Inhalt:
Leber
Synonyme
Medizinisch: hepar
Leberlappen, Leberzelle, Leberkrebs, Leberzirrhose, Fettleber
Englisch: liver
Definition
Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Menschen. Zu ihren Aufgaben gehört die nahrungsabhängige Speicherung, Umwandlung und Freisetzung von Zuckern und Fetten, der Abbau und die Ausscheidung körpereigener und medikamentöser Giftstoffe, die Bildung der meisten Bluteiweiße und der Gallenflüssigkeit sowie zahlreiche weitere Aufgaben.
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Abbildung “Innere Organe”
Anatomie
Die Leber ist mit einem Gewicht von 1-1,5kg das größte Stoffwechselorgan des Menschen. Sie liegt im rechten Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell (Diaphragma), mit dem sie auch verwachsen ist. Dadurch ist ihre exakte Lage von der Zwerchfellbewegung im Rahmen der Atmung abhängig. Die Struktur der Leber besteht hauptsächlich aus Bindegewebsfasern (Septen), die das eigentliche Lebergewebe in kleinere Einheiten unterteilen. Die kleinste Untereinheit ist ein Leberläppchen mit seiner sechseckigen Struktur.
Anatomie Leber
- rechter Leberlappen
- linker Leberlappen
Blutversorgung

- Lokalisation der Leber
Die Blutversorgung der Leber stellt im menschlichen Körpereinen Sonderfall dar. Insgesamt wird sie von 1,5 Litern Blut pro Minute durchströmt, was einem relativen Anteil von 25% des gesamten Blutes des Körpers entspricht.
Dreiviertel von diesen 1,5 Litern stammen aus den Venen des Magen-Darm-Trakt, die sich zu einer neuen Vene (V.portae, Pfortader) zusammenschließen.
In den Organen des Verdauungstraktes hat das Blut seinen Sauerstoff bereits abgegeben. Dadurch kann dieser Anteil des Blutes die Leberzellen nicht mit Sauerstoff versorgen. Diese Funktion wird von den restlichen 25% des Leberblutes übernommen, die über die Leberarterie (Arteria hepatica propria) aus der Hauptschlagader (Aorta) sauerstoffreiches Blut zuführen.
Welchen Sinn hat das Ganze?
Das Blut, welches durch den Magen-Darm-Trakt strömt, nimmt alle Stoffe auf, die dem Körper mit der Nahrung zugeführt worden sind. Das können sowohl erwünschte Stoffe (z. Bsp. Eiweiße (Proteine), Zucker (Kohlenhydrate), Vitamine) sein, als auch Unerwünschte Stoffe (Gifte, Medikamente).
Es ist für den Körper sinnvoll, das Gemisch zunächst durch die Leber zu leiten und dort zu filtern, um die übrigen Organe zu schützen. Die sinnvollen Stoffe werden zumindest teilweise für schlechte Zeiten zwischengespeichert, die gefährlichen Stoffe möglichst weitgehend entgiftet.
Und da der Körper für diese ganzen Prozesse Energie braucht, muss die Leber mit Sauerstoff versorgt werden. Das erklärt, warum zwei funktionell unterschiedliche Gefäßsysteme die Leber erreichen.
In der Leber verlaufen die Gefäße in den oben erwähnten Bindegewebsfasern und teilen sich immer weiter auf. Endpunkt für die Verzweigungen sind die Ecken der kleinsten Lebereinheit, die sechseckigen Leberläppchen. Hier kommt es zur Vermischung der beiden zuvor getrennten Blutströme.
Das Mischblut fließt von hier aus weiter auf vorgegebenen Wegen in die Mitte des Leberläppchen. Diese Wege, auch Sinusoide genannt, werden wie alle Blutgefäße des Körpers, von speziellen Zellen (Endothelzellen) ausgekleidet, jedoch im Falle der Leber deutlich weniger dicht. Zwischen den Endothelzellen befinden sich immer wieder größere Lücken, damit das Blutplasma (Zellfreier Anteil des Blutes) möglichst dicht an die eigentlichen Leberzellen gelangen kann.
In der Mitte des Leberläppchen befindet sich nun eine Art Sammelgefäß, die sogenannte Zentralvene. Sie leitet das nun komplett von der Leber gereinigte Blut aus dem Leberläppchen heraus. Die einzelnen Zentralvenen vereinigen sich nun immer weiter, bis sie sich außerhalb der Leber zu einer Vena hepatica vereinen, welche wiederum nach kurzem Verlauf in die untere Hohlvene (Vena cava inferior) mündet.
In den Blutwegen der Leberläppchen liegen besondere Zellen, die Kupfer-Sternzellen. Sie gehören zu den Fress- und Abwehrzellen, die alte Eiweiße, rote Blutkörperchen und auch mikrobielle Erreger (Bakterien) aus dem Blut entfernen.
Eine weitere Zellart, die sogenannten Ito-Zellen habe die Aufgabe, fettlösliche Vitamine (hauptsächlich Vitamin A) zu speichern. Sie sind außerdem der Ursprung für die krankhafte Bindegewebsvermehrung im Rahmen einer Leberzirrhose.
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Erkrankungen
Fettleberhepatitis
Eine zu hohe Menge an Alkohol (und anderer Gifte) überfordert die Entgiftungs- und Abbaumöglichkeiten der Leber.
Sie schwillt an, da sie zunehmend Fette einspeichert. Schon in diesem Stadium büßt sie manche ihrer Funktionen ein; ist aber noch nicht dauerhaft geschädigt.
Setzt sich die Überforderung der Leber in chronischer Weise fort, entsteht eine Leberzirrhose. Die eigentlichen Leberzellen sind schon mehrheitlich abgestorben, weshalb die Leber zu schrumpfen beginnt und ihren Aufgaben nicht mehr gerecht werden kann. Als Reaktion kommt es zu einer bindegewebigen Vernarbung der Leber (Schrumpfleber).
Dieses Stadium der Leberzirrhose ist nicht mehr heilbar. Zusätzlich verschlechtert sich die Durchblutung der Leberläppchen. Daraus wiederum resultiert ein Rückstau des Blutes in die Pfortader (Pfortaderhochdruck), was wiederum weitere negative Auswirkungen hat.
Ikterus
Die Abbauprodukte der roten Blutkörperchen, das Bilirubin, hat in seinem ungebundenen Zustand (als indirektes Bilirubin) eine gelbliche Farbe. Wenn die Leber nicht genug Abbauprodukte weiterverarbeitet, bleiben diese Stoffe im Blut und verfärben den Patienten leicht gelblich. Diese gelbe Farbe lässt sich am besten in den Augen (Sklerenikterus) entdecken. Man spricht von einem Ikterus.
Hepatitis
Man spricht allgemein von einer Hepatitis, wenn es zu einer Entzündungsreaktion in der Leber kommt.
Diese kann durch Gifte (Alkohol, Medikamente), Viren (Hepatitisviren A-E), Bakterien (Salmonellen, Leptospiren), Pilze, genetische Defekte oder eine fehlgesteuerte Immunreaktion ausgelöst sein. Man unterscheidet eine akute von einer chronischen Verlaufsformn der Hepatitis, hat jedoch selten die Möglichkeit, heilend einzugreifen. Wichtig ist auf alle Fälle die strikte Vermeidung weiterer leberschädigender Stoffe (v.a. Alkoholabstinenz).
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Hepatitis, Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C
Leberinsuffizienz
Man spricht von einer Leberinsuffizienz (Leberschwäche), wenn die Leber ihre Funktionen nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann. Dies kann sehr verschiedene Ursachen haben, und ebenso viele Auswirkungen. Für den Arzt bedeutend ist die Funktion der Leber bei dem Abbau von Medikamenten. In den empfohlenen Dosierungen der Arzneimittel wird die Abbauleistung der Leber mit eingerechnet. Wenn diese Abbauleistung der Leber nun aufgrund einer Leberinsuffizienz abnimmt, gibt es Probleme bei der Abschätzung der richtigen Dosierung.
Pfortaderhochdruck
Man spricht von einer portalen Hypertension (Pfortaderhochdruck), wenn aufgrund krankhafter Zustände (Leberzirrhose, Leberentzündung / Hepatitis) der Blutstrom durch die Leber verschlechtert ist.
Weil das permanent nachfließende Blut nicht abfließen kann, aber ständig weiteres Blut nachströmt, staut es sich weiter in die zuführenden Gefäße zurück und erhöht auch dort den Druck.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Pfortaderhochdruck.
Stauungsleber
Wenn aufgrund einer Pumpschwäche des Herzens (Herzinsuffizienz) ein Blutrückstau ausgelöst wird, kommt es zu dem klinischen Bild der Stauungsleber. Das Blut staut sich bis in die Leberläppchen, die dadurch anschwellen und später durch den chronisch erhöhten Druck zugrunde gehen.
Hypoxie / Sauerstoffmangel
Wie in allen Geweben führt ein Mangel an Sauerstoff auch in der Leber zu einem Mangel an Energie. In der Leber finden sehr viele energieintensive Stoffwechselprozesse statt, sodass ein Mangel an Sauerstoff das Überleben der Zellen schnell bedroht.
Alpha-1-Antitrypsinmangel
Ein besonderes Bluteiweiß, das Alpha-1-Antitrypsin, ist dafür zuständig, die Aktivität von anderen Eiweißen zu hemmen, die im Rahmen einer Immunreaktion zu einer Zerstörung von Gewebe führen würden.
Wenn nun aufgrund eines genetischen Defekts dieses besondere, schützende Eiweiß fehlt, kommt es zu einer übermäßigen Schädigung vor allem des Lungengewebe (Lunge), aber auch der Leber, was letztlich zu einer nicht umkehrbaren (irreversiblen), fortschreitenden Schädigung des Gewebes führt (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)).
Mehr über diese Erkrankung erfahren Sie unter: Alpha-1-Antitrypsinmangel
Ödeme, Aszites
Wenn die Leber nicht in der Lage ist, genügend Bluteiweiße herzustellen, kann der Körper die Verteilung von Flüssigkeit innerhalb und außerhalb der Blutgefäße nicht mehr regulieren.
Es kommt zum übermäßigen Austritt von Flüssigkeit aus dem Blut ins Gewebe, vor allem in den Unterschenkeln (Ödeme) oder im Bauchraum (Aszites).
Der Eiweißmangel kann mehrere Ursachen haben: Wenn der Leber nicht genügend Bausteine infolge einer Mangelernährung zur Verfügung stehen, kann sie natürlich auch nicht genug Eiweiße herstellen. Ein anderer, häufiger Grund ist die allgemein verringerte Funktionsfähigkeit der Leber (Leberinsuffizienz).
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter unserem Thema: Ödeme.
Gallenstein
Als Gallensteine wird die Ablagerungen (Konkremente) von kristallisierten Gallenbestandteilen bezeichnet. Diese Gallensteine lagern sich entweder in der Gallenblase oder den Gallengängen ab.
Man unterscheidet 2 Hauptformen von Gallensteinen:
- cholesterinhaltige Steine (ca. 90%)
- bilirubinhaltige Steine (ca. 10%)
Weitere Informationen erhalten Sie zu Gallensteinen unter unserem Thema: Gallensteine
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen zum Thema Leber erhalten Sie auch unter unserem Thema:
- Gallenblasenkrebs
Weitere Informationen zur Thema Anatomie finden Sie unter: Anatomie A-Z.
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