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Niere

Synonyme

Nierenkelch, Nierenpol, Nierenbecken, Nierenhilus, Wanderniere, Nierenrinde, Nierenmark, Nephron, Primärharn, Nierenbeckenentzündung

Medizinisch: Ren

Englisch: Kidney

Anatomie

Die Niere, von denen jeder Mensch normalerweise zwei besitzt, ist in etwa bohnenförmig. Jede Niere wiegt ca. 120-200 g, wobei die rechte Niere im Allgemeinen kleiner und leichter ist als die linke.


Abbildung Niere

  1. Nierenmark
  2. Nierenrinde
  3. Nierenarterie
  4. Nierenvene
  5. Harnleiter (Ureter)
  6. Nierenkapsel
  7. Nierenkelch
  8. Nierenbecken


Zur Orientierung beschreibt der Mediziner einen oberen und einen unteren Nierenpol (oberes und unteres Ende der Niere), eine vordere und eine hintere Fläche und einen medialen (d.h. der Körpermitte zugewandten) und einen lateralen (äußeren) Rand.
Am medialen (inneren) Rand befindet sich eine Einziehung, der so genannte Nierenhilus. Hier erreicht und verlässt Blutgefäße die Niere, außerdem befindet sich hier das Nierenbecken, von wo aus der Harn über den Harnleiter in die Harnblase gelangt.

Die Niere wird von einer derben bindegewebigen Kapsel (Capsula fibrosa) überzogen. Darunter befindet sich eine Fettschicht, die Capsula adiposa, die zum Schutz der Niere dient, da sie Stöße und Erschütterungen abfedert.
Bei starker Abmagerung (wie z.B. bei einer Magersucht) kann diese Fettschicht völlig fehlen, was dazu führt, dass die Niere mangels Abstützung ihre Position verändert (sog. Wanderniere).

Die Nierenlage ändert sich mit der Stellung des Körpers und bei der Atmung: im Stehen befinden sich die Nieren also tiefer als im Liegen und beim Einatmen tiefer als beim Ausatmen. Aufgrund der Raumforderung durch die Leber (Hepar) steht die rechte Niere etwas tiefer als die linke.

Jede Niere besitzt eine eigene Arterie (A.renalis), die aus der Hauptschlagader (Aorta) entspringt und eine Vene (V.renalis), die das Blut zur unteren Hohlvene (Vena Cava) befördert.
Die Nierenarterien versorgen außerdem auch Nebenniere, Harnleiter (Ureter) und Fettkapsel mit Nährstoffen und Sauerstoff.
Vor dem Eintritt in den Nierenhilus teilt sich jede Nierenarterie in 2 - 3 Äste auf. Nicht ungewöhnlich sind auch zusätzliche Nierengefäße, die aber keinen Krankheitswert besitzen. Trotzdem kann die Kenntnis solcher ungewöhnlichen Durchblutungsverhältnisse, z. B. bei Operationen wichtig sein.

Funktion

Lage der Niere

Die Niere unterteilt man in:

  • Nierenrinde und
  • Nierenmark.

Sie sind in Farbe und Struktur deutlich unterscheidbar.
 

1. Nierenmark (Medulla renalis):

Es besteht aus ca. 12 - 15 kegelförmigen Pyramiden, deren Basis zur Nierenoberfläche zeigt, während die Spitze (Papille) in die Kelche des Nierenbeckens ragt. In der Papille befinden sich mehrere Öffnungen, durch die der Harn ins Nierenbecken gelangt.
 

2. Nierenrinde (Cortex renalis):

Sie stülpt sich über die Basis der Markpyramiden. Auf Längsschnitten erscheint die Fläche säulenförmig (sog. Bertini'sche Säulen). Eine Markpyramide mit zugehöriger Rindenschicht bildet einen Nierenlappen, der etwa keilförmig ist.

Als Grundeinheit der Niere gilt das Nephron. Es besteht aus:

  • Nierenkörperchen und
  • Nierenkanälchen,

welche sich in verschiedene Abschnitte unterteilen lassen.

Insgesamt besitzt jeder Mensch etwa 2 Millionen Nephrone!
 

1. Nierenkörperchen (Glomerulus)

Hierbei handelt es sich um ein Knäuel von kleinsten Blutgefäßen (Kapillaren), mit je einem zu- und abführenden Gefäß (Gefäßpol). Umschlossen wird es von einer Kapsel (Bowman-Kapsel), die aus zwei Blättern besteht.
In den Zwischenraum wird ein eiweißfreies Filtrat des Blutes (der Primärharn) abgegeben, das am (dem Gefäßpol gegenüberliegenden) Harnpol in ein Kanalsystem geleitet wird.

Die Wände der Kapillaren im Knäuel besitzen große Poren, durch die das Blut in die Kapsel gefiltert werden kann. Der Durchtritt von Eiweiß wird von Füßchenzellen (Podozyten) verhindert, die mit ihren Füßchen die Poren wie eine Art Sieb abdecken und den Durchtritt von zu großen Teilchen verhindern.

Am Gefäßpol befindet sich eine Berührungsstelle zum harnableitenden System, die Macula densa. Hier wird die Kochsalzkonzentration des Urins gemessen und je nach Ergebnis die Durchblutung und damit die Filterleistung des Glomerulums verändert.
 

2. Nierenkanälchen (Tubuli )

Die Nierenkanälchen können in verschiedene Abschnitte unterteilt werden.

  • Proximaler Tubulus (Hauptstück) mit gewundenem und gestrecktem Teil
    Die diesen Kanal auskleidenden Zellen besitzen eine stark gefaltete Oberfläche (Bürstensaum). Hier sind verschiedene Enzyme ansässig, die mit Kanälen und Poren zur Wiederaufnahme von Wasser, Zucker (Glukose), Aminosäuren, Natrium, Kalium, Chlorid, Phosphat und Harnsäure dienen. Der Stoffaustausch kann aber auch an den Zellen vorbei durch Zwischenräume erfolgen.
  • Intermediärer Tubulus (Überleitungsstück) mit absteigendem und aufsteigendem Teil (Henle-Schleife)
    Die auskleidenden Zellen sind flach und besitzen keinen Bürstensaum. Hier wird Wasser wieder aufgenommen und der Harn konzentriert. Dies gelingt durch eine Anreicherung von Kochsalz im umgebenden Gewebe, was einen Ausstrom von Wasser aus dem Tubulus zur Folge hat.
  • Distaler Tubulus (Mittelstück) mit gestrecktem und gewundenem Teil
    Er zieht aufwärts in die Rinde, wo er am Gefäßpol Kontakt mit der Macula densa aufnimmt (s.o.). Hier erfolgt die Wiederaufnahme von Kochsalz, was den Wasseraustritt begünstigt, und die Abgabe von Kalium. Diese Prozesse stehen unter der Kontrolle eines Hormons aus der Nebenniere (Aldosteron).
  • Tubulus reuniens (Verbindungstubulus)
    Dies ist der letzte Abschnitt des Nephrons. Er ist gewunden und kann mehrere distale Tubuli aufnehmen.
    Mehre Tubuli münden dann in ein Sammelrohr. Alle gewundenen Tubulusabschnitte liegen dabei im Rindenlabyrinth, alle geraden im Mark.
  • Sammelrohr
    Hier erfolgt die bedarsbezogene Wiederaufnahme von Wasser und die endgültige Konzentrierung des Harns unter der Kontrolle des Hormons ADH (antidiuretisches Hormon).

Von den Sammelrohren aus gelangt der sog. Sekundärharn (ca. 1,5 – 2 l pro Tag) in das Nierenbecken und dann weiter über die Harnleiter (Ureter) in die Harnblase.

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Blutversorgung der Niere

  1. Bauchschlagader (Aorta abdominalis)
  2. Obere Darmarterie (Arteria mesenterica superior)
  3. Niere
  4. Nierenarterie (Ateria renalis)
  5. Eierstockvene / Hodenvene (Vena ovarica / testicularis)
  6. Eierstockarterie / Hodenarterie (Arteria ovarica / testicularis)
  7. Nierenvene (Vena renalis)
  8. Untere Hohlvene (Vena cava)

Erkrankungen

Nierenkrebs

Bei fast allen Nierentumoren handelt es sich um sogenannte Nierenzellkarzinome. Diese bösartigen Tumoren (Malignome) sind relativ unempfindlich gegen eine Chemotherapie und können einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Beim Nierenkrebs handelt sich meistens um einen Tumor des älteren Patienten (meist zwischen 60 und 80 Jahren).
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Nierenkrebs

Akutes Nierenversagen

Dem akuten Nierenversagen (ANV) können verschiedene Ursachen zugrunde liegen, z. B. akute Glomerulonephritiden, Schäden an den Blutgefäßen der Nieren (z. B. Vaskulitiden), Giftstoffe uvm. Oft entsteht es nach schweren Verletzungen, Operationen, Schock oder Sepsis. Im Rahmen eines Multiorganversagens hat es eine besonders schlechte Prognose.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: akuten Nierenversagen

Thrombose

Bei der Verstopfung einer Arterie (durch eine Thrombose oder Embolie) oder ihres Astes, z. B. durch ein Blutgerinnsel, kommt es im Versorgungsgebiet zum Niereninfarkt (Gewebsuntergang), das bedeutet, dass das nicht mehr durchblutete Gewebe der Niere abstirbt.

Weiterführende Informationen

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Weitere Informationen zur Thema Anatomie finden Sie unter: Anatomie A-Z.



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