Operation hinterer Kreuzbandriss

Arthroskopische Operation des hinteren Kreuzbandrisses

Synonyme

hinterer Kreuzbandriss, HKB, HKB-Ruptur, Kreuzbandläsion, hintere Knieinstabilität, posteriore Knieinstabilität, hintere Kreuzbandinsuffizienz, chronische Insuffizienz des hinteren Kreuzbandes, Kreuzbandplastik

Englisch: posterior cruciate ligament ruptur

Therapie / Operation

Operation hinterer Kreuzbandriss

Die operative Therapie:

Welche Therapiemaßnahme ergriffen wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Wie bereits oben erwähnt sind dies in der Regel

  • Das Alter des Patienten
  • Die Aktivität des Patienten, darunter insbesondere die sportlichen Aktivitäten
  • Die Belastung im Rahmen des Berufs
  • Das eventuelle Vorliegen von Begleitverletzungen (Meniskusriss)

    Tritt bei einem jungen, leistungssportlich aktiven Patienten, der darüber hinaus einer hohen körperlichen Belastung im Rahmen seines Berufes ausgesetzt ist, ein hinterer Kreuzbandriss ohne jegliche Begleitverletzungen auf, so ist die operative Therapie am wahrscheinlichsten. Immer aber muss die individuelle Verletzung mit den verschiedenen Therapiemaßnahmen im Einklang stehen.

    Im Rahmen der operativen Therapiemaßnahmen steht die Kreuzbandplastik an erster Stelle. Eine solche Operation wird in der Regel nicht direkt durchgeführt. Zu hoch ist das Risiko, dass im Rahmen der Operation durch das Einsetzen einer körpereigenen Sehne eine Gelenkvernarbung auftritt, die unter Umständen zu Bewegungseinschränkungen führen würde. Eine körpereigene Sehne zeichnet sich dadurch aus, dass mit ihr der verloren gegangene Halt des Gelenkes nahezu wieder hergestellt werden kann. Die „alten“ Eigenschaften und dessen Funktionen sollen den Idealzustand nahezu naturgetreu wieder nachahmen. Körpereigene Sehnen bieten daher in besonderer Weise die Möglichkeit einer anatomischen Rekonstruktion.

Diese „Idealeigenschaften werden nicht von jeder körpereigenen Sehne erfüllt. Im Rahmen der Kreuzbandplastiken hat sich die Patellarsehne (= Kniescheibensehne), sowie die Sehnen des Musclus semitendinosus und Musculus gracilis (= Hamstring) bewährt.

  • Die Patellarsehne:
    Vielen dürfte der Patellarsehnenreflex ein Begriff sein. Das ist jener Reflex, der mittels leichtem Schlag mit einem Reflexhammer ausgelöst werden und eine Reflexantwort hervorrufen kann.
    Wenn man nun die Patellarsehne als Kreuzbandplastik verwenden möchte, so entnimmt man nicht die gesamte Kniescheibensehne. Für eine Kreuzbandplastik ist es ausreichend, wenn von dieser Sehne ein etwa 1 cm breites Stück entnommen wird. Wichtig ist dabei allerdings, dass an beiden Enden ein Knochenblock anhaftet. Diese Knochenblöcke werden mittels so genannter Interferenzschrauben, die entweder aus Titan oder Zucker (= Kohlenstoffverbindungen) bestehen, in den Bohrkanälen fixiert. Der Einbau des Transplantates erfolgt arthroskopisch, in Form einer Kniegelenksspiegelung.
    Die Knochenblöcke der Patellarsehne wachsen in der Regel innerhalb von 4-6 Wochen ein.  
  • Die Semitendinosus- oder die Gracilis- Sehne
    Hierbei handelt es sich um eine Sehne des Oberschenkels. Um sie als Kreuzbandplastik zu verwenden, wird sie möglichst kniegelenksnah über einen kleinen Schnitt am inneren Oberschenkel (am inneren Schienbeinkopf) entnommen. Nach der Entnahme wird durch Doppeltlegung daraus ein Vierfach – Transplantat, auch Quadruple-Hamstring-Transplantat genannt, hergestellt. Die Dopplung ist notwendig um eine entsprechende Reißfestigkeit herzustellen.
    Dieses Transplantat kann auch aus einer weiteren Oberschenkelsehne, der Gracilissehne angefertigt werden.
    In einigen Fällen kann zusätzlich zur Semitendinosussehne die Gracilissehne entnommen werden. In solchen Fällen wird das Transplantat dann achtfach genommen werden. 
    Die Vorteile der Semitendinosus- und Gracilis-Transplantate liegen in der geringeren Komplikationsrate, geringeren Schmerzen nach der Entnahme der Sehnen und in einer nur kleinen, kosmetisch günstigen Hautnarbe.
    Nachteilig wirkt sich das langsamere Einheilverhalten der Sehnen in die Knochenkanäle im Vergleich zur Patellarsehne aus. Im Gegensatz zur Patellarsehne mit ihren Knochenblöcken wachsen die Semitendinosus- und die Gracilissehne erst nach etwa 10-12 Wochen ein.
     

Welche Sehne letztlich zum Einsatz kommt, ist multifaktorielle und individuell zu sehen. Die Entscheidungen hängen von individuellen Indikationen ab:

  • Beruf?
  • Sporttätigkeit?
  • Komplexe Kniebandverletzung?
  • Knöcherner Ausriss?
  • Gesamtstatur?
  • Zusatzverletzungen?
  • Kreuzbandruptur mit zusätzlicher basisnaher Meniskusläsion?
  • ...

Diese Liste stellt nur eine kleine Auswahl der zu berücksichtigenden Faktoren dar. Für detailliertere Informationen empfehlen wir unser Buch “Die optimale Therapie des hinteren Kreuzbandrisses”.

Auch wenn die Beschreibung der operativen Techniken recht kompliziert erscheinen, erscheinen die Erfolgsquoten vor allen in Fällen ohne wesentliche zusätzliche Verletzungen gut bis befriedigend.

Der operativen Therapieform folgt in der Regel eine konsequente Nachbehandlung (Reha). Diese Maßnahmen können den Zeitraum von etwa 3 Monaten durchschnittlich für sich beanspruchen, wobei eine Vollbelastung in der Regel erst nach 6 Monaten erreicht wird.
Eine hintere Kreuzbandverletzung stellt in der Regel eine schwere Verletzung dar. Die Prognosen zum Wiedererreichen einer vollen Belastbarkeit sind – unabhängig von der Entscheidung, ob konservativ oder operativ therapiert werden sollte – als eher ungünstig einzuschätzen. So oder so bedarf es einer Mithilfe des Patienten und vor allen Dingen seiner Geduld.
Detaillierte Informationen zur konservativen Therapie des hinteren Kreuzbandrisses erhalten Sie in unserem Buch hinterer Kreuzbandriss.

Anhand der Bilder erkennt man die Vorgehensweise bei Kreuzbandplastiken. Während im Rahmen der Patellarsehnenplastik meist das mittlere Drittel der Patellarsehne inklusive angrenzender Knochenblöcke entnommen wird (Bild links), werden Semitendinosussehne und / oder Gracilissehne über eine kleine Hautöffnung arthroskopisch vom Knochen abgetrennt und mittels „Stripper“ vom jeweiligen Muskelbauch abgetrennt (Bild rechts). Die dadurch entstehenden Reste der Sehnen vernarben mit der jeweiligen Umgebung ohne dass sich ein wesentlicher Funktionsverlust einstellt

Infolge schwerer Unfälle treten teilweise Rupturen des vorderen und des hinteren Kreuzbandes auf, so dass operative beide Kreuzbänder ersetzt werden müssen. Siehe vorderer Kreuzbandriss. In der Regel werden diese beiden Operationen dann im Rahmen einer komplexeren Operation durchgeführt.
Der Grund hierfür liegt nicht nur darin, dass dann nur einmal eine Operation angesetzt werden muss, sondern vor allem auch darin, dass bei einer zeitlichen Trennung beider Operationen zwischenzeitlich zu viel Narbengewebe gebildet werden würde, wodurch der Einbau einer weiteren Kreuzbandplastik unnötig erschwert werden würde.
Auch ist die Infektionsgefahr einer solchen Vorgehensweise ist nicht unerheblich.

Operativ wird dann meist sowohl auf die Kreuzbandplastik mittels Patellarsehne (Kniescheibensehne) als auch auf die Kreuzbandplastik mittes Semitendinosus- oder Gracillissehne zurück gegriffen.
In der Regel wird das vordere Kreuzband mit der Patellarsehne, das hintere Kreuzband mit der vierfach Semitendinosussehne ersetzt. Um die Narbenbildung einer Operation auf einem Minimum zu halten, sollte die Operation nach Möglichkeit arthroskopisch stattfinden. Solche Eingriffe bedienen sich eines höchst anspruchsvollen Verfahrens.

Da eine hintere Kreuzbandverletzung meist eine schwere Verletzung darstellt, sind die Prognosen für das Wiedererreichen einer vollen Belastbarkeit sowohl unter der konservativen als auch der operativen Therapie eher ungünstig einzuschätzen.
Detaillierte Informationen zur operativen Therapie des hinteren Kreuzbandrisses erhalten Sie in unserem Buch hinterer Kreuzbandriss.




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Dieses Buch informiert über alle konservativen und operativen Therapiemöglichkeiten mit Vor- und Nachteilen detailliert und laienverständlich beschrieben. Siehe auch hinterer Kreuzbandriss

Autoren: Dr. med Nicolas Gumpert u. Dr. med Marc Jungermann

Als "PDF" oder "Printversion" erhältlich.

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Autor: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012