Husten

Synonyme im weiteren Sinne

Tussis, Reizhusten, Hustenreiz
engl.: to cough

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Definition

Unter Husten versteht man durch Reizungen der Atemwege hervorgerufene reflektorische Kontraktionen der Atemmuskulatur mit dadurch verursachtem Herauspressen der Luft.

Formen und Ursachen

Husten ist gesteuert durch einen Reflex, an dem mehrere Hirnnerven beteiligt sind. Der Hustenreflex gehört zu den mechanischen Schutzreflexen und ist überlebensnotwendig, da er die Sauerstoffversorgung im Notfall sichern soll.

Man unterscheidet prinzipiell den trockenen Reizhusten vom produktiven Husten und trennt von diesen beiden Formen dann noch den Bluthusten ab, der eher seltener vorkommt und Anzeichen von schweren Krankheitsbildern sein kann. Des Weiteren unterscheidet man den akuten Husten, der meistens innerhalb von maximal drei Wochen wieder abklingt vom chronischen Husten, der über diesen Zeitpunkt hinaus anhält.

Produktiver Husten

Der produktive Husten ist charakterisiert durch weißen oder gelben Auswurf. Er zeigt, dass es sich um eine Infektion der Lunge oder der Bronchien handelt (Pneumonie, Bronchitis). Ist der Auswurf weiß, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen viralen Infekt. Ist er gelb, eher um einen bakteriellen Infekt. Viren, die eine Atemwegsinfektion auslösen können sind Adenovirus, Coxsackie-Virus Parainfluenzavirus und Respiratory Syncytial Virus (RSV).
Bakterien, die einen Atemwegsinfekt auslösen können sind Streptokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenza u.a. In den allermeisten Fällen wird eine Bronchitis durch einen Virus ausgelöst. Bei länger anhaltenden Erkrankungszeit kann sich jedoch ein bakterieller Infekt auf den viralen Infekt setzen, was schlußendlich dann zu einer Mischinfektion führt und unbedingt behandelt werden sollte. Neben einer Entzündung der Bronchien kann auch eine Lungenentzündung neben anderen Symptomen, wie Fieber, Verschlechterung des Allgemeinbefindens etc. ebenfalls zu starkem Husten führen.
Lungenentzündung auslösende Erreger können neben Pneumokokken, Streptokokken auch Mykoplasmen, Chlamydien, Pilze, Influenza Viren, Adenovirus, Parainfluenzavirus, Coronarvirus u.v.m. sein. Produktiver Husten kann neben einer Lungenentzündung und einer Entzündung der Bronchien auch durch eine Mukoviszidose ausgelöst werden. Bei dieser Erbkrankheit, die meistens bereits im Kindesalter auftritt, kommt es durch einen defekten Chloridkanal u.a. in der Lunge zu keuchhustenartigen Beschwerden.

Ebenfalls Ursache von produktivem Husten kann die sogenannte Chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sein. Daran erkranken meistens ältere Menschen, oft nach langen Jahren des Rauchens. Hierbei kommt es zu einer Kombination aus chronischer Bronchitis und Lungenemphysem. Anders als beim Asthma ist diese Erkrankung nicht durch eine Allergie oder eine Übersensibilisierung entstanden. Sie kann zwar gelindert werden, ganz rückgängig ist sie aber nicht. Meistens werden die Patienten je nach Schweregrad der Erkrankung früher oder später ein Sauerstoffgerät mit sich führen müssen.
Auch allergische Reaktionen der Atemwege können produktiven Husten auslösen.
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Bluthusten

Der Bluthusten stellt eine Sonderform des Hustens dar, da davon auszugehen ist, dass keine harmlosen Infektionen dahinterstecken, sondern ein ernsthafteres Krankheitsbild zu befürchten ist.
In vielen Fällen wird der Patient beginnenden Bluthusten nicht erkennen, da entweder die Menge des Blutes so gering ist um den Schleim rot einzufärben oder weil die meisten Patienten nicht selbstständig den ausgehusteten Schleim (Sputum) begutachten und herunterschlucken. Aus diesem Grund wird meistens massiver Bluthusten erst auffällig und führt den Patienten zum Arzt.

Schwere Bronchitiden mit Schleimhauteinblutungen, bösartige Lungenerkrankungen, wie das Bronchialkarzinom, die Lungenembolie, die Tuberkulose (Tbc), und die Herzmuskelschwäche können zu Bluthusten führen. Aber auch lungenferne Erkrankungen, wie z.B. bestimmte Blutgerinnungserkrankungen (von-Willebrand Syndrom), bei der die Blutgerinnung eingeschränkt ist, kann zu Bluthusten führen.

Akuter Husten

Von akutem Husten wird gesprochen, wenn sich der Husten über einen Zeitraum erstreckt der nicht länger als drei Wochen dauert. Die meisten Entzündungen der oberen und unteren Atemwege verursachen einen Husten, der diese Zeitspanne in der Regel nicht überschreitet.
Auch Allergien, die oft begleitet werden von Entzündungen der Nasenschleimhaut (Rhinitis/ Schnupfen) oder der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), der Bindehaut (Konjunktivitis), des Rachens (Pharyngitis) überschreiten in aller Regel eine Hustendauer von 3 Wochen nicht und werden genauso zu dem akuten Husten gezählt wie das allergische Asthma, Vergiftungen durch Schadstoffe (Inhalationstrauma), Inhalation von Fremdkörpern, Lungenembolie oder der Pneumothorax.

Diagnose

Husten, der länger als drei  Wochen anhält bzw. nach einigen Monaten immer wieder zurückkehrt sollte ärztlich abgeklärt werden.

Neben dem Patientengespräch, indem der der Arzt Fragen zu Krankheitsbeginn, Erkrankungsdauer, Hustenstärke und Begleiterkrankungen und nach Rauchen fragen wird, steht die körperliche Untersuche an vorderster Stelle. Hierbei ist das Betrachten des Brustkorbes und des Patienten allgemein wichtig.
Durch diese Inspektion kann der Arzt z.B. sehen, ob der Patient ein für bestimmte Krankheitsbilder typische Brustkorbform und Konstitution hat.
So würde ein faßähnlicher Brustkorb eher für eine Chronische obstruktive Lungenerkrankung sprechen, als sogenannter Pink Puffer und Blue bloater bezeichnet man verschiedene Konstitutionstypen beim Lungenemphysem. Das Abhören (Auskultation) der Lunge und der Atemgeräusche gibt dem Arzt dann weiteren Aufschluss über die Erkrankung. Beim Auskultieren unterscheidet man trockene Atemgeräusche von feuchten Atemgeräuschen.

Trockene Atemgeräusche, die auch als Giemen, Pfeiffen und Brummen bezeichnet werden, sind charakteristisch für alle Erkrankungen, die zum Einengen der Atemwege (Obstruktion) führen. Typisch wäre hier das Asthma bronchiale. Alle feuchten Atemgeräusche deuten auf eine vermehrte Schleimbildung hin, die abgehustet wird. Die Atemgeräusche, die im Falle von Husten als Rasseln bezeichnet werden, können so eine erste Einschätzung geben, um welche Erkrankung es sich handelt.
Ob es sich um eine virale oder bakterielle Erkrankung handelt kann man erst vermuten, wenn man sich den ausgehusteten Schleim ansieht. So würde ein klarer, farbloser Schleim für einen viralen Infekt und gelblicher Auswurf eher für einen bakteriellen Infekt sprechen. Das Abklopfen der Lunge kann auch Aufschluss darüber geben, ob alle Lungenabschnitte gleichmäßig belüftet sind, ob dichtes Gewebe (Schleim) in der Lunge liegt und welcher Lungenabschnitt betroffen ist. Handelt es sich um einen chronischen Husten, der länger als drei Wochen andauert, sollte neben der körperlichen Untersuchung auf jeden Fall eine Röntgenaufnahme der Lunge angefertigt werden.
Die auch als Röntgenthorax bezeichnete Aufnahmetechnik gilt als Standart im Diagnostizieren von Lungenentzündungen, bösartigen Lungenerkrankungen oder strukturelle Lungenveränderungen, wie z.B. das Emphysem oder den Bronchiektasen. Die Untersuchung ist verglichen mit der Computertomographie verhältnismäßig günstig und geht schnell.
Auch kann ein Pneumothorax mit dieser Untersuchung erkannt werden. Computertomographien kommen dann zum Einsatz, wenn keine Ursache für den Husten in der Röntgenuntersuchung gefunden werden oder wenn der Brustkorb nicht richtig eingesehen werden kann. Da es sich bei Husten ja meistens um eine infektbedingte Ursache handelt, sollte ein Blutbild mit Erhebung der Entzündungswerte (Leukozyten, CRP) erhoben werden.
Bei chronischem Husten sollten auch tumortypische Blutbildveränderungen ausgeschlossen werden. Kommt es nach einer entsprechenden Behandlung des Erregers zu keinem Abklingen der Symptome kann es notwendig werden als diagnostische Maßnahme eine Bronchoskopie durchzuführen. Dabei führt man einen biegsamen Schlauch mit einer vorne befindlichen Kamera in die Luftröhre ein und schiebt dieses Instrument unter Vollnarkose bis in die Lunge vor.
Während des Vorschiebens kann man bereits Luftröhre und Lungenabschnitte beobachten, Veränderungen sehen und mit einer Biopsiezange Proben für die feingewebliche bzw. mikroskopische Untersuchung gewinnen. Um einen genaueren Erregernachweis durchzuführen kann eine sogenannte Lavage durchgeführt werden. Man spült während der Untersuchung den Lungenabschnitt mit Kochsalzlösung und saugt die Flüssigkeit sofort wieder ab.
Eventuell sich darin befindliche Zellen können dann untersucht und unter Umständen ein den Husten verursachenden Erreger festgestellt werden. Ist die Diagnose einer Lungenerkrankung als hustenverursachenden Erkrankung gestellt, sollte eine Lungenfunktionsprüfung erfolgen, bei dem die ein und ausgeatmete Luft des Patienten gemessen und entsprechend beurteilt wird. Verschiedene Lungenerkrankungen haben typische sogenannte Ventilationsbilder  mit typischen Verlaufskurven.

Zusammenfassung

Husten ist keine Krankheit, sondern eher ein Symptom, das aufgrund zahlreicher Erkrankungen auftreten kann. Husten ist ein, besonders bei kalten und nassen Jahreszeiten sehr häufiges Symptom und ein häufiger Grund, weshalb ein Arzt aufgesucht wird. Man unterscheidet trockenen Reizhusten von produktivem Husten. Des Weiteren wird noch eine Unterscheidung nach akutem und chronischem Husten vorgenommen. Hält Husten länger als 3 Wochen an, gilt er als chronisch. In diesem Fall sollte in Arzt aufgesucht werden, um die Ursache des Hustens abklären zu lassen.

Bei produktiven Husten kann man aufgrund der Schleimkonsistenz und Farbe auf die verursachende Erregerart schließen. So ist das Sputum des Patienten, das farblos bzw. weiß erscheint, meistens Folge eines viralen Infektes, während Bakterien zähen gelblichen Schleim bei einem Husten verursachen. Normale für die Jahreszeit typischen Infekt mit begleitendem Husten werden in der Regel nicht therapiert. Lediglich bei älteren Patienten und immungeschwächten Patienten (siehe: Immunsystem) empfiehlt es sich, frühzeitig eine Antibiotikabehandlung zu beginnen. Neben der Patientenbefragung wird der Arzt auch die Lunge abhören und die diagnostizierten Atemgeräusche nach trockenen und feuchten Atemgeräuschen unterteilen. Feuchte Atemgeräusche wären bei Lungenentzündungen, Bronchitiden etc. zu hören, trockene Atemgeräusche wären eher bei die Atemwege einengende Erkrankungen wie Asthma bronchiale zu finden.
Hält Husten lange an, so sollte unbedingt nach der Ursache gesucht werden. Chronischer Husten kann u.a. durch zahlreiche Erkrankungen der Lunge z.B. Ashma bronchiale, Lungenemphysem, Bronchiektasen und COPD verursacht werden. Auch bösartige Erkrankungen können einen chronischen Husten verursachen und sollten auf jeden Fall mit Hilfe von Röntgenuntersuchungen des Brustkorbes (Röntgen-Thorax) ausgeschlossen werden. Bösartige Erkrankungen der Lunge gehen oftmals auch mit blutigem Sputum einher, werden aber durch die Patienten nicht oder erst spät bemerkt. Kommt es zu keiner eindeutigen Diagnose durch die Röntgenaufnahme, kann die Untersuchung durch eine Computertomographie in Erwägung gezogen werden.
Auch können Blutuntersuchungen eine Entzündung (erhöhtes CRP und Leukozytenerhöhung) nachweisen. Eine Blutkultur, die angesetzt wird, kann in 60% einen Erreger identifizieren. Lungenentzündungen werden mit Antibiotika behandelt. Kennt man den Erreger nicht, so wird in der Regel ein Breitbandantibiotika gewählt. Verschwinden die Beschwerden nicht, muss man davon ausgehen, dass der Erreger nicht getroffen wurde. In diesem Fall kann man das Antibiotika wechseln oder eine Erregerbestimmung durchführen. Dies gelingt bei Infektionen der Lunge durch eine Bronchoskopie, in der Kochsalz in die Lunge gespült und sofort wieder abgesaugt wird. Die in der Flüssigkeit befindlichen Zellen werden dann nach den Erreger untersucht (Lavage).

Chronischer Husten kann auch durch den sogenannten Raucherkatarrh ausgelöst werden. Auch die vererbbare Kinderkrankheit Mukoviszidose und der Pseudo-krupp Husten, der ebenfalls im Kindesalter auftritt, kann Husten verursachen. Er ist aber meistens gut durch die Begleitsymptome bzw. dem Zeitpunkt des Auftretens  von anderen Lungenerkrankungen oder Infektionen abzutrennen. Zahlreiche Lungenerkrankungen, die Husten auslösen, müssen mit Hilfe einer Lungenfunktionsprüfung genauer untersucht werden.
Nach starken und längeren Hustenperioden, kann es zu einem Pneumothorax kommen. Dabei löst sich die Lunge vom Brustkorb ab und schnurrt zusammen, was Atemnot und Leistungsabfall zur Folge haben kann. Auch Lungenembolien können u.U. als einziges Symptom Husten verursachen. Husten, der länger als drei Wochen anhält oder immer wiederkehrt muss in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden, da oftmals eine schwerwiegende Erkrankung dahintersteckt.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.05.2012