Inhalt:
Magen
Synonyme im weiteren Sinne
altgriechisch: Stomachos
griechisch: Gaster
lateinisch: Ventriculus
Englisch: stomache
Gastritis, Magenschleimhautentzündung, Helicobacter pylori, Magenkrebs
Definition
Der Magen ist formal gesehen eine Aussackung des Verdauungstrakts, die zwischen der Speiseröhre und dem Darm liegt und die Aufgabe hat die Nahrung zu speichern und zu durchmischen. Dieses muskulöse Hohlorgan bildet sauren Magensaft (HCL) und Enzyme, die einige Bestandteile der Nahrung vorverdauen (chemisch aufschließen / spalten), um dann den Speisebrei portionsweise in den Dünndarm weiterzuleiten.
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Lage des Magen
- Rachen / Schlund
- Speiseröhre / Ösophagus
- Mageneingang auf Zwerchfellhöhe (Diaphragma)
- Magen (Gaster)
Anatomie
Der Magen liegt meistens im linken und mittleren Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell. Die Lage, Größe und Form des Magens ist von Mensch zu Mensch und je nach Alter, Füllungszustand, Körperlage sehr unterschiedlich. Der Magen ist bei mäßiger Füllung im Mittel 25-30 cm lang und hat ein Speichervermögen von 1,5 und im Extremfall sogar bis zu 2,5 Litern.
Anatomie Magen
- Ösophagus (Speiseröhre)
- Kardia
- Korpus
- kleine Kurvatur
- Fundus
- große Kurvatur
- Duodenum (Zwölffingerdarm)
- Pylorus
- Antrum
Der Magen ist durch Bänder, die unter anderem zu Leber und Milz ziehen, in der Bauchhöhle befestigt und so stabilisiert. Der Magen liegt gekrümmt wie ein Angelhacken in der Bauchhöhle, und bildet mit seiner konvexen Seite die große Magenkrümmung (große Magenkurvartur/ Curvartura major) und mit der konkaven Seite die kleine Magenkrümmung (kleine Magenkurvatur/ Curvatura minor).
Man kann den Magen in verschiedene Abschnitte einteilen:
- Mageneingang / Kardia / Ostium cardiacum:
Der obere Magenmund ist ein Bereich von 1-2 cm wo die Speiseröhre in den Magen mündet. Hier befindet sich der scharfe Übergang von der Speiseröhrenschleimhaut zur Magenschleimhaut, die sich mit dem Endoskop meistens gut erkennen lässt. - Magengrund / Fundus gastricus:
Oberhalb des Mageneingangs wölbt sich der Magengrund nach oben, der auch „Magenkuppel“ oder Fornix (Wölbung) gastricus genannt wird. Der Magengrund ist in der Regel mit Luft gefüllt, die man beim Essen unwillkürlich verschluckt. Beim aufrecht stehenden Mensch bildet der Magengrund den höchsten Punkt des Magens, sodass man im Röntgenbild die gesammelte Luft besonders eindrucksvoll als „Magenblase“ erkennen kann. - Magenkörper / Corpus gastricum:
Der Hauptteil des Magens wird vom Magenkörper gebildet. Hier liegen tiefe Schleimhautlängsfalten (Plicae gastricae), die vom Mageneingang bis zum Pförtner ziehen und die man auch die „Magenstraße“ nennt. - Pförtnerabschnitt / Pars pylorica:
Dieser Abschnitt beginnt mit einem erweiterten Vorraum, der Pförtnerhöhle (Antrum pyloricum), gefolgt vom Pförtnerkanal (Canalis pyloricus) und endet mit dem eigentlichen Magenpförtner (Pylorus). Hier liegt der Magenschließmuskel (Muskulus sphinkter pylori), der von einer starken ringförmigen Muskelschicht gebildet wird und den unteren Magenmund (Ostium pyloricum) verschließt. Der Pylorus verschließt den Magenausgang und lässt periodisch etwas Nahrungsbrei (Chymus) in den Zwölffingerdarm (Duodenum) passieren
Schichten und Struktur der Magenwand
Die Magenwand zeigt unter dem Mikroskop einen charakteristischen Schichtaufbau.
- Von Innen wird die Magenwand von Schleimhaut ausgekleidet (Tunica mucosa). Man unterteilt die Magenschleimhaut in drei Unterschichten. Die oberste Lage bildet ein Deckgewebe (Lamina epithelialis mucosae), die einen zähen neutralen Schleim bildet, der die Magenschleimhaut vor mechanischen, thermischen und enzymatischen Schädigungen schützt. Darunter folgt eine Verschiebeschicht (Lamina propria mucosae), in welcher die Magendrüsen (Galandulae gastricae) eingelagert sind. Als letztes liegt eine ganz schmale Eigenmuskelschicht (Lamina muscularis mucosae), die das Relief der Schleimhaut verändern kann.
- Der Magenschleimhaut folgt eine lockere Verschiebeschicht (Tela submucosa), die aus Bindegewebe besteht und in der ein dichtes Netz von Blut- und Lymphgefäßen verläuft, sowie ein Nervenfasergeflecht, der Plexus submukosus (Meißner-Plexus), der die Magendrüsentätigkeit (Sekretion) steuert. Dieser Plexus arbeitet unabhängig vom zentralen Nervensystem (ZNS), kann jedoch durchaus von diesem über das vegetative Nervensystem beeinflusst werden.
- Es folgt eine starke Magenmuskelschicht (Tunica muscularis). Man unterteil sie in drei Unterschichten, deren Fasern jeweils in verschiedene Richtungen verlaufen: Zunächst eine innere Schicht kleiner schräg verlaufender Muskelfasern (Fibrae obliquae), dann eine Ringmuskelschicht (Stratum circulare) und ganz außen eine äußere Längsmuskelschicht (Stratum longitudinale). Diese Muskulatur sorgt für die wellenartige Bewegung des Magens (Peristaltik), die für die ständige Durchmischung des Speisebreis (Chymus) mit dem Magensaft zuständig ist. Zwischen der Ring- und Längsmuskelschicht verläuft ein Nervenfasergeflecht, der Plexus myentericus (Auerbach-Plexus), der die Funktion der Muskulatur steuert. Genauso wie der Plexus submucosus arbeitet dieser Plexus zwar weitgehend selbständig (autonom), wird aber von dem vegetativen Nervensystem regelmäßig beeinflusst.
- Es folgt wieder eine erneute bindegewebige Verschiebeschicht (Tela subserosa).
- Den Abschluss bildet ein Überzug vom Bauchfell (Peritoneum) der alle Organe auskleidet. Man nennt diesen Überzug auch Tunica serosa.
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Magendrüsen
Die Magendrüsen (Glandulae gastricae) liegen in der Lamina propria mucosae und lassen sich im Fundus und den Korpus des Magens finden. Bis zu 100 Drüsen befinden sich auf 1mm2 der Schleimhautoberfläche. In der Wand des Drüsenschlauches liegen verschiedenen Zellen:
- Schleimzellen:
Sie produzieren den gleichen neutralen Schleim wie die Oberflächendeckzellen (Epithelzellen).
- Nebenzellen:
Diese Zellen liegen ziemlich oberflächlich in der Drüse und sondern einen alkalischen Schleim ab, d.h. der pH-Wert ist hoch durch die darin enthaltenen Hydrogencarbonat-Ionen (OH- Ionen). Diese Eigenschaft ist wichtig um den pH-Wert des Magens zu kontrollieren und gegebenenfalls zu regulieren. Der Schleim überzieht die Magenschleimhaut und schützt so vor Selbstverdauung durch die aggressive Salzsäure (HCl) und Enzyme (selbstverdauende Eiweiße). Diese Zellart findet man besonders gehäuft in der Cardia und im Fundus des Magens.
- Hauptzellen:
Diese Zellen produzieren das inaktive Vorläuferenzym Pepsinogen, welches nach der Abgabe durch die Salzsäure (HCl) in das aktive Enzym Pepsin umgewandelt wird und für die Andauung der Eiweiße (Proteine) zuständig ist. Da das Enzym erst an der Oberfläche der Drüse mit der Salzsäure in Kontakt kommt, wird verhindert, dass es zu einer Selbstverdauung der Drüsen durch das Enzym kommt. Diese Zellform befindet sich hauptsächlich im Corpus des Magens.
- Belegzellen:
Diese Zellen, die vermehrt im Magencorpus zu finden sind, bilden reichlich Wasserstoffionen (H+ Ionen), die für die Bildung der Salzsäure (HCL) benötigt werden. Die Salzsäure hat einen sehr niedrigen pH-Wert von 0,9-1,5. Außerdem bilden die Belegzellen den so genannten Intrinsic-Factor. Dieser Stoff bildet im Darm mit Vitamin B12 einen Komplex, welcher dann die Dünndarmwand passieren kann. Dieses Vitamin ist von besonderer Bedeutung bei der Blutkörperchenbildung (Erythropoese), deshalb können Patienten bei denen der Magen entfernt wurde, eine Blutarmut (Anämie) entwickeln.
- G-Zellen:
Diese Zellen, die sich bevorzugt im Antrum des Magens befinden, besitzen die Fähigkeit das Hormon Gastrin zu produzieren. Dieses Hormon bewirkt eine Steigerung der HCl-Bildung in den Belegzellen.
Funktion
Der Magen dient als Reservoir für die aufgenommene Nahrung. Er kann die Nahrung über Stunden speichern und sorgt so dafür, dass wir mit wenigen größeren Mahlzeiten den täglichen Nahrungsbedarf decken können. Durch die Peristaltik wird der Speisebrei (Chymus) mit dem Magensaft vermischt, die Nahrung chemisch zerkleinert, zum Teil verdaut und dann Portionsweise in den Zwölffingerdarm (Duodenum) weitergeleitet.
Magensäure
Der Magensaft enthält Säure (HCL), Schleim, Elektrolyte, Intinsic-Factor und einige Enzyme, darunter hauptsächlich Pepsin.
Die Salzsäure dient zur Abtötung der mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien und schützt so vor Infektionen.
Das Pepsin ist ein Enzym welches Proteine (Eiweiße) spaltet. Interessanterweise ist sowohl die Salzsäure als auch das Pepsin für die Verdauung von untergeordneter Bedeutung, was auch die Tatsache zeigt, dass nach operativer Entfernung des Magens die Verdauungsfunktion noch weitestgehend erhalten bleibt. Der Intrinsic-Factor jedoch erweist sich als sehr wichtig, da es bei Fehlen von diesem Stoff zu einer schweren Blutarmut (Anämie) kommen kann.
Da die Enzyme für die Fettverdauung (Lipasen) und Kohlenhydratverdauung (Amylasen) nur in sehr kleinen Mengen im Magen produziert werden, werden diese Nahrungsbestandteile im Magen so gut wie gar nicht verdaut, sondern erst im Darm.
Die Magenschleimhaut bildet täglich 2-3 Liter Magensaft. Im Vergleich zum Nüchternzustand kann die Magensaftabgabe (Magensaftsekretion) bei Nahrungsaufnahme um den Faktor 100 ansteigen.
Es gibt verschiedene Phasen der Verdauung in denen Nervensignale und verschiedene Hormone und Mediatoren eine Rolle spielen:
Kopfphase / Zephale (vagale) Phase:
Einige Nahrungssignale (Geruch, Geschmack, Aussehen) bewirken über den parasympathischen Vagusnerv (Nervus vagus), eine Gastrinausschüttung aus den G-Zellen und somit noch vor dem Essen eine Steigerung der Magensaftproduktion.
Magenphase / Gastrale Phase:
Hier ist der Dehnungsreiz durch die Nahrungsaufnahme derjenige, der reflektorisch über den Vagusnerv die Magensaftproduktion verstärkt. Einige chemische Reize wie Eiweißabbauprodukte, Alkohol und Kaffee bewirken eine vermehrte Gastrin- und Histaminabgabe, welche wiederum die Magensaftproduktion verstärkt.
Darmphase / Intestinale Phase:
Hier ist die wichtigste Funktion die Hemmung der Magensaftproduktion. Wenn stark saurer Chymus in den Zwölffingerdarm übertritt, besteht die Gefahr der Schädigung der Darmschleimhaut. Dieser Reiz bewirkt eine Ausschüttung des Hormons Sekretin, welches die Gastrinproduktion hemmt. Durch Verminderung des Gastrins kommt es wiederum zur Reduktion der Produktion der Magensäure.
Erkrankungen
Gastritis
Die Gastritis ist eine akute oder chronische Magenschleimhautentzündung. Bei den chronischen Gastritiden beschreibt man mit der Einteilung Typ A, B, C die Ursachen gleich mit:
- Typ A:
Autoimmune Gastritis: Bei dieser Gastritis richten sich Antikörper gegen die körpereigenen Magenstrukturen und zerstören diese. Diese Erkrankung gehört zu den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, wie auch z.B. die rheumatoide Arthritis - Typ B:
Bakterielle Gastritis: Das Bakterium Helicobacter pylori verursacht Erosionen auf der Magenschleimhaut, welche sich zu einem Magengeschwür (Ulkus) entwickeln können. - Typ C:
Chemisch bedingte Gastritis: Bei dieser Entzündung ist die Ursache meistens eine dauerhafte Schmerzmedikation mit Medikamenten wie Aspirin (Acetylsalicylsäure) , NSAR (z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen) und / oder ein vermehrter Alkoholkonsum.
Gastroduodenale Ulcuskrankheit / Magengeschwür
Ein Ulkus ist ein gutartiges Magengeschwür, welches sehr tief in die Schleimhaut hineinreicht, bis mindestens in die Lamina muscularis mucosae. Eine gefährliche Komplikation der Ulkuskrankheit / Magengeschwür tritt auf, wenn das Geschwür ein größeres Gefäß verletzt und es so zu einer lebensgefährlichen Blutung kommt.
Die typische Stelle in der ein Magengeschwür auftritt, ist die kleine Kurvatur (Curvatura minor) des Antrums. Die häufigsten Ursachen eines Ulkus sind Schmerzmedikamente wie Aspirin, NSAR, das Bakterium Helicobacter pylori und andere Stressfaktoren.
Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter: Magengeschwür
Magenkrebs
In Deutschland ist der Magenkrebs der siebthäufigste bösartige (maligne) Tumor. Auf die ganze Welt gesehen ist er sogar der zweithäufigste Tumor. Diese Tumorart bleibt bis in die späten Stadien oft klinisch stumm (asymptomatisch) und hat somit eine sehr schlechte Prognose, da eine frühzeitige Behandlung oft verpasst wird. Als wichtigste Risikofaktoren für den Magenkrens gelten die Besiedlung der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobakter pylori und in der Nahrung vorkommende Nirtosamine.
Am häufigsten kommt der Magenkrebs im Bereich des Antrum, des Pylorus und der kleinen Kurvatur vor, jedoch kommt er auch in 25% der Fälle am Mageneingang (Cardia) vor.
Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter: Magenkrebs
Weiterführende Informationen
Weitere Themen, die für Sie von Interesse sein können:
Weitere Informationen zur Thema Anatomie finden Sie unter: Anatomie A-Z.
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