Kinderlähmung

Synonyme

Poliomyelitis, Polio

Englisch: Poliomyelitis

Lesen Sie auch:

Einleitung

Die Kinderlähmung ( Poliomyelitis, „Polio“) ist eine Infektionskrankheit, die durch Polioviren hervorgerufen wird. Diese können, beim Ungeimpften,  Lähmungserscheinungen durch den Befall von muskelsteurenden Nervenzellen des Rückenmarks hervorrufen.  Das klinische Bild kann sehr unterschiedlich ausfallen und von leichten oder symptomlosen Krankheitsbildern, bis hin zu einer ausgeprägten Lähmung führen.
Lesen Sie auch: Impfung

Epidemiologie

Die Übertragung des Poliovirus erfolgt fäkal- oral und ist hoch kontagiös. 90 -95% der Infektionen laufen völlig symptomlos ab. Seit der Impfstoff zu den von der STIKO empfohlenen Impfungen innerhalb des ersten Lebensjahres gehört, sind Polio- Epidemien weitgehend zurückgegangen. Nur in Entwicklungsländern treten weiterhin gehäuft Polio- Fälle auf. Die Inkubationszeit beträgt 1- 2 Wochen.

Ursachen

Kinderlähmung

Nach der Infektion mit dem Virus kommt es zu dessen massiver Vermehrung. Diese erfolgt vor allem in Epithelien, dem Lymphgewebe des Rachenraumes und im Darm. Wenn das Virus durch die Blut- Liquor- Schranke des zentralen Nervensystems gelangt, so befällt es vor allem die graue („polio“) Substanz des Rückenmarks. In diesem liegen die motorischen Vorderhornzellen und führen dann zur klinischen Ausprägung der Infektion.

Symptome

Die Symptome der Kinderlähmung untergliedern sich in verschieden Stadien.

  1. Minor illness (Vorkrankheit): Diese zeigt sich in unspezifischen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Die Symptome bestehen meist 3- 5 Tage und in den häufigsten Fällen ist die Krankheit danach überstanden.
  2. Major illness (nichtparalytische Poliomyelitis): Nach einer Latenzzeit von ca. 1 Woche kommt es in 5- 10% der Fälle zu Meningismus- Symptomen. Dazu gehören Fieber um 39°C, Nackensteifigkeit, Liquorpleozytose und Kopfschmerzen.
  3. paralytische Poliomyelitis: Diese Form der Erkrankung tritt in 1% der Fälle auf und führt oft zu einer charakteristischen doppelgipfligen Fieberkurve. Diese geht meist einher mit starken Schmerzen, einer schlaffen Lähmung und Kraftlosigkeit. Teilweise können auch vegetative Symptome wie Tachykardie, Hypertonie und Schweißausbrüche hinzukommen. Da durch die Lähmung auch das Zwerchfell betroffen sein kann, werden die Patienten ateminsuffizient. Sensibilitätsausfälle gibt es bei einer Kinderlähmung nicht.
  4. Bulbäre Poliomyelitis: Diese Verlaufsform ist durch hohes Fieber, Hirnnervenlähmungen und Schluckstörungen gekennzeichnet. Außerdem kommt es zu einer zentralen Atemlähmung, die eine Intubation und künstliche Beatmung notwendig macht.
  5. Postpoliomyelitissyndrom: Dieses Syndrom tritt sehr häufig auf. Typisch sind erneute Schmerzen und Muskelschwund 4 Jahre nach der Primärinfektion. Die Symptome können in den zuvor betroffenen Regionen auftreten oder in noch nicht betroffenen Muskelregionen.

Diagnostik der Kinderlähmung

Die Viren können im Stuhl, aus dem Speichel oder Liquor nachgewiesen werden. Außerdem finden sich die entsprechenden Antikörper im Serum.

Therapie

Kinderlähmung

Es gibt keine Möglichkeit der medikamentösen Therapie. Deswegen stehen vor allem eine intensive Pflege und Bettruhe sowie Physiotherapie im Vordergrund. Analgetika und Antiphlogistika können zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Besteht die Gefahr einer bedrohlichen Form der Kinderlähmung, sollten die Patienten stationär aufgenommen und intensiv überwacht werden.  

Zusammenfassung

Die Kinderlähmung kann eine sehr gefährliche Erkrankung sein, die durch einen RNA- Virus der Gruppe der Enteroviren hervorgerufen wird. Aufgrund der großen Durchimpfungsrate ist die Kinderlähmung in Deutschland sehr selten geworden. Dennoch sollten nach Möglichkeit alle Kinder nach den Richtlinien geimpft werden, da besonders in Entwicklungsländern das Virus weiterhin häufig auftritt. Die Symptome können sehr verschieden sein und reichen von leichten Virusinfekt Symptomen mit Fieber und Abgeschlagenheit bis hin zu schwersten Lähmung. Besonders gefährlich und lebensbedrohlich ist die Lähmung des Zwerchfells und des zentralen Atemzentrums, dass eine maschinelle Beatmung lebensnotwendig macht. Zudem können die Nachwirkungen der Lähmung ein Leben lang bestehen. Auch neurologische Auffälligkeiten und Defizite können lebenslang persistieren. Die schlimmste Komplikation ist der Tod durch Ateminsuffizienz. Aus diesem Grund ist eine adäquate, intensivmedizinische Behandlung notwendig, wenn der Verdacht auf Komplikationen besteht.       


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Autor: Dr. med Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012