Hepatitis C

Synonyme im weitesten Sinne

Leberentzündung, Leberparenchymentzündung Typ C, akute und chronische Virushepatitis C, Hepatitis-C-Virus (HCV), Infektiöse Gelbsucht vom Virustyp C,

Hepatitis-Non-A-Non-B (NANB), Posttransfusions-Hepatitis

Definition

Hepatitis-C ist eine Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-C-Virus verursacht und am häufigsten über Blut und Blutprodukte (pareneral) übertragen wird. Diese meldepflichtige Virushepatitisform chronifiziert im Vergleich zur Hepatitis A und Hepatitis B besonders häufig, in bis zu 80% der Fälle.

Ein Patient mit einer chronischen Hepatitis C  hat ein höheres Risiko an einer Leberzirrhose und / oder en einem Leberkrebs (Leberzellkarzinom, Hepatozelluläres Karzinom, HCC) zu erkranken. Eine Therapie einer chronischen Hepatitis C ist zwar durch antivirale Therapie mit Interferon möglich, aber leider nicht immer erfolgreich. Eine Prophylaxe der Hepatitis C durch Impfung ist derzeit noch nicht möglich.


Erreger und Übertragung

Der Hepatitis-C-Erreger gehört zur Familie der Flaviviridae und ist ein RNA-Virus. Es gibt 6 verschiedene Untergruppen des Hepatitis C Virus (HCV). In Deutschland kommen am häufigsten die Typen 1,2,3 vor. In Afrika hingegen begegnet man häufiger den Typ 4. Der wichtigste Unterschied zwischen diesen Untertypen ist ihre Reaktion auf die Interferontherapie. Die Typen 2 und 3 reagieren besser auf diese Therapie als die übrigen.

Der Mensch ist für das HCV der einzig mögliche Wirt, d.h. nur Menschen erkranken an dem Virus. Die Übertragungswege können nicht  immer nachvollzogen werden.
Menschen, die viel Kontakt mit Blut und Blutprodukten haben, gehören jedoch zur größten Risikogruppe. Hierzu zählen Transfusionsbedürftige, Dialysepflichtige, i.v. Drogenabhängige, Menschen nach einer Nadelstichverletzung  wie Tätowierungen und Piercings bei kontaminierten Instrumenten oder medizinisches Personal bei unachtsamen Umgang mit dem Blut von Infizierten. In sehr seltenen Fällen sind sexuelle Übertragungen beschrieben.
Die Übertragung des Virus von Mutter auf das Kind wird bei einer normalen Geburt auf ca. 5% geschätzt.

Hinweis: Bluttransfusion

Früher betrug das Risiko an einer Hepatitis C nach einer Bluttransfusion zu erkranken fast 4 %, mittlerweile ist das Risiko durch moderne

Blutuntersuchungsmethoden auf 1:200.000 gesunken.

Häufigkeiten

Weltweit sind ungefähr 3% der Bevölkerung mit dem Hepatitis C Virus chronisch infiziert, in Deutschland beträgt die Durchseuchung 0,5%. Das bedeutet in Deutschland gibt es ungefähr 400.000 Infizierte. Jährlich kommen ca. 5000 Erkrankungen neu dazu. Dabei sollte erwähnt  werden, dass von allen  Drogenabhängigen (intravenöse Drogenapplikation) in Deutschland 80% HCV-Träger sind.

Bei 50 bis 80% der Infizierten chronifiziert die Erkrankung. Bei 30% entsteht daraus im Durchschnitt nach 20-30 Jahren eine Leberzirrhose und auf dem Boden einer Leberzirrhose kann sich bei ca. 5% der Betroffenen ein Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom/HCC) entwickeln.

Symptome

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) kann bis zu 24 Wochen betragen. In den häufigsten Fällen kommt es zu keiner Symptomatik und bei 25% kommt es zu milden bis stärkeren Symptomen einer akuten Virushepatitis (S. Hepatitis -Übersichtsartikel). Die Menschen, die symptomlos erkranken, stellen eine versteckte Infektionsquelle dar und können unbemerkt andere infizieren!

Bei 50-80% der Erkrankten kommt es zu einem chronischen Verlauf der Hepatitis C.

Bei einer akuten Virushepatitis, klagt der Patient zunächst über unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkbeschwerden. Dabei kann dem Patienten außerdem ein leichtes Fieber auffallen. Diese unspezifischen Symptome zeigen sich auch bei einem grippalen Infekt, sodass oft von so genannter „grippalen Symptomatik“ gesprochen wird.

Ein Druckgefühl im rechten Oberbauch kann durch eine Lebervergrößerung bei Wassereinlagerung in die Leber (Leberödem), und durch die damit einhergehende Organkapselspannung verursacht sein.

Bei einigen Betroffenen können im Anschluss daran eine Gelbsucht (Ikterus) und deren Begleitsymptome entstehen. Das Billirubin (Gallenfarbstoff) kann von den betroffenen Leberzellen (Hepatozyten) nicht mehr in die Gallengänge ausgeschieden werden. Es entsteht ein typischer Symptomenkomplex des Ikterus. Zu diesem Komplex gehört eine Gelbfärbung der Haut und der weißen Augenfarbe (Lederhaut, Sklera), welche die auffälligsten und augenscheinlichsten Symptome des Ikterus sind. Ein quälender Juckreiz infolge von abgelagerten Gallensalzen in der Haut ist für den Patienten besonders quälend. Außerdem besteht eine lehmartige Entfärbung des Stuhls, durch das Fehlen des Gallenfarbstoffs im Stuhl und eine Dunkelfärbung des Urins, da die Niere die Ausscheidung der Gallenfarbstoffe übernimmt. Durch das Fehlen der Gallensäuren im Dünndarm können Fette schlechter verdaut werden, sodass es zu Unverträglichkeit gegenüber fettreichen Mahlzeiten und zu Fettstühlen (Steatorrhoe) kommen kann.

In seltenen Einzelfällen (ca. 1%) kann es zu einer lebensbedrohlichen fulminanten Leberzerstörung mit Leberversagen kommen, sodass den Betroffenen nicht selten nur durch eine Lebertransplantation zu helfen ist. Solch ein schwerer Verlauf wird besonders bei Patienten beobachtet, die bereits im vornehinein eine das Immunsystem unterdrückende (immunsuppresive) Erkrankung haben.

Von einer chronischen Hepatitis C spricht man definitionsgemäß bei einer Persistenz der Symptome mit Virusnachweis über 6 Monate. Dieser chronische Infektionszustand mündet bei 20% aller Betroffenen früher oder später in eine Leberzirrhose (bindegewebiger Umbau der Leber mit Einschränkung der Leberfunktionen).

Im weiteren Verlauf kann sich auf dem Boden der Zirrhose ein Leberzellkarzinom entwickeln. Ein wichtiger Co-Faktor bei der Entstehung von Leberzirrhose und Leberkrebs ist eine Alkoholabhängigkeit (Alkoholabusus) und eine Zweitinfektion mit dem Hepatitis-B Virus.

Bei einer Hepatitis C Infektion besteht zudem für den Betroffenen ein erhöhtes Risiko an einer Autoimmunerkrankungen wie:

zu erkranken.


Diagnose

Da oft entsprechend wegweisende Symptome fehlen, fallen erhöhte Leberwerte nicht selten erst bei einer Routineuntersuchung auf. Danach ordnet der Arzt die weitere Diagnostik an um eine Virushepatitis auszuschließen.
Dazu gehört bei der Hepatitis C Diagnostik ein Antikörper-Suchtest, wobei  die Bildung von Anti-HCV-Antikörpern frühestens nach 4-6 Wochen einsetzt. Außerdem können die Antikörper falsch-positiv ausfallen, insbesondere wenn eine Leberzirrhose oder eine Alkoholhepatitis vorliegt.
Die Bestimmung der Hepatitis-C-Virus-RNA, mit dem PCR-Verfahren (Polymerasekettenreaktion), gehört zum Beweis einer Infektion.

Ein positiver Anti-HCV-Antikörper-Titer bei innerhalb von ca. 3 Monaten mehrmals negativ gemessener HCV-RNA (Virusgenom), spricht für eine durchgemachte, aber ausgeheilte Hepatitis C.

Anders als bei den Hepatitiden A/B sind die Leberwerte (Transaminasen) im Blut nicht selten unabhängig von der Schwere bzw. dem Stadium der Hepatitis und kann somit nicht als zuverlässiger Marker für den tatsächlichen Krankheitsverlauf dienen. Zur Beurteilung des Krankheitsverlaufes eignet sich die Gewebeprobeentnahme aus der Leber (Leberbiopsie).

Hinweis: Diagnose

Die allgemeine Diagnostik wurde unter dem Thema Hepatitis B ausführlich beschrieben und ist dort nachzulesen.


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Autor: Dr. Marc Jungermann      |     Letzte Änderung: 28.09.2010