Medizin Online -> Anatomie Lexikon   ->  Magen


Magen

Synonyme im weiteren Sinne

altgriechisch: Stomachos
griechisch: Gaster
lateinisch: Ventriculus
Englisch
: stomache

Gastritis, Magenschleimhautentzündung, Helicobacter pylori, Magenkrebs

 

Definition

Der Magen ist formal gesehen eine Aussackung des Verdauungstrakts, die zwischen der Speiseröhre und dem Darm liegt und die Aufgabe hat die Nahrung zu speichern und zu durchmischen. Dieses muskulöse Hohlorgan bildet sauren Magensaft (HCL) und Enzyme, die einige Bestandteile der Nahrung vorverdauen (chemisch aufschließen / spalten), um dann den Speisebrei portionsweise in den Dünndarm weiterzuleiten.


Lage des Magen

  1. Rachen / Schlund
  2. Speiseröhre / Ösophagus
  3. Mageneingang auf Zwerchfellhöhe (Diaphragma)
  4. Magen (Gaster)

Anatomie

Der Magen liegt meistens im linken und mittleren Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell. Die Lage, Größe und Form des Magens ist von Mensch zu Mensch und je nach Alter, Füllungszustand, Körperlage sehr unterschiedlich. Der Magen ist bei mäßiger Füllung im Mittel 25-30 cm lang und hat ein Speichervermögen von 1,5 und im Extremfall sogar bis zu 2,5 Litern.

Anatomie Magen

  1. Ösophagus (Speiseröhre)
  2. Kardia
  3. Korpus
  4. kleine Kurvatur
  5. Fundus
  6. große Kurvatur
  7. Duodenum (Zwölffingerdarm)
  8. Pylorus
  9. Antrum


Der Magen ist durch Bänder, die unter anderem zu Leber und Milz ziehen, in der Bauchhöhle befestigt und so stabilisiert. Der Magen liegt gekrümmt wie ein Angelhacken in der Bauchhöhle, und bildet mit seiner konvexen Seite die große Magenkrümmung (große Magenkurvartur/ Curvartura major) und mit der konkaven Seite die kleine Magenkrümmung (kleine Magenkurvatur/ Curvatura minor).

Man kann den Magen in verschiedene Abschnitte einteilen:

Schichten und Struktur der Magenwand

Die Magenwand zeigt unter dem Mikroskop einen charakteristischen Schichtaufbau.

>

Magendrüsen

Die Magendrüsen (Glandulae gastricae) liegen in der Lamina propria mucosae und lassen sich im Fundus und den Korpus des Magens finden. Bis zu 100 Drüsen befinden sich auf 1mm2 der Schleimhautoberfläche. In der Wand des Drüsenschlauches liegen verschiedenen Zellen:

Funktion

Der Magen dient als Reservoir für die aufgenommene Nahrung. Er kann die Nahrung über Stunden speichern und sorgt so dafür, dass wir mit wenigen größeren Mahlzeiten den täglichen Nahrungsbedarf decken können. Durch die Peristaltik wird der Speisebrei (Chymus) mit dem Magensaft vermischt, die Nahrung chemisch zerkleinert, zum Teil verdaut und dann Portionsweise in den Zwölffingerdarm (Duodenum) weitergeleitet.

Magensäure

Der Magensaft enthält Säure (HCL), Schleim, Elektrolyte, Intinsic-Factor und einige Enzyme, darunter hauptsächlich Pepsin.
Die Salzsäure dient zur Abtötung der mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien und schützt so vor Infektionen.
Das Pepsin ist ein Enzym welches Proteine (Eiweiße) spaltet. Interessanterweise ist sowohl die Salzsäure als auch das Pepsin für die Verdauung von untergeordneter Bedeutung, was auch die Tatsache zeigt, dass nach operativer Entfernung des Magens die Verdauungsfunktion noch weitestgehend erhalten bleibt. Der Intrinsic-Factor jedoch erweist sich als sehr wichtig, da es bei Fehlen von diesem Stoff zu einer schweren Blutarmut (Anämie) kommen kann.

Da die Enzyme für die Fettverdauung (Lipasen) und Kohlenhydratverdauung (Amylasen) nur in sehr kleinen Mengen im Magen produziert werden, werden diese Nahrungsbestandteile im Magen so gut wie gar nicht verdaut, sondern erst im Darm.

Die Magenschleimhaut bildet täglich 2-3 Liter Magensaft. Im Vergleich zum Nüchternzustand kann die Magensaftabgabe (Magensaftsekretion) bei Nahrungsaufnahme um den Faktor 100 ansteigen.

Es gibt verschiedene Phasen der Verdauung in denen Nervensignale und verschiedene Hormone und Mediatoren eine Rolle spielen:

Kopfphase / Zephale (vagale) Phase:
Einige Nahrungssignale (Geruch, Geschmack, Aussehen) bewirken über den parasympathischen Vagusnerv (Nervus vagus), eine Gastrinausschüttung aus den G-Zellen und somit noch vor dem Essen eine Steigerung der Magensaftproduktion.

Magenphase / Gastrale Phase:
Hier ist der Dehnungsreiz durch die Nahrungsaufnahme derjenige, der reflektorisch über den Vagusnerv die Magensaftproduktion verstärkt. Einige chemische Reize wie Eiweißabbauprodukte, Alkohol und Kaffee bewirken eine vermehrte Gastrin- und Histaminabgabe, welche wiederum die Magensaftproduktion verstärkt.

Darmphase / Intestinale Phase:
Hier ist die wichtigste Funktion die Hemmung der Magensaftproduktion. Wenn stark saurer Chymus in den Zwölffingerdarm übertritt, besteht die Gefahr der Schädigung der Darmschleimhaut. Dieser Reiz bewirkt eine Ausschüttung des Hormons Sekretin, welches die Gastrinproduktion hemmt. Durch Verminderung des Gastrins kommt es wiederum zur Reduktion der Produktion der Magensäure.

Erkrankungen

Gastritis

Die Gastritis ist eine akute oder chronische Magenschleimhautentzündung. Bei den chronischen Gastritiden beschreibt man mit der Einteilung Typ A, B, C die Ursachen gleich mit:


Gastroduodenale Ulcuskrankheit / Magengeschwür

Ein Ulkus ist ein gutartiges Magengeschwür, welches sehr tief in die Schleimhaut hineinreicht, bis mindestens in die Lamina muscularis mucosae. Eine gefährliche Komplikation der Ulkuskrankheit / Magengeschwür tritt auf, wenn das Geschwür ein größeres Gefäß verletzt und es so zu einer lebensgefährlichen Blutung kommt.
Die typische Stelle in der ein Magengeschwür auftritt, ist die kleine Kurvatur (Curvatura minor) des Antrums. Die häufigsten Ursachen eines Ulkus sind Schmerzmedikamente wie Aspirin, NSAR, das Bakterium Helicobacter pylori und andere Stressfaktoren.
Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter: Magengeschwür

Magenkrebs

In Deutschland ist der Magenkrebs der siebthäufigste bösartige (maligne) Tumor. Auf die ganze Welt gesehen ist er sogar der zweithäufigste Tumor. Diese Tumorart bleibt bis in die späten Stadien oft klinisch stumm (asymptomatisch) und hat somit eine sehr schlechte Prognose, da eine frühzeitige Behandlung oft verpasst wird. Als wichtigste Risikofaktoren für den Magenkrens gelten die Besiedlung der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobakter pylori und in der Nahrung vorkommende Nirtosamine.
Am häufigsten kommt der Magenkrebs im Bereich des Antrum, des Pylorus und der kleinen Kurvatur vor, jedoch kommt er auch in 25% der Fälle am Mageneingang (Cardia) vor.
Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter: Magenkrebs

Weiterführende Informationen

Weitere Themen, die für Sie von Interesse sein können:

Weitere Informationen zur Thema Anatomie finden Sie unter: Anatomie A-Z.