Inhalt:
Magersucht
Synonyme
Anorexia nervosa, Anorexie, Bulimia nervosa, Bulimie, Binge Eating, Psychogene Hyperphagie, Magersucht
Häufige Tippfehler: Bullemie
Definition
Bei der Anorexia nervosa (Anorexie) = Magersucht handelt es sich um eine Essstörung in deren Vordergrund der Gewichtsverlust steht. Diesem Ziel wird vom Patienten häufig mit einer solchen Konsequenz verfolgt, dass es sogar zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann. Die Diagnose wird u.a. dadurch gesichert, dass das Körpergewicht des Patienten mindesten 15% unter dem einer "normalen" Vergleichsperson liegt, und dass es beim Patienten zu einer spürbaren Veränderung des Hormonhaushaltes kommt.
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Epidemiologie
Die Vorstufe zur Essstörung, dass gezügelte Essverhalten, das regelmäßige Durchführen von Diäten oder auch der regelmäßige Gebrauch von Abführmitteln zur Gewichtskontrolle, sind in der Bevölkerung sehr verbreitet. Nahezu 2 / 3 aller jungen Frauen geben an, dass sie gehäuft gewichtsregulierende Maßnahmen ergreifen oder fast ständig Diät halten.
Das Vollbild einer Anorexia nervosa (Anorexie) sieht man aber sehr viel seltener. Frauen erkranken mit einem Verhältnis von 12:1 sehr viel häufiger als Männer.
In der Altersgruppe von 15-30 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit an einer Magersucht zu erkranken bei etwa 1%.
Das wahrscheinliche Alter für eine Ersterkrankung liegt bei ca. 15-17 Jahren.
Typische Risikogruppen sind Tänzerinnen (im Besonderen Ballett), Fotomodells und Leistungssportler (z.B. Pferdejockeys)
In 50% der Fälle geht eine Anorexia nervosa (Anorexie) / Magersucht einer Bulimia nervosa (Bulimie) voraus.
Differentialdiagnosen
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- Magersucht
Gewichtsverlust ist ein Phänomen, auf das man in der Medizin sehr häufig trifft. Aus psychiatrischer Sicht sollte auf jeden Fall die Depression ausgeschlossen werden. Auch Pat. welche an den Symptomen einer Schizophrenie leiden können gelegentlich ein krankhaft verändertes Essverhalten zeigen.
Auch sehr viele körperliche Erkrankungen können in ihrem Verlauf zu einem deutlichen Gewichtsverlust führen (Tumorerkrankungen, entzündliche Veränderungen des Magen-Darm-Traktes etc.). Diesen Erkrankungen fehlt jedoch in den allermeisten Fällen die für die Magersucht typische Angst vor der Gewichtszunahme.
Zusammenfassung
Bei der Anorexia nervosa (Anorexie) findet man sowohl psychische als auch körperliche Veränderungen vor. Psychisch ist vor allen Dingen die Angst vor dem "fett werden" im Vordergrund stehend. Diese Angst ist Motor für eine Vielzahl auffälliger Verhaltensweisen. Das Essen wird nicht mehr als Genuss wahrgenommen, sondern als Kampf. Es gibt keine Unterscheidung mehr zwischen "schmeckt" und "schmeckt nicht", sondern nur noch die Unterscheidung zwischen "darf ich" (Gemüse, Obst, Magerquark etc.) und "darf ich nicht" (Fleisch, Schokolade etc.). Trotzdem zeigen die Patienten häufig einen deutlich gesteigerten Umgang mit Nahrungsmitteln und deren Zubereitung. Hierbei steht jedoch das Versorgen anderer im Vordergrund (Backen und Kochen für Freunde oder Mitpatienten).
Auch verändert sich das sog. Körperschema bzw. die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Hierbei kommt es zum Verlust der objektiven Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Veränderungen (eine junge Frau mit nur noch 42 Kilo Körpergewicht wird sich in diesem Zusammenhang trotzdem weiter vor den Spiegel stellen und Stellen finden, die einfach "noch zu fett" sind).
Zusammenfassung

- Anorexia nervosa
Zur körperlichen Veränderung kommt es im Rahmen der Erkrankung dahingehend, dass es zu einer veränderten Wahrnehmung in Bezug auf Hunger-, Appetit-, und Sättigungsgefühlen kommt.
Die meisten Patienten führen Maßnahmen durch, mit deren Hilfe sie die Gewichtszunahme um jeden Preis verhindern wollen. Hierzu gehören Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, übermäßige sportliche Betätigung, Entwässerungsmittel (Diuretika), Einläufe (Klistiere) sowie die Einnahme von Medikamenten.
Bei ca. der Hälfte aller anorektischen Patienten kommt es im Verlauf zu Heißhungeranfällen, die der Patient mit den o.g. Maßnahmen zu verhindern sucht.
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Symptome
Häufige körperliche Beschwerden / Symptome bei Anorexia und Bulimia nervosa:
- Kreislaufregulationsstörungen mit niedrigem Blutdruck
- Durchblutungsstörungen mit kalten Händen und Füßen
- Langsamer Puls (Bradykardie)
- Niedrige Körpertemperatur (Hypothermie)
- Gicht (Hyperurikämie)
- Wassereinlagerung im Gewebe (Ödeme)
- Magenfunktionsstörungen, Völlegefühl und Verdauungsstörungen (z.B. Obstipation = Verstopfung)
- Sodbrennen
- Menstruationsstörungen bis hin zur Amenorrhoe (ausbleiben der Monatsblutung)
- Andere Hormonstörungen
- Osteoporose
- Karies
- Trockene Haut und Haarausfall
- Mineral- und Vitaminmangelzustände
- Vergrößerte Speicheldrüsen (Sialose)
- Depression
Komplikationen
Schwerwiegende Komplikationen bei Anorexia / Magersucht und Bulimia nervosa:
- Herzrhythmusstörungen
- Anämie (Blutarmut)
- Elektrolytstörungen (z.B. Hypokaliämie)
- Nierenfunktionsstörung
- Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm
- Nervenschädigung (Polyneuropathie)
- Lanugobehaarung (Flaumhaar)
- Hirnatrophie (Schrumpfung der Gehirnmasse)
Diagnose
Die Diagnose kann in der Regel durch Erhebung der Krankengeschichte und spezifische Fragebögen gestellt werden.
Störungsspezifische Instrumente:
Eating Disorder Inventory (EDI, Garner et al., 1983)
Das EDI umfasst 8 Skalen, die typische psychologische Charakteristika von Magersucht und Bulimie - Patienten enthalten:
- Schlankheitsstreben
- Bulimie
- Körperl. Unzufriedenheit
- Ineffektivität
- Perfektionismus
- zwischenmenschl. Misstrauen
- Interozeption und Angst vor dem Erwachsenwerden.
Die neuere Version EDI-2 wurde durch die Skalen Askese, Impulsregulation und soziale Unsicherheit ergänzt.
Fragebogen zum Essverhalten (FEV, Pudel & Westenhöfer, 1989)
Der FEV erfasst drei grundlegende psychol. Dimensionen des Essverhaltens:
- Kognitive Kontrolle des Essverhaltens (gezügeltes Essen), rigide vs flexible Kontrolle.
- Störbarkeit und Labilität des Essverhaltens bei Enthemmung durch situative Faktoren
- Hungergefühle und deren Verhaltenskorrelate
Zugrunde liegt hier das Konzept des „restrained eating“ (Herman & Polivy, 1975), dass eine Voraussetzung des gestörten Essverhaltens seien kann.
Strukturiertes Interview für Anorektische und Bulimische Essstörungen (SIAB, Fichter & Quadflieg, 1999)
Das SIAB besteht aus einem Selbsteinschätzungsbogen für den Pat. (SIAB-S) und einem Interviewteil für den Untersucher (SIAB-EX). Es beinhaltet die Diagnosekriterien von ICD-10 und DSM-IV und neben der typischen anorektischen und bulimischen Symptomatik werden auch andere relevante Symptombereiche, wie z. B. Depression, Angst und Zwänge berücksichtigt.
Therapie
Um Informationen zur Therapie der Anorexia nervosa zu erhalten folgen Sie bitte dem Link: Therapie Magersucht
weiterführende Informationen
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