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Meningitis / Enzephalitis

Synonyme im weiteren Sinne

Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung, Meningoenzephalitis

Medizinisch: Meningitis purulenta oder Menigitis serosa

Englisch: meningitis, encephalitis, brain inflammation, brain-fever

Definition

Der Begriff Meningitis (Hirnhautentzündung) beschreibt eine Entzündung (-itis) der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen), welche durch sehr unterschiedliche Erreger ausgelöst werden kann.

Man unterscheidet zwei Formen der Meningitis:

  1. die eitrige Meningitis
  2. die nicht-eitrige Meningitis

Die eitrige Meningitis (eitige Hirnhautentzündung) wird durch Bakterien verursacht. Sie geht mit hohem Fieber und schwerem allgemeinem Krankheitsbild einher und stellt einen absoluten Notfall dar, der sofort behandelt werden muss.

Die nicht-eitrige Meningitis (nicht-eitige Hirnhautentzündung), für die in aller Regel Viren verantwortlich sind, ist meist harmloser und tritt oft im Rahmen allgemeiner Virusinfekte auf (außer der Herpes-simplex-Enzephalitis, die einen akuten Notfall darstellt). Die Symptome und der Verlauf sind milder und die Prognose besser.


Epidemiologie / Geschlechtsverteilung

Das Verhältnis von eitriger Meningitis zu nicht-eitriger Meningitis beträgt circa 1:5.
¾ der eitrigen Meningitis erkrankt vor dem 10. Lebensjahr.
In Deutschland findet man circa 60 erkrankte Meningitisfälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr, wovon 5 – 10 auf die eitrige Meningitis entfallen.
Besonders Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen sind betroffen, weil ihr Immunsystem entweder noch nicht oder nicht mehr so gut funktioniert.

Erreger

Das Erregerspektrum ist weit gestreut und variiert je nach Alter, Vorerkrankungen, Jahreszeit und auch dem Übertragungsweg. Grundsätzlich kann jeder Erreger auch Ursache für eine Meningitis (Hirnhautentzündung) sein.

Je nach Alter findet man verschiedene Erreger als Auslöser einer Meningitis (Hirnhautentzündung). Im Wesentlichen kann man drei Gruppen unterscheiden:

  1. Neugeborene
  2. Kleinkinder und Schulkinder
  3. Jugendliche und Erwachsene

Bei Neugeborenen sind es häufig Bakterien wie E. coli und B-Streptokokken, seltener Listerien (Listeria monocytogenes), die eine Meningitis verursachen.
Sie werden während oder direkt nach der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen.
Außerdem waren bis zur Einführung der Impfung gegen das Bakterium Hämophilus Influenzae (nicht zu verwechseln mit dem Influenza-Virus, das die Grippe verursacht!) im Jahre 1990 bei der Hälfte aller schweren eitrigen Hirnhautentzündungen im Kindesalter Säuglinge im ersten Lebensjahr betroffen. Seit Einführung dieser Impfung sind diese dramatisch zurückgegangen.

Auch bei Klein- und Schulkindern war bis zur Einführung der Hämophilus influenzae - Impfung dieser Erreger am häufigsten vertreten, inzwischen sind es wie bei Jugendlichen und Erwachsenen hauptsächlich Meningokokken und Pneumokokken, gefolgt von Listerien (ca. 5 %) und Staphylokokken (1-9 %).

Die Entzündung der Hirnhäute, die durch das gramnegative Bakterium Neisseria meningitidis hervorgerufen wird (Meningokokkenmeningitis, Meningitis epidemica; ca. 1 pro 100.000 Einwohner pro Jahr), hat nur eine Inkubationszeit von etwa 1 – 3 Tagen (10 Tage sind möglich) und setzt innerhalb von Stunden akut mit voller Symptomenstärke ein. Sie hat einen schweren, hochfieberhaften Verlauf. In einigen Teilen der Welt ist sie endemisch, d.h. breite Bevölkerungsschichten sind davon betroffen. Die Erreger werden durch Tröpfcheninfektion (Husten, Sprechen oder Niesen) verbreitet, weshalb sie in Europa hauptsächlich in Kindergärten, Schulen oder Kasernen gefährlich werden kann.

Etwa 10 % der Menschen tragen den Erreger im Nasen-Rachen-Raum, ohne dass er eine Erkrankung hervorruft (latente Infektion).

Unter den viralen Meningitiden finden sich am häufigsten Echo- und Coxsackieviren (Enteroviren), seltener das Mumpsvirus, das FSME – Virus (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) sowie Adenoviren, Polioviren u.a.

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, wie beispielsweise Patienten mit HIV, Leukämien, immunsuppressiver Therapie (also einer Therapie, die das eigene Immunsystem unterdrückt wie beim Rheuma / rheumatoider Arthritis) oder bei Alkoholikern, sind Listerien (Listeria monocytogenes) und Enterokokken (<10 %) häufige Erreger der Meningitis (Hirnhautentzündung). Auch Pilz- und Parasiteninfektionen der Hirnhaut treten hier häufiger auf. Außerdem werden bei diesen Patienten Virusinfektionen, bei denen die Viren nach einer Infektion im Körper bzw. Nervensystem verblieben sind (Viruspersistenz), häufiger reaktiviert, d.h. sie verursachen nach einer langen symptomlosen Ruhephase in dessen Körper noch einmal eine Erkrankung. Typische Vertreter sind hier die Viren der Herpes-Gruppe: das Herpes-Virus 1 (Erreger des „Lippenherpes“), das Cytomegalievirus (CMV), das Varizella-Zoster-Virus (VZV, Erreger der Windpocken und der „Gürtelrose“) sowie das Epstein-Barr-Virus (EBV, Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers).

Schließlich gibt es auch Bakterien, die eine nicht-eitrige Meningitis hervorrufen können. Zu diesen zählen das Mykobakterium tuberkulosis (Meningitis tuberculosa), Treponema pallidum (der Erreger der Syphilis, Neurolues) und die Borrelien (die Erreger der Lyme-Borreliose, die durch einen Zeckenbiss übertragen wird).

Atypische Formen der Meningoenzephalitis (Entzündung der Hirnhaut und des Gehirns) werden verursacht durch Erreger wie Rickettsien, Brucellen, Coxiellen, dem Erreger der Schlafkrankheit, der Malaria und vielen anderen.

Für die übertragbaren Formen der bakteriellen und abakteriellen Meningitis besteht Meldepflicht beim Gesundheitsamt, um eine Weiterverbreitung der gefährlichen Infektionskrankheit zu vermeiden.


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