Leberfleck

Synonyme im weiterem Sinne


Muttermal, Mal

Medizinisch: Nävus, Nävuszellnävus, Nävus pigmentosus, Junktionsnävus, Compoundnävus, dermaler Nävus
Englisch: liver spot, beauty spot

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Definition

Ein „Leberfleck“  wird in der Medizin allgemein als Nävus bezeichnet (= Mal, Plural Nävi) und beschreibt eine lokal begrenzte Fehlbildung der Haut, welche durch eine Vermehrung von Pigmentzellen gekennzeichnet ist, sogenannten Nävuszellen. Bei diesen handelt es sich wahrscheinlich um genetisch veränderte Pigmentzellen (Melanozyten).

Man unterscheidet angeborene (bei Geburt oder innerhalb von Wochen auftretend) vom erworbenem Leberfleck. Jede dieser Formen lässt sich noch in Junktions-, Compound- und dermale Nävi einteilen.

Epidemiologie / Vorkommen / Häufigkeit

Der Leberfleck zählt zu den häufigsten Veränderungen der Haut.

Angeborene Formen sind seltener als erworbene. Bei Neugeborenen beträgt die Inzidenz etwa 1:100; größere Nävi kommen noch weniger vor (1:10 000-500 000).

Eine familiäre Häufung der angeborenen Leberflecken ist beschrieben. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Der erworbene Leberfleck als häufigere Form treten Ethnienübergreifend auf, bei weißer Bevölkerung  jedoch öfter als bei stärker pigmentierter. Durchschnittlich besitzt jeder Mensch etwa 30 erworbene Nävuszellnävi, Männer weisen dabei etwas mehr als Frauen auf. Vor allem an den lichtexponierten Körperstellen bildet sich der Leberfleck und erreicht seine größte Ausdehnung im 3. und 4. Lebensjahrzehnt. Anschließend bildet er sich zurück.

Prinzipiell stellen sie alle Vorläufer von Hautkrebs (malignes Melanom) dar, doch die Entartung ist sehr selten und die Ausnahme. Lediglich die angeborenen Leberflecken und die „Clark-Nävi“, eine Sonderform der erworbenen Nävi, weisen ein erhöhtes Entartungsrisiko auf.

Ursachen

Leberfleck

Beim erworbenem Leberfleck spielen die Gene eine Rolle. Außerdem Sexualhormone und UV-Licht.

Nach aktueller Theorie geht man davon aus, dass sich die den Leberfleck bildenden Nävuszellen aus defekten Pigmentzellvorläuferzellen, den Nävomelanoblasten, entwickeln. Diese besiedeln im Laufe der Embryonalentwicklung die Haut.

In der oberen Hautschicht vermehren sie sich dann entweder schon im Mutterleib und bilden so die angeborenen Nävuszellnävi oder sie ruhen zuerst dort und vermehren sich im Laufe des Lebens, was wiederum zu der erworbenen Form führt.

Beide Formen vom Leberfleck machen einen stereotypen Entwicklungsweg durch. Zunächst liegen sie als Junktionsnävus vor, entwickeln sich dann zu einem Compoundnävus weiter und bilden sich zum Schluss zu einem dermalen Nävus aus. Diese Formen spiegeln die schrittweise Wanderung der fest aneinander haftenden Nävuszellen von der Hautoberfläche in die Tiefe wider.

In der Regel gelangt bei dem angeborenem Leberfleck die Nävuszellen in tiefere Schichten als bei den erworbenem Leberfleck.

Symptome

Der erworbene Leberfleck bietet eine morphologische Vielfältigkeit.

Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie klein (weniger als 5 mm Durchmesser), rund, nicht ganz scharf begrenzt und nicht übermäßig pigmentiert sind. Außerdem fügen sie sich meist gut und homogen in die umgebende Haut ein.

Je nach Entwicklungsstadium bietet der Leberfleck ein etwas anderes Bild. Im ersten Stadium – als Junktionsnävus – sieht er klein und flach aus. Die Farbe variiert von hell- bis dunkelbraun; auch rötliche Formen sind existent. Desweiteren besitzen Junktionsnävi oft eine granuläre Oberfläche.

Coumpoundnävi dagegen, die nächste Stufe, sind größer, erhabener und knotiger, aber ebenfalls homogen. Die Farbe ist hell – bis dunkelbraun. Häufig finden sich außerdem Haare.

Das letzte Stadium schließlich, der dermale Nävus, tritt in der Regel erst in der zweiten Lebenshälfte auf. Verglichen mit den Vorläufer-Arten ist er prominenter sowie fleischiger. Die halbkugelige Form ist glatt und eventuell behaart.

Der angeborene Leberfleck hingegen ist größer, nämlich in der Regel 1 bis 3 cm,  und liegen tiefer als die erworbenen. Ihre rundliche bis ovale Form ist gut begrenzt, homogen, knotig und braun bis braunschwarz, wobei sie im Laufe der Zeit dunkler werden. Oft weisen sie eine Behaarung auf.

Weiterhin zeigen sie eine geringere spontane Rückbildung.

Andere Fehlbildungen, die nicht die Haut betreffen, kommen ebenfalls bei etwa 10% der Betroffenen vor, beispielweise an den Augen, Ohren oder am Skelett.

Noch seltener liegt gleichzeitig eine Neurofibromatose (Erbkrankheit mit unter anderem Neubildungen an Nerven) oder eine Beteiligung der Hirnhäute vor (Besiedelung mit Nävuszellnävi).

Eine Sonderform der erworbenen Leberflecken stellt der Clark-Nävus dar. Dieser ist größer (größer als 5 mm), rund, flach und zentral dunkler sowie erhaben. Teilweise oder komplett sind sie rötlich, die Begrenzung unscharf.

Diagnose

Die Diagnostik umfasst das klinische Erscheinungsbild. Hilfreich ist hierbei die Auflichtmikroskopie. Darunter versteht man die Lupenbetrachtung vom Leberfleck mittels Dermatoskop.

In der Berteilung kommt die sogenannte ABCD-Regel zur Anwendung, anhand welcher unterschieden werden kann, ob ein gutartiger Nävus oder ein Tumor (Melanom) vorliegt.

Die Buchstaben stehen für Asymmetrie“, Begrenzung“, Colorit“ und Durchmesser“.
Der gutartige Leberfleck ist symmetrisch, scharf begrenzt, homogen pigmentiert und kleiner als 5 mm.

Diese Regel ist jedoch nur eine Hilfe und Annäherung der Differenzierung, ein Beweis der Gut- oder Bösartigkeit gelingt nicht.

Bei Entfernung schließt sich in der Regel eine histologische (= mikrokopische) Untersuchung des Materials an, so dass die Diagnose sicher gestellt werden kann.

Prophylaxe

Für die Prophylaxe vom erworbenem Leberfleck kann es helfen, UV-Licht zu meiden, da ihre Entstehung auch mit Sonnenlicht zusammenhängt.

Eine Vorbeugung angeborener Leberflecken existiert nicht.

Prognose

Die Prognose der erworbenem Form vom Leberfleck ist gut, da diese nur sehr selten entarten und in den meisten Fällen gutartiger Natur sind.

Eine Ausnahme bieten Clark-Nävi, da sie häufiger in Hautkrebs übergehen und damit eine schlechtere Prognose haben als die übrigen erworbenen Leberflecken.

Auch für die angeborenen Formen ist die Entartungsrate zwar höher und damit die Prognose etwas schlechter, doch bei regelmäßiger Kontrolle ist eine Erkennung von Hautkrebs im Frühstadium wahrscheinlich und die Heilungschance gut.

Zusammenfassung

Jeder Mensch besitzt nicht nur einen Leberfleck, wobei man angeborene von erworbenen Formen unterscheidet.

Die angeborene Form des Leberflecks sollten durch Beobachtung stärker kontrolliert werden als die erworbenen, um eine mögliche Entartung früh zu erkennen und eine Entfernung in die Wege zu leiten. Der erworbene Leberfleck ist im Regelfall harmlos.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.07.2011