Lithium

Erklärung / Definition

Lithium ist ein klassisches Medikament, welches heute noch immer als Mittel der ersten Wahl gegen die Manie und zur vorbeugenden Therapie bei bipolar-affektiven Störungen (Manie / Depression) eingesetzt wird.

Handelsnamen

Lithium-Aspartat (Lithiumaspartat), Quilonum (Lithiumacetat), Hypnorex ret, Li 450 „Ziehten“, Quilonum ret., Lithium Apogepha, Leukominerase (Lithiumcarbonat)

Chemischer Name

Lithiumaspartat, Lithiumacetat, Lithiumcarbonat




Wirkstoff

Lithium

Anwendungsgebiete

  • Bipolar-affektive Störungen (Manisch-Depressive Erkrankungen)
  • Vorbeugende Therapie bei der (unipolaren) Depression
  • Vorbeugende Therapie bei schizoaffektiven Störungen (allerdings keine offizielle Zulassung)

Darreichungsform

Tabletten / Filmtablette

Wirkung

Lithium hat eine Vielzahl von Wirkungen auf das zentrale Nervensystem. Bis heute ist noch nicht vollständig geklärt welcher der nachfolgenden Effekte letztendlich für die Wirksamkeit insbesondere bei der manisch-depressiven Erkrankung verantwortlich ist:

  1. Inaktivierung von Ionenkanälen: In dem Lithium, ähnlich wie auch die Antikonvulsiva (Medikamente gegen Epilepsie) in den zellulären Natrium - Kalium - Strom eingreift, wird vermutlich insgesamt die zentrale Erregbarkeit des Gehirns herabgesetzt.
  2. Wirkung auf Second-messenger-Systeme: Alle Funktionen des Lebens laufen auf kleinster Zellebene ab. Mit die wichtigsten ausführenden Instrumente sind Enzyme und Proteine. Indem nun Lithium in solche Enzymketten eingreift. (Hemmung der Inositolmonophosphatase) kommt es zu einem Abfall bestimmter Enzymprodukte und deren Sekundärprodukten (Inositol bzw. Phosphatidylinositol). Die Hemmung dieser (und anderer) Produkte führt letztendlich auf weiteren verschlungenen Wegen zu einem Abfall der Kalziumkonzentration in den Zellen. Genau das ist, was wir wollen, da die sog. intrazelluläre Kalziumkonzentration bei der manisch-depressiven Erkrankung typischerweise erhöht ist. Puhh...ist kompliziert, oder?
  3. Freisetzung von GABA: GABA ist ein Botenstoff im Gehirn der, wie andere Botenstoffe auch, direkt mit der Stimmungslage in Verbindung gebracht wird. Lithium sorgt für eine erhöhte Freisetzung von GABA
  4. Serotonin-Spiegel Ehöhung: Lithium führt zu einer erhöhten Abgabe des „Stimmungstransmitters“ Serotonin und hemmt gleichzeitig dessen Abbau.

Dosierung

Generell ist zu sagen, dass Lithium eher abends genommen werden sollte. Aus diesem Grunde werden in den meisten Fällen Nebenwirkungen einfach verschlafen. Die Menge, die der einzelne Patient einnehmen muss, richtet sich direkt nach der sog. Plasmakonzentration, also der Menge des Medikamentes im Blut. Insbesondere zu Beginn der Therapie müssen somit regelmäßige Blutabnahme erfolgen, damit man nicht aus Versehen „über das Ziel hinausschiesst.“ Der Beginn einer Lithium-Therapie sollte idealerweise unter stationären Bedingungen, also im Krankenhaus erfolgen.

Lithium ist in Deutschland in Dosierungen von 150mg (leukominerase) bis zu 536mg (Quilonum) erhältlich.

Der Plasmaspiegel darf eine Konzentration von 1,2 mmol/l in der Regel nicht überschreiten, da sonst ernsthafte Nebenwirkungen drohen. (s.u.)

Nebenwirkung

Nebenwirkungen werden im klinischen Alltag vor allem zu Beginn einer Lithiumtherapie beobachtet, weniger in der dauerhaften Behandlung.

Die am häufigsten beklagten NW sind:

Besondere Rollen kommen in der Behandlung mit Lithium noch der Schilddrüse und der Niere zu.

  • Lithium kann bei der Schilddrüse zu einem Anstieg des TSH und zu einer Vergrößerung einer Struma (Vergrößerung des Gewebes) führen. In weiteren seltenen Fällen kann es zu einer Schilddrüsenunterfunktion und einer Nebenschilddrüsenüberfunktion führen.
  • In den Nieren kann Lithium zu einer Nierenfunktionsstörung führen, welche meist jedoch nach Absetzen des Medikamentes von alleine verschwindet. In ganz seltenen Fällen kann es auch zu einer entzündlichen Komplikation (Glomerulonephritis) führen.
  • Aus o.g. Gründen ist es somit vor Beginn einer Therapie unabdingbar sich Schilddrüse und Nieren eines Patienten mit Hilfe von Laboruntersuchungen genau anzusehen.

 

Vergiftung mit Lithium (Lithiumintoxikation):

  • Wie bereits oben erwähnt, sollte die Plasmakonzentration von Lithium den Wert 1,2 mmol/l nicht überschreiten. Dies ist allerdings nur ein Richtwert, da auch hier das Prinzip der individuellen Verträglichkeit gilt. Ab einer Konzentration von 1,6 mmol/l gilt jedoch die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Vergiftungssymptomen als recht sicher.
     

Symptome einer Vergiftung mit Lithium sind:

  • Deutlicher grobschlägiges Händezittern
  • Schwindel
  • Undeutliche Sprache
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Gangstörungen

Eine solche Vergiftung kann sehr, sehr ernst werden und im schlechtesten Fall auch zum Koma und auch zum Herz-Kreislauf-Stillstand und somit zum Tode führen.

Die möglichen Ursachen einer solchen Vergiftung sind ebenfalls wichtig zu kennen. Natürlich können versehentliche Mehreinnahme von Tabletten aber auch Selbstmordversuche in Betracht gezogen werden. Es ist aber ungemein wichtig, dass man als Patient, aber auch als Angehöriger weiß, daß Lithium direkt an den Natrium - Haushalt (Körpersalz) gekoppelt ist. Was bedeutet das nun?

Wenn ein Mensch sich zum Beispiel natriumarm ernährt, wird das dazu führen, dass der Körper versucht die Salze, die er bereits in sich trägt zu konservieren. In der Folge wird die Salzausscheidung, insbesondere die Ausscheidung von Natrium, reduziert und somit auch die Lithiumausscheidung, was wiederum zu einem Anstieg der Plasmakonzentration führt und zu Vergiftungserscheinungen führen kann.
Weitere Gründe die zu einer Konservierung (also dem Zurückhalten) von Natrium und somit zu einem Lithiumanstieg führen können sind somit: starkes Schwitzen, Durchfälle, Wassermittel sowie Flüssigkeitsverlust über z.B. Brandwunden etc.




Wechselwirkung

Lithium tritt mit vielen anderen Medikamenten in Wechselwirkung. Im Folgenden nun die Interaktionen mit den aus unserer Sicht Wichtigsten:

  • Neuroleptika: Es kann zu einem vermehrten Auftreten von neuroleptischen Nebenwirkungen kommen, die in einzelnen Fällen auch das Risiko für ein sog. „malignes neuroleptisches Syndrom“ erhöhen.
  • SSRI: Die Wahrscheinlichkeit Lithiumnebenwirkungen zu spüren steigt an. Die antidepressive Wirkung kann sich jedoch bei gleichzeitiger Gabe von Lithium verbessern (Lithiumaugmentation).
  • Trizyklische Antidepressiva: Es kann zum verstärkten Zittern kommen. Die antidepressive Wirkung kann sich jedoch bei gleichzeitiger Gabe von Lithium verbessern (Lithiumaugmentation).
  • Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR): Evtl. Verzögertes Ausscheiden von Lithium und somit Risiko einer Kumulation und somit eines Plasmaanstieges.
  • ACE-Hemmer (Bluthochdruckmedikament): Der Lithiumspiegel kann ansteigen und somit vergrössert sich das Nebenwirkungsrisiko.

Kontraindikation

Nicht empfohlen wird die Einnahme von Lithium bei Patienten mit:

Preis

Da immer vom Kostendruck im Gesundheitswesen gesprochen wird, halten wir es für wichtig auch Preise für Medikamente zu erfahren (Preise beispielhaft und ohne Empfehlungscharakter):

Hypnorex retard®

Stück

Preis in €

Hypnorex retard®

50 Filmtbl. (N2)

17,11 €

Hypnorex retard®

100 Filmtbl. (N3)

26,34 €

Stand: Januar 2004

 

Rezeptpflicht

Es besteht für alle Dosierungen Rezeptpflicht!

Disclaimer / Haftungsausschluss

Bitte beachten Sie, dass wir in allen unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.
Alle Angaben stellen nur Auszüge dar, daher können wichtige Informationen nicht genannt sein.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass alle Medikamente nie selbständig und ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.

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    Autor: Christoph Barthel      |     Letzte Änderung: 26.07.2011