Inhalt:
- Kindlicher Knochenbruch
- Synonyme im weiteren Sinne
- Einleitung
- Definition
- Stauchungsbruch
- Grünholzfraktur
- Epiphysenverletzung
- Zusammenfassung
- Symptome / Beschwerden
- Unsichere Zeichen Kochenbruch
- Sichere Zeichen Knochenbruch
- Diagnose
- Therapie
- Besonderheiten der Frakturheilung bei Kindern
- Nachbehandlung
- Häufige kindliche Knochenbrüche
- Weiterführende Informationen
Kindlicher Knochenbruch
Synonyme im weiteren Sinne
Medizinisch: juvenile Fraktur
Unterarmbruch
Einleitung
Das menschliche Knochengerüst (Skelett) ist im Kindesalter besonders gefährdet Knochenbrüche (medizinisch Frakturen) zu erleiden. Dies liegt in der Tatsache begründet, dass sich das Skelett in dieser Zeit noch in der Aufbauphase befindet.
Somit ist die so genannte Wachstumsfuge (med.: Epiphysenfuge), welche für das Längenwachstum des Knochens verantwortlich ist, noch nicht verschlossen. Auch die äußere und innere Knochenhaut (Endost und Periost) sind noch nicht vollständig ausgereift. Diese spielen im Dickenwachstum der Knochen eine große Rolle. Hier überall liegen die Schwachstellen des kindlichen Skeletts.
Werden bei einem Bruch die Knochenteile seitlich zueinander verschoben, oder gegeneinander gedreht, werden diese Fehlstellungen im Kindesalter mit dem Wachstum spontan korrigiert. Durch das noch nicht abgeschlossene Längenwachstum verfügt der kindliche Knochen noch über das Potential zu wachsen und so die Fehlstellung auszugleichen. In der Umgangssprache spricht man von "verwachsen" ("Das verwächst sich"). Das Ausmaß der potentziell möglichen Korrektur variiert jedoch vom Alter des Kindes, betroffen Kochens und Art der Fehlstellung.
Nach einer Fraktur kann es zu einer so genannten Spontankorrektur kommen.
Findet bei einem Bruch (Fraktur) jedoch eine Achsenabknickung satt, gestaltet sich die Korrektur schwieriger. Die größte Korrekturpotenz besteht an den Unterarmknochen Elle und Speiche.
Im Gegensatz zu Verlängerungen - welche durch Brüche durchaus verursacht werden können - die nicht ausgeglichen werden, können sich Verkürzungen teilweise spontan korrigieren.
Bei einem kindlichen Knochenbruch besteht immer eine Gefahr der Wachstumsstörung. Besonders bei Frakturen des Knochenschaftes oder Knochenanteile nahe der Wachstumsfuge kommt es durch eine Stimulation derselbigen zu einem außerordentlichen Längenwachstum des Knochens. Bei ca. 70% der Kinder mit Verletzung der Wachstumsfuge beträgt das zusätzliche Längenwachstum 1 cm.
Wird bei einem Bruch die Epiphysenfuge (Wachstumsfuge) teilweise verschlossen, so kann es zu Fehlwachstum und Verkürzungen der Knochen kommen. Die Epiphysenfuge besteht aus mehreren Zonen, in denen unterschiedliche Wachstumsprozesse stattfinden.
Die in der Mitte gelegene Zone besteht aus Knorpel und liefert den zellulären Nachschub für die anderen Zellzonen (Reservezone). Die sich anschließende Zone ist die Wachstumszone in der sich die Knorpelzellen säulenartig formieren. Anschließend folgt die so genannte Resorptionszone. Hier vergrößern sich die Knorpelzellen durch Wasseraufnahme. Dieser Vorgang trägt erheblich zum Längenwachstum bei.
In dieser Zone wird der Knorpel verfestigt und bildet Faktoren, die Blutgefäße zum Entstehen anregt. Nun folgt die Verknöcherungszone. Der Knorpel wird durch Knochen ersetzt. Das Längenwachstum ist vollzogen.
Ist die Epiphysenfuge verschlossen, ist auch das Längenwachstum abgeschlossen.
|
|
Definition
Besonders im Kindesalter gibt es spezielle Frakturen, die sich bei Erwachsenen auf Grund der anderen Knochenbeschaffenheit nicht finden. Die Knochen bei Kindern sind "weicher".
Verschiedene Bruchtypen:
- Stauchungsbruch
- Grünholzfraktur
- Epiphysenversetzungen
Stauchungsbruch
Bei Stauchungsbruch entsteht durch Kompression. Das bedeutet der Knochen wird mit Gewalt zusammengedrückt. Das Periost (Knochenhaut) bleibt erhalten und zerreist bei der Verletzung nicht.
Grünholzfraktur
Beim der Grünholzfraktur bricht der Knochen an der Zugseite, die Kompressionsseite biegt sich. DIe Grünholzfraktur kommt zu seinem Namen, weil der kindliche Knochen die Eigenschaft hat, wie ein grüner Zweig zu brechen. Er bricht also nicht komplett durch, sondern birst auseinander ohne zu brechen.
Epiphysenverletzung
Die Epiphysenverletzung wird nach Aitken und Salter eingeteilt. Mehr zur Einteilung der Epiphysenverletzung finden Sie weiter unten im Text.
Aitken | Salter |
|
|---|---|---|
| I Bei einer Salter 1 Verletzung kommt es zu einem kompletten Lösen der Wachstumfuge. Bei adäquater Therapie ist die Prognose gut, trotzdem sind Störungen im Knochenwachstum möglich. | Lösung der Epiphyse |
I | II Eine Salter 2 - Verletzung entspricht einer Aitken 1 - Verletzung. | + Bruch oberhalb der Fuge |
II | III Eine Salter 3 - Verletzung entspricht einer Aitken 2 - Verletzung. | + Bruch unterhalb der Fuge |
III | IV Eine Salter 4 - Verletzung entspricht einer Aitken 3 - Verletzung. | + Bruch durch die Fuge |
| V Bei einer Salter 5 Verletzung, die in der Aitken Klassifikation nicht vorgesehen ist, kommt es zu einer Kompression der Wachstumsfüge ohne eigentlichen Knochenbruch. Trotzdem können Wachstumsstörungen resultieren. | Stauchung |
Bei Aitken-I- bzw. Salter-I- und II-Verletzungen bleibt die Epiphysenfuge unversehrt. Somit ist hier die Prognose gut. Bei allen anderen Einteilungsstufen hingegen wird die Epiphyse verletzt.
|
Zusammenfassung
Brüche im Kindesalter sind häufig. Sie sind besonders, weil die kleinen Patienten noch in der Wachstumsphase stecken und so ebenfalls ihr Knochenskelett. Kinder verfügen - solange sie wachsen - in den Knochen über eine so genannte Wachstumsfuge.
Anhand dieser lassen sich Brüche (Frakturen) einteilen (Aitken und Salter). Auch die Schwere des Bruchs und die Folgen lassen sich so erfassen. Die Beschwerden sind die gleichen wie beim Erwachsenen:
- Schmerzen
- Schwellung und
- blaue Flecken (Hämatom).
Um die Diagnose zu sichern muss meist eine Röntgenaufnahme angefertigt werden. Bei Kindern kann die Therapie konservativ, also mit Gips, erfolgen. Operationen werden nur in bestimmten Fällen notwendig.
Eine konkrete Nachbehandlung ist nicht nötig. Es sollte jedoch bei der OP eingebrachtes Material frühzeitig entfernt werden. Kinder, welche risikoreiche Frakturen (Frakturen der Wachstumsfuge, von Gelenken oder der Beine) erlitten haben, sollten regelmäßig nach Wachstumsstörungen untersucht werden.
Symptome / Beschwerden
Eine Fraktur im Kindesalter äußert sich durch dieselben Symptome wie eine Fraktur des Erwachsenen.
Jede Fraktur hat unterschiedlich starke Auswirkung auf die Umgebung oder den gesamten Organismus. Je nach Lokalisation können die Auswirkungen mehr oder weniger gravierend sein. Wird durch den Bruch ein benachbartes Organ beschädigt (beispielsweise bei Rippenbruch eine mögliche Verletzung der Lunge) so sind die Auswirkungen schwerer.
Unsichere Zeichen Kochenbruch
Als Folge fast jedes Knochenbruchs treten Schmerzen, Schwellung und "blaue Flecken", so genannte Hämatome auf. Zusammen mit der eingeschränkten Funktionsfähigkeit (z.B. Belastbarkeit, Beweglichkeit angrenzender Gelenke) zählen sie zu den unsicheren Frakturzeichen.
Sichere Zeichen Knochenbruch
Hierzu gehören die Fehlstellung, die abnorme Beweglichkeit und das so genannte Knochenreiben (ein Geräusch das entsteht, wenn Frakturteile aufeinander reiben).
Diagnose
Zur Diagnosestellung gehört als wichtigste Maßnahme das Röntgenbild. Manchmal sind Röntgenbilder von Kleinkindern schwer zu beurteilen, da sich die Knochensubstanz noch nicht gefestigt hat. Diese Tatsache kann einen Ultraschall der betroffenen Region erforderlich machen.
Selbstverständlich spielt auch das Erscheinungsbild des kleinen Patienten und die dazugehörige Anamnese eine wichtige Rolle. Wenn das Röntgenbild nicht unbedingt erforderlich ist, sollte man bei Kindern wenn möglich darauf verzichten.
Therapie
Das kindliche Skelett ist bei weitem noch nicht ausgereift. Es besteht eine hohe Reparationstendenz der Knochen. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Tendenz immer weiter ab.
Diese Reparationstendenz rechtfertigt ein konservatives / nicht operatives Vorgehen bei kindlichen Brüchen bei unkomplizierten Brüchen ohne wesentliche Fehlstellung oder Verletzung der Wachstumsfuge - sie werden also in der Regel eingegipst. Die Techniken richten sich ganz nach der Art des Bruchs.
Bei Fehlstellung
Repositionen - Zurückbringen in die Normallage - müssen immer unter Zug erfolgen. Das Zusammenfügen der Knochen in einer Achse sollte angestrebt werden. Sie können auch zu einem späteren Zeitpunkt durch einen Keil im Gipsverband ausgeglichen werden.
Ein Gips sollte die Tragezeit von 4 - 5 Wochen nicht überschreiten. Beträgt die Tragezeit mehr als 5 Wochen, besteht die Gefahr, dass sich die Muskeln zu stark zurückbilden.
Die Dauer und Art des Gipses richtet sich jedoch immer nach der Art des Bruches und dem Heilungverlauf, kann also nie pauschal festgelegt werden.
Bei der Eingipsung von Gelenken ist auf die Lagerung zu achten. Eine falsche Lagerung kann die Sehnen und Muskeln verkürzen und nach der erfolgreichen Heilung der Fraktur, das Gelenk in seiner Funktion eingeschränkt zurück lassen.
Eine operative Behandlung ist in speziellen Fällen teilweise notwendig.
Zum Beispiel bei:
- Epiphysenfrakturen (Aitken I und II)
- Frakturen des Ellenbogens, der Kniescheibe
- mehrere Frakturen in einem Knochen
- Brüche bei denen Gefäße oder Nerven verletzt wurden
Die Entscheidung über eine konservative oder operative Therpie muss immer unter Berücksichtigung aller situativen Bedingungen erfplgen.
Besonderheiten der Frakturheilung bei Kindern
Bei Kindern erfolgt die Heilung der Knochenbrüche rascher als bei Erwachsenen. Auch die Gefahr der Gelenksversteifung ist deutlich geringer. Eventuell aufgetretene Fehlstellungen während der Heilung können durch das Längenwachstum durchaus ausgeglichen werden (Korrekturpotenz).
Nachbehandlung
Eine spezielle Nachbehandlung (generell) ist nicht nötig. Die Nachbehandlung richtet sich immer auf die Gegebenheiten des individuellen Knochenbruchs.
Es sollte jedoch auf die frühzeitige Entfernung von eventuell bei einer OP eingebrachten Fremdmaterials (Drähte, Patten, Schrauben ect.) geachtet werden.
Um Wachstumsstörungen mit Sicherheit ausschließen zu können, sind alle Frakturen der Wachstumsfuge, alle Frakturen von Gelenken und der Beine zu kontrollieren. Diese Kontrolle sollte sich über zwei Jahre, mindestens jedoch bis zum Abschluss des Wachstums, erstrecken.
Häufige kindliche Knochenbrüche
Die häufigste Fraktur des Armes im Kindesalter ist die so genannte distale Radiusfraktur (Handgelenksbruch), also der Bruch der Speiche direkt über dem Handgelenk.
Schaftfrakturen sind 50 mal häufiger, als Brüche der Epiphyse (Wachstumsfuge).
Auch Verletzungen vom Ellenbogen sind sehr häufig. Hierbei handelt sich es jedoch meist um Ellenbogenluxationen, im speziellen um Luxationen des Köpfchens der Speiche (med. Radiusköpfchen = Chassaignac-Luxation). Luxationen sind Ausrenkungen. Die spezielle Radiusköpfchenluxation, in den meisten Fällen handelt es sich nicht um eine vollständige Ausrenkung, die medizinisch als Subluxation bezeichnet wird.
Der medizinische Name dieser Erkrankung lautet: Chassaignac-Luxation.
Kinder erleiden häufiger einen Bruch des Knochenschaftes, als der Gelenke. Brüche der Gelenke sind wesentlich schwieriger zu behandeln. Sie treten allerdings an den Armen, besonders Unterarm etwa doppelt so häufig auf wie an den Beinen. Brüche des unteren Schienbeins machen etwa 7 Prozent der Brüche in Kindes- und Jugendalter aus.
Mehr Informationen zum kindlichen Unterarmbruch finden Sie unter unserem Thema: kindlicher Unterarmbruch.
Weiterführende Informationen
Folgende Themen könnten weiterhin von Interesse für Sie sein:
Alle Themen, die zum Bereich Kinderheilkunde veröffentlicht wurden, finden Sie unter:
![]() |
Newsletter abonnieren | ![]() |
Diese Seite als Favorit hinzufügen |
|---|---|---|---|
![]() |
Weitere Fragen zu diesem Thema? | ![]() |
Diese Seite weiterempfehlen |
![]() |
Fehler im Text gefunden? | ![]() |
Ärzte-Empfehlungsliste |











