Inhalt:
Lungenembolie
Synonyme im weiteren Sinne
Lungeninfarkt, Pulmonale Embolie, Pulmonalembolie; Lungenarterienembolie, Lunge
Häufige Rechtschreibfehler: Lungeembolie
Englisch: pulmonary embolism
Definition Lungenembolie
Eine Lungenembolie entsteht aus einem fortgeschwemmten Blutgerinnsel (Thrombose), das eine Lungenarterie verstopft. Dadurch wird der Anteil der Lunge hinter dem Embolus (verstopfender Pfropf) nicht mehr durchblutet.
Folge ist , dass die verbliebenen Blutgefäße (Arterien) den Blutfluss des verschlossenen Gefäßes kompensieren müssen. Als Folge steigt der Blutdruck im Lungenkreislauf. Ist der Blutdruck im Lungenkreislauf über längere Zeit erhöht, droht eine Herzüberlastung mit lebensbedrohenden Herzrhythmusstörungen.
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Entstehung
Ausgangspunkt einer Lungenembolie ist in den meisten Fällen eine Thrombose der Unterschenkelvenenthrombose (Beinvenenthrombose, ca. 60%) oder Beckenvenenthrombose (ca.30%). In der Frühphase der Thromboseentstehung ist ein Thrombus instabil und kann sich von der Venenwand losreißen. Dieses losgerissene Stück, das medizinisch als Embolus bezeichnet wird, schwimmt nun über die Blutbahn zum Herzen zurück und von dort in die Lunge gepumpt. Dort verengen sich die Gefäße wieder und der Embolus verstopft das Gefäß und die dahinter liegende Lungenblutstrombahn.
Risikofaktoren
Da die Ursache einer Lungenembolie in den meisten Fällen eine Thrombose (selten Luft, Fett oder Fremdkörper) ist, so gelten die Risikofaktoren für Lungenembolie und Thrombose gleichermaßen:
- Operationen (bes. künstliches Hüftgelenk und künstliches Kniegelenk)
- Übergewicht
- Rauchen
- Geschlecht (Frauen > Männer)
- Bewegungsmangel (Fernflüge= Economy class syndrom))
- Entbindung
- Krampfadern (Varikosis)
- Bluterkrankungen (Leukämie)
- Herzerkrankungen (bes. Vorhofflimmern)
- Medikamente (bes. orale Kontrazeptiva (“Pille”))
- Tumorerkrankungen (z.B. Prostatakrebs oder Bauspeicheldrüsenkrebs)
- Erbkrankheiten
- Die APC-Resistenz ("Faktor-V-Leiden-Mutation") ist die häufigste Erbkrankheiten die mit einem Thromboserisiko einhergeht. Das Thromboserisiko ist um das 7 - 100 fache (je nach Vererbung) erhöht.
- Antithrombin III-Mangel (AT III) betrifft überwiegend jüngere Patienten
- Protein C und Protein S - Mangel*
Sind diese gerinnungshemmenden Faktoren durch einen angeborenen Mangel reduziert, können Thrombosen bereits im Jugendalter auftreten. - Hyperhomocysteinämie ist eine vererbte gestörte Abbaufähigkeit von Homocystein mit stark erhöhten Homocysteinspiegeln im Blut. Folgen sind u.a. ein erhöhtes Thromboserisiko.
Alle genannten Erbkrankheiten können über Blutuntersuchungen diagnostiziert werden.
- Erkrankungen der Leber mit gestörter Bildung von Gerinnungsfaktoren (z.B. Leberzirrhose)
Häufigkeit (Epidemiologie)
Vorkommen in der Bevölkerung
Entsprechend der Häufung von Lungenembolien beim weiblichen Geschlecht, sind auch Frauen überwiegend durch die Lungenembolie betroffen.
In Deutschland werden jährlich ca. 20.000 - 40.000 tödliche Lungenembolien registriert.
In ca. 50 % aller Fälle kann man beim Vorliegen einer Thrombose auch eine Lungenembolie medizinisch nachweisen. Jedoch wird nur ein Bruchteil aller Embolien von dem Patienten bemerkt.
Symptome / Beschwerden
Es gibt keine Symptome die zweifelsfrei, bzw. eindeutig auf eine Lungenembolie hinweisen.
Symptome können sein:
- Herzrasen
- Atemnot
- Schmerzen im Brustkorb, insbesondere beim Einatmen
- plötzlicher Schweißausbruch
- Husten
- Fieber
- Beklemmungsgefühl
- plötzliche Bewußtlosigkeit
Viele Lungenembolien, insbesondere kleinere verlaufen symptomlos und können nur mit Spezialuntersuchungen nachgewiesen werden.
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Diagnose
- EKG
- Dopplersonographie des Herzens
- Druckmessung im Lungenkreislauf
- Spiral-CT
Digitale Subtarktionsangiographie (DSA) - Perfusionsszintigraphie der Lunge mit Technetium-markierten Albuminaggregaten
- Pulmonalisangiographie (Kontarstmitteldarstellung der Lungengefäße)
Einteilung
Stadieneinteilung der Lungenembolie.
Man unterteilt vier Schweregrade.
- Stadium I: leicht
Klinik: nur kurzfristige oder keine Symptome.
Durchblutungsausfall: < 25%
- Stadium II: mäßig
Klinik: leichte Atemnot und beschleunigter Puls.
Durchblutungsausfall: 25% - 50%
- Stadium III: massiv
Klinik: starke Atemnot, Kollaps.
Durchblutungsausfall: > 50%
- Stadium IV: hochgradig
Klinik: wie Stadium III und zusätzlich Schock
Durchblutungsausfall: > 50%
Therapie der Lungenembolie
Die Therapie richtet sich im wesentlichen nach dem Stadium.
In jedem Stadium ist eine therapeutische Heparingabe notwendig. Heparin wird über einen sogenannten Perfusor in einer konstanten Dosierung über einen Venenzugang gegeben.
Ab dem Stadium II bis IV kann eine eine sogenannte Thrombolysetherapie (unter Berücksichtigung der Kontraindikationen, z.B. nicht nach frischen Operationen) durchgeführt werden.
Thrombolytika lösen die Thrombose, bzw. die Lungenembolie aktiv auf. Dafür werden Medikamente wie:
- Streptokinase
- Urokinase
- rt-PA (tissue plasminogen aktivator)
gegeben.
Ein wesentliches Risiko dieser Therapie ist, dass während der Therapie eine erhebliche Blutungsneigung des Patienten vorliegt.
Ab dem Stadium III bis IV kann eine sogenannte Katheterfragmentation durchgeführt werden. Diese Methode steht nur in ausgewählten Zentren zu Verfügung. Dabei wird ein Katheter über das Blutgefäß (Arterie) direkt zur Lungenembolie vorgeschoben und dann mechanisch zerkleinert.
Ab dem Stadium IV und absoluter Lebensgefahr kann versucht werden die Lungenembolie chirurgische zu entfernen.
Im Allgemeinen schließt sich einer Lungenembolie eine dauerhaft Gerinnungstherapie mit Marcumar an. Marcumar hemmt dabei das Gerinnungssystem, wodurch sich die Zeit bis zur Gerinnung des Blutes verlängert. Dadurch sinkt die Gefahr der Bildung einer Thrombose.
Komplikationen
Komplikationen einer Lungenembolie können sein:
- Rechtherzversagen (Rechts - Herzschwäche)
- durch Überlastung des rechten Herzens können lebensgefährliche Herzrythmusstörungen entwickeln, insbesondere bei hochgradigen Lungenembolien
- immer wiederkehrende kleine Lungenembolien führen zu einem schleichenden Rechtsherzversagen (Rechts - Herzschwäche) mit ebenfalls ungünstiger Prognose
- Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter: Herzschwäche
- Brustfellentzündung (Pleuritis) durch schlechte Durchblutung
- Absterben (Nekrose) des nichtdurchbluteten Lungenteiles (Lungeninfarkt) - folge kann ein blutiger Husten sein
- Lungenentzündung (Pneumonie)
Prophylaxe
Da Lungenembolien fast immer aus einer Thrombose entstehen, gelten alle Prophylaxemaßnahmen der Thrombose gleichermaßen auch für die Lungenembolie:
- Tragen von Kompressionsstrümpfen vor Operationen oder nach Entbindungen
- Verwendung gerinnungshemmender Medikamente (z.B. Heparin) bei OP´s oder orale Antikoagulanzien (z.B. Marcumar) nach Thrombosen
- Vermeidung der oben genannten Risikofaktoren
- bei wiederkehrenden Lungenembolien Einsetzen eines sogenannten Kava-Schirmes - dabei wird eine Art Sieb in die größte zum Herzen führende Vene (Vena cava) implantiert. Dieses Sieb oder Schirm fängt die anschwimmenden Thromben aus Beinvenenthrombosen und Beckenvenenthrombosen ab, so dass sie nicht in die Lunge geraten können.
- regelmäßige und ausreichende Bewegung, um die Beinvenen gut zu durchbluten, langes Sitzen mit angewinkelten Beinen vermeiden
- ausreichende genug Trinken um ein Eindicken des Blutes zu vermeiden
Prognose
Die Prognose der Lungenembolie hängt im Wesentlichen von der Größe der Embolie und der Dauer des Bestehens und von erneuten Embolieereignissen ab.
Unter konsequenter Therapie kann die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Lungenembolie stark gesenkt werden. Ziel hierbei ist es die Bildung einer Thrombose zu verhindern.
Ohne weiterer Therapie besteht eine große Gefahr, dass sich das Ereignis wiederholt (Wahrscheinlichkeit 30% !!!).
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