Inhalt:
O - Beine
Synonyme im weitesten Sinne
Medizinisch: Genu varum
Englisch: bowleg, out knee, genu varum
siehe auch: X- Beine
Definition
Die O - Beine zählen zu den Achsenfehlstellungen. Dies sind Abweichungen von der normalen Achse. O- Beine zeichnen sich dadurch aus, dass die Achsabweichung der Beine jeweils seitlich nach außen gerichtet ist. Von vorne betrachtet entsteht durch die Deformität der Eindruck eines „O“.
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Besonderheit
Das O- Bein im Säuglings- und Neugeborenenalter gehört zur normalen Entwicklung. Bleibt in der darauf folgenden Entwicklungszeit die Aufrichtung des Körpers aus, so bleiben auch die O- förmigen Beine bestehen. Jedoch besteht bei kindlichen O- Beinen eine hohe Spontankorrekturrate.
Zusammenfassung
O - Beine sind Abweichungen der normalen geraden Beinachse nach seitlich außen. O-Beine können sowohl angeboren, als auch erworben sein. Vor Allem bei Neugeborenen und Säuglingen sind O- Beine völlig normal und bilden sich spontan zurück.
Erworben können unter anderem Traumata sein. Beschwerden sind unter anderem Schmerzen, Diese werden meist durch eine Arthrose und eine ungleichmäßige Abnutzung des Kniegelenks hervorgerufen. Tritt das O-Bein nur einseitig auf, so kann sich als Ausgleich, den der Körper vollziehen will auch eine Verkrümmung der Wirbelsäule ausbilden.
Die Therapie orientiert sich an den Ursachen und kann von der Behandlung der zugrunde liegenden Grunderkrankung bis hin zur Operation reichen. Je nach Schweregrad der Erkrankung muss letztendlich zur Methode der operativen Therapie gegriffen werden. Diese Fälle gehen mit einer guten Prognose einher.
Die Patienten müssen sich allerdings streng an die Anweisung des Arztes hinsichtlich der erlaubten Belastung halten.
Ursachen
O-Beine können sowohl angeboren (s.o.), als auch erworben sein.
Angeborene O-Beine:
Zu Beginn eines jeden Lebens (bis Ende 2. Lebensjahr) sind O-Beine völlig normal und bilden sich mit der Zeit zurück. Auch bei angeborenen Bindegewebsschwächen oder Systemerkrankungen kommen O-Beine als Symptome vor.
Erworbene O- Beine:
1. Erworbene O- Beine können Symptome verschiedener Grunderkrankungen sein:
- Rachitis (Vitamin D-Mangel)
- Hormonstörungen
- Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) nach den Wechseljahren
- Überlastung (beispielsweise durch Übergewicht)
- Entzündungen
- Tumor
2. Fehlwachstum
3. Nach einem Trauma (also nach Knochenbrüchen)
4. Auch bei Lähmungen könne O-Beine entstehen, wenn durch einen asymmetrischen Muskelzug die Wachstumsrichtung geändert wird.
Symptome
Allgemein gesprochen treten in erster Linie Schmerzen auf. Durch die Fehlstellung der Beine kommt es zu einer ständigen Fehlbelastung des Knies.
Im Falle der O-Beine wird vor allem die Innenseite der Kniegelenke belastet. Dies führt zu einem vermehrten und vor allem zu einem frühen Verschleiß des Kniegelenks auf der inneren Seite.
Hier leiden vor allem der Meniskus (bes. der Innenmeniskus) und der Knorpel. Nicht nur im Kniegelenk stellen sich Probleme ein.
Auch Knick-Senk–Füße können sich ausbilden. Auch dieser dient der Kompensation, also dem Ausgleich, der Fehlstellung der Beine. Der Fuss knickt nach außen weg, sodass die Innenseite des Fußes zu weit nach unten zeigt. Bei der klinischen Untersuchung des Kniegelenks können Zug- und Druckschmerzen vor allem des Außenbandes und typische Symptome einer Arthrose (Gelenkerguss, Reiben im Kniegelenk, Bewegungs- und Belastungsschmerz) festgestellt werden.
Liegt das so genannte Genu varum nur einseitig vor, so kann dies über einen Beckenschiefstand zu einer seitlichen Schiefstellung der Wirbelsäule kommen, um den Beckenschiefstand wieder auszugleichen.
Kinder müssen wegen diesen Deformitäten einem Arzt (am besten Facharzt für Orthopädie) vorgestellt werden.
Diagnose
Die Diagnose wird in ausgeprägten Formen selbstverständlich klinisch gestellt. Hier ist von außen ohne Probleme die Fehlstellung gut zu erkennen.
Bei leichteren Formen kann die Röntgenaufnahme hilfreich sein. Hier werden der Oberschenkelknochen, das Kniegelenk bis zum Sprunggelenk in einer so genannten Achsenaufnahme geröntgt.
Um das Ausmaß der Deformierung objektiv festzuhalten, wird eine imaginäre Linie vom Schenkelhals des Oberschenkelknochens durch das Kniegelenk bis zum Sprunggelenk gezogen.
Im Normalfall geht diese Linie mitten durch das Kniegelenk. Bei O-Beinen trifft diese Verbindungslinie das Kniegelenk zu weit innen, also zum anderen Bein hin. Eine weitere Dignosemöglichkeit besteht durch eine Laufanalyse
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Therapie
Da sich O-Beine im Kleinkindesalter noch „auswachsen“, ist hier keine Therapie nötig. Der Verlauf muss allerdings beobachtet werden. Diese Kontrollen müssen durch reproduzierbare Messwerte objektiv vergleichbar sein. Hierzu dienen unter anderem die Fotodokumentation, Umrisszeichnungen, Messungen der Knieabstände bei zusammenstehenden Füßen oder auch durch wiederholtes Röntgen.
Liegt bei den Betroffenen ein Knickfuß zur Kompensation vor, so muss dieser auch therapiert werden. Dies geschieht meist durch eine Aufrichtung des Fußes mittels einer Schuheinlage mit erhöhtem Innenrand.
Die Mehrbelastung des Kniegelenkes, welche sich vor allem auf die Innenseite des Knies verlagert, kann durch erhöhte Sohlen im Außenbereich erzielt werden.
Operativ ist die Methode der Wahl die Osteotomie. Unter einer Osteotomie versteht man eine Durchtrennung des Knochens. Dies ist zur Durchführung der Achskorrektur notwendig. Der Knochen wird mit speziellen Knochenmeißeln und einer so genannten oszillierenden Säge in zwei Teile durchtrennt. In den nun vorhandenen Schnitt wird ein Keil eingesetzt, um die Achse der Beine zu korrigieren und somit ein wieder gerades Bein zu erzeugen.
Ein solcher Keil wird bis zur Ausheilung mit Hilfe von Platten und Schrauben fixiert. Wie ein „normaler“ Knochenbruch auch, muss die osteotomierte Stelle nun wieder zusammenwachsen. Bis zur vollen Belastbarkeit dauert dies mindestens 6 – 8 Wochen.
Eine elegantere Methode ist die sogenannte "Epiphyseodese".
Hierunter versteht man die Verödung einer Wachstumsfuge. Vorraussetzung ist jedoch, dass noch Wachstum besteht. Durch gezielte einseitige Verödung einer Wachstumsfuge, wächst das O-Bein bis zum Ende des Wachstums gerade.
Um den richtigen Zeitpunkt für die Verödung und ein korrektes Auswachsen zu erzielen muss das sogenannte Knochenalter besteimmt werden.
Aus dem Knochenalter lässt sich die Körpergröße bestimmen und der exakte Zeitpunkt der Epiphyseodes festlegen.
Weitere Informationen zur Körpergrößenbestimmung finden Sie unter: Orthopaedicum - Körpergrößenbestimmung.
Prophylaxe
Außer der Vermeidung der Grunderkrankungen oder der anderen auslösenden Faktoren kann leider die Entstehung der O-Beine nicht verhindert werden.
Prognose
Nach der OP wird meist ein Krankenhausaufenthalt von etwa 7 Tagen einberaumt. Eine teilweise Belastung des Knochens von Anfang an ist nicht nur erlaubt, sondern auch wichtig, um die Knochenstruktur zu festigen.
Nach spätestens 6 Wochen wird- je nach Röntgenbefund- das Bein dann wieder voll belastet. Um die Heilung zu beschleunigen und das Bein zu stärken sollten Krankengymnastik in Anspruch genommen werden.Viele Patienten gehen nach etwa 2 Wochen an Krücken relativ uneingeschränkt ihrem Alltag nach.
Auch Sport kann von den Patienten betrieben werden. In der ersten Zeit jedoch keine zu stark belastenden Sportarten. So bietet sich beispielsweise schwimmen an
Probleme bei O-Beinen
Langfristig führen alle hohergradigen Beinfehlstellungen, ob X-Bein oder auch O-Bein zu einem verfrühten Verschleiß des Gelenkknorpels, sodass mit zunemendem Alter mit einer Arthrose des Kniegelenkes (Kniearthrose, Gonarthrose) gerechnet werden muss. Bei den X-Beinen ist besonders das äußere Kniegelenk betroffen, während bei O-Beinen eine innere Kniearthrose zum tragen kommt.
Das Ausmaß der Arthrose hängt jedoch von weiteren Risikofaktoren wie Übergewicht, Bindegewebsschwäche, Unfall und Verletzungen etc. ab.
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