Niereninsuffizienz

Lesen Sie auch:

Synonyme

Nierenversagen, Nierenfunktionsstörung

Englisch: renal failure

Definition Niereninsuffizienz

Unter einer Niereninsuffizienz versteht man die Abnahme der Nierenfunktion (siehe auch: Niere). Unterschieden wird die akute Niereninsuffizienz von der chronischen, wobei erstere durch einen rasche, prinzipiell reversible (rückgängig zu machende) Abnahme der Nierenfunktion, letztere hingegen durch eine allmähliche, irreversible (nicht rückgängig zu machende) gekennzeichnet ist.

Epidemiologie

Eine akute Niereninsuffizienz tritt bei 1 bis 5% der Krankenhaus-Patienten auf; bei intensivmedizinisch betreuten Kranken bei über 10%.

In Westeuropa beträgt die Inzidenz der chronischen Niereninsuffizienz 10 pro 100.000 pro Jahr.


Diagnose

Niereninsuffizienz

Akute Niereninsuffizienz: Diagnostiziert wird eine akute Niereninsuffizienz zunächst mit Hilfe der Anamnese und des klinischen Bildes inklusive der ausgeschiedenen Harnmenge. Zusätzlich werden Blut (unter anderem die Retentionswerte Kreatinin und Harnstoff; Elektrolyte) sowie Urin (Urinstatus, Urinsediment) untersucht. Weiterführend zur Diagnosestellung „Niereninsuffizienz“ kann eine Bildgebung der Nieren veranlasst werden, wobei sich als Möglichkeiten Ultraschall (Sonographie, Gefäßdoppler), MRT und CT anbieten. Als letztes ist als diagnostisches Mittel eine Nierenbiopsie zu nennen, wobei mit Hilfe einer Stanze Nierengewebe für eine mikroskopische Untersuchung gewonnen wird.

Chronische Niereninsuffizienz: Die Diagnose „chronische Niereninsuffizienz“ wird wie die akute Form anhand der Anamnese, des klinischen Bildes, des Labors (Blut und Urin, siehe „akute Niereninsuffizienz „) sowie bildgebender Verfahren gestellt.

Therapie Niereninsuffizienz

Niereninsuffizienz

Akute Niereninsuffizienz: Therapiert wird bei einer akuten Niereninsuffizienz zunächst die verursachende Grunderkrankung.

Zusätzlich kann eine symptomatische Therapie der Niereninsuffizienz erfolgen, welche eine Bilanzierung des Flüssigkeits- sowie des Elektrolythaushaltes des Patienten umfasst. Konkret versteht man darunter die Dokumentation der aufgenommenen (Getränke, Infusionen) und der abgegebenen Flüssigkeit (Urin, Schwitzen, Durchfall, Erbrechen etc.) inklusive täglichem Wiegen. Außerdem werden, um die Harnproduktion aufrechtzuerhalten, spezielle Entwässerungsmittel (Schleifendiuretika) verabreicht.

Als letzte Option zur Behandlung der Niereninsuffizienz bietet sich eine sogenannte Nierenersatztherapie an. Hierbei wird das Blut des Patienten außerhalb des Körpers von überschüssigem Wasser und harnpflichtigen Substanzen gereinigt und anschließend gefiltert wieder zurückgeführt (Hämodialyse, Hämofiltration, kombinierte Verfahren).

Chronische Niereninsuffizienz: Wichtig bei der Therapie der chronischen Niereninsuffizienz sind die Verhinderung des Fortschreitens der Erkrankung sowie ein frühzeitiger Behandlungsbeginn. Zunächst kann dies konservativ versucht werden: Behandlung der Grunderkrankung, Absetzen nierenschädigender Medikamente, Blutdrucksenkung (erhöhte Werte schädigen die Nieren), eiweißarme Diät (zur Verringerung der Nieren-Blutfiltration), erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Gabe von Schleifendiuretika (Entwässerungsmittel), Kontrolle der Elektrolyte, Senkung kardiovaskulärer Risikofaktoren.

Bei unzureichender Wirkung wird die chronische Form der Niereninsuffizienz wie auch die akute mittels eines Nierenersatzverfahrens behandelt. Bei Versagen dieser Therapieoption bleibt die Möglichkeit einer Nierentransplantation.

Prognose

Akute Niereninsuffizienz: Bei Intensivpatienten mit Vorliegen einer akuten Niereninsuffizienz liegt die Sterblichkeit (Mortalität) bei 60%. Zum einen beeinflusst die Grunderkrankung die Sterblichkeitsrate, zum anderen ist das akute Nierenversagen selbst – unabhängig von der verursachenden Krankheit – ein prognostisch ungünstiger Faktor, da es Körper- und Organfunktionen schädigend beeinflusst.

Chronische Niereninsuffizienz: Die Prognose der chronischen Form bei Dialyse-Therapie (Nierenersatzverfahren) ist abhängig vom Alter des Patienten. Insgesamt liegt die 10-Jahresüberlebensrate bei etwa 55%, sie sinkt jedoch mit zunehmendem Lebensalter. Wurde eine Organtransplantation vollzogen, sind für eine gute Prognose optimale Blutdruckeinstellung, Behandlung zu hoher Blutfette (Hyperlipidämie) und Eiweißverlust im Urin (Proteinurie), Normalgewicht sowie Nikotinverzicht entscheidend. Auch die Herkunft des neuen Organs spielt eine Rolle, denn bei einer Leichenspende funktioniert die Niere nach 5 Jahren noch bei 70% der Patienten, bei einer Lebendspende hingegen bei bis zu 90%.

Zusammenfassung

Niereninsuffizienz bezeichnet den Funktionsverlust der Nieren, wobei zwischen akutem und chronischem Nierenversagen unterschieden wird. Die akute Niereninsuffizienz entwickelt sich rascher als die chronische und ist im Gegensatz zur chronischen Form prinzipiell reversibel (rückgängig zu machen). Diagnostiziert wird eine Niereninsuffizienz mit Hilfe der Anamnese, des klinischen Bildes, Blut- und Urin-Untersuchungen (vor allem der Retentionswerte Kreatinin und Harnstoff, glomeruläre Filtrationsrate) sowie bildgebender Verfahren (unter anderem Ultraschall). Das klinische Bild umfasst meist Veränderungen der Urinausscheidung, wobei je nach Stadium sowohl eine Zunahme (Polyurie) als auch eine Abnahme (Oligurie, Anurie) auftreten können. Im Vordergrund der Therapie steht bei beiden Formen der Niereninsuffizienz zunächst die Behandlung der zum Funktionsverlust führenden Grunderkrankung, hinzu kommt eine konservative Therapie mit Überwachung des Flüssigkeitshaushaltes und Gabe spezieller Entwässerungsmittel (Schleifendiuretika). Bei unzureichendem Erfolg kann sowohl bei akuter als auch bei chronischer Niereninsuffizienz ein Nierenersatzverfahren eingeleitet werden, wobei extrakorporale (= außerhalb des Körpers) Geräte die Aufgabe der Blutfilterung übernehmen. Als letzte Möglichkeit zur Behandlung einer chronischen Niereninsuffizienz bleibt die Transplantation eines neuen Organs.

--> Weiter zum Thema Einteilung der Niereninsuffizienz

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012