Hirntod

Englischer Begriff

brain death, cerebral death

Definition

Unter dem Begriff Hirntod wird die nicht mehr vorhandene und irreversible Aktivität lebensnotwendiger Gehirnareale (Großhirn, Kleinhirn, Hirnstamm) bei einer durch künstliche Beatmung noch aufrechterhaltende Herz-/ Kreislauffunktion verstanden (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer, 1997). Der Hirntod bedeutet im naturwissenschaftlich-medizinischen Sinne den Tod des Menschen.




Gehirnlappen

Frontallappen = rot (Lobus frontalis, Stirnlappen)
Parietallappen = blau (Lobus parietalis, Scheitellappen)
Okzipitallappen = grün (Lobus occiptitalis, Hinterhauptslappen)
Temporallappen = gelb (Lobus temporalis, Schläfenlappen).

Diagnostik

Zur Feststellung der Irreversibilität der Gehirnaktivität sind bestimmte ärztliche Untersuchungen sowie apparative Verfahren und bestimmte Beobachtungszeiten erforderlich. Der wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer (1997) gibt folgende Richtlinien zur Diagnostik des Hirntodes heraus:

  1. Voraussetzungen
    Zur Feststellung des Hirntodes muss entweder eine primäre  (starke Kopfverletzung, etc.) oder eine sekundäre Hirnschädigung (aufgrund Sauerstoffmangels, etc.) vorliegen. Darüber hinaus müssen Intoxikationen und krankhafte Prozesse ausgeschlossen werden.

  2. Symptome für den Ausfall der Gehirnfunktion sind Bewusstlosigkeit (Koma), Lichtstarre der Pupillen (Pupillen reagieren nicht mehr auf Lichtreize), fehlende Reflexe und fehlende Spontanatmung.
     
  3. Irreversibilität der Ausfallsymptome
    Die Beobachtungsdauer der Ausfallsymptome muss zwischen 12 Stunden und drei Tagen liegen. Zusätzliche apparative Untersuchungen sind notwendig, um den Hirntod zu diagnostizieren. Ein solches apparatives Verfahren stellt  die Elektroenzephalographie (EEG), mit der die Aktivität des Gehirns erfasst wird. Zeigt sich im Elektroenzephalogramm weder eine Grundaktivität (Null-Linien-Befund) noch eine Reaktion auf visuelle, auditive oder taktile Reize (evozierte Potentiale, EP) und lässt sich keine Blutzirkulation in den großen Gefäßen (Arterien und Venen) mittels Doppler-Sonographie feststellen, so bestätigen diese Befund im Zusammenhang mit den anderen Untersuchungen, dass der Hirntod eingetreten ist.
     
  4. Besonderheiten bei Kindern
    Der Beobachtungszeitraum der Ausfallsymptome bei muss bei Neugeborenen 72 Stunden, bei Säuglingen und Kleinkindern 24 Stunden betragen jeweils mit zusätzlicher Diagnostik durch EEG, EP, Doppler-Sonographie.

Feststellung des Hirntods

Der Hirntod muss durch zwei Ärzte festgestellt werden, von denen einer über mehrjährige Erfahrung in der Intensivmedizin mit Patienten mit schweren Hirnschädigungen haben muss.
Unabhängig voneinander wird der Hirntod von den beiden Ärzten mittels eines standardisierten Protokolls festgehalten.


Entgegen der Annahme, dass der Todeszeitpunkt der Zeitpunkt des Todes ist, bedeutet er im eigentlichen Sinne den Zeitpunkt des Abschlusses der Diagnostik und Dokumentation des Hirntodes.

Keiner der beiden Ärzte der den Hirntod feststellt, darf nachfolgend an einer Organtransplantation teilnehmen.

Organtransplantation

Nur nach Feststellung des Hirntodes (Richtlinien der Bundesärztekammer 1997, s.o.) darf im Rahmen von §3 des Transplantationsgesetzes die Entnahme von Gewebe oder Organen vorgenommen werden, sofern die verstorbene Person bzw. die Angehörigen nicht der Organ-/Gewebeentnahme widersprochen haben.




Kritik an der Hirntoddefinition

Besonders nach dem Erlanger Fall der Marion P. wurde Kritik an der Hirntoddefinition laut. Marion P. wurde am 5. Oktober 1992 mit schweren Schädel-/Hirnverletzungen in die Erlanger Universitätsklinik eingeliefert. Drei Tage später wurde bei der Patientin der Hirntod diagnostiziert. Da die Patientin schwanger war, wurde die weitere intensivmedizinische Behandlung bis zur Entbindung des Kindes beschlossen. Nach fünf Wochen kam es  jedoch zu einem Fieberschub der hirntoten Patientin und daraufhin zu einer Fehlgeburt. Aufgrund dieses Falles wird besonders Kritik an der Hirntoddefinition laut, da eine bereits tote Patientin weder Fieber entwickeln noch eine Fehlgeburt haben könne. D.h. trotz fehlender Hirnaktivität können verschiedene andere Systeme (Rückenmark, Organe) immer noch aktiv sein.

Verschiedene andere Wissenschaftler vertreten ebenfalls kritische Meinungen zur Hirntoddefinition.  


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.07.2011