Inhalt:
Die Narkose
Synonyme im weiteren Sinne
Allgemeinanästhesie, Betäubung, Bewusstlosigkeit, (künstliches) Koma
Definition
Als Narkose bezeichnet man einen künstlich herbeigeführten Zustand der Bewusstlosigkeit. Dieser Schlafzustand wird durch Medikamentengabe herbeigeführt und dient dazu therapeutische und/oder diagnostische Maßnahmen durchzuführen, ohne dass Schmerzempfindungen entstehen.
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Ablauf einer Narkose
Der Ablauf einer Narkose gliedert sich in drei Stadien:
- Vorbereitung des Patienten auf die Narkose
- Durchführung der Narkose
- Aufwachen aus der Narkose und Nachkontrolle.
Zur Vorbereitung auf eine Narkose (sog. Allgemeinanästhesie) gehört im weiteren Sinne auch das Aufklärungsgespräch, welches der Anästhesist zuvor mit dem Patienten führt. Hierbei sollen mögliche Risiken für die Narkose aufgedeckt werden. Diese können z.B. in Vorerkrankungen des Herzens oder der Erkrankungen der Lunge bestehen. Auch verschiedene Blutwerte wie z.B. die Gerinnung des Blutes und die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren (Sog. Hämoglobinwert) werden kontrolliert. Wichtig ist, dass der Patient den Narkosearzt auf bestehende Allergien hinweist. Von Bedeutung sind vor allem: Allergische Reaktionen auf bestimmte Medikamenten (z.B. Penicillin), Allergie gegen Sojaprodukte und Pflasterallergie. Kommt es beim Patienten zum Zurücklaufen von Mageninhalt (sog. Reflux), z.B. nachts, so sollte er auch das erwähnen.
Um in der Nacht vor der Operation einen entspannten und ausreichenden Schlaf zu gewährleisten, kann ein Schlafmittel verordnet werden. Hierbei handelt es sich meist um ein Benzodiazepin wie z.B. Tavor (Lorazepam). Ein weiteres Medikament kann zur Beruhigung unmittelbar (jedoch mindestens eine halbe Stunde) vor der Operation eingenommen werden. Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein Benzodiazepin, meist Dormicum (Midazolam). Auch wenn im Allgemeinen auf ein striktes Verbot von Essen, Trinken und Rauchen vor der Operation zu achten ist, so darf die Tabletteneinnahme doch mit einigen wenigen Schlücken Wasser erfolgen.
Die Vorbereitungen auf die Narkose werden in der Regel durch eine Pflegekraft (häufig mit Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivmedizin) durchgeführt. Ziel der Vorbereitung ist vor allem die ständige Kontrolle der Vitalwerte: Das EKG leitet kontinuierlich die Herzaktionen ab, eine Blutdruckmanchette am Oberarm misst den Blutdruck, ein Clip am Finger gibt kontinuierlich Rückmeldung über den Sauerstoffgehalt im Blut. Um Medikamente und Flüssigkeit direkt in die Blutbahn injizieren zu können, muß zuvor eine Vene punktiert werden, um einen dauerhaften venösen Zugang zu legen. Dies geschieht häufig an beiden Unterarmen.
Die Narkoseeinleitung beginnt mit der Gabe von reinem Sauerstoff, den der Patient einige Minuten über eine Maske einatmet. Da sich die Lunge des Patienten nach dem Einschlafen durch das Narkosemittel eine kurze Zeit nicht mit Sauerstoff füllen, dient diese Gabe von reinem Sauerstoff als Puffer. Man spricht von präoxygenieren. Zunächst wird über die Venenverweilkanüle ein starkes Schmerzmittel gespritzt. Hierbei handelt es sich um ein Opioid, häufig Fentanyl oder Sufentanyl. Die Wirkung äußert sich zunächst durch eine gewisse Benommenheit und Schläfrigkeit, was jedoch im Allgemeinen als angenehm empfunden wird. Alsdann spritzt der Anästhesist das eigentliche Narkosemittel (sog. Hypnotikum) – das gängigste Mittel ist Propofol. Der Schlaf tritt hierauf hin in weniger als einer Minute ein. Die Atmung wird nun durch den Anästhesisten oder die Pflegekraft übernommen: Hierzu wird mittels eines Druckbeutels Luft über eine Mund-Nasen-Maske in die Lunge gepumpt. Wenn bei dieser Form der Beatmung keinerlei Schwierigkeiten auftreten, wird ein sogenanntes Muskelrelaxans gespritzt. Dies erleichtert zum einen die nun folgende Intubation und erleichtert in vielen Fällen auch das operieren in sofern, als dass die Muskeln weniger angespannt sind. Um während der Dauer der Operation eine maschinelle Beatmung gewährleisten zu können, gibt es im Allgemeinen zwei Möglichkeiten, Luft in die Lungen zu pumpen. Zum einen eine sogenannte Larynxmaske, die durch einen aufblasbaren Gummiring den Eingang zur Luftröhre abschließet. Zum anderen ein Plastikschlauch (sog. Tubus), der mittels Intubation in die Luftröhre eingeführt wird. Während die Larynxmaske für den Mund-Rachenraum schonender ist, bietet die Beatmung über einen Tubus den besseren Schutz vor dem Überlauf von Mageninhalt in die Lunge.
Nach erfolgreicher Platzierung der Larynxmaske bzw. Intubation, gilt es den Schlafzustand (Narkose) während der Operation aufrecht zu erhalten. Hierzu wird entweder kontinuierlich Narkosemittel über die Venenverweilkanüle appliziert (ebenfalls meist Propofol) oder kontinuierlich über die Atemluft in die Lungen gegeben. Im ersten Fall spricht man von TIVA (Totale intravenöse Anästhesie), im zweiten Fall von Inhalationsnarkose. Häufig verwendete Inhalationsnarkotika sind Desfluran, Sevofluran und Isofluran. Die Schmerzfreiheit wird durch wiederholte oder kontinuierliche Gabe des Opioids über die Venenverweilkanüle gewährleistet.
Während der gesamten Narkose überwacht der Anästhesist die Vitalfunktionen des Patienten: Atmung, Blutdruck und Herzfunktion. Wie tief die Narkose ist, kann über die Kontrolle der Hirnströme festgestellt werden. Hierbei werden durch Elektroden an Stirn und Schläfe die Gehirnströme und damit die Schlaftiefe abgeleitet (sog. BIS-Monitoring)
Während der Ausleitung der Narkose, beginnt der Patient wieder selbstständig zu atmen. In diesem Moment wird der Tubus bzw. die Larynxmaske herausgezogen.
In den Stunden nach der Operation werden weiterhin Blutdruck, Blutsauerstoffgehalt und Herzaktionen kontrolliert. Im Krankenhaus geschieht dies im sog. Aufwachraum.
Nebenwirkungen und Komplikationen einer Narkose
Vollnarkosen sind vor dem Hintergrund moderner Technik sehr sichere Verfahren. Trotz der Tatsache, dass in die normalen Funktionsabläufe des Organismus massiv eingegriffen wird, sind Nebenwirkungen oder gar Komplikationen insgesamt selten.
- Häufig kommt es nach einer Vollnarkose zu Übelkeit, dem sog. PONV (Postoperative Übelkeit und Erbrechen). Bei Patienten, die zu PONV neigen, kann schon während der Operation eine wirksame medikamentöse Prophylaxe erfolgen
- Allergische Reaktionen auf verwendete Medikamente oder deren Inhaltsstoffe
- Schäden durch die Intubation: Zahnschäden (vor allem bei vorgeschädigten Zähnen); Heiserkeit durch Irritationen an den Stimmlippen
- Zittern nach der Narkose (sog. Shivvering)
- Übertritt von Mageninhalt in die Lunge (sog. Aspiration). Das Risiko dieser gefürchteten Komplikation lässt sich durch eine geeignete Lagerung während der Einleitung und schneller wirkende Narkosemedikamente erheblich reduzieren.
Zu den gefährlichsten Komplikationen einer Allgemeinanästhesie gehört die Maligne Hyperthermie. Dieses Krankheitsbild führt bei einer genetischen Veranlagung durch häufig verwendete Narkosemittel zu einem Krankheitsgeschehen, welches unbedingt einer intensivmedizinischen Therapie bedarf. Im Vordergrund hierbei steht die Stabilisierung des Herz-Kreislauf-Systems. Die Häufigkeit wird auf 1 zu 250.000 bis 500.000 Narkosen geschätzt.
Häufig bereitet die Vorstellung, während der Operation wach zu werden, dem Patienten große Sorgen. Die Häufigkeit solcher intraoperativen Wachzustände (Awareness) ist je nach Fachgebiet unterschiedlich und variiert in der Literatur bezüglich der Häufigkeitsangabe. Dies liegt vor allem darin begründet, dass der Patient sich nicht zwangsläufig an den Wachheitszustand erinnert (sog. Recall). Um jedoch die Sorge vor einem solchen Wachheitszustand zu nehmen: Die Häufigkeit von Wachheit mit einer Erinnerung an diesen Zustand wird mit 0,02% bis 2% angegeben. In einem noch wesentlich geringeren Prozentsatz sind diese Erinnerungen emotionsbehaftet. Die Zahl der emotionsbehafteten Erinnerungen die vor allem negativen Charakter haben, ist nochmals geringer.
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