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Lymphdrüsenkrebs
Synonyme im weiteren Sinne
Morbus Hodgkin, (malignes) Lymphom, Lymphogranulomatose, Lymphosarkom
Englisch: lymph node cancer, lymph gland cancer, lymphoma
Lesen Sie auch:
Definition
Lymphdrüsenkrebs ist eine eher seltene Krebsart, die das lymphatische System befällt und zu der Gruppe der Lymphome gezählt wird. Zum Lymphsystem gehören die Lymphknoten, die über den ganzen Körper verstreut lokalisiert und über Lymphgefäße miteinander verbunden sind, die Rachenmandeln (Tonsillen), das Knochenmark, der Thymus und die Milz. Der Krebs entsteht durch die bösartige (maligne) Entartung von Zellen des lymphatischen Systems, die sich zum Zeitpunkt der Transformation in verschiedenen Differenzierungs- und Reifungsstufen befinden können. Je nach der Zellart, von der die malignen Neubildungen ausgehen, unterscheidet man grob zwei Gruppen von Lymphdrüsenkrebs:
Das Hodgkin-Lymphom (auch Morbus Hodgkin genannt), das nach seinem Entdecker benannt ist und bei dem sich unter dem Mikroskop sogenannte Hodgkin-Zellen und Sternberg-Reed-Zellen identifizieren lassen, und die sehr heterogene Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome, zu denen unter anderem das Burkitt-Lymphom und der Morbus Waldenström gehören. Beim Morbus Hodgkin gibt es die weitere Unterteilung in vier Unterformen, die sich durch ihr histologisches Erscheinungsbild auseinanderhalten lassen und die sich hinsichtlich der Prognose unterscheiden: Am häufigsten (etwa 60% der Fälle) gibt es den nodulär-sklerosierenden Typ, außerdem gibt es noch einen lymphozytenreichen und einen –armen Typ und den Mischtyp. Bei allen verschiedenen Formen (Lymphdrüsenkrebs) ist die Prognose recht gut, vor allem, wenn die Erkrankung in einem frühen Stadium diagnostiziert wurde.
Häufigkeit
Verglichen mit anderen Krebsarten ist der Lymphdrüsenkrebs eine recht seltene Krebsform. Er kann in jedem Alter auftreten, wobei das durchschnittliche Erkrankungsalter für den Morbus Hodgkin etwa bei 40 Jahren und beim Non-Hodgkin-Lymphom zwischen 65 und 70 Jahren liegt. In Deutschland erkranken pro Jahr ungefähr 2000 Menschen an einem Hodgkin- und etwa 13.000 Menschen an einem Non-Hodgkin-Lymphom. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer und es lässt sich eine gewisse territoriale Häufung der Fälle feststellen.
Historie
Der britische Arzt und Pathologe Thomas Hodgkin (*1798) untersuchte unterschiedliche Erkrankungen des lymphatischen Systems, unter anderem den Lymphdrüsenkrebs. Der Morbus Hodgkin (auch: Lymphogranulomatose) wurde von ihm erstmalig im Jahre 1832 beschrieben und deshalb nach ihm benannt. Die Zusammenfassung aller anderen bösartigen Lymphome zu der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome rührt ebenfalls noch aus dieser Zeit.
Ursachen
Konkrete Ursachen für die Entstehung von Lymphdrüsenkrebs sind bis heute nicht bekannt. Man geht allerdings davon aus, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, damit sich ein malignes Lymphom bildet.
Beim Morbus Hodgkin (Lymphdrüsenkrebs) entstehen im Knochenmark abnormale B-Zellen. Diese Zellen gehören zur Gruppe der Lymphozyten (und diese gehören wiederum in die Gruppe der weißen Blutkörperchen = Leukozyten) und spielen eine wichtige Rolle im Rahmen der erregerspezifischen Immunabwehr unseres Körpers. B-Zellen verwandeln sich physiologischerweise irgendwann im Laufe ihres Lebens zu Plasmazellen, deren Aufgabe die Produktion von Antikörpern und damit die Neutralisierung von Erregern ist. Bei Vorliegen eines Hodgkin-Lymphoms (Lymphdrüsenkrebs) entwickeln sich die B-Zellen jedoch zu großen, abnormen Zellen, die auch als Sternberg-Reed-Zellen bezeichnet werden. Das Problem dieser Zellen liegt darin, dass sie im Gegensatz zu gesunden B-Zellen nicht irgendwann einfach zugrunde gehen, sondern sich zu mehrkernigen Riesenzellen zusammenschließen und immer weiter abnorme, nicht voll funktionsfähige B-Zellen produzieren. Was dazu führt, dass die Zellen auf diese Art und Weise entarten, ist nicht endgültig geklärt. Es werden allerdings mehrere Faktoren vermutet. Man ist sich relativ sicher, dass ein Zusammenhang zwischen einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), einem Virus aus der Gruppe der Herpesviren, und der Ausbildung von Lymphdrüsenkrebs besteht. Allerdings besitzen etwa 90% aller Erwachsenen Antikörper gegen dieses Virus in ihrem Blut und müssen daher im Laufe ihres Lebens mit ihm in Kontakt gekommen sein. Daraus, dass diese Personen ja aber bei weitem nicht alle Krebs (Lymphdrüsenkrebs) bekommen, lässt sich schließen, dass EBV zwar mit einem Lymphom assoziiert werden kann, aber als alleiniger Auslöser nicht in Frage kommt. Andererseits gibt es auch Patienten mit Lymphdrüsenkrebs, die keine Antikörper gegen EBV tragen. Als weitere Faktoren für den Grund der Zellveränderungen werden diverse Umwelteinflüsse, genetische Parameter und gestörte immunologische Prozesse diskutiert.
Beim Non-Hodgkin-Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) kann die Entartung alle Subtypen der Lymphozyten betreffen, also entweder genau wie beim Hodgkin-Lymphom die B-Zellen oder aber die T-Zellen oder die Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), die beide ebenfalls für die Abwehr fremder Organismen zuständig sind, diese aber im Unterschied zu den B-Lymphozyten direkt abtöten. Auch bei diesem Lymphom sind die Ursachen letztlich ungeklärt, wobei man ebenfalls von einem Zusammenhang mit dem Eppstein-Barr-Virus, aber auch anderen Viren wie HIV, ausgeht. Außerdem rechnet man auch genetische Einflüsse, Autoimmunerkrankungen (wie zum Beispiel das Sjögren-Syndrom), chemische Substanzen (zum Beispiel Insektizide) oder bakterielle Infektionen (zum Beispiel mit dem Erreger Helicobacter pylori, der auch für die Magenschleimhautentzündung verantwortlich ist) zu möglichen Verursachern der Erkrankung.
Weitere Informationen
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