Nierenschmerzen

Lesen Sie auch:

Synonyme

Nephralgie, renale Schmerzen, nephrogene Schmerzen, Flankenschmerzen

Englisch: nephralgia, renal pain, flank pain

Definition Nierenschmerzen

Unter Nierenschmerzen versteht man Schmerzempfindungen, die auf die Nierengegend projiziert werden. Lokalisiert sind diese in der Flankenregion, welche sich seitlich der Bauchwand vom Rippenbogen bis zur Leiste erstreckt. Aus diesem Grund bezeichnet man Nierenschmerzen auch als Flankenschmerzen.

Epidemiologie

Die folgende Darstellung der Epidemiologie bezieht sich auf die Ursachen der Nierenschmerzen. Bei Nierenschmerzen, welche durch eine Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) entstehen, sind häufiger Frauen als Männer betroffen. Auch bei einem Harnrückfluss besteht diese Geschlechterverteilung, wobei dieses Krankheitsbild häufig bei Kindern auftritt: 0,5% der Kinder weisen einen Urinreflux auf.

Nierensteine als wichtige Verursacher von Nierenschmerzen treten bei 4% der Bevölkerung in Deutschland auf. Vor allem zu finden sind diese bei Männern und bei 35- bis 65-Jährigen. Pro Jahr sind von 100 000 Patienten bei 400 Steine zu finden.

Nierenkrebs, eine weitere mit Nierenschmerzen einhergehende Erkrankung, betrifft ebenfalls bevorzugt Männer, vor allem im Alter von 45 bis 75 Jahren. In Deutschland kommen pro Jahr 12 000 Neuerkrankungen hinzu.


Diagnose Nierenschmerzen

Nierenschmerzen

An erster Stelle zur Auffindung der Ursache der Nierenschmerzen steht die Anamnese in Verbindung mit der körperlichen Untersuchung. Ergänzt wird dies durch eine Blut- und Urinuntersuchung sowie bildgebende Verfahren.
Im Blut bestimmt man bei Nierenschmerzen neben Entzündungsparametern (weiße Blutkörperchen, CRP) die nierenspezifischen Werte Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin. Vom Harn untersucht man Urinsediment auf Blut, Bakterien und weiße Blutkörperchen (Leukozyten), legt eine Urinkultur an und bestimmt den pH-Wert.
Zu den Bildgebungs-Verfahren, welche bei Nierenschmerzen durchgeführt werden, zählen Ultraschall der Nieren inklusive ableitender Harnwege (Sonografie), Röntgen-Aufnahme des Bauches, Ausscheidungsurographie (Röntgenaufnahme der genannten Strukturen nach Kontrastmittelgabe), Computertomographie (CT) oder alternativ Magnetresonanztomographie (MRT). Auch eine Spiegelung des Harnleiters (Ureterorenoskopie) und der Blase (Zystoskopie) dienen der Diagnostik der Nierenschmerzen.
Eine Nierenbeckenentzündung wird anhand der Entzündungswerte im Blut, der Urinuntersuchung (Bakterien- sowie Leukozytennachweis) und des Ultraschalls teils in Kombination mit einer Computertomographie diagnostiziert.
Steine findet man mittels Sonografie, Röntgenaufnahme des Bauches oder Ausscheidungsurographie.
Ein Nierentrauma diagnostiziert man am besten mit Ultraschall, Röntgen-Aufnahme, CT und Ausscheidungsurographie.
Die Diagnose Nierenkrebs stellt man hauptsächlich mit Ultraschall, Röntgenaufnahmen / CT und anhand von Laborveränderungen.
Auf Stenosen lässt sich im Ultraschall durch im Rahmen eines Harnstaus erweiterte Harnwege schließen. Ergänzend führt man bei Nierenschmerzen eine Nierenszintigraphie durch, wobei die Ausscheidungsfähigkeit der Nieren im Seitenvergleich gemessen wird. Bei Seitenunterschieden kann in Kombination mit anderen diagnostischen Verfahren auf eine Verengung geschlossen werden.
Der Diagnostik eines Harnreflux dienlich sind vor allem der Ultraschall, eine Blasenspiegelung sowie eine Miktionszystourethrourographie, wobei Kontrastmittel in die Blase gespritzt wird und vor allem die Mündungsstelle des Harnleiters sowie die Miktion beurteilt werden.
Für die Entdeckung eines Niereninfarkts werden hauptsächlich Computertomographie und Angiographie (Gefäßdarstellung) eingesetzt.

Prophylaxe

Um die Entstehung von Nierenschmerzen im Rahmen einer Nierenbeckenentzündung zu verhindern, sollte man Kälte und Luftzüge im Bereich der Blase sowie der Nieren vermeiden.

Nierenschmerzen, die durch Steine verursacht werden, kann man vorbeugen, indem man viel trinkt und wenig Salz sowie Eiweiß zu sich nimmt.

Nach einem Nierentrauma ohne direkt ersichtliche Verletzungen sollte trotzdem – auch wenn keine Nierenschmerzen vorliegen - alle 6 Monate eine Kontrolle der Nieren für einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren vorgenommen werden.

Nierenkrebs kann gegebenenfalls positiv durch die Vermeidung der genannten Risikofaktoren beeinflusst werden.

Bei Veränderungen wie Stenosen oder Harnreflux existiert keine Prophylaxe.

Der Vorbeugung eines Niereninfarkts dienlich sein kann eine Veränderung des Lebensstils, um Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) zu verhindern. Hierzu gehören Nikotinverzicht, gesunde Ernährung (mediterrane Kost), wenig Alkohol, Gewichtsnormalisierung und körperliche Bewegung.

Prognose

Nierenschmerzen

Die Prognose für den Verlauf von Nierenschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung.

Unkomplizierte Nierenbeckenentzündungen heilen unter antibiotischer Therapie in der Regel ohne Schäden aus.

Steine als Verursacher von Nierenschmerzen gehen in 75% der Fälle spontan ohne ärztliche Maßnahmen ab. Ein Rezidiv tritt jedoch bei 50 bis 100% der Patienten auf.

Liegt ein Nierentrauma als Ursache der Nierenschmerzen vor, ist bei 15% der Fälle eine Entfernung der Niere (Nephrektomie) von Nöten.

Die Prognose von Nierenkrebs hängt vom Stadium des Tumors ab. Bestehen noch keine Metastasen (Tochtergeschwulste), liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 65%. Ist der Tumor hingegen bereits metastasiert, verschlechtert sich die Prognose.

Stenotische Veränderungen können in der Regel durch die Operation geheilt werden; die Prognose ist gut.

Bei angeborenem Harnrückfluss ist eine Rückbildung bis zum 10. Lebensjahr ohne ärztlichen Eingriff möglich.

Nach einem Niereninfarkt liegt die 5-Jahresfunktionalität bei 70 bis 85%, ersichtlich an einem normalen Blutdruck, da dieser von den Nieren beeinflusst wird. Darunter versteht man, dass sich bei 70 bis 85% der Patienten mit einem Niereninfarkt nach 5 Jahren der Blutdruck normalisiert, was ein Zeichen für eine adäquate Nierenfunktion darstellt.

Zusammenfassung

Bei Nierenschmerzen handelt es sich um Flankenschmerzen, in der seitlichen Bauchregion lokalisierte Schmerzempfindungen. Ihre Ursache ist meist in krankhaften Veränderungen der Nieren oder der ableitenden Harnwege zu finden. Dazu gehören Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), Nieren oder Harnleitersteine (Nephrolithiasis, Ureterolithiasis), Nierentrauma, Nierenkrebs, Verengungen der Abflusswege (Stenose) mit nachfolgendem Harnstau, Harnrückfluss (Reflux) oder Niereninfarkt durch Verschlüsse der Nierengefäße. Nierenschmerzen können jedoch auch unabhängig von der Nieren und den Harnwegen, beispielsweise durch muskuläre Veränderungen, Bandscheibenvorfälle oder Gürtelrose (Herpes zoster), entstehen.

Diagnostisch wegweisend für die Ursache von Nierenschmerzen sind neben Anamnese und körperlicher Untersuchung die Bestimmung bestimmter Laborparameter (Nierenwerte, Entzündungswerte), die Untersuchung des Urins, Ultraschall der Nieren und der Blase (Sonographie) sowie weitere bildgebende Verfahren (Computertomographie, Ausscheidungsurographie, Blasenspiegelung, Harnleiterspiegelung).

Therapiert wird je nach Grunderkrankung entweder konservativ oder operativ: Nierenbeckenentzündungen werden in der Regel antibiotisch behandelt, Steine bei fehlendem Spontanabgang zertrümmert und Traumata, Krebs, Stenosen sowie Reflux meist operativ versorgt. Ein Niereninfarkt wird mittels Gefäßdilatation therapiert oder ebenfalls operiert.

Die Prognose für den weiteren Verlauf von Nierenschmerzen hängt von der verursachenden Krankheit ab.

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Weitere Informationen

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Eine Übersicht aller Themen aus dem Bereich der inneren Medizin finden Sie unter Innere Medizin A-Z

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012