Koma

Synonyme im weiteren Sinne

(tiefe) Bewusstlosigkeit, Ohnmacht, künstliches Koma, (künstlicher) Tiefschlaf, Bewusstseinsstörung

Englisch: coma

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Definition

Koma = tiefer Schlaf

Der Begriff „Koma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „tiefer Schlaf“. Es ist also keine Krankheit an sich, sondern ein Symptom von verschiedensten Erkrankungen. Das Koma stellt die schwerste Form einer Bewusstseinsstörung dar. Unter Bewusstsein versteht man die Fähigkeit, seine Umgebung (also äußere Reize, andere Personen etc.) wahrzunehmen und mit ihr zu interagieren.
Man unterscheidet im Allgemeinen 5 Bewusstseinsgrade:

1. Bewusstseinsklarheit, bei der die Umwelt normal wahrgenommen wird und keine Beeinträchtigungen bestehen,
2. Benommenheit, bei der schon leichte Einschränkungen in der Wahrnehmung bestehen und der Betroffene eine gewisse Schläfrigkeit zeigt,
3. Somnolenz ist dann schon eine deutlichere Schläfrigkeit, bei der man den Betroffenen aber noch aufwecken kann,
4. Sopor als ausgeprägte Schläfrigkeit, aus der der Betroffene so gut wie gar nicht mehr aufgeweckt werden kann und schließlich
5. Koma, ein Zustand, in dem der Betroffene durch keine Art von äußeren Reizen mehr erweckt werden kann, auch nicht durch Schmerzreize. Das Koma ist die Folge einer schweren Störung der Funktion des Großhirns und ist in der Regel ein lebensgefährlicher Zustand.

Vom eigentlichen Koma ist das „Künstliche Koma“ abzugrenzen. Der Begriff ist insofern nicht ganz korrekt, da die Bewusstseinseinschränkung absichtlich medikamentös herbeigeführt wird und nach dem Absetzen der Medikamente auch wieder vollständig reversibel ist. Im medizinischen Sinne sollte der Begriff Koma für eine ungeregelte Bewusstlosigkeit reserviert sein. Besser sind die Begriffe „Sedierung“ oder „Langzeitnarkose“

Klassifikation

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Koma in verschiedene Grade oder Klassen einzuteilen, die in der Regel auf medizinischen Gesichtspunkten beruhen.
Die häufigste Klassifikation des Komas erfolgt in 4 Grade:

1. Grad: Der Patient zeigt Reaktionen auf Schmerz in Form von gezielten Abwehrbewegungen (allerdings ohne aufzuwachen) die Puppillen verkleinern sich, wenn ein Lichtreiz gesetzt wird, auch eine Reizung vom Gleichgewichtsorgan löst noch die entsprechenden Augenbewegungen aus (der sog. vestibulookuläre Reflex).
2. Grad: Der Patient wehrt Schmerzreize nur noch mithilfe sogenannter Massenbewegungen ungerichtet ab, der Pupillenreflex ist aber immer noch erhalten, es kann höchstens sein, dass ein Schielen nach außen auffällt.
3. Grad: Die Abwehrreaktion gegen Schmerz bleibt völlig aus, wenn überhaupt, dann finden geringfügige ungezielte Bewegungen statt, der vestibulookuläre Reflex fehlt jetzt und die Pupillenreaktion ist nur noch schwach erhalten.
4. Grad: Es kommt zu keiner Reaktion mehr auf Schmerzen, die Pupillen sind weit und verengen sich nicht mehr bei Lichteinfall.

Weiterhin bewährt hat sich die „Glasgow-Koma-Skala“, die allerdings auch die weniger schlimmen Bewusstseinsstörungen beinhaltet und vor allem einer ersten Einschätzung vor Ort dient und so die Entscheidung in einem Notfall erleichtern soll. Diese Skala vergibt unterschiedliche Punkte in den 3 KategorienAugen öffnen“, „verbale Kommunikation“ und „motorische Reaktion“. Die maximal zu erreichende Punktzahl ist 15, die Mindestzahl 3, bei der dann ein tiefes Koma vorliegt. Bei einem Wert von 8 und niedriger sollte im Regelfall eine Beatmung erfolgen, da man dann von einer schweren Beeinträchtigung der Gehirnfunktion ausgehen kann.

Ursachen

Für ein Koma gibt es fast unendlich viele verschiedene Ursachen, die sich in 3 große Gruppen einteilen lassen:

1. Erkrankungen, die primär das Gehirn betreffen,
2. Stoffwechselentgleisungen, die zum sogenannten metabolischen Koma führen und
3. Gifte bzw. Drogen.
Da es so viele Gründe für die Bewusstlosigkeit geben kann, können hier nur die wichtigsten angesprochen werden.

  1. 1. Die wahrscheinlich häufigste Ursache ist der Schlaganfall (Apoplex), der sowohl durch einen Gefäßverschluss als auch durch eine Blutung entstehen kann. Es kommt vor allem zum Koma, wenn der Hirnstamm geschädigt wird, wobei sich der Zustand dann sehr plötzlich entwickelt.
    2. Schädel-Hirn-Trauma und andere Schädelverletzungen (auch hier ist besonders die Hirnstammschädigung ein Risiko).
    3. Hirnhautentzündung oder andere entzündliche Erkrankungen des Großhirns, die oft mit Fieber einhergehen. Das Koma entwickelt sich allmählich.
    4. Hirntumoren, wobei das Koma hier meistens nicht direkt durch den Tumor, sondern durch die durch ihn entstandene Druckerhöhung im Gehirn zustande kommt.
    5. Epileptische Anfälle
    6. Wenn die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn abgeschnürt wird, zum Beispiel wenn jemand gewürgt wird.
  2. 1. Störungen im Zuckerstoffwechsel, also sowohl eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) als auch eine Überzuckerung (Hyperglykämie), meist im Rahmen eines Diabetes mellitus, können ein Koma auslösen.
    2. Eine unzureichende Leberfunktion (Leberinsuffizienz) führt zum sogenannten hepatischen Koma.
    3. Eine unzureichende Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) führt zum sogenannten urämischen Koma.
    4. Wenn im Blut ein Sauerstoffmangel besteht (zum Beispiel durch eine Störung der Sauerstoffaufnahme durch eine Lungenembolie oder ein Kreislaufversagen durch Herzinfarkt/-stillstand oder Flüssigkeitsmangel) entsteht das Koma innerhalb weniger Sekunden 
  3. 1. Alkohol
    2. Rauschmittel
    3. medizinisch induziertes Koma im Rahmen einer Sedierung oder Narkose

Diagnose

Koma

Die richtige und vor allem schnelle Diagnose eines Komas ist von entscheidender Bedeutung. Als erstes wird der Bewusstlose angesprochen und man versucht, ihn aufzuwecken und testet seine Reflexe. Zum Beispiel anhand der Glasgow-Koma-Skala (s.o.) kann dann eine erste genauere Einschätzung seines Zustandes gegeben werden. Außerdem ist es wichtig, Anwesende zu befragen, die eine mögliche Ursache des Komas gesehen haben könnten (zum Beispiel bei Vergiftungen oder Unfällen) oder weil sie die Vorgeschichte des Patienten kennen, zum Beispiel können sie dem Arzt mitteilen, ob der Betroffene unter Vorerkrankungen wie einem Diabetes mellitus leidet. Dann überprüft der Arzt die Vitalzeichen (Puls, Blutdruck und Atmung).
Ist ein EKG-Gerät vorhanden, sollte es angeschlossen werden, um eine genauere Auskunft über die Herzfunktion zu geben. Natürlich muss währenddessen die Erste Hilfe gewährleistet sein. Nach den Erste-Hilfe-Maßnahmen vor Ort können, je nach Auslöser des Komas, weitere Untersuchungen durchgeführt werden, zum Beispiel die Untersuchung von Blut oder Hirnflüssigkeit (Liquordiagnostik), ein Röntgen, ein Ultraschall, eine Computertomographie (CT), eine Magnetresonanztomographie (MRT), ein Elektroenzephalogramm (EEG) und viele andere.

Prognose

Die Prognose eines Koma-Patienten hängt vor allem von der zugrunde liegenden Erkrankung und von der medizinischen Versorgung ab und lässt sich deshalb nicht pauschalisieren.

Ein Koma kann nur von sehr kurzer Dauer sein. Wenn das Gehirn kurzfristig nicht genügend mit Sauerstoff versorgt wird, wird ein Betroffener meist bewusstlos und fällt um, was die Durchblutung des Gehirns oft schon so weit verbessert, dass er sich nach einigen Sekunden spontan erholt und sein volles Bewusstsein wiedererlangt. Dies bezeichnet man als „Synkope“. Ähnliches gilt für die epileptischen Anfälle.

Der komatöse Zustand kann allerdings auch mehrere Tage bis sogar Wochen anhalten. Dann muss sich der Zustand des Betroffenen allerdings bessern oder es kommt zum Hirntod. Ein Teil der Patienten rutscht ins Wachkoma (apallisches Syndrom) oder erlangt einen Minimalen Bewusstseinszustand wieder, einige erreichen auch wieder ihr volles Bewusstsein, bleiben aber (fast) vollständig gelähmt (Locked-In-Syndrom).

Zusammenfassung

Unter Koma versteht man die schwerste Form einer Bewusstseinsstörung, bei der der Patient selbst durch wiederholtes Einsetzen von Schmerzreizen nicht mehr erweckbar ist. Es entsteht durch eine ausgeprägte Störung des Großhirns, die sich aus den verschiedensten Grunderkrankungen ergeben kann. Häufig entsteht ein Koma zum Beispiel bei einem Schlaganfall, einer Störung des Zuckerstoffwechsels, Sauerstoffmangel, Leber - oder Niereninsuffizienz oder Vergiftungen.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 22.05.2012