in der Bekämpfung des Keimes.
Die Tripletherapie hingegen führt in nahezu allen Fällen zur Eradikation (Auslöschung / Vernichtung) des Keimes.
Es gibt unterschiedliche Schemata, nach denen die Medikamente verabreicht werden. Allen gemein ist eine sieben Tage dauernde Applikation von 3 Kapseln jeweils morgens und abends.
- Amoxicillin oder Metronidazol
- Clarithromycin.
Die französische Tripletherapie besteht aus:
- dem Protonenpumpenhemmer Pantoprazol in Kombination
- mit den Antibiotika Amoxicillin
- und Clarithromycin.
Die Behandlung spricht in der Regel gut an und die Eradikationsrate ist hoch. Bei der italienischen Tripletherapie besteht der Unterschied in der Gabe von Metronidazol anstelle von Amoxicillin. Da es sich bei Amoxicillin um ein Penicillin-Antibiotikum handelt und bis zu 10% der Bevölkerung eine Penicillin- Allergie aufweisen, ist die italienische Therapie bei den Betroffenen erwünscht. Allerdings gibt es gegen das Metronidazol resistente Helicobacter pylori Stämme.Bei der englischen Therapie, die Metronidazol und Amoxicillin als Antibiotika kombiniert, erfolgt eine Keimeliminierung nur bei etwa 70-80%. Weitere Kombinationsmöglichkeiten sind in Erprobung und haben in einigen Studien bereits sogar noch bessere Eradikationsergebnisse erzielt als die bisherigen. Um diese allerdings als primäre Therapieoption empfehlen zu können, sind weitere Erfahrungsberichte abzuwarten.
Bei fehlgeschlagener Therapie muss man den Erreger kultivieren und Resistenzen gegen Antibiotika ausgeschließen.
Im Falle eines Versagens der Tripletherapie aufgrund von fehlender Anzüchtung des Keims besteht die Möglichkeit einer Quadrupelbehandlung. Hierbei kombiniert man einen Protonenpumpenhemmer mit den Antibiotika Tetracyclin und Metronidazol, sowie ein Bismutsalz über einen Zeitraum von zehn Tagen.
Weitere Antibiotika wie Rifabutin oder Levofloxacin können als Alternative auch über einen zum Teil länger dauernden Zeitraum gegeben werden. Diese rettenden Behandlungen (= Rescuetherapie) sind jedoch Ausnahmen und vorwiegend für Patienten mit fehlgeschlagener Standardtripletherapie oder Resistenzen gegenüber Antibiotika empfohlen.
Erneute Infektion
Reinfektionen sind eher selten und treten nach erfolgreicher Behandlung bei etwa 1% der Betroffenen auf.
Prävalenz
Die Helicobacter pylori -Infektion ist die zweithäufigste bakterielle Infektionskrankheit des Menschen. In Entwicklungsländern ist die Prävalenz sehr viel höher als in Industrienationen. Weltweit infizieren sich 50% mit Helicobacter pylori, jedoch entwickelt nicht jeder eine Magenschleimhautentzündung. Die Mehrzahl der Infektionen mit Helicobacter pylori verläuft asymptomatisch. Auch unspezifische Symptome, wie Oberbauchschmerzen oder Sodbrennen können auftreten. Die Durchseuchung nimmt mit dem Lebensalter zu. Im Alter von 50 Jahren und darüber hat jeder Zweite eine Helicobacter pylori Magenschleimhautentzündung.
Obwohl einige pathogenetische Mechanismen der einzelnen Helicobacter pylori Stämme bekannt und verstanden sind, ist immer noch nicht geklärt, durch welchen Stamm Folgekrankheiten, wie Magengeschwür (Ulcus) und Magenkrebs (Magenkarzinom) ausgelöst werden können und welche Patienten diese entwickeln oder lebenslang asymptomatisch bleiben.
Historie
Helicobacter pylori wurde erstmals durch zwei westaustralische Forscher namens Barry Marshall und John Robin Warren 1983 beschrieben. Erst im Jahre 2005 wurden sie für ihre Entdeckung mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, im Volksmund häufig als Medizinnobelpreis benannt, ausgezeichnet. Auch der Name des Bakteriums fand nach Campylobacter pylori und anderen erst 1989 seine bis heute gültige Bezeichnung: Helicobacter pylori. Der deutsche Arzt und Forscher Robert Koch hatte bereits im 19. Jahrhundert den Grundstein zur Entdeckung des Bakteriums gelegt, indem es ihm gelang, Bakterien in Kultur angezüchtet und unter dem Mikroskop betrachtet in einen kausalen Zusammenhang mit Infektionskrankheiten mit Bakterien als Krankheitserreger zu bringen.
Zuvor wurde angenommen, dass der Magensaft keine schädigenden Erreger im sauren Milieu zulassen würde und machte unter Anderem psychische Einflüsse für die Entwicklung von Magen- und Darmulcera mitverantwortlich.
Prophylaxe
Häufig diskutiert werden die Entwicklung und der Einsatz möglicher Impfstoffe gegen eine Infektion mit Helicobacter pylori. Aufgrund der hohen Durchseuchungsrate, der unangenehmen Beschwerden bei Ausbruch der Entzündung und damit verbundenen Komplikationen, die durch eine Helicobacter pylori Infektion hervorgerufen werden können, sind solche Ansätze sehr wichtig und aktuell. Dennoch wurde bisher kein Durchbruch zur Entwicklung eines Impfstoffes erzielt, und vor verfrühter Hoffnung auf einen baldigen Einsatz wird gewarnt.
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Weiterführende Informationen
- akutes Abdomen
- Anatomie Magen
- Bauchspeicheldrüsenkrebs
- Colitis ulcerosa
- Darmkrebs
- Dickdarm
- Divertikulitis
- Dünndarm
- Durchfall
- Ernährung bei Dünndarmerkrankungen
- Helicobakter pylori
- Invagination
- Magen-Darm-Blutung
- Magengeschwür
- Magenkrebs
- Magenschleimhautentzündung
- Mesenterialarterienverschluss
- Morbus Crohn
- Morbus Whipple
- Salmonellen
- Zoeliakie
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