Neurodermitis

Synonyme im weiterem Sinne


Atopisches Ekzem, endogenes Ekzem, atopische Dermatitis, Dermatitis atopica
Englisch:
atopic eczema, neurodermatitis

Lesen Sie auch:

Definition Neurodermitis

Neurodermitis ist ein Ekzem, welches bei Säuglingen als Milchschorf auftritt und in späterem Lebensalter vor allem Ellenbeugen, Kniekehlen und Hals betrifft.
Unter einem Ekzem versteht man eine akute oder chronische Erkrankung der Oberhaut (Epidermis) mit flächigem, gegenüber der gesunden Haut nicht deutlich abgrenzbare Hautveränderungen (z. Bsp.: Flecken, Pusteln, Blasen oder Schuppen -> mehr hierzu erfahren Sie auch unter unserem Kapitel Hautveränderungen). Es handelt sich um eine Entzündung.

Zusammenfassung

Das atopische Ekzem (Neurodermitis) zeigt einen stadienhaften und altersbezogenen Verlauf. Das Befallsmuster ist jeweils typisch und zeigt (manifestiert) sich fast immer bis zum 5. Lebensjahr.
Verantwortlich für die immer weiter steigende Krankheitshäufigkeit sollen unter anderem die steigende Schadstoffbelastung der Luft und die Reduzierung der kindlichen  Infektionen.

In den Industrieländern leiden ca. 15- 20% der Kinder an Neurodermitis. Zusätzlich entwickeln etwa ein Drittel dieser Kinder Asthma und allergische Bindehautentzündung und Nasenschleimhautentzündung.

Ursache

Als Ursache kommt vor allem die Veranlagung für sogenannte atopische Erkrankungen in Frage.

Diese Veranlagung wird auf mehreren Genen vererbt (polygene Vererbung). Die Manifestation (Ausbruch und Bestehen) der Erkrankung ist aber auch von vielen äußeren (exogenen) Faktoren und inneren (endogenen) Modulationsfaktoren abhängig.
Exogene (außerhalb des Körpers) Faktoren sind zum Beispiel Nahrungsmittelallergene, zu den endogenen (innerhalb des Körpers) Faktoren zählen Infekte und psychische Faktoren.

Krankheitsentstehung

Neurodermitis an der Hand

Bei der Erkrankung der Neurodermitis spielen mehrere Störungen eine Rolle.

Im Rahmen des Immunsystems (körpereigenes Abwehrsystem) schütten bestimmte Blutzellen (T- Lymphozyten) Wirkstoffe aus, welche weitere Zellen anlocken und Jucken auslösen.
Durch Allergenkontakt kommt es zu einer Entzündungsreaktion, bei der Immunglobuline (hier vor allem IgE) und Botenstoffe (Zytokine) eine große Rolle spielen. Vor allem durch die darauf folgende Ausschüttung von Histamin aus bestimmten Zellen wird der Juckreiz ausgelöst.

Biochemische Störungen sind zum Beispiel die verminderte Talgsekretion aus den Talgdrüsen der Haut.
Hieraus resultiert trockene Haut mit herabgesetzter Barrierefunktion. Deshalb kommt es zu einem Wasserverlust, reduziertem Hautschutzmantel mit erleichtertem Eindringen von Fremdstoffen sowie erhöhtem Juckreiz.

Alle diese Störungen haben eine gewisse genetische Disposition, uns wird also die Neigung zur Neurodermitis auf unseren Genen mitgegeben.

Symptome / Beschwerden

Die Hauterscheinungen sind meist symetrisch und die trockene Haut ist oft von starkem Juckreiz begleitet, welcher bei den Patienten zu einem Verlangen nach Kratzen führt.

Dieses jedoch verschlimmert die Situation, indem es nässende Ekzeme hervorruft. Je nach Alter des Patienten treten unterschiedliche Erscheinungen auf.

Im Säuglingsalter sind nässende- entzündliche Ekzemherde, vor allem im Gesicht und Kopf typisch („Milchschorf“).
Bei 50% der Babys kommt es zu einer spontanen Rückentwicklung.

In der Kindheit kommt es oft zu einer Vergröberung der Felderhaut (Haut der Hand- und Fußinnenflächen), einer tiefen, nässende Abschürfung (Exazerbationen) und trockene Haut. All diese Symptome treten bei Kindern vor allem in den Kniekehlen, Ellenbogen, Haut- und Fußgelenken, sowie am Hals.

In der Jugend und im Erwachsenenalter treten chronische Vergröberungen der Felderhaut mit Knötchen vor allem auf Gesicht, Hals, Beugeseiten der Arme und Beine, sowie an Hand- und Fußrücken auf.

Weite Merkmale der Neurodermitis- Patienten sind eine doppelte Lidfalte (Dennie- Morgan- Falte) und eine paradoxe Gefäßreaktion:
Im Gegensatz zum Gesunden, bilden sich bei den Patienten, die an Neurodermitis erkrankt sind, beim Kratzen keine roten, sondern weiße Spuren (weißer Dermatographismus).

Es sind auch sogenannte Minimalvarianten der Neurodermitis bekannt. Es ist zum Beispiel möglich, dass das atopische Ekzem nur am Ohrläppchen, an den Augenlidern und Finger- und Zehenkuppen auftritt.

Verlauf

Fast alle (85%) der ersten Erscheinungen der Neurodermitis erfolgen bis zum 5. Lebensjahr. Dann folgt ein chronischer und phasenhafter Verlauf.

Spontane Rückbildungen sind jederzeit, d.h. in jeder Altersklasse möglich. Vereinzelt kommt es auch zu erstem Auftreten im Erwachsenenalter.

Diagnose

Für die Diagnose gibt es mehrere verschiedene Kriterien. Die Leitsymptome, also die wichtigsten und häufigsten Symptome, sind trockene Haut und starker Juckreiz.

Zu den Hauptkriterien zählen unter anderem:

  • Juckreiz
  • trockene Haut
  • Typische Erscheinung (Ekzem, Vergröberung der Felderhaut, Knötchen)
  • Typische Lokalisation (Kind: Gesicht, Außenseiten der Arme und Beine; Jugendlicher: Beugen von Ellenbogen, Knie)
  • Vorkommen von Neurodermitis in der Familie oder bereits schon bei Patient selbst
  • Chronischer und / oder wiederholter Verlauf

Auch die Anamnese (Krankengeschichte), also die Befragung des Patienten zu seiner Gesundheit, seinem Umfeld usw., sollte gewissenhaft erhoben werden. Hier können viele Hinweise auf das Entstehen zu finden sein.

Bluttests werden auf die Menge von IgE untersucht. IgE kann allerdings auch bei Allergien erhöht sein.
Eine Erhöhung liefert also keinen Beweis für das Bestehen einer Neurodermitis.


Weitere Informationen zu diesem Thema

Weitere interessante Informationen:

Eine Übersicht aller Themen der Dermatologie finden Sie unter: Dermatologie A-Z

Linktipp

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.11.2011