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Multiple Sklerose
Definition
MS, Encephalomyelitis disseminata, disseminierte Sklerose, Sklerosis multiplex, Polysklerose
Englisch: multiple sclerosis
Definition
Die Multiple Sklerose fällt unter die Krankheiten des Immunsystems, genauer gesagt ist es eine entzündliche Autoimmunkrankheit. Es handelt sich um eine Reaktion auf das körpereigene Nervengewebe, welche meist durch eine bestimmte Art von Entzündungszellen im Blut, den T- Lymphozyten, vermittelt wird.
Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich um eine Erkrankung, welche das Nervensystem des Menschen betrifft. Die Nerven des menschlichen Körpers verlieren ihre Isolationsschicht. Dadurch verringert sich die Leitgeschwindigkeit mit der Informationen transportiert werden erheblich.
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Epidemiologie
In Deutschland sind etwa 4 aus 100.000 Einwohnern betroffen. Man geht heute von etwa 100.000 bis 120.000 Erkrankten in Deutschland aus. Am häufigsten tritt die Krankheit bei Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Das Verhältnis Frauen : Männer liegt bei 2:1.
Bei der MS (Mutiple Sklerose) handelt es sich um eine Erkrankung der kaukasischen Bevölkerung. In Europa gibt es also vergleichsweise viel erkrankte Personen, wohingegen man in der Nähe des Äquators fast niemanden mit dieser Krankheit auffinden kann.
Erstaunlich ist allerdings, dass man ab einem Alter von 15 Jahren die Wahrscheinlichkeit an einer MS (Mutiple Sklerose) zu erkranken mitnimmt, sollte man in den Tropen leben wollen.
Vor dem 15. Lebensjahr adaptiert man an die Erkrankungswahrscheinlichkeit der jeweiligen Region. Wandert man vor seinem 15. Geburtstag in ein tropisches Land aus, so ist die Wahrscheinlichkeit an MS (Mutiple Sklerose) zu erkranken verschwindend gering.
Ursachen
Die Ursache der Multiplen Sklerose / Encephalitis disseminata wird kontrovers diskutiert, da sie noch nicht ausreichend erforscht ist. Es stehen verschiedene Möglichkeiten zur Debatte:
- Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung. Der Körper bekämpft seine eigenen Nervenhüllproteine.
- Eventuell spielt auch eine genetische Komponente eine Rolle. Hinweisgebend ist die Tatsache, dass in etwa 10 Prozent der Fälle eine familiäre Häufung besteht.
- Auch eine Virusinfektion, welche langsam zur Entwicklung der MS führt, wird in Betracht gezogen. Bei den Viren könnte es sich um Masern -, Rabies - (Tollwut) oder Paramyxo - Viren handeln.
Welche pathologischen (krankhaften) Mechanismen die Erkrankung charakterisieren hingegen ist gut beschrieben:
Um die Nervenstränge, welche in sich nochmals aus vielen dünnen Nervenfasern bestehen, ist normalerweise eine Proteinhülle gelegen. Diese dient dem Schutz der Nerven, aber sie erhöht auch die Leitgeschwindigkeit. Dank dieser Hülle aus Proteinen (Myelin), der so genannten Myelinscheide (Markscheide), können Signale sehr schnell weitergeleitet werden. Dieser Transport von Informationen passiert in zwei Richtungen. Zum einen werden Befehle vom Gehirn zum Beispiel zu den Muskeln geleitet, um eine willkürliche Bewegung auszuführen. Zum anderen können aber auch Gefühlswahrnehmungen (spitz, stumpf) oder Temperatur (kalt, warm) in die andere Richtung zum Gehirn hin geleitet werden, um hier bewusst wahrgenommen zu werden.
Bei dem Krankheitsbild der Multiplen Sklerose findet aus bisher ungeklärter Ursache eine Entmarkung statt: Die Proteinhülle um die Nerven löst sich langsam auf - im Gehirn geht die weiße Hirnsubstanz zugrunde.
Diese Entmarkung tritt fleckförmig auf. Die myelinbildenden Zellen werden durch Nervenfasern ersetzt. Diese Gebiete gelten als vernarbt (sklerosiert).
Sind die Proteinhüllen der Nerven erst einmal degeneriert, so nimmt die Nervenleitgeschwindigkeit stark ab. Dies kann auf Grund der sehr langen Nervenbahnen (z. Bsp. zum Fuß) auch einen kompletten Funktionsverlust bedeuten.
Besonders häufig betroffen sind das
- Kleinhirn
- Hirnstamm
- Sehnerv und
- das Rückenmark.
Im Rückenmark sind vor allem Nervenbahnen betroffen, die zur willkürlichen Muskelbewegung eine bedeutende Rolle spielen.
Verlaufsformen
Der Verlauf der Multiplen Sklerose kann durchaus unterschiedlich sein:
- Schubförmig
In 70% der Fälle ist der Verlauf chronisch, bildet sich aber zwischen den Schüben zurück, so dass freie Intervalle von unterschiedlichster Länge (1 Monat, 1 – 2 Jahre, 15 Jahre) entstehen. - Schubförmig progredient
Hierbei handelt es sich um Schübe ohne vollständige Rückbildung. Der neue Schub entsteht auf dem Boden des Intervalls, in welchem die Krankheit weniger stark ausgeprägt ist. Die Schübe werden also von mal zu mal schlimmer. - Chronisch progredient
Sie Symptomatik nimmt immer mehr zu, ohne sich zurückzubilden.
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Symptome
Grundsätzlich kann eine MS (Multiple Sklerose) alle erdenklichen neurologischen oder psychiatrischen Beschwerden hervorrufen. Es hängt ganz davon ab, welche Areale des zentralen Nervensystems betroffen sind.
Am häufigsten kommt die Kraftlosigkeit mit etwa 40% vor. Sie zählt ausßerdem zu den ersten Symptomen der MS.
Auch Sensibilitätsstörungen sind häufig zu beobachten. Hier kann vermehrte, aber auch verringerte Sensibilität vorkommen. Ist der Lagesinn beeinflusst, kommt es zu Gangstörungen, der so genannten Ataxie.
Der erloschene Bauchhautreflex ist wohl der wichtigste Parameter bei den Sensibitilätsstörungen. In diesem Falle spürt der Patient das Bestreichen der Bauchdecke mit einem etwas spitzeren Gegenstand nicht mehr. Bei einem Gesunden würde dieses Bestreichen über die Nervenverbindung zum Gehirn eine Kontraktion (Zusammenziehen) der Bauchmuskeln führen.
Ebenso von der Entmarkung der Nerven betroffen sein, kann der Sehnerv. Die dadurch bedingten Sehstörungen können ein- oder beidseitig auftreten und vom Verschwommensehen bis hin zur Erblindung reichen.
Auch die motorischen Bahnen im Rückenmark sind meist betroffen. Die Symptome reichen hier von der schlaffen Lähmung, spastischen Lähmung über gesteigerte Reflexe bis hin zur Störung der Feinmotorik.
Ist das Kleinhirn betroffen, kommt es zur Gangunsicherheit, der so genannten Ataxie. Auch ein Intentionstremor ist nicht unüblich. Hier zittern die Hände des Patienten, sobald sie ihre Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand richten, den sie ergreifen wollen. Betroffene haben erhebliche Schwierigkeiten aus einer Tasse zu trinken ohne den größten Teil des Inhaltes zu verschütten. In Ruhe besteht dieses Zittern nicht!
Blasenfunktionsstörungen und Mastdarmstörungen sind wohl die unangenehmsten Beschwerden. Blase und Mastdarm unterliegen nicht mehr der willkürlichen Kontrolle des Patienten und entleeren sich selbstständig.
Demenz, inadäquate Euphorie (z.B. Lachen bei einer Beerdigung), Depression und emotionale Labilität zählen zu den psychische Störungen (Siehe auch Psychische Störung).
Vorsicht ist geboten bei körperlicher oder psychischen Belastungen, da diese die Symptomatik verschlechtern können. Auch hohe Temperaturen sollen die Beschwerden verschlechtern.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen zur Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose finden Sie unter unserem Thema: Therapie der Multiplen Sklerose.
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